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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 1.539 mal aufgerufen
 James-Bond-007-Forum
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DanielL Offline




Beiträge: 3.700

27.02.2017 20:59
#16 RE: Bewertet: "Man lebt nur zweimal" (5) Zitat · antworten

Der größte Star des Films ist für mich die "Volcano Stage" von Ken Adam. Obwohl er in vielen vorangegangenen und nachfolgenden Filmen auch außerordentliche Sets schuf, hat er sich mit der Vulkan-Zentrale selbst übertroffen und sich ein Denkmal gesetzt. "Man lebt nur zweimal" trifft für mich mit dem Weltraumthema dabei genau den Zeitgeist. Und hier reizt man das ganze mE für Bond-Verhältnisse auch noch in einem angemessenen Rahmen aus, während man bei "Moonraker" den Bogen schließlich etwas überspannte.

Zitat von Philippe Garner, Sixties Design, The Space Age - Science Facts and Science Fiction, S. 94ff.
Der kalte Krieg war ein indirekter Krieg, er fand so weit wie möglich ohne direkte Konfrontation statt. Ausgetragen wurde er im Untergrund, in der geheimen Welt der Spionage, und - ganz offensichtlich - als ritualisierender Kampf um die Eroberung des Weltraums. (...) Die Vorstellung von einem modernen Agenten, einem neuen Technokraten, der in der Lage war, die Mächte des Bösen im Zaum zu halten, fand ihre Entsprechung in der Figur des James Bond. (...) Die technischen Spezialeffekte spielten in den Bond-Filmen eine immer wichtigere Rolle. Obwohl sie in einem gewissen Widerspruch zu den Originalromanen standen, kamen sie bei den Kinobesuchern gut an, da diese für Symbolik und den Statuswert von technisch ausgereiften Maschinen hochempfänglich waren. Die Gegenspieler Bonds waren oft vom Osten protegierte, größenwahnsinnige Einzelgänger. Sie bewohnten futuristische Fantasiebehausungen (...). Der Szenenbildner Ken Adam hatte seine Finger am Puls der Zeit. Die von ihm entworfenen Interieurs, die keinen Wunsch offen ließen, entsprachen dem Traum der sechziger Jahre. Der Wettlauf um die Eroberung des Weltraums hatte Mitte der sechziger Jahre enorme Auswirkungen auf das allgemeine Bewusstsein der Menschen und damit auf Mode, Stil und Design.



Zusammen mit der grandiosen Musik von John Barry und den beeindruckenden weiteren Schauplätzen immer wieder ein Vergnügen!

Gruß,
Daniel

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.427

26.11.2017 12:45
#17 RE: Bewertet: "Man lebt nur zweimal" (5) Zitat · antworten



BEWERTET: "Man lebt nur zweimal" (You only live twice) (Großbritannien 1967)
mit: Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Tetsuro Tamba, Mie Hama, Teru Shimada, Karin Dor, Donald Pleasence, Bernard Lee, Lois Maxwell, Charles Gray, Desmond Llewelyn, Ronald Rich, Tsai Chin, David Bauer u.a. | Drehbuch: Roald Dahl nach dem Roman von Ian Fleming | Regie: Lewis Gilbert

Die USA und die Sowjetunion kämpfen jeweils um die Vorherrschaft im Weltraum und schicken benannte Raumschiffe ins All, um ihre Stärke zu untermauern. Als ein unbekanntes Raumfahrzeug zunächst eine amerikanische und dann eine russische Raumkapsel entführt, beschuldigen sich die Großmächte gegenseitig der Täterschaft. Offensichtlich zieht jemand im Hintergrund die Fäden, um einen atomaren Konflikt zu provozieren. Die Briten glauben, dass die Operation von Japan aus gelenkt wird und schicken deshalb ihren Geheimagenten 007 dorthin, wo er mit dem Chef des japanischen Geheimdienstes, Tiger Tanaka, Kontakt aufnimmt. Osato, der Chef eines Chemiekonzerns, scheint in den Diensten der mysteriösen Verbrecherorganisation zu stehen, weshalb sich Bond dort gründlich umsieht. Mehr als einmal läuft er dabei Gefahr, liquidiert zu werden, besonders von Nr. 11, einer attraktiven Mitarbeiterin von SPECTRE....

James Bond, der unverwundbare Geheimagent Ihrer Majestät (in der Realität wohnte Königin Elizabeth II. höchstpersönlich der Filmpremiere in London bei) navigiert erfolgreich zwischen den Welten, diesmal reicht sein potentielles Einsatzgebiet sogar bis in die unendlichen Weiten des Universums. Sein britisches Understatement würzt er mit einem Charme, den er lässig aus den Ärmeln seiner Maßanzüge schüttelt, wobei er sich über nichts mehr zu amüsieren scheint als über die unglaubliche Berechenbarkeit seiner Umgebung. Frauen finden ihn anziehend, Männer geraten bei seinem Anblick in Rage - sei es aus Neid oder wegen seiner gefährlichen Entschlossenheit, seinen Auftrag um jeden Preis auszuführen. Der Weg zu dem großen Unbekannten führt über mehrere Helfer der mittleren Führungsebene, deren Beweggründe selten erläutert werden. Ob die Solidarität und Loyalität zum Boss nun aus finanziellen oder ideologischen Gründen erfolgt, ist einerlei. Gerade die weiblichen Mitglieder der Organisation finden oft ein grausames und abschreckendes Ende, wobei man sich nicht lange mit Bedauern aufhält. Die nahtlose Aneinanderreihung von Spionagearbeit, tödlichen Kämpfen und erotischen Intermezzi unterstreicht die Wendigkeit von Bond, der mit wenig Worten auskommt, weil seine Taten für ihn sprechen. Im Grunde ist er ein Angestellter, der einen Auftrag ausführt - nur in einem weitaus glamouröseren und abwechslungsreicheren Umfeld als jenem des Durchschnittsbürgers. Ein modernes Märchen für Erwachsene, die Bond um seine technischen Spielzeuge beneiden, selbst jedoch kaum einen Nagel in die Wand bekommen. Jedes Mal wartet man gespannt darauf, welche Superautos und versteckten Waffen 007 diesmal benutzen wird. Ob zu Land, auf See oder in der Luft - die Kombination aus schnellen und schnittigen Verkehrsmitteln lässt das Herz höher schlagen als die spärlichen zwischenmenschlichen Kontakte, die sich meist auf Tarnen und Töten beschränken. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. So wie die kollegiale Partnerschaft mit Tanaka, der über den selben trockenen Humor verfügt wie sein europäischer Gast.



Sean Connery verkörpert den Agenten routiniert, wobei sich alle Personen oft den Weiten der Landschaft und den utopischen Kulissen beugen müssen. Der beeindruckende Weltraumbahnhof im Schlund eines erloschenen Vulkans lässt die handelnden Personen winzig wirken und wie Marionetten einer im Verborgenen lauernden Spinne agieren. Donald Pleasence schmückt sich mit den Attributen des Exzentrikers, wobei es klug ist, ihn über lange Zeit nur in seinem Sessel sitzend zu zeigen. Er erlangt dadurch eine unheimliche Aura, die ein Hüne wie Gert Fröbe als "Goldfinger" allein durch seine Präsenz besitzt - man denke an den Schreckensmoment, als er im Präsidenten-Jet den Vorhang zur Seite reißt und sich dem verblüfften Bond präsentiert. Neben den beiden einheimischen Bondgirls gibt es mit der Deutschen Karin Dor einen Gaststar, der keine halbe Stunde anwesend ist. Ihre roten Haare wirken zunächst ungewohnt, sind aber dem Umstand geschuldet, sie optisch von ihren Kolleginnen abzuheben und sie innerhalb der Organisation zu isolieren. Welche Motive brachten sie zu SPECTRE? Wie kommt eine (Ost-?)Deutsche in den Dunstkreis eines Gangsters, der zusammen mit den Chinesen die Weltherrschaft an sich reißen will? Karin Dor gibt sich unterkühlt und unnahbar. Sie zeigt, dass sie die Rolle hochkonzentriert und korrekt meistern und dabei keinen Fehler machen möchte. Vielleicht liegt gerade hier das Manko ihres Auftritts: ihre Persönlichkeit bleibt auf der Strecke. Besonders treffend lassen sich die Szenen mit Sean Connery mit jenen vergleichen, die sie in "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" mit Lex Barker absolvierte. Der rasche Wechsel zwischen charmanter Umgarnung und skrupelloser Täuschung gelingt ihr bei Bond nicht: sie bleibt immer angespannt und man hat das Gefühl, dass aus ihrem großen internationalen Auftritt bei weitem nicht alles herausgeholt wurde. Die Synchronstimme von Ute Marin verleiht ihr Härte und betont die Fremdheit, die das Publikum verspürt. Man möchte gern mehr über Helga Brandt erfahren, doch sie ist nur ein Rädchen im Getriebe und Werkzeug eines Mannes ohne Skrupel, der weder Abfertigungen, noch Renten ausbezahlt.

Ins Ohr des deutschen Publikums dringen mit den Stimmen von Gert Günther Hoffmann, Maria Körber, Wolfgang Büttner, Beate Hasenau, Hans Hinrich, Siegfried Schürenberg, Werner Peters, Claus Biederstaedt und Friedrich Schoenfelder vertraute Klänge. Um die Traditionen Japans zu würdigen, zeigt man dem Zuschauer nicht nur die kampfstarken Ninjas, sondern auch Zeremonien in Landestracht. Die Exotik drängt den Geheimagenten stellenweise in den Hintergrund, wobei anzumerken ist, dass ihm die Verkleidung als Asiate nicht besonders überzeugend zu Gesicht steht. In gewohntem Fahrwasser verläuft die Handlung in den Verfolgungsszenen mit den klassischen Utensilien wie Sportwagen und Fluggeräten. Die Weltraumatmosphäre empfinde ich als reizvoll, gerade auch in den Momenten der Unfähigkeit bzw. Hilflosigkeit des obersten Militärs, das tatenlos zusehen muss, wie seine Astronauten im wahrsten Sinne des Wortes verschluckt werden. Es sind die Augenblicke der größenwahnsinnigen Ideen, die den Bondfilmen ihre Faszination verleihen. Das Unmögliche wagen, das Establishment herausfordern, nach todbringender Macht greifen und die Menschheit an den Rande der Zerstörung zu bringen - diese Ziele seiner Gegner treiben James Bond zu Höchstleistungen an und sorgen für kurzweilige Unterhaltung.

Der kalte Krieg zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion liefert einmal mehr den Hintergrund für finstere Intrigen und ein Vabanquespiel eines unsichtbaren Dritten. James Bond übt sich im Land des Lächelns zeitweise in Zurückhaltung, weil er der Tarnung verpflichtet ist, was seine Figur in den Hintergrund treten lässt und die Handlung unnötig dehnt. Im furiosen Finale kann Bond dann wieder auf gewohntem Terrain agieren und seine Talente unter Beweis stellen. 4 von 5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 860

26.11.2017 13:05
#18 RE: Bewertet: "Man lebt nur zweimal" (5) Zitat · antworten

Vielen Dank für die ausführliche Besprechung! Du als noch nicht ganz so erfahrener Bond-Gucker hast nochmal eine ganz andere Perspektive auf so einen Film als jemand, der alle Filme mindestens schon 2-3 Mal gesehen hat.

Was den Auftritt Karin Dors betrifft, kann ich dir nur zustimmen. Aus der deutschen (Krimi-Wellen-)Brille betrachtet fällt er etwas enttäuschend aus. Dor wirkt sehr fremd, was zum einen durch die ungewohnte Haarfarbe, zum anderen durch die fremde Synchronstimme vermittelt wird. Dazu kommt noch die ungewohnte Rolle und der Umstand, dass sich diese britische Produktion, für die Karin Dor nur eine von vielen ist, für das deutsche Publikum und seine Erwartungshaltung sie betreffend zu wenig Zeit nimmt, die Figur zu entwickeln und ihre Hintergründe zu erläutern, warum "Miss Krimi" nun auf einmal zu den "Bösen" gehört. Bei "Zimmer 13" z.B. wurde ja hinten raus lang und breit das "Warum" ausgeführt. Eine aus hiesiger Sicht wesentlich "passendere" Rolle hatte Dor für meine Begriffe in dem Eurospy "Der Mann mit den tausend Masken" an der Seite von Paul Hubschmid. Dort spielt sie eine verbündete CIA-Agentin, darf ihren Charme spielen lassen, aber auch durchaus tatkräftig mitmischen.

Trotzdem hat ihr kurzer Auftritt einige Momente, die aus "Bond-Universums-Sicht" in Erinnerung bleiben, so natürlich vor allem ihr Tod durch die Piranhas.

Der Film selbst war so ziemlich die positivste Überraschung bei meiner diesjährigen Gesamtsichtung und ist daher in meinem Ranking deutlich nach oben geklettert.

greaves Offline




Beiträge: 332

26.11.2017 14:29
#19 RE: Bewertet: "Man lebt nur zweimal" (5) Zitat · antworten

Ich habe letzte Woche angefangen mir die 007 Filme chronologisch anzuschauen. (Alle auf blu Ray besorgt)im Moment bin ich bei Diamantenfieber angelangt..Man lebt nur zweimal..ist für mich von den bisherigen 7 Filmen die ich mir zu Gemüte geführt habe auf Platz 4.VOR Goldfinger.
Was mir sehr gut gefällt ist der Soundtrack zum Film.

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