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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 1.015 mal aufgerufen
 Giallo Forum
StefanK Offline



Beiträge: 889

07.10.2004 23:06
Sieben Jungfrauen für den Teufel (1968) Zitat · antworten

Hinter diesem reisserischen Titel verbirgt sich ein sehr guter italienischer Thriller aus dem Jahre 1967 von Regisseur Antonio Margheriti (a.k.a. Anthony M. Dawson). In Deutschland lief der Film seit seiner Aufführung im Kino weder im TV, noch wurde er auf Video veröffentlicht. Das Label X-Rated hat den Film jetzt in sehr guter Bildqualität auf DVD veröffentlicht. In einem Satz zusammengefasst geht es um einen geheimnisvollen Mörder, der die Anzahl der Schülerinnen eines Mädchenpensionats reduziert ;-) . Den Film kann man einerseits als Vorläufer der Gialloserie sehen, andererseits kann man ihn aber auch durchaus Wallacefans empfehlen, da einige typische Wallaceelemente vorhanden sind. Gaaaanz entfernt erinnert der Film ein wenig an den zweiten Mönch Wallace.

Georg Offline




Beiträge: 2.731

03.10.2011 20:25
#2 Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Nude... si muore
(wörtlich: Nackt ... stirbt man!, dt. Kinotitel: Sieben Jungfrauen für den Teufel)
Italien 1967

St. Hilda ist ein international anerkanntes und renommiertes Internat. Geleitet wird es von Miss Tranfield (in der dt. Synchro: Mrs. Transfield), die die besten Lehrkräfte für ihre internationalen Schülerinnen verpflichtet hat. Als Frau Clay, eine neue Lehrerin eintrifft, beginnt eine unheimliche Mordserie, bei der ein Mädchen nach dem anderen dran glauben muss...

Dieser italienische Kriminalfilm von Antonio Margherti, der diesen Namen als Drehbuchautor verwendet, als Regisseur jedoch wie üblich unter Anthony Dawson im Vorspann gelistet wird, erinnert tatsächlich besonders an den 2. Wallace-Mönch-Film. Ein Internat, junge Mädchen und zahlreiche Morde! Sogar die Farbgebung und die Nachtaufnahmen erinnern an "Der Mönch mit der Peitsche". Ein weiteres Kuriosum: die Internatsleiterin wird von Tilly Lauenstein synchronisiert!
Margheriti liefert mit dem Film, bei dem weder der deutsche und schon gar nicht der italienische Titel angemessen ist (von nackter Haut so gut wie keine Spur!), einen ganz typischen Mitte-60er-Krimi ab. Nicht so unheimlich wie Margheritis Schocker "Sieben Tote in den Augen der Katze" und eher ein klassischer Kriminalfilm, der in schwarz/weiß sicher noch besser wirken würde. Für Krimifans aber allemal interessant. Gelungen auch der Soundtrack von Carlo Savina sowie die Besetzung der Rollen. Auch ein interessanter Querverweis zur Katze: der Kutscher in der "Katze" (Luciano Pigozzi) spielt den Chaffeur des Internats! Und er spielt hier eine ähnliche Rolle wie Konrad Georg im "Mönch" und muss dafür auch mit dem Leben bezahlen.
Die deutsche Synchro ist in Ordnung. Mir liegt die italienische DVD vor, die neben der italienischen Tonspur auch die deutsche enthält und außerdem 2 deutsche (!!) Trailer, Plaketmotive und ein sehr interessantes Exklusivinterview mit Antonio Margherits Sohn Edoardo (allerdings auf Italienisch!). Darin erzählt er unter anderem, dass Margerithi das Genre "Thriller" nicht besonders mochte, weil er kein Blut sehen wollte/ konnte. :-)
Und für die ganz Schnellen und Interessierten: bei dem Stapel an ital. Gialli, die ich aus Italien bestellt habe, habe ich irrtümlich 2 DVDs von "Nude ... si muore" geordert und würde eine (Ton: italienisch/ deutsch) originalverpackt günstig abgeben. Bei Interesse PM an mich!
Spoiler: Die Auflösung erinnert ebenfalls an den "Mönch": der Killer tötet andere Mädchen, um vom waren Motiv abzulenken: ein Mädchen darf nicht 18 werden! Und dass der Killer am Beginn die echte Person umbringt, um in deren Rolle zu schlüpfen, hat Margerithi noch mal in "Sieben Tote in den Augen der Katze" verwendet.

Regie: Antonio Margheriti (als Anthony Dawson), Buch: Antonio Margheriti, Giovanni Simonelli (angeblich nach einer Story von Mario Bava), Musik: Carlo Savina, Kamera: Fausto Zuccoli, Produktion: Nino Masini
Mit Mark Damon, Eleonora Brown, Sally Smith, Patrizia Valturri, Michael Rennie und anderen




P.S.: Bitte ins Giallo- Forum verschieben!

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

04.10.2011 12:28
#3 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

soweit ich mich erinnere enthält doch die x-rated-dvd sowohl farb- als auch s/w-fassung... sehr zu empfehlen!!

Georg Offline




Beiträge: 2.731

04.10.2011 16:17
#4 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

... die deutsche DVD ist aber scheinbar nicht mehr erhältlich und wird bei amazon um 44 Euro gehandelt ...

Interessant ist auch das Bonusinterview mit Antonio Margheritis Sohn Edoardo: darin erzählt er, dass Margheriti seinen Nachnamen nach seinem ersten Film für die internationale Version ins Englische übersetzte (dt. Margeriten = ital. margheriti = engl. daisies) und sich Anthony Daisies nannte. Der amerik. Verleiher fand, dass Margeriten
zu "damenhaft" klingen und machte aus "Daisies" den ähnlich klingenden Namen "Dawson".

Gubanov Offline




Beiträge: 14.098

04.10.2011 19:36
#5 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Die X-Rated-DVD ist im OFDb-Shop noch für 18,98 Euro zu haben. Wesentlich günstiger als bei Amazon, aber natürlich kein Vergleich mit dem italienischen Schnäppchen.

Grabert Offline



Beiträge: 245

21.01.2012 12:21
#6 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Der Film erinnert sehr an den "Mönch mit der Peitsche", wie Georg schon richtig hervorhebt. Ich stimme mit ihm auch darin überein, dass er in Schwarz-Weiß noch mehr Atmosphäre bekommen hätte. Interessanterweise ist ja auch einer der beiden deutschsprachigen Trailer in Schwarz-Weiß und da erkennt man ansatzweise, dass der Film "farblos" an stilistischer Qualität gewonnen hätte. Er ist aber auch so ein sehenswerter Krimi, wenn gleich sein Finale nur wenig Überraschungen parat hält. Immerhin spielt der Film mit dem "Amorethema" etwas, insofern der Ermittler und die hübsche Darstellerin sich augenzwinkernd nicht "finden".

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

21.01.2012 20:05
#7 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Auf der DVD ist die komplette damals in Deutschland gelaufene Schwarz-Weiß-Fassung enthalten. Nicht nur ein Trailer.

Georg Offline




Beiträge: 2.731

21.01.2012 20:39
#8 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Grabert spricht wohl von der ital. DVD, die ich oben auch besprochen habe. Darauf sind zwei deutsche Trailer und ein Interview mit Margheritis Sohn.

Grabert Offline



Beiträge: 245

24.01.2012 17:35
#9 RE: Bewertet: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Italien 1967) Zitat · antworten

Ja, Georg hat völlig recht. Ich sah die italienische DVD-Fassung. Aber es ist für mich ein interessanter Hinweis, dass die deutsche Kinofassung in schwarz-weiß erschien. Es bestätigt meine Meinung zur atmosphärischen Option des Films.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.098

12.09.2013 00:17
#10 RE: Sieben Jungfrauen für den Teufel (1968) Zitat · antworten

„Sieben Jungfrauen für den Teufel“ belegt mit 52,80 von 70 Punkten Platz 24 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 3,77 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er keine Top-Ten-Nominierung.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 5
mit 54,60 Punkten auf Platz 23 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 50,40 Punkten auf Platz 27 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 54,60 Punkten auf Platz 21 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 53,20 Punkten auf Platz 24 in der Kategorie Darsteller
mit 50,40 Punkten auf Platz 28 in der Kategorie Musik
mit 53,20 Punkten auf Platz 22 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 53,20 Punkten auf Platz 23 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

Prisma Offline




Beiträge: 7.442

12.01.2014 23:44
#11 RE: Sieben Jungfrauen für den Teufel (1968) Zitat · antworten



SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL / NUDE... SI MUORE (1968)

mit Mark Damon, Eleonora Brown, Sally Smith, Patrizia Valturri, Ludmila Lvova, Alan Collins, Sylvia Dionisio und Michael Rennie
eine Produktion der BGA | Super International Pictures | im Inter Verleih
ein Film von Antonio Margheriti





»Ich denke auch ein Laie kann erkennen ob jemand erdrosselt wurde«


Das St. Hilda College ist ein Mädchenpensionat für gehobene Gesellschaftsschichten, wo sich die besten Lehrkräfte in aller Abgelegenheit um die internationalen Schülerinnen kümmern können. Als eines Tages neue Lehrer im Pensionat eintreffen, kommt es gleichzeitig zu einer erschütternden Mordserie, bei der ein Mädchen nach dem anderen dran glauben muss. Besteht ein Zusammenhang mit den fremden Lehrern? Die Polizei rund um Inspektor Durand (Michael Rennie) tappt jedenfalls vollkommen im Dunkeln und es scheint kein Motiv für die Morde zu geben. In der Zwischenzeit schlägt das Phantom erneut zu...

Antonio Margheritis "Sieben Jungfrauen für den Teufel" kann man als eine Art Light-Giallo bezeichnen, der zwar nicht hemmungslos an den Nerven zerren, und explizite Szenen am Fließband liefern wird, dafür aber durch seine grundsolide Aufmachung überzeugen kann. Der Einstieg geschieht überaus klassisch mit dem Mord in der Badewanne und dem Wegschleppen der Leiche in einem großen Koffer, bis man sich auch schnellstens am eigentlichen Ort des Geschehens wiederfinden wird. Die Mädchenpensionat-Thematik findet ja stets mein Gefallen, und hier punktet der Film ohnehin schon durch seine satte Farbgestaltung und das stimmungsvoll wirkende Ambiente. Dass es diesem Beitrag im Endeffekt an Vehemenz fehlt, ist der Tatsache geschuldet, dass viele Inhalte einfach weichgespült wurden, was dem Film allerdings letztlich auch ein eigenständig-interessantes Profil verleihen wird. Die Auflockerung geschieht hauptsächlich über ausgleichenden Humor, für den vornehmlich ein Mädchen des Colleges zuständig ist (und mich persönlich einige Nerven gekostet hat), die Atmosphäre wird durch gediegenen Grusel dominiert, anstelle von exzessiver Gewalt. Der Plot wirkt altbekannt und ich sehe "Sieben Jungfrauen für den Teufel" ebenfalls als eine Art Alternative zwischen "Der Mönch mit der Peitsche" und "Sieben Tote in den Augen der Katze". Eigenartig bei diesem Giallo bleibt allerdings, dass man nach kürzester Zeit unbedingt weiß, wohin die Reise gehen wird, auch ohne großartig im Genre bewandert zu sein. Dem Empfinden nach liegen Mörder und selbst Motiv greifbar auf einem Silbertablett, was hier komischerweise gar nicht einmal so schadet wie befürchtet.

Um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, leistet die hochwertige Inszenierung starke Schützenhilfe. Wenig Dialog-lastig, zaubert die überzeugende Musik von Carlo Savina in überlangen Sequenzen immer wieder Spannung herbei, die eindringlichen Bilder pendeln zwischen Ästhetik und dosiertem Schock hin und her, und die Personen des Szenarios versuchen nach Kräften, dem Ganzen einen heiter bis wolkigen Tenor einzuhauchen. Bis auf einige Ausnahmen, leistet die für meine Begriffe augenscheinlich eher unscheinbare Besetzung sehr gute Arbeit. Besonders ein charmanter Mark Damon, ein sachlicher Michael Rennie, ein schmieriger Alan Collins unbedingt, und natürlich auch Sylvia Dionisio fürs Auge, fallen sehr positiv auf, wobei auch der Rest der Crew durchaus zu gefallen weiß. Die Typisierungen sind sehr gut und klar aufgebaut worden, einige krude Anstriche dürfen im Ambiente Mädchenpensionat natürlich auch nicht fehlen, doch leider verpufft dieser klare Aufbau irgendwie im Nirgendwo, da die Vorhersehbarkeit das Regiment mit eiserner Hand führt. Im Endeffekt ist das der einzig wirkliche Kritikpunkt an diesem sonst so ausgewogenen und solide inszeniertem Film. Der Weg zum Finale ist abwechslungsreich dargestellt, und mit viel Kopfnicken gespickt, die erwartete Auflösung ist aufgrund einer recht packenden Inszenierung trotzdem noch einigermaßen gelungen. Unterm Strich bleibt ein sehr ansprechender Beitrag von Margheriti, aber ein Giallo, der bei seinen Grundvoraussetzungen zwar alle Kapazitäten optimal genutzt hat, dennoch der Konkurrenz deutlich hinterher läuft, und im Rahmen der Mädchenpensionats-Beiträge ganz klar das Nachsehen hat.

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