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Dieses Thema hat 118 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

20.08.2014 22:10
#91 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Das verjährte Geheimnis (The Days Dwindle Down)

Episode 65 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Michael Lynch. Drehbuch: Philip Gerson. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Richard Beymer, June Havoc, Art Hindle, Jeffrey Lynn, Harry Morgan, Martha Scott, Susan Strasberg u.a. Erstsendung (USA): 19. April 1987. Erstsendung (BRD, RTL): 2. Januar 1991.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Das verjährte Geheimnis
Ein Hotelaufenthalt bringt Jessica mit Georgia Wilson zusammen, die die Autorin bittet, ein 30 Jahre zurückliegendes Verbrechen zu untersuchen, für das ihr Mann gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Damals beging dessen Arbeitgeber Selbstmord, der aber von der Polizei für Mord gehalten wurde. Oder war es tatsächlich Mord? Wenn ja, so ist Jessica überzeugt, muss der Täter ein anderer sein. Doch wer von den damals Beteiligten sagt heute die Wahrheit?


Dieser Episode liegt eine der kuriosesten Fortsetzungsstorys in der Film- und Fernsehgeschichte zugrunde. 1949 wurde der Film Noir „Strange Bargain“ über einen in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Angestellten, der seinem Boss für 10‘000 Dollar bei dessen Selbstmord hilft, damit dieser wie Mord aussieht und von der Lebensversicherung für die Familie abgedeckt wird, produziert. Wer nun „Das verjährte Geheimnis“ gesehen hat, wird diesen Plot sofort wiedererkennen: Es ist der gleiche wie in der „Mord ist ihr Hobby“-Episode! Diese wurde quasi als Sequel zu dem damaligen Film gedreht, sodass Jessica Fletcher die Gelegenheit erhielt, 38 Jahre später (in der Folge wird von 30 Jahren gesprochen) noch einmal Licht in das Dunkel zu bringen und eine alternative Lösung zu der 1949 gefundenen vorzustellen.

Vom künstlerischen Standpunkt ist besonders bemerkenswert, wie Regisseur Michael J. Lynch Szenen aus dem damaligen Film in die neue Episode als Rückblenden einbaute und wie drei der Hauptrollen – Jeffrey Lynn und Martha Scott als Ehepaar auf der Suche nach der Wahrheit sowie Harry Morgan als mittlerweile pensionierter Lieutenant – ihre Auftritte nach so langer Zeit noch einmal aufgreifen. Man hat zudem zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Serienfolge sich dem Original gegenüber respektvoll und originalgetreu verhält.

Von Anfang an zieht die rückblendenbasierte Handlung den Zuschauer in ihren Bann. Weitere Schwerpunkte werden z.B. mit dem Anschlag auf Jessica geschaffen, der sehr schön gefilmt und so geschnitten wurde, dass sie zunächst wirklich den Anschein einer Verwundung oder sogar Tötung der Autorin hervorruft. Die Szene hebt sich außerdem lobenswert hervor, weil sie das wichtige Beweisstück der Waffe und der daraus abgefeuerten Kugel in ein neues Licht rückt, was sich zu einem interessanten Verknüpfungspunkt zwischen den beiden Zeitebenen entwickelt. Wenn man der Folge unbedingt etwas ankreiden will, dann den Umstand, dass das Wiederbeschaffen der entsorgten Pistole eher konstruiert wirkt.

Von Anfang bis Ende stimmige und elegante Episode mit historischen Bezügen, die auf interessante Weise zeigt, wie sich die Charaktere eines fast 40 Jahre alten Films weiterentwickelt haben könnten. Die Geschichte von 1949 hat ihre Faszination nicht verloren und bietet ein lohnendes Schlachtfeld für J.B. Fletcher. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

20.08.2014 22:30
#92 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Das Geheimnis des gedemütigten Liebhabers (Murder, She Spoke)

Episode 66 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Anthony Shaw. Drehbuch: Si Rose. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie William Atherton, G.W. Bailey, Michael Callan, Michael Cole, Charlie Daniels, Jonna Lee, Fredric Lehne, Wendy Phillips, Constance Towers, Patrick Wayne u.a. Erstsendung (USA): 10. Mai 1987. Erstsendung (BRD, RTL): 17. Mai 1991.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Das Geheimnis des gedemütigten Liebhabers
In dem Tonstudio, in dem Jessica gerade eine Hörbuchfassung eines ihrer Romane aufnimmt, wird während eines Stromausfalls ein Mord begangen. Zum Opfer fällt dem der streitbare Regisseur Randy Witworth. Mehrere Leute hätten ein Mordmotiv, z.B. eine gehörnte Country-Band oder ein bei einem Unfall mit Witworth erblindeter Produzent. Für die Polizei stellt sich außerdem die Frage, ob ein Blinder im Dunkel eines Hauses ohne Strom nicht sogar die besten Karten als Mörder gehabt hätte ...


Nur zu wenigen Gelegenheiten verlässt die Kamera das Studiogebäude. Das hilft, der Folge mit dem erneut ziemlich missratenen Titel „Das Geheimnis des gedemütigten Liebhabers“ ein prägnantes Äußeres zu verleihen, weil das Tonstudio einen zwar nicht unbedingt schönen, aber ausgefallenen und prägnanten Schauplatz für Mord und Ermittlungen hergibt. Dass die Folge ganz in dieser Atmosphäre aufgeht, merkt man auch dem einfallsreichen Originaltitel an, der den Seriennamen leicht variiert und aus „Murder, She Wrote“ kurzerhand „Murder, She Spoke“ macht. Eine spannende Nebenbeobachtung: Das Einsprechen von Hörbüchern diente anno 1987 in Amerika offenbar nicht der Unterhaltung bei Haushaltsarbeiten oder Autofahrten, sondern wurde konkret als wohltätige Unterhaltungsleistung für Blinde angesehen.

Der konventionelle Mord erhält durch das nicht augenblickliche Ableben des Opfers sowie durch den bissigen Lieutenant mit seinen stereotypen Vorstellungen von harten männlichen Cops und kanasterspielenden Hausfrauen, die nur Krimis schreiben, um ihre Langeweile zu vertreiben, eine kurzweilige Verpackung. Auch für die Idee, die Stromausfälle, die zu völliger Dunkelheit führen, mit einem Blinden zu kombinieren, gebührt Scriptwriter Si Rose Lob. Eine Rüge fängt er sich dagegen für die sehr überkandidelte Lösung ein, die sicher nicht gerade als naheliegend oder realistisch bezeichnet werden kann, aber immerhin für ein paar interessant eingefärbte Szenen sorgt ...

Während es spannend ist, Jessicas Roman und die Geschichte des blinden Greg Dalton sowie seiner Frau Nancy zu verfolgen, fehlt der Nebenhandlung um die Country-Band und deren Raubkopien-Problem ein wenig der Biss. Hier hätte ebenso wie bei Witworths zur Seite gedrängter Ehefrau noch mehr Potenzial freigesetzt werden können, um „Das Geheimnis des gedemütigten Liebhabers“ zu einer noch beeindruckenderen Folge zu machen. Die Grundlagen dazu wären ohne Zweifel vorhanden gewesen!

Nur für kurze Zeit tappt Jessica sprichwörtlich im Dunkeln. Dann erweist sie sich wieder als gewohnt findig und stellt sich obendrein als Expertin für teure Nagellacke heraus. Der Fall um den Mord an Randy Witworth wird gelungen umgesetzt, hätte aber noch weitere Asse aus dem Ärmel ziehen können. 4 von 5 Punkten für einen Mord, bei dem der Blinde der König der Sehenden zu sein scheint.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

20.08.2014 22:35
#93 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Es ist schon kurios, wie sich ein schnell wiedererkennbares Strickmuster etabliert hat und „Mord ist ihr Hobby“ dennoch vielseitig bleibt wie eh und je. Jessica Fletcher hat es unterdessen geschafft, zu einer meiner absoluten Lieblingsermittlerinnen aufzusteigen. Das betrifft sowohl Fälle, die in ihrer vertrauten Umgebung Cabot Cove spielen, als auch solche, die in Großstädten oder auf Reisen angesiedelt sind. Lediglich die – um es vorsichtig auszudrücken – nicht unbedingt optimale Bildqualität der Universal-DVDs, die sicher auch an der Verwendung der unrestaurierten und zu dunklen deutschen Bildmaster liegt, ist ein kleiner Wermutstropfen beim Genießen der stimmigen, meist sehr ausgeklügelt aufgebauten Mordrätsel.

Platz 01 | ★★★★★ | Episode 057 | Killer per Telefon
Platz 02 | ★★★★★ | Episode 056 | Eine Leiche erster Klasse

Platz 03 | ★★★★☆ | Episode 065 | Das verjährte Geheimnis
Platz 04 | ★★★★☆ | Episode 061 | Der Akt des Todes
Platz 05 | ★★★★☆ | Episode 063 | Erpresse keinen Erpresser

Platz 06 | ★★★★★ | Episode 060 | Eiskalt im Ring
Platz 07 | ★★★★★ | Episode 066 | Das Geheimnis des gedemütigten Liebhabers
Platz 08 | ★★★★★ | Episode 064 | Jessica räumt auf

Platz 09 | ★★★☆★ | Episode 058 | Freunde in der Not
Platz 10 | ★★★☆★ | Episode 059 | Der Tote im Sender
Platz 11 | ★★★☆★ | Episode 062 | Ein mörderisches Wiedersehen

Die dazugehörigen DVDs:

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.109

30.08.2014 14:59
#94 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten

Mir hat "Mord ist ihr Hobby" schon immer sehr viel Vergnügen bereitet. Meinem Herzen am nächsten sind die Folgen, die in Cabot Cove spielen, weil die dort agierenden, wiederkehrenden Personen so liebevoll charakterisiert werden.

Am meisten fasziniert mich das wunderbare Zusammenspiel zwischen Angela Lansbury als Jessica Fletcher und William Windom als Dr. Seth Hazlitt.

Hier eine kleine, von mir gestaltete Hommage an die Beiden:

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

06.05.2015 11:30
#95 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten

Nachdem ich mir Cora Anns Video unvorsichtigerweise wieder einmal angesehen habe, hat mich das doch gleich wieder in die richtige Stimmung für ein paar Folgen „Murder, She Wrote“ versetzt ...

Staffel 4 (Teil 1)



Mord ist ihr Hobby: Der zwielichtige Monsieur Maxim (A Fashionable Way to Die)

Episode 67 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Nick Havinga. Drehbuch: Donald Ross. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Lee Bergere, Bill Beyers, Danielle Brisebois, Randi Brooks, Taina Elg, Juliet Prowse, Barbara Rush, Fritz Weaver u.a. Erstsendung (USA): 20. September 1987. Erstsendung (BRD): 3. Oktober 1991.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Der zwielichtige Monsieur Maxim
Paris feiert einen neuen Stern am Modehimmel. Was die Öffentlichkeit nicht weiß: Die amerikanische Designerin Eva Taylor hat sich dem äußerst geschäftstüchtigen Erpresser Maxim Soury verschrieben. Als dieser während der Premieren-Modenschau erschossen wird, gerät zunächst Eva in Verdacht. Ihr Alibi, zur Tatzeit hinter der Bühne gewesen zu sein, kann zwar von den Models bestätigt werden – doch wer weiß, ob sie im Tohuwabohu nichts übersehen haben?


Schon in den vorherigen Staffeln unterlief Jessica zunehmend eine Verwandlung, die aus der patenten Landfrau eine auf großem Fuß lebende Weltenbummlerin machte. Sicher sind ihre weit verzweigten Bekanntenkreise sowie ihr zunehmender Ruhm als Schriftstellerin daran nicht ganz unschuldig. Doch wer meint, dass Frau Fletcher sich mittlerweile auf dem Parkett der haute couture so gut auskennt wie in den Nebenstraßen von Vorgärten von Cabot Cove, der trifft in „Der zwielichtige Monsieur Maxim“ recht spät auf eine überraschend zurückhaltende Angela Lansbury, die inmitten wehender Umhänge und paillettenbesetzter Abendkleider mit ihrer Schluppenbluse in Rosé doch etwas altjüngferlich daherkommt. Aber sie ist damit in guter Gesellschaft, denn der gesamten Episode gelingt es leider nicht sonderlich überzeugend, die Stimmung der mondänen Pariser Modebranche authentisch einzufangen. Zu amerikanisch wirkt das Personal, zu 80er-Jahre-lastig die Kollektion unter dem (nicht ’mal französischen) Namen „The Taylored Look“. Da helfen auch Aufnahmen am Eiffelturm nur ein Stückweit weiter.

Auch wenn die Episode noch Spielraum in Bezug auf ihr Flair hat, so fallen Mord, Ermittlungen und Aufklärung doch sehr zufriedenstellend aus. Die Inspektorenfigur Panassie bricht mit den Klischees zuvorkommender und höflicher Europäer, indem sie vor Selbstverliebtheit nur so strotzt und hauptsächlich in der dritten Person von sich spricht. Man könnte es fast als einen Wink in Richtung Hercule Poirot deuten, wenn wir nicht alle wüssten, dass Poirot äußerst ungehalten reagiert, wenn er für einen Franzosen gehalten wird ...

Die Untersuchungen gestalten sich vor allem deshalb temporeich, weil die Folge viel Zeit auf die Einleitung und die mehrfachen Auflösungen verwendet. Eigentlich eine gute Idee – problematisch ist nur, dass trotz ausgiebiger Exposition der so zentrale Charakter des Mordopfers relativ blass bleibt. Da er es in der deutschen Namensgebung sogar in den Titel schafft, hätte man von Maxim Soury durchaus eine stärkere diabolische Strahlkraft nach Art eines erlauchten Agatha-Christie-Schurken erwartet. Seine Tätigkeit ähnelt schließlich ganz frappierend der von Madame Giselle in „Tod in den Wolken“, die ja trotz ihres schnellen Ablebens recht plastisch und vor allem sehr bösartig erscheint.

Um etwas ausgeglichener zu wirken, hätte „Der zwielichtige Monsieur Maxim“ die Vorzüge seiner Kriminalgeschichte mit interessanteren Opfer- und Täterrollen sowie einem glaubwürdigeren Schauplatz untermauern sollen. Als Auftaktfolge verspricht der Fall aber auch im vierten Serienjahr wieder knifflige und unterhaltsame Stunden an der Seite von J.B. Fletcher. Wohlwollende 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

06.05.2015 18:30
#96 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Mord ohne Vorsatz (When Thieves Fall out)

Episode 68 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Seymour Robbie. Drehbuch: Arthur David Weingarten. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Tom Bosley, John Glover, Michael Lembeck, Kenneth McMillan, Caitlin O’Heaney, John Bennett Perry, Dack Rambo, Shelley Smith u.a. Erstsendung (USA): 27. September 1987. Erstsendung (BRD): 27. April 1993.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Mord ohne Vorsatz
Andrew Durbin hat 20 Jahre für Mord im Gefängnis gesessen. Nach seiner Entlassung kommt er an den Tatort Cabot Cove zurück, um dort nach dem Mann zu suchen, der tatsächlich für das Verbrechen verantwortlich war, das ihm zur Last gelegt wurde. Jessica beginnt sich für den Fall zu interessieren und gelangt zu der Erkenntnis, dass einige gute Bekannte ihr Verschiedenes verschwiegen haben. Noch bevor sie Durbin helfen kann, geschieht ein weiterer Mord!


Wenn Ex-Knacki Durbin bedrohliche Sätze zwischen den Zähnen hervorpresst und von einer nachträglichen Gerechtigkeit wie von dem Tag des Jüngsten Gerichts spricht, hilft dies nicht gerade dabei, ihn vor den Augen von Sheriff Tupper oder des Publikums als harmlosen Zeitgenossen darzustellen. Da erscheint es etwas deplatziert, ihn mit der „halben Portion“ John Glover zu besetzen, während der bullige Michael Lembeck an den Filmrollstuhl gefesselt ist. Die Casting-Verantwortlichen hätten gut daran getan, die Rollen dieser beiden Darsteller zu tauschen und darüber hinaus die allzu großen optischen Ähnlichkeiten mit mehreren Nebenfiguren der Handlung zu vermeiden. Oder ist es nur ein ungeschulter Blick aus dem Jahr 2015, der so einige der föhnfrisierten Männer nicht ganz sauber voneinander trennen kann?

Seymour Robbie stellt erneut unter Beweis, dass er gut mit düsteren Bildern operieren kann. Ein großer Teil der Episode spielt sich in Nachtszenen, abgedunkelten Räumen oder immerhin im verbildlichten Halbschatten eines Zweifels ab, der immer dann auftritt, wenn Jessica auf einmal den Menschen um sich herum kein Vertrauen mehr schenken kann. Passend zu dieser Stimmung endet die Folge nachdenklich und mit der unschönen Gewissheit, dass jemand 20 lange Jahre zu Unrecht im Gefängnis verbringen musste.

Weniger ansprechend die ausgewählten Drehorte, die den malerischen Kleinstadtcharakter von Cabot Cove kaum zum Ausdruck bringen. In Verbindung mit der Abwesenheit eines Vertrauten wie Dr. Hazlitt und des eher schablonenhaften Einsatzes von Amos Tupper muss dem eigentlich recht erfahrenen Serienautor Arthur Weingarten der Vorwurf gemacht werden, bei seinen ersten „Mord ist ihr Hobby“-Schritten eher stolpernd unterwegs gewesen zu sein. Das schlägt sich auch in dem Umstand nieder, dass die Figuren wenig Mitleid oder Interesse erregen und die Tat, wie sie am Ende geschildert wird, eher notdürftig mit der Persönlichkeit des Mörders zusammenpasst. Leider bietet Weingarten auch kaum Ausschmückung, um diese zentralen Abstriche geflissentlich übersehen zu können.

Man kennt schon bessere Fälle aus Jessicas Heimat. Mit „Mord ohne Vorsatz“ entstand eine solide, aber etwas blutarme Folge, die den großen Pluspunkt eines Verbrechens in der Vergangenheit eher notdürftig ausnutzt und glaubwürdig, aber nicht optimal besetzt ist. 3 von 5 Punkten.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.109

06.05.2015 21:34
#97 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #95
Nachdem ich mir Cora Anns Video unvorsichtigerweise wieder einmal angesehen habe, hat mich das doch gleich wieder in die richtige Stimmung für ein paar Folgen „Murder, She Wrote“ versetzt ...

Dann hat es ja genau den richtigen Zweck erfüllt.

Mir gefällt Fritz Weaver, den ich generell sehr gern sehe, ausgezeichnet in seiner Rolle als Inspektor Panassie in "Der zwielichtige Monsieur Maxim". Es ist eine wahre Freude, diesem selbstverliebten Herrn, der mit schöner Regelmäßigkeit die falschen Personen in Gewahrsam nimmt, zuzusehen. Einfach köstlich, wenn er gegenüber Jessica Fletcher seinen "Charme" spielen lässt und ihr durch die Blume andeutet, mit ihr an die Riviera reisen zu wollen, dabei ist er noch nicht einmal bereit, ihren Anteil am Abendessen ebenfalls zu begleichen.

Seine grenzenlose Egozentrik weckt natürlich Assoziationen an den Belgier mit den "kleinen grauen Zellen", aber es findet sich auch ein Querverweis auf Sherlock Holmes, den Fritz Weaver übrigens 1965 am Broadway in dem Musical "Baker Street" verkörpert hat, wenn Pannassie in völliger Selbstüberschätzung von sich selbst als Sherlock Holmes spricht, während er Jessica Fletcher als seinen Dr. Watson sieht. Überdies verwendet er im Original Holmes' berühmte Redewendung: "The game is afoot."

"Das ganze ist eine Sache der Vorstellungskraft. Phantasie."
(Heinz Drache in "Der Hexer")

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

06.05.2015 22:15
#98 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten

Danke für die Ergänzung bzgl. der Sherlock-Holmes-Parallelen. Weiter geht es mit einem Gegenspieler, der dir sicher auch gefallen haben dürfte:



Mord ist ihr Hobby: Jessica im Zeugenstand (Witness for the Defense)

Episode 69 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Seymour Robbie. Drehbuch: Robert E. Swanson. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Christopher Allport, Richard Cox, Stefan Gierasch, Marilyn Hassett, Simon Jones, Dianne Kay, Patrick McGoohan, Juliet Mills, Claire Trevor u.a. Erstsendung (USA): 4. Oktober 1987. Erstsendung (BRD): 2. März 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Jessica im Zeugenstand
J.B. Fletcher soll in Quebec vor Gericht aussagen: Ihr Freund, der Schriftsteller Jim Harlan, ist des Mordes an seiner Ehefrau angeklagt. Zunächst als Zeugin der Verteidigung angedacht, wechselt Jessica nach einem Zwist mit Jims Verteidiger die Seiten zur Staatsanwaltschaft. Doch sie hat es deshalb keineswegs darauf abgesehen, Jims Kopf rollen zu sehen. Es muss einen geschickteren Weg geben, den Verdächtigen herauszubekommen, als ihn Anwalt Quayle eingeschlagen hat!


Dass der Originaltitel gewitzt nach dem Vorbild von „Witness for the Prosecution“ gewählt wurde, ist nicht der einzige gelungene Scherz, den sich Robert E. Swanson in dieser Folge erlaubte. Sie lebt vor allem von der äußerst unterhaltsamen Auseinandersetzung, die Jessica mit dem eitlen Anwalt führt. Dieser lässt seinen Schneider an seinem Anzug herumfriemeln, während er der Dame aus Maine die Ehre einer Audienz gewährt; er schätzt Jessicas kriminalistische Begabung im Vergleich zu seiner eigenen gering ein; und er diskreditiert sie sogar vor Gericht. Wer könnte diesen Kotzbrocken besser spielen als der immer wieder fantastische Patrick McGoohan, der auch schon bei „Columbo“ mehrfach eine Bank für exzentrische Schurken war? Im vorliegenden Fall unterstüzt die schneidige Stimme Jürgen Thormanns den Eindruck.

Und gleichsam demonstriert Swanson über den Anwalt seine Kenntnis der Serie. Zum Kringeln ist vor allem die Szene, in der Quayle Jessica mit den Häufungen von Verdachtsmomente gegen ihre Familienmitglieder konfrontiert: „Steht die Tatsache nicht fest, Mrs. Fletcher“, beginnt Quayle die Anklage innerhalb der Anklage, „dass eine Nichte von Ihnen, Victoria Griffin, letztes Jahr wegen Mordes verhaftet wurde? Und steht nicht auch fest, dass eine andere Nichte, Tracy McGill, ebenso wegen Mordes verhaftet wurde? Und dass Ihr Neffe, Grady Fletcher, verhaftet wurde – nicht einmal, sondern zweimal –, weil er unter Mordverdacht stand? Mir scheint, dass eine der angesehendsten Familien Neuenglands eine Brutstätte für mordlustige Wahnsinnige ist!“ Sowohl Angela Lansbury als auch Patrick McGoohan ist die Spielfreude an den überspitzten Dialogen und dem intellektuellen Hahnenkampf deutlich anzumerken, sodass auch Jessicas Rolle diesmal deutlich mehr hergibt als in den beiden vorherigen Episoden.

Der Fall ist solide aufgebaut. Angenehm die Abwechslung in der Struktur, weil das Verbrechen in einer Rückblende vorgestellt wird, anstatt die Handlung mit einem überlangen Vorspiel zu belasten. Wenn man „Jessica im Zeugenstand“ etwas ankreiden will, dann kann es sich nur um die einigermaßen austauschbare Klärung der Ereignisse sowie den Umstand handeln, dass das Mordopfer die deutlich interessantere Persönlichkeit aufweist als der Angeklagte. Marilyn Hassett bleibt als Patricia Harlan nach nur einer Szene mühelos in Erinnerung, während Christopher Allports Figur – wie so viele Bekannte Jessicas – ein bisschen zu brav gerät.

Als Zuschauer, der ganz auf der Seite von Mrs. Fletcher steht, kann man ihren Kampf gegen die Borniertheit des kanadischen Anwalts in Gestalt Patrick McGoohans ausgiebig genießen. Mit 4,5 von 5 Punkten dürfte der Qualität des dominierenden Zusammenspiels Rechnung getragen sein, während der Fall ein wenig hinter den humoristischen Elementen zurücksteht, aber im Großen und Ganzen überzeugt. Für Abwechslung zwischen Gerichtsszenen und eigenständigen Ermittlungen der Krimiautorin wurde vorbildlich gesorgt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

07.05.2015 14:20
#99 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Spur in die Vergangenheit (Old Habits Die Hard)

Episode 70 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: John Llewellyn Moxey. Drehbuch: Chris Manheim. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Eileen Brennan, Cindy Fisher, Clu Gulager, Evelyn Keyes, Mark Keyloun, Ed Nelson, Scott Paulin, Jane Powell, Robert Prosky, Audrey Totter u.a. Erstsendung (USA): 11. Oktober 1987. Erstsendung (BRD): 24. Februar 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Spur in die Vergangenheit
Jessica weilt bei einer alten Bekannten in einem Nonnenkloster. Es entgeht ihr nicht, dass in den heiligen Gemäuern so manches Geheimnis gehütet wird. Und darum erregt es ihren Verdacht, als eine Nonne tot aufgefunden wird. Die Kirche will einen Skandal vermeiden und nimmt sogar die Behauptung eines sündigen Selbstmords in Kauf, um keine Mordermittlungen dulden zu müssen. Gut, dass Jessica verschwiegen und zugleich gewieft genug ist, um sich ihren Weg durch ein Dickicht an Falschaussagen, eine düstere Gruft und einen vergessenen Geheimgang zu bahnen ...


Ein Schelm, wer bei dieser hochgelungenen Kloster-Geschichte an „Das Geheimnis der weißen Nonne“ denkt! Aus unerfindlichen Gründen überrascht es nicht, Jessica als gute Vertraute der Mutter Oberin zu sehen, die sich in einem Mordfall taktvoll selbst über einen hohen Kirchenvertreter hinwegsetzt. Dabei kreierte John Llewellyn Moxey eine ausdauernd durchgehaltene sakrale Stimmung, die die Vorfälle (trotz eines offenbar als comic relief angedachten Nonnentrios, das sich jedoch dezent im Hintergrund hält) weniger amüsant oder leichtherzig wirken lässt als in anderen Folgen und „Spur in die Vergangenheit“ damit zu einer der besonders atmosphärischen, teils sogar unheimlichen Episode macht. Vor allem die Szene, in der Jessica in der dunklen Gruft überfallen wird, hebt sich lobenswert hervor.

In Nonnenrollen sieht man unter anderem die Hollywood-Altstars Jane Powell und Audrey Totter. Dies ist in beiden Fällen aus unterschiedlichen Gründen bemerkenswert: Für Totter war ihr Auftritt in „Spur in die Vergangenheit“ im Alter von knapp 70 Jahren die letzte Rolle, auch wenn sie erst Ende 2013 an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Der Körper der Schauspielerin, die vor allem durch Film Noirs wie „Im Netz der Leidenschaften“ und „Die Dame im See“ bekannt geworden war, wurde – sehr unnonnenhaft – zu Forschungszwecken an das medizinische Institut der Universität von Kalifornien übergeben, mit dessen Dekan sie über 40 Jahre verheiratet war. Und auch Jane Powells Eheverhalten verdient eine Erwähnung, leistete sich die „Mutter Oberin“ doch in der Realität die eher unchristliche Anzahl von fünf Ehen.

In einer kleineren Rolle als nicht gerade wortkarge Frau des Bürgermeisters sieht man Eileen Brennan, die sich aus dem mehr als zehn Jahre zurückliegenden Filmvergnügen „Eine Leiche zum Dessert“ ihre bodenständige, etwas abgehalfterte Art bewahrt hat. – Wer zwischen den Ordenstrachten die Übersicht nicht verliert, erhält mit „Spur in die Vergangenheit“ einen Krimi, der mit allen liebenswürdigen Kleinigkeiten aufwartet, die man sich von einem Traditionskrimi wünscht. Mit bewusster Selbstverständlichkeit wurden Geheimgänge, ein Giftmord und die Herzenslast einer jungen Nonne in spe zu einem sehenswerten Konglomerat der unterdrückten Wahrheiten und Gefühle verarbeitet.

Was Jessica Fletcher ausmacht, ist ihre Weltoffenheit. Nichts läge der Frau mit den guten Beziehungen in sonderbare Milieus und dem großen Hang zum Reisen ferner, als sich in die drückende Enge eines Klosters zu verabschieden. Aber als Abwechslung für eine Folge ist es genau der richtige Rahmen – stilvoll, altmodisch und natürlich vorurteilsbehaftet in den Annahmen der Kirchenoberen. Hier kommt Jessicas kluger Durchblick gerade recht! 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

07.05.2015 17:45
#100 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Tödliche Party (The Way to Dusty Death)

Episode 71 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Nick Havinga. Drehbuch: Philip Gerson. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Joanna Barnes, Richard Beymer, Lynn Carlin, Nancy Dussault, Jenilee Harrison, Richard Jaeckel, Andrea Marcovicci, Sandy McPeak, Joanna Pettet, Lawrence Pressman, Ray Walston, Cornel Wilde u.a. Erstsendung (USA): 25. Oktober 1987. Erstsendung (BRD): 29. September 1991.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Tödliche Party
Wie die Geier hatten sie seinen Tod bereits erwartet: Als Firmenchef Duncan Barnett stirbt, stehen gleich drei Bewerber für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Barnett Industries auf der Matte. Jessica, die einen Posten im Aufsichtsrat bekleidet, steht vor der Frage, woran der Unternehmer überhaupt starb. War es Digitalis oder ein Stromschlag? War es ein Unfall oder Mord? Indem sie die Kandidaten für die neue Stellung genauer unter die Lupe nimmt, findet sie die Wahrheit über das Ableben ihres Vorgängers heraus ...


In der männerdominierten Wirtschaftswelt verdeutlichen zynische Machtspielchen und stetig ausgeübter Erfolgsdruck die Einflussnahme der Kompromisslosen. Zu dieser Gruppe zählt auch Duncan Barnett, der ganz sicher keines der bedauernswerteren Opfer der Serie darstellt, auch wenn er vom altbekannten Cornel Wilde (ebenfalls in seiner letzten Rolle) verkörpert wird. Barnett führt seine Neider und Konkurrenten an der Nase herum und studiert noch während des Zubettgehens Aktienkurse und Wirtschaftsnachrichten. Im Kontrast dazu steht seine schöngeistige Frau, die ganz in der Gartenarbeit aufgeht, freundschaftlichen Plausch mit Jessica abhält und der Damentoilette den freundlichen Beinamen „powder room“ verleiht. Einzig die Krimiautorin schafft einen Spagat, fühlt sich dabei aber merklich unwohl auf der Mitgliederversammlung, auf der ihr Vorschlag, eine Schweigeminute für den Toten einzulegen, abgelehnt wird, weil er nicht auf der Tagesordnung stehe.

Nick Havinga leistet eine solide Arbeit, die aber keine außergewöhnlichen Akzente setzt. Einzig in „Der zwielichtige Monsieur Maxim“ schien er ein Stückweit um solche bemüht zu sein, was sein baldiges Verschwinden aus dem Drehstab nach nur vier Episoden (alle im Jahr 1987) verschmerzbar macht. Freilich erhält er hier auch weniger Spielraum für Extravaganzen, ist die Handlung doch sehr stark auf den Landsitz der Barnetts und die Geschäftszentrale ihres Konzerns fokussiert.

Interessant gestaltet sich die Einbindung eines Wahrsagers, der zu Beginn das Auftauchen einer willensstarken Frau andeutet (wer das wohl sein wird?). Mithilfe dieser Sequenzen, in denen der Zuschauer die Dynamik in der Ehe der McCormacks kennenlernt, wird eine etwas zu offensichtliche falsche Spur gelegt, sodass damit zwei eigentlich gut geeignete Verdächtige von Vornherein für die Täterschaft ausgeschlossen werden können. Das ist eine ungewöhnliche Vorgehensweise und vielleicht der übergroßen Anzahl an Charakteren geschuldet, die man in „Tödliche Party“ überblicken muss.

Es ist sicher nicht allzu schwer zu erraten, dass Jessica hier nicht mit einem bloßen Unfall konfrontiert wird. Die Geschichte, die mit ein wenig gutem Willen als eine moderne Interpretation von Shakespeares „Macbeth“ durchgeht, wurde routiniert, aber ein wenig lustlos umgesetzt. Cornel Wildes Figur bewegt sich etwas unentschlossen auf halber Strecke zwischen Widerling und altem Freund und hätte besser ausgearbeitet werden sollen. 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.075

08.05.2015 09:45
#101 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Ein tödliches Wiedersehen (It Runs in the Family) [Buchstützen-Episode]

Episode 72 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Walter Grauman. Drehbuch: Peter S. Fischer. Mit: Angela Lansbury als Emma McGill sowie John David Bland, Mark Lindsay Chapman, Christopher Hewett, Richard Johnson, Jane Leeves, Rosemary Murphy, Anthony Newley, Carolyn Seymour, John Standing u.a. Erstsendung (USA): 1. November 1987. Erstsendung (BRD): 30. März 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Ein tödliches Wiedersehen
Jahrzehntelang hat Emma McGill nichts mehr von ihrer Jugendliebe Geoffrey Constable gehört, der mittlerweile in den Adelsstand erhoben worden ist. Weil es um Geoffreys Gesundheit nicht zum Besten bestellt ist, bricht Emma aus London zu seinem Landsitz auf. Tatsächlich kann sie neue Lebensgeister in ihrem alten Weggefährten wecken – aber nur kurzzeitig. Dann kommt es, wie es kommen muss: Geoffrey stirbt vor Emmas Augen, und es stellt sich heraus, dass Strychnin im Hering war, den sie zubereitet hatte!


Auch wenn Angela Lansbury in „Ein tödliches Wiedersehen“ keine kleinere Rolle als üblich spielt, gilt diese Folge doch als Buchstützen-Episode, weil Jessica Fletcher keinen einzigen persönlichen Auftritt hat, sondern Lansbury hier erneut (und diesmal ausschließlich) in der Rolle ihrer Cousine Emma McGill zu sehen ist – bekannt aus „Das Ende einer Karriere“, #27. Kleine Hinweise auf die amerikanische Verwandtschaft gibt es trotzdem; so verweist Emma in einem Gespräch mit dem Inspektor auf die kriminalistisch talentierte Jessica und trägt außerdem in einer Szene eines ihrer Bücher unter dem Arm.

Der Kitschanteil der McGill-Rolle wurde im Vergleich zu ihrem ersten Auftritt merklich heruntergefahren. Das hat positive und negative Auswirkungen: Während Emma mit ihrem neuen Ich einer liebenswürdigen und im Umkreis der steifen Adelsfamilie erfrischend natürlichen guten Freundin dicke Pluspunkte sammelt, mag man kritisch einwenden, dass sie damit eigentlich nur noch ein etwas lockigeres und rothaariges Abziehbild von Jessica Fletcher ist. Die Notwendigkeit, Emma wieder aufleben zu lassen, wirkt herbeiargumentiert – ebenso gut hätte eine nach England reisende Jessica die Ermittlungen übernehmen können. Wahrscheinlich liegt die McGill-Wahl einfach an dem Wunsch, Lansbury von der Routine abzuhalten und ihr wieder ein wenig schauspielerische Freiheit zu gewähren.

Ähnlich wie „Das Ende einer Karriere“ spielt auch „Ein tödliches Wiedersehen“ mit Vorurteilen, die Amerikaner über die Briten hegen. Besonders wichtig in diesem Fall: das Klassenbewusstsein, das sich in verschiedenen Formen von Hochnäsigkeit bis hin zu Mordbereitschaft äußert. Tatsächlich gelingt eine einigermaßen authentische britische Stimmung, die nur an wenigen Stellen, z.B. vor der deutlich un-europäischen Kirche, aufgebrochen wird. Der Mord ist stimmungsvoll aufbereitet, die Auflösung hingegen gehört eher in die Kategorie Standardware.

Mord ist nicht nur Jessicas Hobby, sondern offenbar auch das ihrer Cousine. In der einzigen Serienepisode, in der J.B. Fletcher nicht ein einziges Mal auftritt, muss man kaum Abstriche am üblichen Serienschema machen, sodass dies eine der akzeptabelsten Buchstützen-Folgen sein dürfte. Das englische Flair ist gemütlich, der Mord gut konstruiert, doch was danach folgt, spielt sich etwas wackelig ab. Noch 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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08.05.2015 15:30
#102 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Der Ladykiller (If It’s Thursday, It Must Be Beverly)

Episode 73 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Peter Crane. Drehbuch: Wendy Graf, Lisa Stotsky. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Julie Adams, Tom Bosley, Antoinette Bower, Gloria DeHaven, Ray Girardin, Dody Goodman, Kathryn Grayson, Rick Lenz, Ruth Roman, William Windom u.a. Erstsendung (USA): 8. November 1987. Erstsendung (BRD): 9. Oktober 1991.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Der Ladykiller
Weil jeder in Cabot Cove um den schlechten Stand der Ehe zwischen Hilfssheriff Jonathan Martin und seiner Frau Audrey weiß, gerät der Gatte rasch in den Verdacht, für den Tod seiner Frau verantwortlich zu sein, der nur im ersten Moment wie ein Selbstmord aussieht. Nach und nach entdecken Jessica und Amos Tupper, welche pikanten Geheimnisse sich in Martins Privatleben und in dem diverser angesehener Frauen aus dem Ort verbergen. Der gehörnte Ehemann war ein echter Ladykiller! Und plötzlich hat halb Cabot Cove ein Motiv ...


Peter Crane gibt seinen Schwanengesang und gestaltet diesen so illuster wie die meisten anderen seiner Inszenierungen. Der Zbynek Brynych unter den „Mord ist ihr Hobby“-Regisseuren setzte stets auf überbordenden Humor und unkonventionelle Ideen. So auch hier: In „Der Ladykiller“ wird sich in teils haarsträubend komischen Enthüllungen über die Prüderie in der amerikanischen Pampa lustig gemacht. Angela Lansbury trommelte zu diesem Zweck einige Weggefährtinnen zusammen, die gleich zu Beginn in einer Szene im Frisörsalon, dem offiziellen Klatsch-Hub der Küstenstadt, auf die exzentrische Spielhandlung einstimmen. Immer wieder verlaufen die Strähnen – pardon: Fäden in Richtung des Salons und von dort aus zu den verschiedenen „Damen“, die aus Einsamkeit, Neugier oder dem Wunsch, sich oder anderen etwas zu beweisen, eine Affäre mit Johnathan Martin anfingen. Und völlig fassungslos gibt sich Amos Tupper über die schrittweisen Aufklärungen, wer denn nun auch noch die Nächte mit seinem Hilfssheriff verbrachte. Jessica kommt ihm diesmal gerade recht: „Ich wäre froh, wenn Sie die Sache hier leiten“, gesteht der Ordnungshüter. „Ich glaube, ich bin zu schüchtern dazu.“

Überspitzt und doch meist nicht so hoffnungslos übertrieben wie manch andere Crane-Inszenierung, gestaltet sich der Verlauf der Ermittlungen höchst unterhaltsam. Wenn der Regisseur hier und da ein wenig daneben greift (wie etwa in der Szene, in der Jessica auf einmal panische Angst vor Martin bekommt, als dieser sie in ihrer Wohnung anflirtet), so sind dies lediglich Ausnahmen zwischen gut gelungenen Szenen. Rick Lenz passt bestens in die Rolle des Womanizers in einer hinterwäldlerischen Stadt wie Cabot Cove; Ex-Hitchcock-Hauptdarstellerin Ruth Roman liefert als lästernde und gänzlich indiskrete Frisörin ein kleines Meisterstück ab. Da macht es am Ende nur wenig aus, wenn man die Auflösung recht einfach vorausahnen kann, weil sie diesmal ausnahmsweise nicht das wichtigste Element des Falles ist und dementsprechend in ihrer nur leise angedeuteten Tragik auch ein wenig aus der sonst so heiteren Grundstimmung herausfällt. Immerhin ist das Motiv für die Tat eine angenehme Abwechslung und schlägt einen zusammenfassenden Bogen bis in die erste Szene der Folge.

„Die Woche hat nicht nur zwei Tage“ – diese eigentlich ganz harmlose Feststellung Jessicas bringt die Enthüllungen in „Der Ladykiller“ erst richtig ins Rollen. Eine vergnügliche Sause aus Cabot Cove mit gut aufgelegten Gastdarstellern und einem passenden Sujet zur Verabschiedung des ausgefallenen Regisseurs Peter Crane. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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11.05.2015 18:05
#103 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Jessica und die Bombe (Steal Me a Story)

Episode 74 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: John Llewellyn Moxey. Drehbuch: Peter S. Fischer. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Vincent Baggetta, Bradford Dillman, Fionnula Flanagan, Lenore Kasdorf, Yaphet Kotto, Doug McClure, Kim Miyori, Gail Strickland, Ken Swofford, Gail Youngs u.a. Erstsendung (USA): 15. November 1987. Erstsendung (BRD): 27. April 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Jessica und die Bombe
Eine junge Drehbuchautorin macht Jessica darauf aufmerksam, dass eines ihrer Bücher ohne ihre Zustimmung als unverhohlene „Inspiration“ für eine Folge einer populären Fernsehserie verwendet werden soll. Jessica besucht daraufhin das Hauptquartier des United Television Network und macht unter anderem die Bekanntschaft des unleidlichen Produzenten Sid Sharkey. Als Sharkey durch eine Bombe getötet wird, fällt der Verdacht unter anderem auch auf beide Autorinnen ...


Man möchte am liebsten die gesamte Geschichte des amerikanischen Fernsehens durchwühlen, um alle Insider-Anspielungen zu verstehen, die in „Jessica und die Bombe“ mit Sicherheit vorhanden sind. Für den aufbrausenden Sid Sharkey dürfte es wohl eine ebenso lebensechte Vorlage gegeben haben wie für den abgehalfterten Alt-Star Gary Patterson, der sich das Ausbleiben von Filmangeboten damit schönredet, dass er im Fernsehen noch Woche für Woche 10 Millionen Menschen erreichen könne. Wieder einmal zeigt sich, dass Peter S. Fischer besonders spielerisch mit dem „Mord ist ihr Hobby“-Konzept umzugehen versteht, was sich unter anderem daran zeigt, dass die lange Zeit bis zum ersten Mord durch eine anderweitige Involvierung Jessicas überbrückt wird. Damit hat sie diesmal schon Zeit, sich in der Umgebung des zukünftigen Opfers umzusehen, bevor es überhaupt zum eigentlichen Verbrechen kommt.

„Sie mögen als Autorin nicht viel taugen, aber als Bulle wären Sie ganz brauchbar“, urteilt der etwas schwierige Lieutenant Bradshaw am Ende über Jess. Dieser markige Ausspruch macht einige der Patzer vergessen, die sich die deutsche Synchronisation leistet, indem sie z.B. die Erwähnung des anno 1992 in Deutschland noch relativ unbekannten Emmy-Preises gegen den im Fernsehmilieu natürlich völlig deplatzierten Oscar austauscht oder eines von Jessicas Büchern von „Murder at the Asylum“ in „Mord im Ministerium“ (wie naheliegend!) umbenennt.

Neben Ken Swofford („Columbo: Stirb für mich“) und Doug McClure überzeugen vor allem Kim Miyori als zurückhaltende Jungautorin Gayle, die eine nett anzusehende Freundschaft mit Jessica entwickelt, sowie die undurchschaubare Fionnula Flanagan („Columbo: Selbstbildnis eines Mörders“), die mit verrückter 80er-Jahre-Dauerwelle und deutschem Rollennamen einen in Erinnerung bleibenden Auftritt als Erpresserin einlegt. Alles könnte perfekt sein, wenn nicht für J.B. Fletcher wie für Inspektor Columbo gelten würde, dass ein Fernsehstudio ein reichlich strapazierter Ort für Morduntersuchungen ist.

Der deutsche Titel wirkt grobschlächtiger als die sehr interessante Handlung, in der Lansbury eine besonders starke Position und unmittelbare Nähe zum Mordfall zugesprochen wird. Spitzen gegen die Stilblüten des eigenen Gewerbes machen vergessen, dass Jessica und ihre Detektivkollegen sich vielleicht ein wenig zu häufig in TV-Studios aufhalten. 4 von 5 Punkten – mit der Tendenz nach weiter oben.

Gubanov Offline




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13.05.2015 23:05
#104 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Ärger im Garten Eden (Trouble in Eden)

Episode 75 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Nick Havinga. Drehbuch: John D.F. Black, Paul Savage (Story: John D.F. Black). Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Macdonald Carey, Joan Caulfield, Thom Christopher, Tom Fitzsimmons, Betty Garrett, Rosanna Huffman, Tricia O’Neil, Roy Thinnes, Mills Watson, Stuart Whitman u.a. Erstsendung (USA): 22. November 1987. Erstsendung (BRD): 16. März 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Ärger im Garten Eden
In New York erfährt Jessica von ihrer Freundin Mary Rose, dass deren Schwester Charlotte unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Jessica fährt an den Ort des Geschehens, ein kleines Städtchen in Oregon, und nimmt für ihre Untersuchungen die Identität von Mary Rose an. Unter diesem Deckmantel übernimmt sie auch Charlottes Hotel – das sich als Edelbordell herausstellt. Außerdem entdeckt Jessica, dass Charlotte eine umtriebige Erpresserin war ...


Wie war das noch mit den „reizenden alten Damen“? Wenn man als Zuschauer annimmt, dass Charlotte eine ebenso harmlose und naive alte Jungfer war wie ihre Schwester Mary Rose, so kann man sich auf einige gesalzene Überraschungen gefasst machen. Die Episode zeigt erfolgreich, wie Mordermittlungen das Bild vom Opfer, das man als unwissender Betrachter mit dem Detektiv teilt, nach und nach aufdecken und geraderücken. Wendungen fürs Publikum sind gleichzeitig auch Wendungen für Jessica, die auf unterhaltsame Weise mehrfach geradezu aus den Wolken fällt.

Die Idee, die Schriftstellerin unter falscher Identität ermitteln zu lassen, ist von Zeit zu Zeit eine angenehme Abwechslung und erinnert in diesem Fall an Agatha Christies „16 Uhr 50 ab Paddington“. Allerdings verliehen die Autoren mit diesem Konstrukt sowie einigen Enthüllungen (im wahrsten Sinne des Wortes) der Folge eine gewisse unfreiwillige, verschwommene Komik, die nicht in Übereinklang mit dem sonst wohlüberlegten, pointierten Humor der Reihe steht. Dies führt dazu, dass man „Ärger im Garten Eden“ nicht recht ernst nehmen möchte – obwohl sich vom anfänglichen Mordanschlag auf Mary Rose bis hin zu Jessicas Treffen mit Charlottes Erpressungsopfern genug Möglichkeiten geboten hätten, der Handlung einen besonders spannenden Schliff zu verleihen.

Gut zu gefallen weiß das alte viktorianische Haus, in dem das Stundenhotel untergebracht ist – auch wenn Nick Havinga aus diesem Schauplatz weniger macht, als möglich gewesen wäre. Immerhin lädt der Kommentar des windschnittigen City-Anwalts, er habe sich stattdessen einen Glas- und Stahl-Wolkenkratzer vorgestellt, zum Schmunzeln über die Egozentrik der Großstädter ein. Die Gastrollen fallen solide aus, ohne das eine Leistung besonders hervorstechen würde. Schade ist, dass man Charlotte nur dem Hörensagen nach kennenlernt und auf Rückblenden verzichtet wurde, die sich in Anbetracht ihres interessanten und anscheinend ja gut verborgenen Charakters durchaus angeboten hätten.

Vielen guten Ansätzen zum Trotz ist „Ärger im Garten Eden“ eine Folge der ungenutzten Möglichkeiten. Statt auf eine Persiflierung des „Mord ist ihr Hobby“-Konzepts zu setzen, die, wenn es um Sex und Verruchtheit geht, nur allzu naheliegend ist, hätte man aus dem Fall mit düsterem Nervenkitzel mehr herausholen können. Schließlich sind die Voraussetzungen für diese Herangehensweise – ein altes Haus mit Geheimfächern, eine Abneigung der Stadtbewohner, die Geheimnisse der Erpressten, belauschte Telefonate, ein Beerdigungsinstitut bei Nacht – alle vorhanden. 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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14.05.2015 11:15
#105 RE: Mord ist ihr Hobby Zitat · antworten



Mord ist ihr Hobby: Mord mit der Indianer-Lanze (Indian Giver)

Episode 76 der TV-Kriminalserie, USA 1987. Regie: Walter Grauman. Drehbuch: Gerald K. Siegel. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Theodore Bikel, Heidi Bohay, Tom Bosley, Lonny Chapman, Jack Colvin, Gary Lockwood, Richard Paul, Jennifer Salt, Charles Siebert, Bernie White, William Windom u.a. Erstsendung (USA): 29. November 1987. Erstsendung (BRD): 23. März 1992.

Zitat von Mord ist ihr Hobby: Mord mit der Indianer-Lanze
Ein Unbekannter in einem Indianer-Outfit unterbricht jäh die städtischen Feierlichkeiten in Cabot Cove. Stumm überbringt er per Lanzenwurf ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass der Ort einst einem Indianerstamm überschrieben worden war. Wenn das wahr ist, gehören alle Gebäude den Nachkommen. Panik bricht in der Stadt aus, zumal sich der fordernde Indianer als Jurastudent George Longbow entpuppt. Auf diesen fällt auch sogleich ein böser Verdacht, als der Besitzer eines wertvollen Seegrundstücks ermordet aufgefunden wird ...


Was für eine Story, was für eine Umsetzung! Wer sagt denn, dass „Mord ist ihr Hobby“ immer leichtherzig und betulich sein muss? Was in Deutschland den etwas sperrigen Titel „Mord mit der Indianer-Lanze“ trägt, ist eine Episode, die rasant beginnt, eine bemerkenswerte Dynamik entwickelt und dabei viele Probleme anspricht, die in (amerikanischen) Kleinstädten an den Tag treten können. Am deutlichsten wendet sie sich gegen die feindselige Einstellung einiger etwas simpler gestrickter weißer Amerikaner gegen die indianische indigene Bevölkerung. In Anbetracht des unwirschen Auftretens des indianischen Vertreters sowie der lang ungenutzten Ansprüche, die er nun auf einmal ohne Angabe von Gründen stellt, mag eine anfängliche Panik nachvollziehbar sein, weil die Leute aus Cabot Cove annehmen müssen, ihre Grundstücke und Häuser zu verlieren. Doch der Selbsterhaltungstrieb einiger betroffener Männer entwickelt sich bald in die Richtung einer bedenklichen, weil gewalttätigen Selbstjustiz. Jessica wird zwar als eine der vorurteilsfreiesten Personen im Ort gezeigt, mittels mehr oder minder subtiler Stilelemente aber auch klar auf der Seite der konservativen Weißen verankert: An der Seite des Bürgermeisters singt sie „America the Beautiful“ und wird später in patent-bodenständigem Jeanslook gesichtet.

Dass „Mord mit der Indianer-Lanze“ nebenbei auch noch häusliche Gewalt und Bestechlichkeit thematisiert, ist umso erstaunlicher bei der für ein Unterhaltungsprogramm durchaus sorgfältigen, wenngleich sicher nicht ganz neutralen Aufarbeitung der Indianer-Thematik. So zeigt sich, dass „Mord ist ihr Hobby“ in einigen Momenten, in denen die Reihe über die Stereotype einer gemütlichen, altmodischen und schrulligen Krimiserie hinausgeht, durchaus auch kontroverse Akzente setzen kann, die der Entwicklung eines ungewöhnlich starken Nervenkitzels sehr zuträglich sind, weil sie Mord nicht nur als 45-minütiges Spiel, sondern als verbunden mit essenziellen Problemen der Gesellschaft porträtieren. – Besonders lobenswerte Leistungen präsentieren Bernard „Bernie“ White als streitsüchtiger Indianer-Nachkomme und Columbo-Mörder Theodore Bikel, der in „Todessymphonie“ dem Sigma-Club für Hochintelligente angehörte und hier immerhin noch einen Professor für Archäologie spielt. Ein wenig lethargisch fällt einzig William Windoms Auftritt aus, der pflichtschuldig überall dabei ist, aber selten ein nützliches Wort verliert.

Die reitende Rothaut als stummer Mahner vergangener Ungerechtigkeit sorgt in Cabot Cove für so viel Aufhebens, dass sich ein aufrüttelnder, problematisierender, kriminalistisch guter und abseits des Mordfalls sogar sehr guter Plot entwickeln kann. 5 von 5 Punkten. Hätte sich eventuell sogar für eine Langfolge geeignet.

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