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Count Villain Offline




Beiträge: 4.316

18.10.2020 10:20
#346 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Jack-O im Beitrag #344
Sondern nur noch: Ein moderner Stoff mit dem Anstrich von Wallace aber ohne dessen Geist.


Kommt natürlich darauf an, was man selbst als "Geist" von Wallace definiert. Für die einen ist es das Setting, für die anderen die Charaktere, für wieder andere die Plots.

Zitat von Jack-O im Beitrag #344
Sein ganzer Erzählgestus zielt auf ein anderes, oberflächerlicheres Publikum ab. Heute sind die Konsumenten viel anspruchsvoller und viel stärker konditioniert was (pop-)kulturelle Ware angeht.


Fragt sich wie schon gesagt nur, wie lange der Trend von gesellschaftskritischen Plots und problembeladenen, gebrochenen, (vermeintlich) vielschichtigen Figuren im Krimi noch anhält. Und was danach wohl kommt. Ich habe keine Ahnung.

Georg Offline




Beiträge: 3.107

18.10.2020 11:10
#347 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Ich glaube, dass es den meisten Wallace-Filmfans doch überhaupt nicht auf originalgetreue Wallace-Geschichten ankommt, sondern dass für das Gros Wallace = 60er-Jahre-Krimi bedeutet. Wir haben ja schon bei den 90er-Rialtos gesehen, wie groß die Begeisterung in 60er-Jahre-Fankreisen war. Und wenn es dieser Zielgruppe wirklich auf Wallace ankommen würde, dann wären auch die DVD-Verkäufe und -Besprechungen von TV-Filmen wie Der Mann, der seinen Namen änderte, Der Hexer, Der geheimnisvolle Mönch, Edgar Wallace, Der Mann vom Eaton Place viel höher. Wie viele Besprechungen dazu gibt es denn in diesem Forum? Wie viele Wallace-Fans hier haben denn diese Produktionen, die teils sehr werkgetreu sind gesehen? Wie viele interessieren sich denn hier wirklich dafür? Obwohl es Wallace ist? Und wenn, dann wurden sie nicht allzu positiv bewertet, weil sie so ganz anders sind, als die deutschen 60er-s/w-Kinokrimis, die sehr oft mit Wallace nichts mehr zu tun haben, außer der Schüsse im Vorspann. Das ist zumindest mein subjektiver Eindruck.

Ich glaube, dass eine wie auch immer (gut) gemachte Neuverfilmung der Wallace-Romane in der heutigen Zeit die Fans der alten Wallace-Kino-Krimis wenig bis gar nicht ansprechen würde
(ich nehme mich da nicht aus!) und diese Filme eher ein anderes Zielpublikum finden würden, da wir 60er-Fans zwangsläufig immer Parallelen und Vergleiche anstellen würden, die unfair wären...

Jack-O Offline




Beiträge: 15

18.10.2020 11:54
#348 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #345
Aha, und warum funktioniert dann Agatha Christie immer noch so gut, dass jetzt schon ein zweiter Film ins Kino kommt? Ich weiß es nicht, ob es tatsächlich funktionieren würde, aber Du weißt das Gegenteil genau so wenig.
Natürlich wissen wir das nicht. Trotzdem besteht zwischen Wallace und Christie ein himmelweiter Unterschied. Genau wie A.C. Doyle mit Sherlock Holmes hat es Christie geschafft, Figuren (Poirot, Marple) und Titel (Und dann gab`s keins mehr, Mord im Orient-Express, Das Böse unter der Sonne, Tod auf dem Nil usw.) im weltweiten kollektiven Gedächtnis zu verankern. Bei Wallace gilt weder das eine, noch das andere. Er hat keinen Charakter ersonnen, der ein Alleinstellungsmerkmal besitzt oder eine popkulturelle Bedeutung erlangt hat (und damit eine Beliebtheit beim Publikum voraussetzt, wie bei den drei genannten Ikonen) und seine Romantitel sind außerhalb von Deutschland (und das auch nur schemenhaft wegen der Rialto-Reihe) niemandem ein Begriff. Das größte Problem ist jedoch, dass Wallace in seinen Gesellschaftsschilderungen, die seine Plots wesentlich bedingen, überhaupt nicht progressiv war. Christie hat als Frau viele Frauenfiguren geschaffen, die aus den gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit herausfallen bzw. ausbrechen oder sogar vielfach Ermittlerinnen oder Täterinnen sind. Daran kann man aus einer modernen Perspektive heraus viel besser anknüpfen, während Wallace in 99 % seiner Bücher nur das brave Töchterlein auffährt, das gekidnappt, gerettet und geehelicht werden darf.
Zitat von Edgar007 im Beitrag #345
Ganau! Das sieht man ganz besonders am hochwertigen, geistreichen und niveauvollen TV-Programm....
Das ist jetzt eine "ewige" Meta-Diskussion. In aller Kürze: Wenn man 3 mit 300 Fernsehsendern vergleicht, muss grundsätzlich eine gewisse Verflachung einsetzen, trotzdem bieten Sender wie Arte, 3sat, Alpha oder Phoenix im Schnitt ein hochwertigeres Programm als die drei alten Sender seinerzeit. Und das Niveau der öffentlichrechtlichen Film- und Serienformate ist auch besser wie früher. Das ist aber nicht Thema hier.
Zitat von Count Villain im Beitrag #346
Kommt natürlich darauf an, was man selbst als "Geist" von Wallace definiert. Für die einen ist es das Setting, für die anderen die Charaktere, für wieder andere die Plots.
Zitat von Georg im Beitrag #347
Ich glaube, dass es den meisten Wallace-Filmfans doch überhaupt nicht auf originalgetreue Wallace-Geschichten ankommt, sondern dass für das Gros Wallace = 60er-Jahre-Krimi bedeutet.
Das ist der Punkt. Für 99 % der Zuschauer ist Wallace die Gesamtmischung aus Plots, Setting und Charakteren wie sie die Rialto-Reihe geprägt hat. Das ist der Markenkern von Wallace. Da kann man nicht auch nur ein Element verändern. Das ist das Dilemma. Die Machart der Rialto ist heute jedoch antiquiert, parodiert und obsolet. Zugleich ist Wallace in anderer filmischer Form nicht denkbar. Deswegen kann Wallace heute nicht mehr funktionieren.
Zitat von Count Villain im Beitrag #346
Fragt sich wie schon gesagt nur, wie lange der Trend von gesellschaftskritischen Plots und problembeladenen, gebrochenen, (vermeintlich) vielschichtigen Figuren im Krimi noch anhält. Und was danach wohl kommt. Ich habe keine Ahnung.
Ich weiß es auch nicht. Aber mein Tipp wäre, dass das ein unumkehrbarer Prozess ist. Warum? Weil die Gesellschaft immer indvidualisierter, zersplitterter und diverser wird. Die klassischen Milieus und Klassen lösen sich beinahe auf. Die Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft. Und in einer diverseren Welt steht Wallace mit seinem patriarchalischen Welt- und Familienbild auf verlorenem Posten. Es gibt nicht mehr den edlen, guten Recken, der für die Frau alles regelt, oder die naive Frau, die sich brav vom Mann retten und zum Traualtar führen lässt, oder den fiesen Schurken, der nur bitterböse bis ins Mark ist, weil es das Drehbuch gerade so vorschreibt. Zwischentöne, Grauschattierungen und diverse Typen sind gefragt. Das wird eher noch zunehmen. Der nächste Schritt im Krimi kann eigentlich nur ein(e) diverse(r) Ermittler(in) sein. Und da glaubt wirklich noch jemand, dass heute steinalte Krimis verfilmt werden, wo die holde Maid ihren starken Retter anhimmelt? Deswegen sage ich ja: Es sind blosse Fan-Träume...

schwarzseher Offline



Beiträge: 606

18.10.2020 12:02
#349 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #345
Heute sind die Konsumenten viel anspruchsvoller und viel stärker konditioniert


Eigentlich ist ja fast alles schon gesagt ( und sogar von fast jedem ) aber dieser Satz lässt mich einiges doch in einem anderen Licht sehen bei der Diskussion . Wer dieser Ansicht ist kann meiner Meinung nach natürlich nichts mehr mit Wallace anfangen ( und wahrscheinlich auch nicht wirklich mit den alten Filmen )
Die heutigen Zielgruppen sind eher auf pseudo intellektuellen Mainstream getrimmt inkl. s/W Geschichtsbild ( zB. Babylon B. usw. ) Auch das Frauenbild ist nur so lange modern und nur so noch abbildbar wie es in diese Schablone passt.
Also nicht anspruchsvoll sondern nur konditioniert auf Mainstream und nicht mehr in der Lage zu unterscheiden zwischen zwischen Filmen mit immer der gleichen Botschaft und Unterhaltung die einfach nur spass machen soll.
Genau das war EW ,Märchenkrimis die damals und von uns auch heute noch genau so gesehen werden.

Wer heute glaubt er wäre Anspruchsvoll beim schauen eines xy Krimis mit "Tiefgang" der hat schon verloren ( es nur noch nicht gemerkt )
Ok...war jetzt nur eine Anmerkung zu "heute viel Anspruchsvoller"

Lord Low Offline




Beiträge: 675

18.10.2020 12:03
#350 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Jack-O im Beitrag #348
trotzdem bieten Sender wie Arte, 3sat, Alpha oder Phoenix im Schnitt ein hochwertigeres Programm als die drei alten Sender seinerzeit.



Mit den Zuschauern von Arte, 3sat, Alpha und Phoenix (werden bei Phoenix überhaupt Spielfilme gezeigt?) wirst du aber keinen Film gegenfinanzieren können.

Jack-O Offline




Beiträge: 15

18.10.2020 12:20
#351 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #349
Also nicht anspruchsvoll sondern nur konditioniert auf Mainstream und nicht mehr in der Lage zu unterscheiden zwischen zwischen Filmen mit immer der gleichen Botschaft und Unterhaltung die einfach nur spass machen soll. Genau das war EW ,Märchenkrimis die damals und von uns auch heute noch genau so gesehen werden.
Auf den Punkt gebracht. Chapeau!
Zitat von Lord Low im Beitrag #350
Mit den Zuschauern von Arte, 3sat, Alpha und Phoenix (werden bei Phoenix überhaupt Spielfilme gezeigt?) wirst du aber keinen Film gegenfinanzieren können.

Wie meinen? Das ist doch eine ganz andere Meta-Diskussion und hatte mit der Frage nach einer Möglichkeit der Wallace-Umsetzung/Finanzierbarkeit doch überhaupt nichts zu tun.

Lord Low Offline




Beiträge: 675

18.10.2020 12:30
#352 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Jack-O im Beitrag #351
Wie meinen? Das ist doch eine ganz andere Meta-Diskussion und hatte mit der Frage nach einer Möglichkeit der Wallace-Umsetzung/Finanzierbarkeit doch überhaupt nichts zu tun.



Also:

Du sagst, dass ein Wallace-Film aktuell nicht erfolgreich wäre, weil das Publikum aktuell viel ansprungsvoller ist. Begründet hast du diese Theorie dann mit Arte und 3sat.

Wenn ich mir die wirklich erfolgreichen Filme (wie z. B. die "Fast & Furious"-Reihe oder in Deutschland eben die Schweiger-Filme) ansehe, dann sehe ich da aber eher wenig Anspruch und erst Recht weniger Anspruch als bei einer möglichen Wallace-Neuverfilmung.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 401

18.10.2020 13:17
#353 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

@Jack-O
Mal ehrlich: Wenn Du die Wallace-Bücher so unterirdisch schlecht findest, und auch die Wallace-Filme nur noch als bizarre Überbleibsel einer rückschrittlichen Epoche ansiehst, warum hast Du dich dann ausgerechnet im EDGAR-WALLACE-Forum angemeldet ? Nur um das nun nach Strich und Faden schlecht zu machen ? Wo ist da der Sinn ? Gibt nun mal ein paar Ewiggestrige, die sich wohlfühlen damit, lass Ihnen doch ihre sowieso schon immer weiter schrumpfende Insel der Glückseligkeit ! Du gehst da wohl zu sehr von Dir und Deinem "progressiven" Bekanntenkreis aus. Ein "diverses" Ermittler-Etwas als Krone des gesellschaftlichen Fortschritts ? Du lieber Himmel ! Wenn es soweit kommt (und das wird es wohl tatsächlich), dann gebe ich meine klammheimliche Hoffnung an eine ordnende Intelligenz irgendwo da oben im Universum komplett auf. Dann müsste ich zur Wiederherstellung meines seelischen Gleichgewichts nochmal alle reaktionären Wallace-Bücher lesen und hinterher in Dauerschleife die Filme schauen und wehmütig der alten Zeiten gedenken, als ein Mann noch eine Frau aus Lebensgefahr retten durfte, ohne deswegen gleich als "sexistischer Faschist" verschrieen zu werden !

Edgar Wallace fabriziert schlechte Plots ? Mag sein, seine Bücher schwanken qualitativ auch sehr stark. Wenn Du aber mal all die tollen neumodischen Krimis von ihrem ganzen pseudo-gesellschaftkritischen Flitter und den üblichen breit ausgewälzten privaten Ermittlerproblemen befreist, was bleibt dann eigentlich noch an gutem Krimi-Plot übrig ? Fast nichts, kaum was, was originell wäre oder überraschend usw. Da sind die alten Meister der Zunft einfach besser. Die werden im Übrigen immer wieder aufgelegt, kleinere Verlage greifen auch wieder zu lange fast schon verschollenen Klassikern auf diesem Gebiet, sogar Edgar Wallace wird immer wieder aufgelegt. Ähnlich sicher auch bei Filmen, immer wieder werden alle möglichen kleinen bis großen Klassiker, bekannte und unbekannte Filme aus früheren Zeiten "ausgebuddelt" und finden einen Käuferkreis, sonst würde man das wohl kaum machen. Ich finde, da gibt es einen eindeutigen Trend in diese Richtung. Hat sicher seine Gründe, nicht alle sind glücklich mit dem, was sie da jetzt so Progressiven und Relevantem vorgesetzt kriegen. Was bleibt den Leuten auch übrig, als sich das anzuschauen, wenn nun mal nichts anderes mehr gedreht wird. Ob "diverse Ermittler*Innen" nun jedermanns/jederfraus heimlicher Feuchttraum sind, wage ich sehr stark zu bezweifeln.
Im Übrigen, so weit ich mich erinnern kann, waren z.B. die Münsteraner Tatorte mit Börne und Thiel auch die erfolgreichsten. Die waren ja nun in keiner Hinsicht realitätsnah, es gab keine unendlich gebrochenen Ermittlerfiguren, eher einen eitlen Erznarzissten, der seine zwergwüchsige Mitarbeiterin politisch völlig unkorrekt mit einer Sagengestalt aus der deutschen Folklore verglich und ein Faible für umweltschädliche Luxusautos hatte, und einen ziemlich prolligen Polizisten, zwar korrekt radfahrend und geschieden, aber nun nicht in Selbstmitleid versinkend und auch nicht ohne Fehler. Die Fälle waren so fantasiereich wie verwickelt, ohne großartigen gesellschaftskritischen Bezug usw. Und immer mit einem Augenzwinkern, trotz der großen Last, die diese Welt zu tragen hat... Die Beliebtheit lag nun mit Sicherheit auch daran, mal aus dem üblichen Einerlei-Konzept auszubrechen.

Eigentlich kaum vorstellbar, dass Wallace-Neuverfilmungen nicht mehr funktionieren sollten. Die zwanziger oder zur Not auch dreißiger Jahre als Hintergrund sind ein großes Plus. Ich glaube, ein paar schöne alte Oldtimer durch die Gegend fahren zu sehen und Männer mit Hüten, Frauen mit der damaligen Mode usw., das gefällt einfach. Christies Detektivagentur Beresford ist ja in England in diesem Stil verfilmt worden, Allinghams Campion hat eine Serie bekommen, auch Edgar Wallace` Mr. Reeder oder auch "Die verängstigte Lady" hat sich die BBC vorgenommen. Diese Geschichten hatten auch das"Flair" der verganegen Zeit. Das ist nun schon mehr als nur ein paar Jährchen her, zugegeben, doch das Rezept sollte auch immer noch aufgehen.
Es gibt da schlichtere kammerspielartigere Wallace-Bücher, wie etwa "Großfuß", die man eher mit kleinerem Budget verfilmen könnte. Und dann die "bombastischen" Romane mit Verbrecherbanden und Schießereien, wo man schon mal auf die action-Wirkung setzen könnte.

Außerdem, immer wieder das aus irgendwelchen ebenfalls "steinalten" Rezensionen genährte Vorurteil, die Frauen in den Wallace-Büchern wären nichts weiter als Damsels in Distress - das sollte doch nun lange überholt sein. Hier gilt: Erst mal einige Bücher selber lesen und sich ein Urteil bilden ! Die jungen Damen in den Krimis sind häufig erstaunlich zupackend und selbstständig, das hat auch schon so mancher modernere Rezensent dieser Romane zugeben müssen. Natürlich schießen sie sich nicht den Weg frei, um ihren gefesselten Inspektor aus den Klauen des Erzschurken retten zu können - das stimmt schon, solche Erwartungen können da nicht bedient werden. Sie sind aber schon recht emanzipiert, was sicher kein Zufall ist, denn Edgar Wallace hat ja auch seiner ersten "Heimchen am Herd"-Ehefrau schließlich seine taffe, selbstbewusste und arbeitsame Sekretärin vorgezogen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.316

18.10.2020 14:08
#354 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Jack-O im Beitrag #348
Das ist der Punkt. Für 99 % der Zuschauer ist Wallace die Gesamtmischung aus Plots, Setting und Charakteren wie sie die Rialto-Reihe geprägt hat. Das ist der Markenkern von Wallace. Da kann man nicht auch nur ein Element verändern. Das ist das Dilemma. Die Machart der Rialto ist heute jedoch antiquiert, parodiert und obsolet. Zugleich ist Wallace in anderer filmischer Form nicht denkbar. Deswegen kann Wallace heute nicht mehr funktionieren.


Natürlich kann man Elemente verändern. Und ich persönlich kann mir Wallace in sehr vielen - teilweise auch konträren - filmischen Formen vorstellen. Dass die heutige Filmwirtschaft das nicht kann/riskieren will/andere Prioritäten setzt/whatever, ist natürlich die unbestreitbare Kehrseite der Medaille.

Zitat von schwarzseher im Beitrag #349
Also nicht anspruchsvoll sondern nur konditioniert auf Mainstream und nicht mehr in der Lage zu unterscheiden zwischen zwischen Filmen mit immer der gleichen Botschaft und Unterhaltung die einfach nur spass machen soll.


Wie sagte schon Helga Feddersen: Bei der Frage nach E oder U bin ich ein Ü.

Aber über das Thema Anspruch versus Unterhaltung könnte man auch ganze Bücher füllen und mehr als nur ein Streitgespräch führen...

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #353
Im Übrigen, so weit ich mich erinnern kann, waren z.B. die Münsteraner Tatorte mit Börne und Thiel auch die erfolgreichsten. Die waren ja nun in keiner Hinsicht realitätsnah, es gab keine unendlich gebrochenen Ermittlerfiguren, eher einen eitlen Erznarzissten, der seine zwergwüchsige Mitarbeiterin politisch völlig unkorrekt mit einer Sagengestalt aus der deutschen Folklore verglich und ein Faible für umweltschädliche Luxusautos hatte, und einen ziemlich prolligen Polizisten, zwar korrekt radfahrend und geschieden, aber nun nicht in Selbstmitleid versinkend und auch nicht ohne Fehler. Die Fälle waren so fantasiereich wie verwickelt, ohne großartigen gesellschaftskritischen Bezug usw. Und immer mit einem Augenzwinkern, trotz der großen Last, die diese Welt zu tragen hat... Die Beliebtheit lag nun mit Sicherheit auch daran, mal aus dem üblichen Einerlei-Konzept auszubrechen.


Das ist auch ein interessantes Beispiel. Da hatte ich gar nicht dran gedacht.

Und auch ich fand natürlich nicht alle, aber doch relativ viele Frauen in den Romanen durchaus ebenfalls als mehr als bloße zu rettende Staffage (die es natürlich auch gab, bei dem Frühwerk "Der Safe mit dem Rätselschloss" wusste Wallace auch noch nicht viel mit Kathleen Kent anzufangen). Und auch weibliche Verbrecherfiguren gab es einige prägnante.

Jack-O Offline




Beiträge: 15

18.10.2020 15:15
#355 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #352
Also: Du sagst, dass ein Wallace-Film aktuell nicht erfolgreich wäre, weil das Publikum aktuell viel ansprungsvoller ist. Begründet hast du diese Theorie dann mit Arte und 3sat.
Was ist das denn für eine verquere Logik? Ich habe auf die Frage eines Users, wie der Anspruch im Fernsehen ist mit einer generellen Bestandsaufnahme aus meiner Sicht geantwortet. Da steht nur, dass ich diese Sender für die Speerspitze des Bildungsfernsehens halte (was kaum zu bestreiten ist). Da geht es doch gar nicht um Fiktion und die Machbarkeit/Nachfrage von Filmen. Diesen Zusammenhang hast du dazu fantasiert. Und selbst wenn man sich auf den reinen Anspruch bezieht, gibt es aus der Sicht der Macher (und nur die ist relevant) dutzende Gründe (viele habe ich erwähnt), warum Wallace nicht lukrativ ist. Deshalb halte ich eine Wallace-Neuverfilmung für sehr, sehr unwahrscheinlich.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #353
Mal ehrlich: Wenn Du die Wallace-Bücher so unterirdisch schlecht findest, und auch die Wallace-Filme nur noch als bizarre Überbleibsel einer rückschrittlichen Epoche ansiehst, warum hast Du dich dann ausgerechnet im EDGAR-WALLACE-Forum angemeldet ? Nur um das nun nach Strich und Faden schlecht zu machen ? Wo ist da der Sinn ? Gibt nun mal ein paar Ewiggestrige, die sich wohlfühlen damit, lass Ihnen doch ihre sowieso schon immer weiter schrumpfende Insel der Glückseligkeit ! Du gehst da wohl zu sehr von Dir und Deinem "progressiven" Bekanntenkreis aus.
Immer langsam mit den wilden Pferden. Ich mag die Wallace-Filme der Rialto. Was du mir in den Mund legst sind Zustandsbeschreibungen von mir. Das ist nicht zwingend meine Meinung, aber man darf die Realität nicht verkennen. Und dazu neigt man als Fan unwillkürlich, weil man der Sache unkritisch zugeneigt ist. Es geht also um die Frage der Machbarkeit. Und ich sage: Angesichts der Schwierigkeiten, der gesellschaftlichen Entwicklungen, der mangelnden Relevanz fürs Publikum und der Perspektive der Film- und Fernsehwirtschaft, ist eine Wallace-Verfilmung einfach nicht mehr realistisch. Denn, was du hier schreibst, gilt auch umgekehrt: Man darf nicht von sich auf andere schließen: Sprich: Die eigenen Präferenzen mit denen des Massenpublikums verwechseln.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #353
Die jungen Damen in den Krimis sind häufig erstaunlich zupackend und selbstständig, das hat auch schon so mancher modernere Rezensent dieser Romane zugeben müssen. Natürlich schießen sie sich nicht den Weg frei, um ihren gefesselten Inspektor aus den Klauen des Erzschurken retten zu können - das stimmt schon, solche Erwartungen können da nicht bedient werden. Sie sind aber schon recht emanzipiert.
Für die 20er Jahre vielleicht, aber heute legt man da ganz andere Maßstäbe an. Kannst du dir eine junge Schauspielerin um die 20-25 vorstellen, die sagt: "Oh ja, eine solche Rolle wie in Das Gasthaus an der Themse will ich spielen. Eine junge Frau, die von ihrer Tante drangsaliert wird, der Spielball böser Mächte ist und am Ende vom dem männlichen Helden gerettet wird! Klasse Rolle!" Auch hier gilt: Das ist nicht meine Meinung, aber man muss die Realität anerkennen. Die Lebenswelt der Wallace-Figuren hat in Sachen Gesellschaftsordnung heute nichts mehr mit der unseren gemein. Das war in den auslaufenden 50er und beginnenden 60er Jahren noch anders. Es gibt also nur noch den nostalgischen Blick zurück.

Lord Low Offline




Beiträge: 675

18.10.2020 15:39
#356 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Jack-O im Beitrag #355
Ich habe auf die Frage eines Users, wie der Anspruch im Fernsehen ist mit einer generellen Bestandsaufnahme aus meiner Sicht geantwortet.



Nur weil 3sat und Arte anspruchsvolle Filme zeigen, bedeutet das doch nicht, dass das dann auch von der Mehrheit der Bevölkerung konsumiert wird. Genau darum ginge es aber, wenn man sagt, das Publikum wäre heute anspruchsvoller als damals bzw. generell anspruchsvoll.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.289

18.10.2020 18:14
#357 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Das Publikum von Heute ist nicht anspruchsvoller, sondern anspruchsloser.

Gruss
Havi17

Count Villain Offline




Beiträge: 4.316

18.10.2020 18:48
#358 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Gibt es heutzutage überhaupt noch so etwas wie DAS Publikum? Bei dem Riesenangebot heutzutage im Vergleich zu früher kann doch fast jede Nische bedient werden. Von Scripted Reality bis Arthouse.

Lord Low Offline




Beiträge: 675

18.10.2020 18:56
#359 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #358
Gibt es heutzutage überhaupt noch so etwas wie DAS Publikum?


Unterschiedliche Vorlieben gab es in den 60ern auch. Hier geht es aber vor allem darum, was erfolgreich ist. Also was vom Mainstream konsumiert wird.

Und diese Filme sind heutzutage eben auch nicht anspruchsvoller als in den 60ern. Eher im Gegenteil.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.316

18.10.2020 19:23
#360 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #359
Unterschiedliche Vorlieben gab es in den 60ern auch.


Das schon. Aber auch das Angebot war kleiner. Das Publikum kann sich doch heute viel breiter verteilen. Klar, einen Mainstream gibt es natürlich trotzdem noch. Aber muss Wallace unbedingt Mainstream sein? Na gut, ich kenne die Antwort: Für die Fans nicht, für die Macher am liebsten schon.

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