Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Board hat 1.624 Mitglieder
180.528 Beiträge & 7.067 Themen
Beiträge der letzten Tage
Foren Suche
Suchoptionen
  • Kommissar MaigretDatum07.07.2015 22:45
    Foren-Beitrag von Berthold Deutschmann im Thema Kommissar Maigret

    [[File:maigret-01.jpeg|none|fullsize]]
    Rupert Davies als Kommissar Maigret

  • Kommissar MaigretDatum07.07.2015 22:22
    Foren-Beitrag von Berthold Deutschmann im Thema Kommissar Maigret

    [[File:maigret-10.jpg|none|auto]][[File:maigret-11.jpg|none|auto]]

    Wendecover-Vorschlag meinerseits für Pidax für ein eventuell weiteres Volume von Maigret Rupert Davies: Außen teils schwarz-weiß, damit dem Käufer nicht suggeriert wird, dass die Filme in Farbe wären, aber innen voll in Farbe. Nach dem Kauf könnte das Cover dann nicht nur ohne grünes FSK-Logo, sondern das gesamte Titelbild zur Farbe hingewendet werden.

    Die Bildvorlage habe ich aus einer HÖRZU zur Sendung "Maigret verliert eine Verehrerin" (ZDF, 25.09.1965, 21.00 Uhr). Es ist ein besonders gelungenes Portrait, wahrscheinlich von einem HÖRZU-Reporter geschossen bei einem Interview-Termin. Ich habe es nie in Groß gedruckt gesehen, das wäre es aber meines Erachtens wert. Am liebsten hätte ich es sogar als Farbposter!

  • Ja, mit Erik Ode hat man einen "glücklichen Fang" gemacht für die "Kommissar"-Serie, so wie man einen "Volltreffer" landete mit Rupert Davies für "Maigret". Was ich besonders interessant daran finde, ist, dass beide vorher noch nie so recht bekannt oder gar berühmt waren und das erst wurden durch diese Krimiserien. Ich finde es immer gut, wenn ein neues Gesicht entdeckt wird und sich dieses dann sogar als Star behaupten kann, anstatt dass vom Casting her immer und immer wieder nur auf längst etablierte Stars gesetzt wird.

    Ich wollte damit nicht sagen, dass die beiden Genannten vor ihren berühmten Kommissar-Rollen Niemande gewesen seien. Beide hatten vorher bereits ihre Verdienste, waren aber eben noch keine Stars wie nach ihren Serien.

  • Deine fotografische Aufbereitung der Parallelität "Kommissar Maigret" und "Der Kommissar" finde ich ganz toll gelungen. Es ist auch nicht verwunderlich, dass Du Dir den Jean Gabin als Maigret herbeizitierst hast, denn den Rupert-Davies-Maigret gibt's ja erst ab dem 17. dieses Monats auf Pidax-DVDs. Es kann auch sein, dass Du ein großer Jean-Gabin-Fan bist (im Gegensatz zu mir), aber das sehe ich alles im tolerablen Bereich, selbst dann, wenn Du den BBC-Maigret überhaupt nicht kennenlernen möchtest. Die gegenübergestellten Szenenfotos verdeutlichen auf jeden Fall sehr gut die Verwobenheit der beiden Krimistoffe.

    3sat wollte ca. 1990 die beiden Serien im Reißverschlusssystem zeigen, also abwechselnd, obwohl "Der Kommissar" ja fast doppelt so viele Folgen hat wie der schwarz-weiße BBC-Maigret. Das wäre auch eine ganz besondere Art der Gegenüberstellung der beiden Serien gewesen. Aus "rechtlichen Gründen" kam es nicht dazu: Maigret durfte letztlich doch nicht gezeigt werden.

    Ich selber bin inzwischen fast oder tatsächlich krank von dieser jahrzehntelangen Diskriminierung meiner Lieblings-Krimiserie. Auch jetzt noch, ein paar Tage vor dem 17., bange ich darum, ob das auch wirklich wahr wird mit den DVD-Veröffentlichungen, oder ob es im letzten Moment doch wieder einen Rückzieher gibt.

    Um Kommissar Erik Ode mache ich mir hingegen keine Sorgen, der liegt selbstverständlicherweise im Player und taucht auch im Fernsehen immer wieder auf.

    Was die Franziska Keller und die Louise Maigret angeht, so war das mit den "Pantoffeln bereitstellen" und "Essen aufwärmen" nur allgemein-symbolisch gemeint, zudem überspitzt. Im Ernstfall setzen sich beide Frauen ja sogar unter Einsatz ihres Lebens für ihre Ehemänner ein. Dabei entpuppen sie sich als findiger, als man es ihnen vielleicht zugetraut hätte. Das weiß ich natürlich und weiß das auch zu schätzen.

  • Zitat von Mark Paxton im Beitrag #10
    ... Und "Task Force Police" kommt ja jetzt auch noch von Pidax und das auf Deutsch. ...

    Habe bei Pidax vergeblich gesucht nach "Task Force Police". Seit Deinem Hinweis sind inzwischen mehrere Monate vergangen. Kann man da noch Hoffnung haben?

  • Zitat von Lord Peter im Beitrag #50
    Wurde eigentlich das nachgeschobene 90 Minuten-Special "Maigret at Bay" im deutschen Fernsehen gezeigt?

    Nein, lief bisher nicht im deutschen Fernsehen. "Maigret at Bay" basiert auf dem Roman "Maigret se défend" ("Maigret verteidigt sich"), in dem Maigret vorgeworfen wird, sich an einer jungen Frau vergriffen zu haben. Ziel dieser Anschuldigung ist, ihn in die sofortige Suspendierung von seinem Amt zu drängen. Aber erst dadurch kommt der Kommissar einem Verbrecher auf die Spur, der zwar keine Leiche im Keller vergraben hat, wohl aber mehrere Leichen in seinem Garten.

    Rupert Davies bezeichnete seine Maigret-Darstellung in diesem 1969 entstandenen anderthalbstündigen Fernsehfilm der BBC als "in mancherlei Hinsicht mein bester Maigret". Darin mit von der Partie sind von der vorherigen Serien-Crew: Helen Shingler als Madame Maigret und Neville Jason als Inspektor Lapointe.

    In der damaligen deutschen Presse wurde dieser Film auch in einer deutsch-synchronisierten Fassung erwartet, als Titel wurden gehandelt: "Maigret in Schach" und "Maigret in der Falle". Kam aber nicht. Aus heutiger Sicht wäre vielleicht interessant, dass dieser Zugabe-Maigret sicherlich nicht vertraglich gehandicappt ist wie lange Zeit die vorangehenden 52 Folgen der Serie, die daraufhin in der Versenkung verschwanden.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #469
    Der Kommissar: Schwarzes Dreieck

    (3,5 von 5 Schnapsgläsern)

    Ich finde, "Schwarzes Dreieck" ist volle 4 von 5 Schnapsgläsern wert, eher noch ein paar Tropfen mehr.

    Natürlich bin ich auch "Kommissar"-Fan, habe fast alle Folgen bei der Erstausstrahlung gesehen und später, bei Wiederholungen, auch die, die ich beim erstenmal verpasst hatte. "Der Kommissar" ist ein deutsches Spin-off der britischen Kriminalserie "Kommissar Maigret", die ein paar Jahre zuvor auch vom ZDF gesendet wurde. Leider gab es nur 52 Folgen von "Maigret", so dass es auf der Hand lag, den Krimi-Erfolg fortzusetzen mit einer eigenständigen deutschen Produktion, jedoch in Anlehnung an den Maigret-Erfolg. In Programmzeitschriften wurde Maigret als "Vorbild" für die damals brandneue deutsche Krimiserie bezeichnet. In der HÖRZU gab es sogar einen ausführlichen Artikel darüber, wie sehr sich die Inspektorenriege beim "Kommissar" der des Kommissars Maigret ähnelte (etwa: Walter Grabert entsprach mehr oder weniger dem Inspektor Lucas, Harry Klein dem Inspektor Lapointe).

    Wer "Maigret" nie gesehen hat, kann das natürlich nicht nachvollziehen, eingefleischten Maigret-Fans war das aber ziemlich offensichtlich und zugleich amüsant. Auch schien Herbert Reinecker als Vielschreiber in die Fußstapfen von Georges Simenon treten zu wollen, wenn auch nicht als Romancier, wohl aber als Drehbuchautor. Beiden Autoren wurde die gleiche Frage gestellt: Wie machen Sie das nur, so viele Stories in so kurzer Zeit zu Papier zu bringen? Bisweilen wurde Reinecker eine Schreibwerkstatt mit mehreren Co-Autoren unterstellt, der solches jedoch zurückwies. Über Simenon wissen wir, dass er mit seiner damaligen Frau Denise das Glück hatte, sich voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können, sie kümmerte sich um die Kontakte zu Verlagen, Film- und Fernsehstationen. Sie ersetzte ihm, nach Simenons eigenen Worten, 6 oder 7 Büroangestellte. Bei Herbert Reinecker war ein so umfangreiches Management nicht nötig, seine "Kommissar"-Drehbücher gingen routinemäßig immer ans ZDF.

    In den ersten "Kommissar"-Folgen gibt es eine Frau Keller, die ihrem Herbert zum Feierabend die Hauspantoffeln bereitstellt. Rosemarie Fendel verläßt die Serie schon sehr bald. Maigret hingegen wird die ganze Serie hindurch von seiner Louise begleitet, die ihm immer wieder das Essen aufwärmt. Helen Shingler war auch in dem späteren 90-Minuten-Special "Maigret at Bay" wieder die Madame Maigret.

    Alle Folgen von Maigret, inklusive des Zusatz-Specials, und konsequenterweise auch die gesamte Serie "Der Kommissar" wurden in schwarz-weiß aufgezeichnet.

    Dennoch waren "Der Kommissar" und seine Mannen eigenständig. Betont demonstrativ raucht Inspektor Grabert Pfeife. Bei Maigret Rupert Davies scheint so etwas gar nicht möglich, denn wenn einer in jener Serie Pfeife raucht, dann nur Maigret selbst. In den Maigret-Romanen ist das jedoch anders: Inspektor Lucas, der Maigret nacheifert, raucht dort bisweilen wie sein "Patron" auch mal Pfeife.

    Die Schauplätze sind grundverschieden: Maigrets Revier ist Paris, Kommissar Kellers: München. In beiden Serien werden freiweg Außenaufnahmen gemacht. Es ist nicht notwendig, einen Straßenabschnitt künstlich als Kulisse aufzubereiten, um einen gewissen Zeitgeist zu erzeugen. In beiden Serien befindet man sich ja genau in der Zeit, in der die Handlung ablaufen soll. Jeder Kameraschwenk ist möglich, alles, was optisch eingefangen wird, ist echt.

    Die Kriminalfälle sind verschieden. Reinecker ist eben nicht Simenon. Reinecker hat eigene Ideen, und die meisten seiner Ideen sind gut. Wie in allen Serien gibt es sowohl beim "Kommissar", wie auch bei "Kommissar Maigret" mal stärkere und mal nicht ganz so starke Episoden. Das hängt natürlich auch von der subjektiven Sicht des jeweiligen Zuschauers ab: Was der eine gut findet, findet der andere möglicherweise eben gar nicht gut.

    Warum hänge ich meinen Beitrag ausgerechnet beim "Schwarzen Dreieck" an? Weil ich hier - wenn überhaupt irgendwo, dann hier - einen für mich auffälligen Berührungspunkt beider Serien sehe. Atmosphärisch gleichen sich "Schwarzes Dreieck" und "Maigret und die Adligen" ("Voices from the Past" bzw. die deutsche Buchausgabe heißt: "Maigret und die alten Leute"). Ein dunkles Rätsel liegt über allem, in beiden Folgen. Alte Menschen scheinen in Verbrechen verstrickt zu sein und rücken mit der Sprache nicht raus. Ein bedrückendes Gefühl überkommt den Zuschauer. Als ich "Schwarzes Dreieck" zum erstenmal gesehen hatte, war ich überzeugt: Hier ist "Der Kommissar" verdammt dicht dran am "Kommissar Maigret"!

  • Zitat von Pidax im Beitrag #64
    Am 19.06.2015 wird die Kriminalkomödie „Keine Leiche ohne Lily“ mit der unvergesslichen Grethe Weiser in der Reihe Pidax Theater-Klassiker auf DVD veröffentlicht.

    ... Heinz Engelmann ... als Inspektor Harry Baxter ...


    1967 war ich noch ein "Bubi" von 14 Jahren und wohnte bei meinen Eltern im Dorf Lotte an der Grenze Westfalen-Niedersachsen. Vielleicht seid Ihr schon mal über das Autobahnkreuz "Lotte - Osnabrück" gefahren, so wird Lotte heutzutage öfters in aktuellen Radio-Verkehrsmeldungen erwähnt. Damals gab es die Autobahnen noch gar nicht, es führte jedoch die "Bundesstraße 65" durch die kleine Ortschaft.

    Mir kam in jenen Jahren die Ehre zuteil, Schülerlotse zu sein und zusammen mit einem "Kollegen" bei Bedarf Schulkameraden sicher über die Bundesstraße gehen zu lassen. Eine Schülerlotsen-Kappe auf dem Kopf, einen breiten knallweißen Quergurt umgeschnallt und mit einer Winkerkelle in der Hand konnten wir Autos anhalten, um einer Gruppe Schüler das Überschreiten der Straße zu ermöglichen.

    Einmal war es wieder soweit: ein paar Schüler warteten bereits. Mein Kollege meinte: "Den Straßenkreuzer da lassen wir noch durch ...". Ich entgegnete: "Nein, gerade weil's ein dicker Wagen ist ..." und wir traten auf die Straße und erhoben unsere Winkerkelle. Der Schlitten, wohl ein "Opel Kapitän" oder gar ein amerikanischer flacher, breiter Straßenkreuzer hielt direkt vor meiner Nase. Am Steuer saß ein freundlicher älterer Herr, der mir zulächelte und viel Verständnis und Geduld zeigte. Da erkannte ich ihn. Es war Fernseh-Kommissar Heinz Engelmann! Mir blieb die Spucke weg.

    Natürlich machten wir die Straße schnellstmöglich wieder frei für die Autos. Meinen Blick konnte ich aber von dem bekannten Gesicht nicht abwenden. Langsam fuhr der Wagen an, mit einem kleinen Fingerwink hinter dem Seitenfenster machte mir Heinz Engelmann aber klar, dass er sich darüber freute, dass ich ihn erkannt hatte.

    Mein Kollege, der zur anderen Richtung hin die Autos angehalten hatte, hatte von alledem nichts mitgekriegt. Ihm war das auch mehr oder weniger egal. Wundern tat er sich nicht über das, was ich ihm erzählte, denn ich war damals schon bekannt für meinen "Tick" für Krimis und Fernseh-Kommissare.

    Heinz Engelmann war mir natürlich vor allem als Stahlnetz-Kommissar ein Begriff. In "Keine Leiche ohne Lili" (original: "Busybody") ist er Kriminalinspektor. "Busybody" lief damals auch im deutschen Radioprogramm als vielfolgiger Englisch-Lehrgang der BBC. Jede Woche ging das Hörspiel um 3 Minuten weiter, und zusätzliche 12 Minuten lang wurde der englische Dialog sprachlich analysiert. Als Ganzes (in mehreren viertelstündigen Teilen) war das englische Hörspiel aber auch zu hören in dem Kurs. Englisch-Lehrer war Carl-Heinz Jaffé.

  • Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich mich mal bedanken muss für Eure Überlegungen, Bemühungen und Einsätze, ganz besonders gilt das für Dich, Lord Peter, und ebenso ganz besonders gilt das auch für Dich, Georg.

  • Zitat von Matze K. im Beitrag #27
    ... Mich als Krimifan und Sammler der guten 50er bis 70er interessiert der Film oder die Serie an sich. Mit meinen 34 Jahren und noch aus dem Osten stammend, kenne ich sie ja gar nicht ...

    Mit Deinen 34 Jahren bist Du natürlich zu jung, um die Rupert-Davies-Serie gesehen haben zu können. Sie wurde aber in den 60ern auch in der damaligen DDR im "Deutschen Fernsehfunk Ost" ausgestrahlt. Das ist mir damals in West-Programmzeitschriften aufgefallen, die auch das Ostfernsehen kurz auflisteten. "Kommissar Maigret" lief dort immer um 20.00 Uhr (in der BRD um 21.00 Uhr). Ob die Serie in Ostdeutschland auch komplett lief, weiß ich allerdings nicht. Ich erinnere mich aber noch ziemlich genau an einen ganzseitigen Bericht in der HÖRZU: "Maigrets Leichen sind die besten", in dem ein Ost-Fernsehverantwortlicher so zitiert wird, dass es ja "ungerecht" sei, die "spannende Fährtensuche Maigrets unter den Scheffel zu stellen" und den DDR-Bürgern vorzuenthalten, obwohl die Fälle nicht im sozialistischen Gesellschaftsbereich angesiedelt seien.
    Mir fällt das leider jetzt erst ein - hoffentlich nicht zu spät -, denn somit besteht doch eine Chance, dass deutsch-synchronisierte Maigret-Folgen, die beim ZDF nicht mehr in annehmbarer Qualität vorliegen, doch noch als brauchbare Kopien in Ost-Archiven schlummern, oder nicht?

  • Patrick MacNee verstorbenDatum26.06.2015 09:04

    Das ist wirklich eine schlimme Nachricht so früh am Morgen. Ich bin ein großer Fan von ihm. "Mit Schirm, Charme und Melone" gehört zu meinen Lieblings-Fernsehserien, vor allem die schwarz-weiß-Folgen mit Emma Peel und John Steed sind unglaublich spannend gemacht. Die Serie bleibt für immer am Leben, R.I.P Patrick MacNee!

  • Kommissar MaigretDatum18.06.2015 23:20
    Foren-Beitrag von Berthold Deutschmann im Thema Kommissar Maigret

    Zitat von Gubanov im Beitrag #15
    Auch ich liebäugele inzwischen mit den Maigret-Stoffen. Ins Auge gefallen sind mir zwecks DVD-Angebot die Serien mit Bruno Cremer und Michael Gambon. Wie genau sind diese beiden Umsetzungen einzuschätzen? Halten sie sich eng an die Vorlagen von Georges Simenon?

    Sowohl die Serie mit Bruno Cremer als auch die mit Michael Gambon sind beide 1990 sehr ambitioniert gestartet, erstere als belgisch-französisch-schweizerische Produktion im Kinoformat (54 Episoden 16:9, je Film ca. 90 Min.), zweitere als britische ITC-Produktion in Anlehnung an die 30 Jahre zuvor gestartete BBC-Produktion (12 Episoden 4:3, je Film ca. 50 Min.). Beide Serien in Farbe, Bildqualität Cremer sehr gut bis gut, Gambon eher nur wie VHS-Video, jedenfalls auf den bisher veröffentlichten DVDs. Beide Serien sind z. Z. nicht mit deutscher Tonspur zu haben.

    Die Hauptdarsteller: beide gut bis sehr gut. Cremer hat eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Rupert Davies, Gambon nicht. Dafür spielt Gambon den Maigret aber ähnlich wie Davies, Cremer hingegen sucht nach einem eigenen Profil.

    In beiden Serien springt eine erste Madame Maigret ab, es folgt eine zweite. Das entspricht natürlich nicht den Romanvorlagen.

    Als bei Cremer auch die zweite Madame Maigret die Serie verläßt, traut man sich nicht, eine dritte Schauspielerin für den Part einzusetzen. Ab dann telefoniert Maigret nur noch mit seiner Frau, ohne dass der Zuschauer sie sieht. Während der 15-jährigen Produktionszeit verlassen alle Inspektoren ihren "Patron", weil die Schauspieler auch anderen Engagements nachkommen müssen und sich nicht ständig bereithalten können für einen neuen Maigret-Film. In den Romanvorlagen ist Maigret jedoch selten auf sich allein gestellt.

    Die Cremer-Reihe ist ausgesprochen detailgetreu. Sie ist wohl, trotz der vorhin erwähnten Abstriche, die Simenon-getreueste Filmumsetzung. Die Atmosphären der Romanvorlagen kommen voll rüber, man kann Simenon beim Zuschauen einatmen. Auch das manchmal langsame Tempo des Handlungsablaufs in den Büchern ist aufs Filmische übertragen. Für Action-Freunde mag das ein Manko sein.

    Die britischen Maigret-Serien heben eher ab von den Romanen. Zwar stimmen die Charaktere und die Grundstimmungen mit den Romanen überein, das Tempo ist jedoch deutlich flotter. Man ist bemüht, die ganze Geschichte jeweils auf 50 Minuten zu trimmen. Dabei ist oberstes Gebot: nur keine Langeweile aufkommen lassen, es ist schließlich ein Krimi. Es wird sogar in Kauf genommen, nicht nur die Originalstory zu vereinfachen und durch Krimieffekte zu dramatisieren, die Romanvorlagen werden auch manchmal ganz einfach abgeändert. Eventuell ist im Film sogar - welch eine Überraschung - ein anderer der Mörder als im Buch!

    Die Briten gehen innovativer an Krimi-Umsetzungen heran als etwa die Franzosen. Das ist auch der Grund, weshalb die Gambon-Serie teils in Budapest gedreht wurde, weil das Budapest von 1990 angenommenerweise mehr dem Paris von 1960 glich als das Paris von 1990, zumindest in einigen Bezirken. So hat man jedoch etliche gute Außenaufnahmen mit im Film - leider nicht echt.

    In der Cremer-Serie gibt es deutlich weniger Außenaufnahmen, wenn es ums Pariser Stadtleben geht. Man bemüht sich aber außerordentlich, mal eine Pariser Straßenecke von 1950 nachzustellen für zumindest ein paar Szenen. Ist zwar auch nicht authentisch, aber wenigstens nicht ungarisch!

    Bei den Cremer-Folgen kann es passieren, dass man zwischendurch mal auf die Uhr schaut und verblüfft feststellt: Was, das geht noch eine ganze Stunde so weiter? - Auch bei den Brit-Filmen muß man auf die Uhr schauen, aber erst am Ende des Films: Was, der Film ist schon 'rum?

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #39
    In den Träumen ihrer Fans aufzutauchen, ist tatsächlich eine der bedenklicheren Auswirkungen einer Langzeit-Rolle, aber die meisten Schauspieler haben selbst das überlebt.

    Aufgrund dieser Kritik fühle ich mich nun natürlich unverstanden. Aber ich hatte mir durchaus etwas dabei gedacht. Vielleicht gibt es andere, die zwar nicht geantwortet, mich aber doch verstanden haben.

    Nichtsdestotrotz: Viele Ihrer Ausführungen und Anmerkungen, vor allem die zu dem Thema "Kommissar Maigret - Radiohörspiele" (von "Lord Peter"), schätze ich sehr. Es ist schade, dass es zur Zeit nur 4 von den 6 Paul-Dahlke-Maigrets auf CD zu kaufen gibt.

    Was mir auch gefällt, ist Ihre Einstellung, lieber auf englische DVDs von der Original-BBC-Serie zu warten, weil die ungekürzt und in "ordentlicher Bildqualität" sein müßten. Die deutsche Version ist in der Tat etwas gekürzt, auch die, die bei der deutschen Erstausstrahlung 1965 im Abendprogramm lief. Ein Spezialist erklärte mir das mal so, dass man das oft an langen Ausblendungen erkennen könne.

    In einer Folge z. B. horcht Maigret Rupert Davies im Parterre eines Wohnhauses geduldig Verdächtige aus. Als plötzlich vom Dachgeschoss her der gellende Schrei einer Hausangestellten ertönt, rennt Maigret die Treppe hinauf. Genau dabei erfolgt eine langsame Ausblendung der Szene. Der Gehenkte, der von einer Hausangestellten entdeckt wurde, wird in der deutschen Version nicht gezeigt, im darauffolgenden Dialog wird lediglich von ihm gesprochen.

    Solche Beschneidungen ausländischer Produktionen für die deutsche Ausstrahlung waren damals bekanntlich gang und gäbe, nicht nur bei Krimiserien. Daher ziehe ich meist auch die Originalversionen vor. Bei Maigret Rupert Davies ist das jedoch anders. Die Musik von Ernst August Quelle und die Stimme von Hans W. Hamacher (Maigret-Stimme) möchte ich nicht missen, ich finde sie mindestens so gut wie die Originale.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #37
    Zitat von Berthold Deutschmann im Beitrag #36
    Aber nach seiner Maigret-Serie, die ihn für immer als "Maigret" abstempelte, konnte Davies froh sein, im Horrorkino eine Nische gefunden zu haben. Es sei an der Zeit, dass "Maigret ins Gras beißt", kommentierte er seine Abstempelung.

    Und wieder ein Schauspieler, der die Verantwortung einer großen Serienrolle nicht verstanden hat. Die meisten sind eben doch egoistischer als ein David Suchet oder ein Horst Tappert.


    Gemächlichen Schrittes ging Rupert Davies durch die Straßen von London. In der rechten Hand hielt er verhüllt seine brennende Zigarette. Den Mantelkragen hatte er hochgeschlagen, denn es war Nieselregen in London. Er war auf dem Weg zur Raucher-Lounge, wo ein Schauspieler-Kollege heute zum "Zigarettenraucher des Monats" gekürt werden sollte. Ein weiterer Kollege, Ewen Solon, wollte auch dorthin kommen. An der nächsten Ecke, war das nicht schon ...

    Plötzlich kam ein junger Mann quer über die Straße angelaufen und blieb direkt vor Davies stehen:
    "Sind Sie nicht der berühmte Davies-Maigret?"
    "Davies genügt. Den Maigret können Sie weglassen."
    "Na, das ist ja ein Ding! Hab' Sie schon lange nicht mehr im Fernsehen gesehen! Wohl viel zu tun, was? Immer auf Verbrecherjagd, ja, ja."
    "Ich spiele gerade den Grafen Rostow in einer neuen Serie nach Leo Tolstoi ..."
    "Ach was, erzählen Sie mir keine Sachen, Sie werden Ihre Zeit doch nicht mit sowas vergeuden, Kommissar."
    "Ich bin nicht Maigret, ich bin Schauspieler!"
    "Das können Sie mir doch nicht weismachen. Natürlich sind Sie Maigret!"
    "Das grenzt ja an Verleumdung! Na warte, Bürschchen ..."
    Er wollte sich den Kerl mal vorknöpfen, dieser war jedoch wieselflink und rannte bereits in Richtung Straßenecke. Davies zog tief an seiner Zigarette. Hinterherlaufen wollte er dem jungen Mann bestimmt nicht.

    An der Ecke stand Ewen Solon. Er hatte Davies herankommen sehen und wartete nun auf ihn, um mit ihm gemeinsam zur Lounge zu gehen. Die Szene mit dem jungen Mann hatte er von weitem gesehen und wußte sogleich, was er zu tun hatte. Es war für ihn auch gar nicht schwer, sich den Mann zu schnappen, denn dieser lief, weil er sich beim Laufen ständig umschaute, geradewegs in seine Arme.

    "Da haben wir dich also."
    "He! Was soll das? Warum halten Sie mich fest?"
    "Na, warum wohl."
    "Aber, ich kenn' Sie doch! Sind Sie nicht der Schauspieler Ewen Solon, der in der
    Maigret-Serie ..."
    "Irrtum! Ich bin Inspektor Lucas von Scotland Yard.
    Wir werden jetzt gemeinsam zum nächsten Polizeirevier gehen, Freundchen."
    Und er ließ Handschellen klicken.
    "Wieso? Was hab' ich denn getan? Ich bin unschuldig!"
    "Das sagen alle, mein Lieber. Das sagen alle."

    Und zu Davies, der inzwischen nähergekommen war:
    "Wir haben ihn, Chef."
    "Gut gemacht, Lucas."

    Zwischen den Zähnen hielt er nun seine Pfeife, die er aber noch anzünden mußte. In diesem Augenblick fühlte er sich ganz in seinem Element.

    Diese Traumszene von mir verdeutlicht vielleicht, was es für einen Schauspieler bedeuten kann, als Maigret abgestempelt zu sein.

  • Angesichts des Todes von Christopher Lee: In mindestens 5 seiner Filme tritt auch Rupert Davies auf:

    Die dreizehn Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu (1966)
    Die Pagode zum fünften Schrecken (1967)
    Draculas Rückkehr (1968)
    Schwarze Messe auf blutrotem Altar (1968)
    Im Todesgriff der roten Maske (1969)

    In (zu) vielen Horrorfilmen hatte Davies eine Rolle, in der er "sterben darf". Am eindrucksvollsten geschah dies sicher in "Der Hexenjäger" (1968) mit Vincent Price. Ich bin vor allem Maigret-Rupert-Davies-Fan und empfand seine tödlichen Parts im Kino eher als unangenehm. Aber nach seiner Maigret-Serie, die ihn für immer als "Maigret" abstempelte, konnte Davies froh sein, im Horrorkino eine Nische gefunden zu haben. Es sei an der Zeit, dass "Maigret ins Gras beißt", kommentierte er seine Abstempelung. Für die geplante Farb-Maigret-Serie war er 1976 eigentlich nur aus finanziellen Gründen zu haben. Aus der Farbserie wurde nichts, weil Davies zu der Zeit im wirklichen Leben starb.

  • Kommissar Maigret und seine Frauen: Helen Shingler (Madame Maigret) hat am 29. August Geburtstag und wird in diesem Jahr, wenn alles gut geht, 96 Jahre alt. Toi, toi, toi! Ob sie wohl schon weiß, dass sie in Deutschland bald auf DVDs ihrem Jules Maigret wieder zur Seite stehen wird? Zwar mehr im Hintergrund, aber für den Kommissar ganz, ganz wichtig!

    Rupert Davies wäre in diesem Jahr übrigens 99 Jahre alt geworden (am 22. Mai), er wurde nur 60. Seine Frau im wirklichen Leben, Jessica Davies, lebte bis 2004 und wurde 90 Jahre alt.

    1963 hatte Rupert Davies ein Meeting mit seinen beiden Frauen in einem Londoner Tea-Shop, der sich jeweils abends in ein französisches Lokal verwandelte. Ein zwei-geteilter Kurzfilm dokumentiert dies, sogar in Farbe:

    http://www.britishpathe.com/video/maigret-cafe/query/maigret

    http://www.britishpathe.com/video/out-ta...s/query/maigret

  • Zitat von Lord Peter im Beitrag #16

    ... welche Folgen sind tatsächlich unwiderbringlich verloren?


    Vor wenigen Jahren habe ich mir ca. 30 Rupert-Davies-Maigrets vom ZDF gekauft. Ich wollte möglichst alle Episoden haben, in denen auch Madame Maigret (Helen Shingler) vorkommt sowie auch einige weitere Folgen, die ich als Kind nicht sehen durfte (Ansagerin: "Dieser Film ist für Jugendliche nicht geeignet"). Von meinem Vorhaben, die Serie komplett zu besitzen, hatte ich Abstriche gemacht wegen der allzu hohen Anschaffungskosten.

    Meine Bestellwünsche ans ZDF gingen nicht voll in Erfüllung, einige Filme waren nicht lieferbar. Wahrscheinlich sind das genau jene Episoden, die Pidax auch nicht - oder zumindest nicht in annehmbarer Qualität - wird herausbringen können, soweit nicht doch Zugriff auch aufs BBC-Archiv ermöglicht wird, wo sämtliche Davies-Maigrets vollzählig aufbewahrt werden, inklusiv des 90-Min.-Specials von 1969 "Maigret at Bay", ich beziehe mich dabei auf "andrew martin", der offenbar Einsicht ins BBC-Archiv hat:

    http://missingepisodes.proboards.com/thread/1046/par

    Im folgenden nenne ich einfach mal die Episoden, welche ich vom ZDF nicht erhalten habe, in meinem persönlichen Fall. Dies kann also keine objektive Antwort auf die Frage, "welche Filme sind unwiederbringlich" sein, sondern es ist eine rein subjektive, nur bezogen auf meine eigenen DVD-Einkäufe von vor wenigen Jahren:

    - Maigret unter den Anarchisten (Staffel 1, Episode 13)
    - Maigret und der Weihnachtsmann (S2, Ep10)
    - Maigret und der Sonntagsmörder (S3,Ep11)
    - Maigret stellt eine Falle (S3, Ep12)
    - Maigret und die Unbekannte (S4, Ep3)

    Dass ich die Filme nicht erhalten habe, bedaure ich sehr. Ich glaube mich nämlich noch recht gut an einige Szenen daraus erinnern zu können, etwa in "Maigret unter den Anarchisten" wird Maigret auf Eisenbahnschienen gestoßen, um ihn von weiteren "Schnüffeleien" ein für allemal abzuhalten, oder in "Maigret und der Weihnachtsmann" äußert sich Madame Maigret einer Nachbarin gegenüber dazu, warum das Ehepaar Maigret keine Kinder hat.

    Diese Maigret-Serie - es ist die erste Fernseh-Maigret-Serie überhaupt - wurde in nur knapp drei Jahren abgedreht. Das ist ein Grund, weshalb der Kern der Besetzung (Maigret, Mme Maigret, Lucas, Lapointe, Torrance) nicht auseinanderbrach oder abbröckelte. In anderen Maigret-Serien wechselt schon mal die Madame Maigret, was von den Romanen her gesehen ein Unding ist, denn Maigret wechselt nicht seine Frau.

    Oder Maigret wird in einer neueren Fernsehserie als Einzelgänger dargestellt, er ermittelt fast immer auf eigene Faust, so als ob er auf gar keine Mithilfe von irgendwelchen Inspektoren angewiesen sei. Auch das entspricht keineswegs den Romanvorlagen. Wenn eine Serie jedoch 15 Jahre lang produziert wird, springt eben mal dieses, mal jenes Ensemblemitglied ab, und bald steht Maigret alleine da, ohne Lucas, ohne Lapointe, und mit einer neuen Frau.

    Das Team von Maigret Rupert Davies ist übrigens etwas gestrafft: Inspektor Janvier wird tatsächlich bisweilen mal erwähnt, er tritt aber nicht auf, man sieht ihn nie.

    Zu den FSK-Freigaben ("Maigret ab 12") möchte ich noch sagen, dass in den 60er Jahren das Thema Sexualität bisweilen ein heikles Thema war. Es bedurfte des "Aufklärers" durchs Kino: Oswalt Kolle, die Eltern trauten sich kaum, sexuell aufzuklären. Aber Maigret Rupert Davies fand nichts dabei, direkt zu fragen, etwa: "Sie haben also jene Nacht mit Giselle verbracht?" oder "Hatten Sie eine intime Beziehung zu Gaston?" oder "Und Sie haben sich nichts dabei gedacht, jahrelang fremdzugehen?" Wenn eine Eifersuchtsgeschichte zum Mordfall wird, dann traute man der Jugend von damals überhaupt nicht zu, das verstehen zu können. In den USA wurde Maigret damals nicht gezeigt, weil selbst die dortigen Fernsehprogrammmacher von diesem Maigret schockiert waren. Rupert Davies: "Wir waren wohl zu frech!"

    Visuell ist die Maigret-Serie kaum freizügig, eben bloß manche Fragestellungen, zudem Motivationen, die schließlich zum Mordfall werden. Die Fernsehansagerin hat zwar öfters vor Maigret-Beginn gesagt: "Für Jugendliche nicht geeignet", sie hat aber (aus heutiger Sicht) wahrscheinlich nur gemeint: "Für Jugendliche nicht verständlich".

Inhalte des Mitglieds Berthold Deutschmann
Beiträge: 179
Ort: Lebe in Deutschland und Südamerika
Geschlecht: männlich
Seite 9 von 9 « Seite 1 4 5 6 7 8 9 Seite »
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz