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  • Suspected Death of a Minor (1975)Datum09.04.2013 09:55
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Suspected Death of a Minor (1975)

    Großartiger Film, großartige DVD-Auswertung! Älterer Kurzkommentar:

    Morte sospetta di una minorenne (Italien 1975, Originaltitel: Morte sospetta di una minorenne)

    Eine junge Dame wird von einem fiesen Sonnenbrillentäger brutal abgeschlachtet. Kurz vorher tanzte sie eine Runde mit dem leicht verschrobenen Paolo Germi (Claudio Cassinelli), der sich auf die Fährte des Killers begibt. Bei seinen Nachforschungen trifft Germi auf den kleinen Nachwuchslangfinger Giannino (Adolfo Caruso), welchen er kurzerhand als Helferlein verpflichtet. Der Jüngling wundert sich bald über seinen neuen Bekannten, plötzlich geht es nicht mehr lediglich darum den Nutten im Park die Handtaschen zu klauen. Nein, plötzlich gibt es Tote, wüste Verfolgungsjagden und Säcke voller Geld. Die wahre Identität Germis ist nicht schwer zu erraten, für den schlichten Giannino trotzdem eine Überraschung. Der Mord an der Hobbynutte stellt nur ein kleines Puzzleteil in einem erschreckenden Gesamtbild dar, in dem der reiche Bösewicht Gaudenzio Pesce (Massimo Girotti) eine gewichtige Rolle spielt. Die recht "speziellen" Methoden des engagierten Germi, treiben seinem Vorgesetzten (Mel Ferrer) unzählige Schweißperlen auf die faltige Stirn. Pesce ist ein einflussreiches Mitglied der obersten Gesellschaftssicht, was einerseits Germis Chef noch mehr Qualen bereitet, den Ermittler andererseits zur Höchstleistung auflaufen lässt ...

    Diesen wundervollen Film inszenierte Sergio Martino 1975. Mit prächtigen Gialli wie "Lo strano vizio della Signora Wardh" (Der Killer von Wien, 1971), "La coda dello scorpione" (Der Schwanz des Skorpions, 1971) und "Tutti i colori del buio" (Die Farben der Nacht, 1972), sowie Beiträgen zum Polizeifilm wie z.B. "Milano trema: la polizia vuole giustizia" (1973), erschuf Martino strahlende Highlights des italienischen Genrekinos. Es wäre müßig und zu ausufernd hier nun alle entsprechenden Titel aufzulisten, Informationsquellen bietet das Internet im Überfluß. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Sergio Martino auch nach seinen Beiträgen zu diesen Genres, etliche Filmperlen zu anderen Spielarten des Italokinos beisteuerte. "Morte sospetta..." kann man zwar problemlos dem Polizeifilm zuordnen, doch dieses Werk sprengt den üblichen Rahmen des Genres. Da wären zunächst die deutlichen Giallo-Elemente zu nennen. Erscheinung und Vorgehensweise des Mörders, Inszenierung seiner Taten, würden auch jedem Giallo perfekt zu Gesicht stehen, so erinnert der Score ebenso immer wieder an dieses Genre. Ferner ist die zugefügte Prise Humor weder zu übersehen, noch zu überhören, glücklicherweise driftet der Streifen nicht in dümmlichen Klamauk ab. Wie ein roter Faden zieht sich das "Brillenproblem" der Hauptfigur durch den Film, jeder Optiker hätte sicher seine Freude an einem solch ergiebigen Kunden. Dann wäre da noch der fahrende Untersatz des Helden. Eine Ente, die sich nach und nach in ihre Bestandteile auflöst. Folglich darf Helferlein Giannino auch kurzerhand Türen abreissen und den Verfolgern entgegenschleudern. Nicht nur die Zutaten aus anderen Genres machen "Morte sospetta..." zu einem ganz besonderen Erlebnis. Claudio Cassinelli spielt hier ganz groß auf. Wie seine ultraharten Kollegen aus anderen Filmen, kann sein Paolo Germi zwar auch verdammt ungemütlich werden, doch seine Darstellung geht weit über den Horizont -des genretypischen- einsilbigen Haudrauf-Bullen hinaus. Immer wenn ich Claudio Cassinelli sehe, erfreue ich mich an seinen exquisiten schauspielerischen Qualitäten, beschleicht mich regelmäßig eine gewisse Schwermütigkeit, denn Cassinelli verstarb bereits 1987 bei einem tragischen Unfall. Leider wurde dieser äußert talentierte Schauspieler nur 47 jung, möge er in Frieden ruhen. Übrige Mitwirkende liefern durch die Bank gute Leistungen ab, allerdings wurde der Film eindeutig auf Platzhirsch Cassinelli zugeschnitten. Mel Ferrer taucht ab und an als gestresster Chef auf und ringt um Fassung, Adolfo Caruso kommt als sympathischer Dummbatz daher, Massimo Girotti gibt den Widerling mit Stil. Die Kamera fängt das Geschehen vorzüglich ein, der teils an Goblin erinnernde Score verdient ein dickes Lob.

    "Morte sospetta..." bedient die Vorgaben des Polizeifilmgenres, fügt aber -auf sehr gelungene Art und Weise- Ingredienzien anderer Richtungen hinzu. Nicht zuletzt spielt der Film immer wieder mit den Klischees, damit natürlich auch mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Ich bin sehr, sehr angetan von diesem wundervollen Film! Die DVD aus der "Italian Genre Cinema Collection" von Sazuma ist ein echter Volltreffer (glücklicherweise wird diese Reihe nun unter dem Label Camera Obscura fortgeführt)! Die gebotene Bildqualität ist erstklassig, da nie eine deutsche Synchronisation existierte, hat man den italienischen Originalton durch deutsche, englische und niederländische Untertitel ergänzt (was mir deutlich lieber ist, als eine neu angefertigte Synchro, die in den meisten Fällen überhaupt nicht zum Film passt). Im Bonusmaterial findet man ein knapp halbstündiges Interview mit Regisseur Sergio Martino und ein paar nette Kleinigkeiten. Die DVD kommt in einem dicken Digipak samt Schuber daher, das Cover wurde sehr ansprechend gestaltet. Ein kleines Booklet mit Anmerkungen des altgedienten Christian Keßler rundet das phantastische Gesamtbild stimmig ab.

    Ein grandioser Film, präsentiert in perfekter Aufmachung! Noch sind Restbestände erhältlich, ich rate zum sofortigen Kauf! Dieser Schatz ist unbezahlbar, glücklicherweise momentan (noch) für kleines Geld erhältlich. Also: KAUFEN! (Sonst wird nachher wieder geheult, weil die Scheibe nur noch zu Bordellpreisen erhältlich ist... ...und die Blagen keine Weihnachtsgeschenke bekommen, weil Papi die gesamte Kohle für DVDs rausgehauen hat!)

    Sehr gut bis überragend = 8,5/10

    Lieblingszitat:

    "Dann bleibt Italien die Wiege des Rechts! ...und das Recht scheißt sie voll!"


  • DVD: Double Feature von Code Red (USA)



    Dr. Jekyll vs. The Werewolf (Spanien 1972, Originaltitel: Dr. Jekyll y el Hombre Lobo)

    Leidenschaft, Eifersucht & Peitschenzucht

    Imre Kosta (José Marco) lebt seit vielen Jahren in England, er stammt jedoch aus einer abgelegenen Gegend im Südosten Europas. Mit Gattin Justine (Shirley Corrigan) im Schlepptau, sucht Imre das Grab seiner Eltern auf, dort werden die Eheleute von üblen Gaunern überfallen. Justine erlebt die gnadenlose Tötung ihres Mannes, kann aber vom herbeieilenden Waldemar Daninsky (Paul Naschy) aus den Fängen der Mördbuben gerettet werden. Waldemar erweist sich als fürsorglicher Gastgeber, doch er leidet unter einem schrecklichen Fluch. Bei Vollmond verwandelt sich Waldemar in einen Werwolf, niemand kann die reißende Bestie kontrollieren. Justine ist ihrem Retter sehr zugetan und will helfen. Gemeinsam reist man zurück nach London, vielleicht kann Justines alter Freund Dr. Henry Jekyll (Jack Taylor) Waldemar heilen. Zunächst zeigt sich Dr. Jekyll skeptisch, schreitet dann aber mit Unterstützung seiner Zuarbeiterin Sandra (Mirta Miller) zur Tat. Tatsächlich gibt es Anlaß zur Hoffnung, obschon Jekylls Therapie große Risiken für Waldemar birgt. Keiner erkennt die drohende Gefahr, Sandras Eifersucht schäumt hasserfüllt über ...

    Regisseur León Klimovsky und Multitalent Paul Naschy waren ein grandioses Team, wir verdanken ihnen einige wundervolle Filmperlen, überwiegend im Horrorgenre angesiedelt. In Deutschland wurde der hier kurz vorgestellte Streifen unter dem Titel "Die Nacht der blutigen Wölfe" vermarktet. Die bewährte Geschichte um die Tragik des Werwolfs, verschmilzt mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu einem interessanten und herrlich waghalsigen Gebilde. So mutet der Therapieansatz des hilfsbereiten Dr. Jekyll äusserst abenteuerlich an, vermutlich würden sogar Baron Frankenstein die Haare steil zu Berge stehen. Ich will nicht ins Detail gehen, lasst euch überraschen! Freilich bietet "Dr. Jekyll y el Hombre Lobo" schmackhafte Zutaten auf: Friedhof, Totenschädel, Geblubber im Labor, Werwolf im Blutrausch, Mr. Hyde im Wahn des Bösen, Liebe, Eifersucht, Hass und schmackhafte Auslagen (welche bei Bedarf per Peitsche gezüchtigt werden). Zarte Liebe prallt auf ruchlose Boshaftigkeit, eingebettet in stimmungsvolle Kulissen. Hölle, wie wohl fühle ich mich in dieser Suhle! Wenn Mirta Miller die Peitsche schwingt, wenn Paul im post-psychedelischen Beatschuppen mehrere Verwandlungen durchläuft, den gesamten Saustall innerhalb weniger Sekunden aufmischt, möchte ich vor lauter Glückseligkeit auf meinem Sofa Salti schlagen!

    Paul Naschy in seiner Paraderolle Waldemar Daninsky, einmal mehr kämpft der warmherzige Waldemar mit dem finsteren Fluch, muß als Werwolf unfreiwillig Angst und Schrecken verbreiten. Damit nicht genug, Herr Naschy streift zusätzlich als abgrundtief widerwärtiger Perversling durch London, drangsaliert seine Opfer mit einem un­nach­ahm­lich irren Gesichtsausdruck, wechselt munter zwischen Mann, Unhold und Werwolf, mehr Freudenfest geht kaum! Mein lieber Knuffel zeichnet für Story und Drehbuch verantwortlich, ein waghalsiger Ritt durch den Horrorkosmos, grotesk und genial, eben typisch Paul Naschy! Jack Taylor ist jedem Fan europäischer Exploitation bekannt, verrichtete seine Arbeit häufig unter der Regie von Jess Franco (leider ist Jess Franco gestern (02.04.2013) verstorben, nun liegt mir ein Stein im Magen und ich ringe mit den Tränen. Verzeiht, es ist ein anderes Thema, aber ich komme seit dem gestrigen Tag nicht davon los). Interessanterweise fällt Dr. Jekyll in diesem Werk eine andere Rolle als üblich zu, er bleibt dennoch ein tragischer Charakter, Taylor spielt gewohnt solide und angenehm. José Marco dominiert das Geschehen nur zu Beginn, alte Verbundenheit zur verlassenen Heimat kann sehr verhängnisvolle Nebenwirkungen zur Folge haben. Mit Luis Induni ist ein sehr gefragter Nebendarsteller an Bord, seine Filmographie umfasst mehr als zweihundert Einträge. Induni mimt den feigen und skrupellosen Hinterlandganoven, unverzichtbares Klischees innerhalb der kargen Schönheit des fiktiven Südosteuropa vergangener Jahrzehnte. Raub, Notzucht und Mord, normaler Alltag des abscheulichen Pöbels. Zwei attraktive Damen wirken tatkräftig mit, Shirley Corrigan als blondes Herzchen, Mirta Miller macht uns das infame Miststück. Klar, die Sause fußt auf einem bezaubernd abstrusen Plot, gleichwohl sorgt das aufgeladene Beziehungsgeflecht für prachtvolle Momente, irgendwo zwischen Himmel, Peitsche und Höllenschlund pulsierend.

    Vollbedienung für Verehrer des spanischen Horrorkinos, Vollbedienung für Fans des unvergessenen Paul Naschy, ich erspare uns die Auflistung weiterer Disziplinen der Glückseligkeit. So sieht großartiger Eurohorror/Eurokult der siebziger Jahre aus (ja, hier darf man ohne flaues Gefühl von "Kult" sprechen)! Noch wichtiger, so fühlt sich faszinierendes Kino an, es lebt und bebt, es ist überdreht, erotisch, humorvoll und auf liebenswerte Art sadistisch. Mirta, gib mir die Peitsche, lass die Klatsche auf mein fauliges Fleisch knallen! Hölle, wie ich diesen Stoff liebe!

    Bereits 2002 veröffentlichte Mondo Macabro den Film in England. Auf dieser Scheibe ist leider lediglich die spanische Fassung enthalten, ergo bleiben die schmackhaften Früchte der Damen im Körbchen. Erfreulichweise präsentiert Code Red den Streifen nun in seiner ganzen Pracht, labt frisches Obst des Betrachters entzündete Augen. Neben "Dr. Jekyll vs. The Werewolf" befindet sich eine weitere Regiearbeit von León Klimovsky auf dem Silberling, das Werk trägt den klangvollen Titel "The Vampires Night Orgy" ( La orgía nocturna de los vampiros, 1974), Kurzkommentar demnächst in dieser Klinik. Bestellbar direkt beim Erzeuger: http://www.codereddvd.com/

    Dicke 8/10 (sehr gut) + unermeßliche Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit!!!


    Lieblingszitat:

    "It's the living I fear, not the dead."

  • Jess Franco gestorbenDatum02.04.2013 19:29
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Jess Franco gestorben

    Mein geliebter Jess ... Er war DER Meister seines Fachs, man muss sich nur wirklich mit seinen Werken beschäftigen. Vermutlich hat er den Tod seiner Lina nicht verkraftet. Kann jetzt nichts mehr schreiben.

  • • Scanners (Kanada 1981) - Über die Klasse dieser Cronenberg Perle muß ich mich nicht auslassen, zur BD aus dem Hause Subkultur jedoch ein paar Worte. "Scanners" liegt in sehr ansprechender Qualität vor, im Bonusbereich wurde ein Interview mit Hauptdarsteller Stephen Lack untergebracht. Herrlich, ich könnte den launigen Ausführungen stundenlang zuhören, leider fällt bereits nach knapp 15 Minuten die Klappe.

    Besser kann man 17€ kaum investieren! Klarer Kauftipp! Achtung: Meine Empfehlung gilt lediglich für die BD von Subkultur Entertainment, nicht für die Scheibe von Koch/Black Hill!


  • Kleine Hartbox (Cover B) von CMV



    Nightmares (Australien 1980, Originaltitel: Nightmares)

    Scherbenhaufen

    Noch immer leidet Helen Selleck (Jenny Neumann) unter ihrer traumatischen Vergangenheit, im Kindesalter erlebte sie Ruchlosigkeit und Tod der eigenen Mutter hautnah. Inzwischen ist die junge Frau eine talentierte Schauspielerin, Regisseur George D'alberg (Max Phipps) engagiert die Nachwuchskraft für ein kurz vor der Premiere stehendes Theaterstück. Auch Terry Besanko (Gary Sweet) ergattert eine Rolle, überdies scheint er Helen sehr zugetan, bemüht sich charmant um Nähe. Derweil wird Helen von grausigen Albträumen und Visionen geplagt, bald ereignen sich fürchterliche Morde im Umfeld des Schauspielhauses ...

    Bewusst halte ich den Inhaltseinblick zu "Nightmare on the Street" (Titel für den deutschen Markt) kurz. Zwar wird der Streifen gern in die Schublade Slasher sortiert, doch Regisseur John D. Lamond gönnt sich immer wieder Blicke über den Tellerrand, bricht Grenzen des Genres auf. So fällt zunächst die recht offensive Gestaltung diverser Nacktszenen ins Auge, offensichtlich kann und will Lamond seinen Bezug zu erotischen Werken nicht leugnen. Morde machen nicht durch besonders spektakuläre Effekte auf sich aufmerksam, versprühen eher eine bedrückende bis nahezu verstörende Stimmung. Wenn in diversen Klassikern und Mitläufern der -oft maskierte- Schlitzer meuchelt, macht sich beim Zuschauer angenehme Horroratmosphäre breit. Hier greift dieses ungeschriebene Gesetz nicht, hier wird die wohlig blutwarme Suhle zur unbequemen Lava des Schmerzes. "Nightmares" stellt Killer und Motiv klar in den Raum, dreht Ensemble und Betrachter dennoch durch den Fleischwolf, nicht nur Glas zerspittert im Wahn aus Lust, Leid und Terror. Nicht minder elektrisierend Schnitt- und Szenenfolge, Taumel zwischen Hektik und Liebe zum Detail, bei Betrachtung des Gesamtpakets durchweg stimmig.

    Großes Lob für Hauptdarstellerin Jenny Neumann. Wüste Übertreibungen treffen subtile Zwischentöne, Schönheit wird im Eiltempo zur Haßfratze, zu keiner Sekunde lässt mich die junge Dame unberührt, nie war hemmungslose Übertreibung prächtiger. Gary Sweet sorgt für Ansätze von Erdung, sein Terry ist ein angenehmer Typ, wünschen wir ihm Glück (was freilich ein hoffnungsloses Unterfangen bleibt). Max Phipps poltert als schablonenhafter Regisseur durch den Saal, zeigt sich zunehmend dünnfellig. Vor allem John Michael Howson darf für herrliche Momente sorgen, in der Rolle des tuntigen Kritikers Bennett Collingswood spuckt er Gift und Galle, will manchen Beteiligten nicht nur auf den schmerzempfindlichen Zahn fühlen. Ich möchte mich nicht in endlosen Auflistungen ergehen, belasse es bei herausragenden Charakteren, verneige mich erneut vor Jenny Neumann!

    Ist "Nightmares" Kunst im Schundgewand? Schund im Kunstgewand? Großes Kino auf kleinem Fuß? Vielleicht die verkannte Avantgarde des Schlitzerfilms? Egal zu welchem Ergebnis man kommen mag, sofern überhaupt ein Stempel haftet, dieses Werk ist ein besonderer Film, ergißt sich abseits des großen Stroms in mein Herz, Hirn und den fahlen Schein des Grauens. Mir ist das einen Eintrag ins Buch der unverkrampft-abseitigen Spektakel wert. Down Under dreht am Rad, meine Rübe fühlt sich zwischen den rotierenden Speichen wohl. Danke!

    CMV präsentiert "Nightmares" auf einer soliden DVD, der Bonusbereich besteht aus Trailern und einer Bildergalerie. Als Verpackung dienen kleine Hartboxen, zwei unterschiedliche Cover stehen zur Verfügung.

    In Zahlen? Muß das unbedingt sein? 7/10? 10/10 für Jenny Neumann, 10/10 für Mut und Kreativität der Verantwortlichen!


    Lieblingszitat:

    "Lass diese Scherze!"

  • Viel Spass! Ich bin wirklich kein allzu großer Fan von Burt Lancaster, aber in "Scorpio" hat er mir sehr gut gefallen! Alain Delon ist sowieso eine sichere Bank.

  • Ultrakurz:


    • Scorpio (USA 1973) - Alain Delon und Burt Lancaster sind für den US-Geheimdienst als Killer unterwegs, eines Tages gerät Veteran Cross (Burt Lancaster) auf die Abschußliste seiner Auftraggeber ...

    Michael Winner verdanke ich einige unterhaltsame Filmabende, darunter diverse Klassiker mit Charles Bronson. Hier liefern sich Lancaster und Delon ein packendes Duell in stilvollen Kulissen, inklusive Action, Thrill und trostlosem Ende. Kurzweilig, konsequent, dicke Empfehlung. Die DVD aus dem Hause MGM ist zum kleinen Preis erhältlich, Bild ordentlich, Ausstattung mager.

    7,5/10 (gut bis sehr gut)


    • Bloodmoon (Australien 1990) - Ein irrer Killer meuchelt sich durch die Reihen eines Mädcheninternats, nicht nur in den USA leben Teenager gefährlich ...

    Zunächst lullt "Bloodmoon" den Zuschauer -auf sehr angenehme Art- ein, in der letzten halben Stunde ziehen Tempo und Boshaftigkeit deutlich an. Mettgut und Möpse in kleiner Dosis, sympathische Akteure und ein herrlich durchgeknallter Killer. Entspannte Slasherfans kommen auf ihre Kosten, mir hat der Trip nach Down Under zugesagt. Kinowelt präsentiert den Streifen auf einer soliden DVD, klarer Kauftipp!

    7/10 (gut)


    • Stadt in Flammen (Kanada, USA 1979) - Bemühter Schwanengesang, Nachhall der großen Katastrophenfilme der siebziger Jahre. In Erinnerung bleiben Barry Newman als emsiger Chefarzt, Ava Gardner als versoffene TV-Moderation, Leslie Nielsen macht uns den karrieregeilen Bürgermeister ...

    Sehr wohlwollend ziehe ich 6/10, ich mag diesen unrunden Abschied aus dem grössten Jahrzehnt der Filmgeschichte. Leider kann ich die sehr lieblose DVD von VZM nicht empfehlen, nur sammelwütige Fanatiker (Blap und ähnliche Spinner) sollten einen Blick riskieren.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum27.03.2013 20:37
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 143 - Ein eiskalter Hund (Deutschland 1986)

    Radikale Entsorgung

    Luise Lohbach (Christine Buchegger) und ihr Gatte Jakob (Klaus Löwitsch) führen keine glückliche Ehe. Jakob geht nicht nur ständig fremd, seit einiger Zeit verhält er sich extrem kühl und abweisend. Für den untreuen Ehemann ist Scheidung keine sinnvolle Option, da die Gattin das Vermögen mit in die Ehe brachte. Eines Tages wird Frau Lohbach in ihrem Wochenendhaus ermordet. Jakob Lohbach kann ein wasserdichtes Alibi vorweisen, zum Tatzeitpunkt spielte er mit seinem Schwager und einem Mitarbeiter Karten. Offen bekennt er sich zu seiner Beziehung mit Greta Riemann (Gundi Ellert), die als Kellnerin im Gasthaus Lohbach arbeitet. Derrick und Klein verdächtigen den kaltherzigen Witwer, doch dessen Alibi scheint unantastbar ...

    Klaus Löwitsch darf sich arrogant, abgebrüht, knallhart und extrem gefühlskalt zeigen, mit einem Menschen wie Jakob Lohbach möchte man sich kaum umgeben. Dem knarzigen Löwitsch steht die Rolle des berechnenden Gierhalses bestens zu Gesicht, gewissermaßen wie auf den Leib geschneidert. Horst Michael Neutze lässt sich von seinem Schwager blenden, erkennt zwar die kühle Oberfläche, rechnet jedoch nicht mit der grausigen Fratze hinter der kantigen Fassade. Ida Krottendorf überzeugt als leicht schrullige Bürokraft der Lohbachs, überdies liefert sie die Vorlage für einen kleinen Running Gag, der das triste Treiben hier und da auflockert. Christine Buchegger bleibt als Mordopfer nur wenig Entfaltungsraum, sie hechelt dem fiesen Gatten verzweifelt hinterher, arme Luise. Gundi Ellert bringt als Geliebte einen Hauch biederen Sexappeal ins Spiel, Axel Milberg sehen wir als zunehmend hektischen Bruder der Servierkraft.

    Regisseur Theodor Grädler ringt mit dem wenig erbaulichen Drehbuch, vor allem der viel zu flotte Zusammenbruch des Eisblocks wirkt an den -kaum vorhandenen- Haaren herbeigezogen. Obendrauf sieht unser geschätzter Oberinspektor über fragwürdige Ermittlungsmethoden hinweg, Derrick muss sich dem schwachen Finale der Folge beugen. Schade und unpassend, hier hätte ich mir Mut zur Bitterkeit gewünscht, durch den "Ein eiskalter Hund" deutliche Aufwertung erfahren hätte. Interessante Ansätze bietet die Rolle Gundi Ellerts, deren Potential nicht genutzt wird, immerhin wird ihre zunehmende Angst vor dem bösartigen Liebhaber deutlich. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, Fanbefriedigung auf kleiner Flamme, ansprechende Leistungen der Darsteller retten den mittelprächtigen Plot.

    Knappe 6/10 (obere Mittelklasse)

  • Ab Ende April steht Dolph für eine TV-Serie vor der Kamera. Zitat aus seiner Website:

    " ... 5 Months on the Series RESCUE 3, trying to save people instead of blowing them away ..."

  • Zitat von Marmstorfer im Beitrag #5041
    ... mit einem prägnanten Hauptdarsteller besetzt, der seine Glanzzeit bereits hinter sich hat (Lundgren, Van Damme)...



    Einspruch! Zwar mag der Bekanntheitsgrad der beiden Herren geschrumpft sein, ihre schauspielerischen Fähigkeiten sind jedoch im Laufe der Jahre stetig gewachsen. Dolph war schon immer gut, heute ist grandios, überdies ein versierter Genre-Regisseur. Beispiele: "The Mechanik" und "Command Performance". Van Damme spielte früher eher hölzern, zeigt jedoch längst beeindruckende Leistungen, siehe "JCVD" oder "Until Death".

    Nur Steven Seagal hat seine Fähigkeiten nie erweitert, bei ihm wächst lediglich der Umfang des Körpers. Was solls, ich liebe meinen alten Kampfklops, egal wie fett und faul er sich präsentiert.


  • BD+DVD Combo: Synapse films (USA)



    The Dorm That Dripped Blood (USA 1982, Originaltitel: The Dorm That Dripped Blood)

    Der Letzte macht (nicht nur) das Licht aus ...

    Joanne (Laurie Lapinski) leitet die Entrümpelung eines in die Jahre gekommenen Studentenwohnheims, eine kleine Gruppe Helferlein steht ihr bei diesem Vorhaben zur Seite. Zwar könnte man die Ferien auf angenehmere Art verbringen, dennoch herrscht überwiegend gute Stimmung. Für Beunruhigung sorgt ein verwirrt aus der Wäsche glotzender Bursche (John Hemmit), welcher das Gelände trotz mehrfacher Aufforderung nicht verlässt, sich immer wieder dem Zugriff des Aufräumkommandos entzieht. Bald kommt es zu befremdlichen Vorfällen, Joanne und ihre Kommilitonen werden von unguten Gefühlen ergriffen. Wenig später schlägt zarte Angst in pures Grauen um ...

    Jeffrey Obrow und Stephen Carpenter haben "The Dorm That Dripped Blood" mit wenig Geld und viel Herzblut inszeniert. Bewährte Zutaten bilden das Fundament für diesen Slasher aus den frühen achtziger Jahren. Das Ensemble besteht aus unverbrauchten Gesichtern, die Frischlinge machen ihren Job gut. Man vertraut auf bodenständige Charaktere, hat die dazu passenden Gesichter gewählt, vielleicht eher unscheinbar, fraglos sympathisch. Am gemäßigten Erzähltempo werden hektische Zuschauer wenig Freude haben, der geneigte Fan taucht mit Wonne in die typische "Achtziger-Campus-Slasher Atmosphäre" ein. Glaubt man den Angaben des Labels zu dieser Veröffentlichung, bekommen wir endlich die tatsächlich ungekürzte Fassung des Streifens zu sehen. Teils sind die Morde sadistisch ausgeführt, hinzu gesellen sich einfache -aber sehr effektive und liebevoll gemachte- Panschereien. Sicher wird mancher Betrachter den Killer vorzeitig ermitteln, aus meiner Sicht gelingt der Twist jedoch gut, vor allem das bitterböse Ende sorgt für dicke Ausrufezeichen!!! Ich lobte die Damen und Herren vor der Kamera bereits, weitere Auflistung der Truppe scheint mir unnötig, entsprechende Informationen sind im Netz verfügbar. Kurz möchte ich Laurie Lapinski hervorheben, die mit ihrer freundlichen Ausstrahlung sofort Punkte sammelt. In einer Nebenrolle ist Daphne Zuniga zu sehen, heute gefragte TV-Darstellerin in den USA.

    In Deutschland wurde der Film unter dem Titel "Todestrauma" vermarktet (alternative Titel für den englischsprachigen Raum: "Death Dorm" und "Pranks"), bisher nur auf Tape, vielleicht erreicht uns irgendwann eine DVD oder gar BD. Dramtisch ist die Marktlage nicht, Synapse hat dem Flick eine ansprechende DVD/BD Combo spendiert. Das verwendete Material erweist sich als grobkörnig, zum Glück blieb der Filterwolf im Keller, die rohe Optik steht dem Werk sehr gut. Extras geben interessante Infos her, es gibt einen Audiokommentar von Obrow & Carpenter auf die Ohren, hinzu gesellen sich zwei Beiträge über Make-Up FX und Score, dort melden sich Matthew Mungle (FX) und Christopher Young (Musik) zu Wort. Sehr erfreulich, denn die herrlichen FX und der starke Score, haben diese zusätzliche Würdigung absolut verdient. Weiterhin lässt sich der Film nur mit Musik betrachten. Testet die Option, mit einfachem Equipment und geringen finanziellen Mitteln, hat Christopher Young großartige Arbeit abgeliefert (inzwischen ist er seit vielen Jahren ein gut beschäftigter Komponist, was ich nach dem Genuß von "Dorm" gut nachvollziehen kann).

    Fans kommen auf ihre Kosten, Slasherkost für Liebhaber kleiner Filme. Gern ziehe ich 7/10 (gut), rate zum Kauf des Sets aus dem Hause Synapse films.


    Lieblingszitat:

    "This is no joke! The power is cut and the phone's dead!"

  • Die letzten Nächte im Ultrakurzformat:



    • Halloween IV (USA 1988) - Innerhalb der Reihe oft unterschätzter Streifen. Dwight H. Little hat einen sehr ansprechenden Slasher inszeniert, hetzt unseren Liebling Michael Myers erneut auf panische Opfer, während Donald Pleasence verzweifelt versucht den Killer zu stoppen ...

    Es existiert bereits ein älterer Kurzkommentar, diesmal kam jedoch die BD von Anchor Bay (UK) zum Einsatz. Einmal mehr starke 8/10 für meine alten Freunde Michael Myers und Dr. Loomis.


    • Universal Soldier - Day of Reckoning (USA 2012) - Scott Adkins übernimmt die Hauptrolle der Reihe, stürzt in eine Welt des Schmerzes. Hier gibt es keine Gnade, keine Hoffnung, kein Entkommen. Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme in Nebenrollen, Lundgren sorgt für einen Hauch Ironie, Van Damme unterstreicht die gnadenlose Finsternis des Stoffes. "Universal Soldier: Regeneration" war sein starkes Gesellenstück, mit "Day of Reckoning" liefert John Hyams ein äusserst beindruckendes Meisterwerk ab, sprengt die Grenzen des Actionfilms. Mit fröhlichem Krawall wie "The Expendables" hat "Day of Reckoning" nicht viel zu tun, ebenso gering sind Gemeinsamkeiten mit hysterischem Hype der Marschrichtung "The Raid".

    Mir liegt die ungekürzte BD aus Deutschland vor, die den Film in erstklassiger Qualität bietet. Auf der Scheibe ist auch die 3D-Version enthalten, ich bevorzuge jedoch die normale Variante. Feiste 8,5/10 (sehr gut bis überragend)


    • C2 - Killerinsect (USA 1993) - Fiese Zecken mutieren und greifen an. Schleimiger Insektenhorror, eingebettet in ein typisches Backwood Slasher Umfeld. Nette FX und brauchbare Darsteller, kein Überflieger, dennoch kurzweilig. Die DVD von HDMV gab es für einen Taler im Wühltisch, sehr angenehm. Etliche Auflagen erreichten den deutschen Markt, in den USA ist der Film inzwischen auch auf BD verfügbar.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)


    • Firewalker (USA 1986) - Die deutsche Version macht den Streifen zur "Feuerwalze", Chuck Norris und Louis Gossett Jr. wurden debile Kalauer in den Mund gelegt. Bei all dem Unfug geraten Abenteuer und Action zur Nebensache, obschon ich den Originalton bevorzuge, muss man die Blödelsynchro gehört haben, unfassbar.

    In meiner Sammlung befindet sich die ordentliche DVD aus den Niederlanden, diese enthält u. a. die deutsche Fassung.

    6/10 (obere Mittelklasse)


    • Night Train Murders (Italien 1975) - Böser Klassiker aus Italien, älterer Kurzkommentar sollte im Forum vorhanden sein. Inzwischen bekam meine UK-DVD Gesellschaft aus den USA, Blue Underground spendierte dem Werk eine sehr ansprechende BD.

    Wächst mit jeder Sichtung, ich erhöhe auf 9,5/10 (überragend +)


  • DVD-Set: Shout Factory (USA)



    The Slumber Party Massacre (USA 1982, Originaltitel: The Slumber Party Massacre)

    Des Killers eindringliche Liebe ...

    Trish (Michelle Michaels) freut sich über die Abwesenheit ihrer Eltern, am Abend will sie mit Freundinnen eine zünftige Pyjama-Party feiern. Einziger Bremsklotz könnte Mr. Contant (Rigg Kennedy) werden, er soll -im Auftrag der besorgten Erziehungsberechtigten- ab und zu nach Trish sehen. Schnell erweist sich Contant als locker und großzügig, ergo dürfen die jungen Damen auf einen gelungenen Abend hoffen. Bereits seit einigen Stunden treibt Russ Thorn (Michael Villella) sein Unwesen, ein wahnsinnger Massenmörder, frisch aus dem Irrenhaus entlaufen. Noch ahnen die Partygäste nichts vom tödlichen Unheil, welches sie bald mit aller Macht gnadenlos zu überrollen droht. Derweil hütet Valerie (Robin Stille) im Haus gegenüber ihre kleine Schwester Courtney (Jennifer Meyers), obwohl Trish die Mitschülerin ebenfalls zur Fete eingeladen hat ...

    Amy Holden Jones liefert mit ihrem Regiedebüt einen äusserst unterhaltsamen Slasher ab, selbstverständlich mangelt es nicht an Klischees. Doch "The Slumber Party Massacre" kann mehr, funktioniert darüber hinaus als liebenswerte Parodie auf das Genre, viele Jahre vor Wes Cravens "Scream" (1996). So punktet der Streifen nicht nur mit blanken Brüsten, hysterischem Gekeife, einem herrlich durchgeknallten Killer und toller Atmosphäre, stets ist feiner Humor präsent, nur selten wird die Grenze zum plumpen Flachwitz überschritten. "Ernsthafte Schablonen" und gelungene Parodie wurden selten derartig stimmungsvoll verwoben, großartig!

    Michael Villella agiert in der Rolle des Killers Russ Thorn ohne Maske oder sonstige Tarnkappe, recht früh bekommen wir sein Antlitz zu sehen. Sicher ist es einfacher per entmenschter Gesichtsmaske für Grauen zu sorgen, Villella kommt ohne solcherlei Maßnahme aus, sein entrückt-irrer Blick sorgt für wohlige Gruselschauer. Bevorzugt setzt Russ Thorn einen Akkubohrer von erstaunlicher Größe ein, gewissermaßen stahlharter Phallusersatz mit durchschlagender Eindringtiefe. Es wird nicht allzu ausufernd gemetzelt, vielmehr setzt man Momente des Mettguts stilsicher und punktgenau, vergrößert die Effektivität, beugt ermüdendem Overkill vor. Die Girls gehören zur hübscheren Gattung üblicher Slasheropfer, Michelle Michaels und Robin Stille agieren ansprechend als Final Girl Anwärterinnen, mein persönlicher Augenschmaus heißt Andree Honore, dralles Vollweib, längst dem Teeniestatus entwachsen. Ich möchte nicht alle Darsteller auflisten, freut euch auf nette Damen und einen wahnsinnigen Schlitzer. Übrigens merkt man Story und Regie die weibliche Handschrift deutlich an, abgesehen vom Killer, finden Bübchen und Herren nur am Rande statt, dienen lediglich als zusätzliche Metzelmasse.

    Die Angst der Jungfrau vor dem Phallus. Sex, Drogen oder sonstige Laster? Der Killer kommt und holt dich! Vermutlich kommt der Killer tatsächlich, zumindest bis man ihm den Bohrer abschlägt. Armes Kerlchen. Barbie ist uncool und landet im Mülleimer, keine Sorge, Herr Driller Killer bringt sie zurück. Symbolik per Akkubohrer und sowieso Vorschlaghammer, Schablonen auf ausgetretenen Pfaden. Ironie in diesem Fall mehr als nette Garnitur, hinzu gesellt sich grandiose Arbeit des Cutters. Frauenpower auf dem Regiestuhl, Mädchenpower vor der Kamera, böser Killer, dein Riemen bespielt nie wieder irdische Orgeln, vergammelter Pillemann. Slasherhimmel ... mit und ohne Pi**el.

    Aus den USA erreichte mich das schicke Set namens "The Slumber Massacre Collection". Zu den an ebenfalls an Bord befindlichen Werken "Slumber Party Massacre II & III", werde ich nach erfolgter Sichtung ein paar Zeilen schreiben. Neben den Filmen gibt es eine dreiteilige Dokumentation namens "Sleepless Nights: Revisiting The Slumber Party Massacre" zu sehen, Trailer, Fotogalerie und Booklet runden das Paket ansprechend ab.

    Sehr gut = Dicke 8/10


    Lieblingszitat:

    "Mom, I'm eighteen years old, remember!?"

  • Im Ultrakurzformat:


    • Sexorgien der roten Mönche (Italien 1988) - Nackte Haut, Kuttenträger, okkulte Rituale in alten Gemäuern, Mord ...

    Zutaten nach meinem Geschmack, angerichtet in Italien, meinem liebsten Filmland. Dazu angenehm entschleunigt erzählt, beste Voraussetzungen für einen wundervollen Filmabend. Leider lässt Gianni Martucci sein Süppchen auf kleiner Flamme zu einem seltsam seelenlosen Brei verkochen, statt schmackhafter Reduktion wird fade Pampe serviert. Wie schafft man es, in diesem Umfeld kaum Atmosphäre zu erzeugen, es ist mir ein Rätsel. Leider vermögen die Protagonisten den Stoff nicht zu retten, Hauptdarstellerin Lara Wendel nervt mit zunehmender Spieldauer, lediglich die (im Ansatz) geheimnisvolle Malisa Longo bringt als kauzige Hausdame eine Prise Würze ins lustlose Treiben. Wenn die roten Mönche auftauchen, weht zumindest ein leichter Hauch Stimmung durch die Bude.

    "Sexorgien der roten Mönche" erfuhr in Deutschland mehrere Veröffentlichungen. Mir liegt die DVD aus dem Hause X-Rated/X-NK vor, dort ist der Streifen in unterschiedlichen Bildformaten enthalten, die Scheibe kommt in einer grossen Hartbox. Nur für irre Sammler und Extremsüchtlinge geeignet, seltsame Nachtschattengewächse -wie der Verfasser dieser Zeilen- dürfen einen Blick riskieren.

    Knappe 4/10

  • Im Ultrakurzformat:


    • Barbarella (Frankreich, Italien 1968) - In ferner Zukunft herrschen Frieden und Liebe. Als ein wahnsinniger Abweichler das Universum bedroht, muss Barbarella (Jane Fonda) eingreifen und den Irren stoppen ...

    Der Weltraum, unendliche Weiten psychedelischer Wabermasse. Die Welten, bunte Spielplätze für schrullige & bizarre Gestalten. Mittendrin, obendrauf und darunter Barbarella, kokett-naive Erotikwaffe auf Rettungsmission. John Phillip Law flattert umher, Anita Pallenberg tyrannisiert, Milo O'Shea flippt aus. Jane Fonda geistert inzwischen als Anti-Falten-Creme-Oma durchs Werbefernsehen, vor 45 Jahren war sie ein echter Hingucker. "Barbarella" wurde Jane Fonda vom damaligen Gatten Roger Vadim auf den wohlgeformten Leib geschneidert, ein herrlicher Spass im Takt des Zeitgeistes der späten sechziger Jahre.

    Auch auf Blu-ray macht "Barbarella" eine gute Figur. Leider bietet die Scheibe keine Boni, bei einem Klassiker dieses Formats eine schwache Vorstellung. Ich mag den Streifen sehr gern, meine Begeisterung ist in diesem Fall extrem von der Tagesform abhängig. Irgendwo zwischen 6-9/10 kommt das Pendel zur Ruhe, die aktuelle Sichtung meldet Pegelstand 8/10.


    ---


    • Dracula 2000 (USA 2000, Orignaltitel: Dracula 2000) Älterer Kurzkommentar, leicht überarbeitet

    Der wohlhabende britische Antiquitätenhändler Abraham Van Helsing (Christopher Plummer), hütet im Untergeschoß seines Anwesens einen unsagbar wertvollen Schatz. Zumindest vermutet dies eine Bande professioneller Einbrecher, denn das Gewölbe ist mit einem extrem aufwendig konstruierten Sicherheitssystem vor unbefugten Zugriffen geschützt. Zur Abrundung der Sicherheitsmaßnahmen verrichten Wachleute rund um die Uhr ihren Dienst. Trotz dieser Hürden gelingt den Gaunern der Zugang, ärgerlicherweise finden sie keine der erhofften Kostbarkeiten vor, lediglich ein schwerer Sarg aus Metall scheint interessant zu sein. Da sich die Kiste nicht vor Ort öffnen lässt, nehmen die gierigen Gesellen das gute Stück kurzerhand mit. Auf dem Rückflug in die USA erleben die Schurken eine verdammt unangenehme Überraschung, aus dem Sarg erhebt sich Dracula (Gerald Butler) höchstpersönlich! Nach vielen Jahren der Gefangenschaft verspürt der Bösewicht einen unbändigen Blutdurst. Inzwischen hat sich auch van Helsing auf den Weg in die Staaten gemacht. Mitarbeiter Simon Sheppard (Jonny Lee Miller) hat sich an die Fersen des Chefs geheftet, obwohl sein Mentor ausdrücklich darauf bestanden hatte ohne Begleitung zu reisen. Als Simon erste unangenehme Begegnungen mit Schergen Draculas macht, erkennt er nach und nach die Tragweite der grausige Bedrohung. Dracula und van Helsing sind auf der Suche nach Mary (Justine Waddell), Abraham Van Helsings Tochter. In New Orleans prallen die Gegenspieler mit aller Härte aufeinander, welch erschreckendes Geheimnis hütet der alte Van Helsing ...???

    2000 ließ Regisseur Patrick Lussier den mächtigen Blutsauger auf die Menschheit los. Da Wes Craven als Produzent mit an Bord war, musste sein bekannter Name herhalten, schliesslich kennt so gut wie jeder Horror-Fan den einen oder anderen Film des Genre-Veteranen. Patrick Lussier hat einen sehenswerten Vampirfilm auf den Weg gebracht. Christopher Plummer ist eine gute Wahl für die Rolle des Van Helsing, dem ewigen Gegenspieler des Blutsaugers. Natürlich bleibt Peter Cushing für immer und ewig der einzig wahre Van Helsing, leider hat der Meister bereits vor einigen Jahren (1994) die Bewusstseinsebene gewechselt, möge er in Frieden ruhen! Gerald Butler überzeugt als modernisierter Dracula, die übrige Besetzung erleidigt ihren Job solide, könnte aber auch beliebig ausgetauscht werden. Neue Erkenntnisse über die Herkunft Draculas wirken erfrischend, verleihen dem Film eine gewisse Eigenständigkeit. Es wird ein wenig gemetzelt, natürlich muss in einem Vampirfilm gebissen werden, aber auch der eine oder andere Kopf löst sich vom Rumpf, sehr angenehm. Musikalisch regiert Krawall, es gibt Monster Magnet, Slayer und weitere Krachmacher auf die Ohren. Dracula ist ganz offensichtlich von einem Monster Magnet Videoclip angetan, Geschmack hat der Untote.


    Fazit: Obschon ich diverse Klassiker des Vampirfilms bevorzuge, gefällt mir die Variation des bewährten Stoffes gut. Angenehm und kurzweilig = 7/10


  • DVD: CODE RED (USA)



    Madman (USA 1982, Originaltitel: Madman)

    Metzelmasse im Blockhaus! Mettgut im Wald! Madman Marz macht alle kalt!

    Zu jedem Aufenthalt im Feriencamp gehören Gruselgeschichten am Lagerfeuer. Lagerboss Max (Carl Fredericks) hat eine besonders schaurige Erzählung auf Lager, eindrucksvoll berichtet er von fürchterlichen Blut­taten, verübt von einem wahnsinnigen Farmer, genannt Madman Marz. Niemand darf den Namen des Killers laut aussprechen, ansonsten kehrt er zurück, gnadenlos und mordlüstern. Selbstredend hallt der verbotene Name mehrfach laut durch den nächtlichen Wald, niemand glaubt wirklich an haarsträubende Schauermärchen. Welche schreckliche Fehleinschätzung, denn wenig später lässt Madman Marz fleißig die Axt kreisen ...

    Momentan hat mich das Slasher-Fieber gepackt. Nein, bereits seit den frühen Achtzigern faszinieren diese Streifen das (damals jugendliche) Blap, ab und zu kocht die Leidenschaft auf besonders hoher Flamme. "Madman" tobt sich nicht auf irgendeinem Campus aus, hier wird das Jungvolk durchs feuchte Unterholz gejagt. Damen und Herren hauchen ihr Leben zwischen Blockhütten und Laubwald aus, wie es der Slashersüchtling aus den Klassikern der "Freitag der 13." Reihe kennt und liebt. Als Killer geht ein entstellter Hinterwäldler um, zielsicher stapft der grauhaarige Backwood-Pummel seinen Opfern hinterher. Wieso und warum? Antworten gibt es am Lagerfeuer. Mettgut, Möpse und Gekeife bewegen sich im üblichen Rahmen, Regisseur und Autor Joe Giannone verlässt sich auf bekannte Strickmuster. Im Camp werden besonders begabte Kinder betreut, freilich hindert das keinen Betreuer an dummen Verhaltensweisen oder schwachsinnigen Ansagen, geliebte Schablone, lang sterbe dein Füllmaterial.

    Auf das Ensemble muss ich nicht näher eingehen, gängiges Fleisch für den Metzger. Austauschbar, überwiegend gefällig. Lediglich ein Gesicht sticht aus der Fleischtheke hervor, Gaylen Ross, bekannt durch ihre Hauptrolle in George A. Romeros Überwerk "Dawn of the Dead" (1978). Wer mag Anwärter auf den Titel Final Girl sein? "Madman" baut ferner auf einen einfachen und effektiven Score, stilsichere Kamera und geschickt über die Spieldauer verteilte Gewaltausbrüche. Schockierend, innovativ und herausragend? Aber nein, mehr als gepflegter Standard befindet sich nicht im Angebot. Ich wurde sehr angenehm und kurzweilig unterhalten, genau mein Näpfchen Blut.

    CODE RED präsentiert "Madman" in ansprechender Qualität, obendrauf gibt es eine stattliche Menge Bonusmaterial zu sichten. Zwecks Bestellung empfehle ich die Website des Herstellers, erreichbar unter http://www.codereddvd.com .

    7/10 (gut)


    Lieblingszitat:

    "Nobody's gonna come and get me? ... and chop off my head?"


  • BD von Olive Films (USA)



    The Boogens (USA 1981, Originaltitel: The Boogens)

    Blaps kleine Brüder auf Beutezug

    Nach rätselhaften und unheimlichen Vorfällen, wurde die Silbermine von Silver City vor rund siebzig Jahren geschlossen. Nun ist man erneut an der Anlage interessiert, sendet eine kleine Arbeitsgruppe zwecks Erkundung aus. Brian Deering (John Crawford) und Dan Ostroff (Med Flory) sind konzentriert bei der Sache, während Jungspund Roger Lowrie (Jeff Harlan) seinen Kumpel Mark Kinner (Fred McCarren) vor allem mit der Vorfreude auf seine Freundin Jessica Ford (Anne-Marie Martin) nervt, mit der in der bleibenben Freizeit ordentlich die Matratze in Bewegung bringen will. Freilich hat Roger an Marks vermutete Bedürfnisse gedacht, Jessica wird ihre Freundin Trish Michaels (Rebecca Balding) im Schlepptau haben. Trotz unterschiedlicher Prioritäten funktioniert das Team, bei guter Laune schreitet die Arbeit stetig voran. Zwar stösst man in der Mine auf eine gruselige Fundstelle, aus der Fassung bringen die entdeckten menschlichen Skelette jedoch keinen der Anwesenden. Für Roger und seinen Freund läuft es sowieso rund, Jessica ist willig, Trish versteht sich auf Anhieb mit Mark. Niemand ahnt das bevorstehende Grauen. Niemand? Nur der schrullige Alte (Jon Lormer) scheint zu wissen, welch entsetzliches Geheimnis in der lange verschlossenen Mine lauert, nun mit aller Macht ausbricht ...

    Hauptsächlich inszeniert James L. Conway TV-Produktionen, ist in diesem Umfeld auch als Produzent und Autor tätig. Nur wenige Streifen Conways waren für den Kinosaal bestimmt, darunter der hier kurz vorgestellte "The Boogens". Stimmungsvolle Fotos und Zeitungsausschnitte teilen uns die Vorgeschichte mit, berichten vom Aufstieg und Fall der Silbermine in Silver City. Bergwerk, Kleinstadt, Horror, frühe achtziger Jahre, sofort wecken diese Stichworte Erinnerungen an "My Bloody Valentine", tatsächlich war der spätere Klassiker einige Monate vor "The Boogens" am Start. Während "My Bloody Valentine" fest im Kosmos des Slasherfilms verwurzelt ist, kommt Conways Streifen als Monstersause daher. Auf Klischees wird selbstverständlich nicht verzichtet, die jüngere Fraktion zeigt sich erwartungsgemäß hormongesteuert. Ohne Hektik stellt uns das Drehbuch die Protagonisten vor, während die Einsätze der Monster sehr überschaubar bleiben, erst auf der Zielgeraden kommen die Unholde richtig in Fahrt. Mir sagt diese Marschrichtung zu, denn die Damen und Herren vor der Kamera sind allesamt sympathische Erscheinungen, "irgendwie" möchte ich mich von keinem Mitglied des Ensembles frühzeitig trennen. Stimmt nicht ganz, allzu gern hätte ich den Boogens Hundefutter verabreicht, in Form des hässlichen Köters namens Tiger, fieses Fellknäuel mit Nervensägenpotential. Nicht unfair werden, Bello sorgt ab und zu für wohlwollende Schmunzler. An Humor mangelt es nicht, angenehmerweise nicht immer mit dem Vorschlaghammer verabreicht.

    Werfen wir einen Blick auf die Akteure vor der Kamera. Fred McCarren fungiert als unfreiwilliger Held, Jeff Harlan macht als Roger auf Hormonmonster mit ständig geschwollener Hose. Obschon Roger sich hauptsächlich auf ein bestimmtes Thema beschränkt, kommt der notgeile Bursche nicht unangehm rüber. John Crawford war in unzähligen Produktionen zu sehen, ihm steht mit Med Flory ein Veteran gleicher Altersklasse zur Seite. Anne-Marie Martin und Rebecca Balding sind hübsche junge Damen, Jon Lormer passt wie angegossen in die Schablone des wirren Alten. Klar, niemand glaubt dem Greis, ihr kennt das zu erwartende Ergebnis aus anderen Genrebeiträgen. Damit sind die relevanten Darsteller bereits genannt, lediglich wenige kleinere Nebenrollen füllen das überschaubare Team auf. Fraglos ist die gute Chemie zwischen den Schauspielern eine der Stärken des Streifens, lässt die zunächst geringe Dosis Monstergetümmel nicht negativ ins Gewicht fallen.

    Sämtliche Szenen innerhalb der Mine machen Laune, vielleicht hätte man das Set etwas gruseliger gestalten können, Zeit und Geld werden die Grenzen eng gezogen haben. Ausserhalb des Bergwerks bekommen wir es mit einer winterlichen Mittelgebirgslandschaft zu tun, dazu gibt einen Hauch Kleinstadt und rustikalen Ferienhauscharme aufs Auge. Die titelgebenden Monster sind zunächst nur zu hören, die Kamera schleicht aus bodennaher Monsterperspektive an die Opfer ran. Auf Gegeifer und Geröchel folgen Fangarme, später bekommen wir die freundlichen Fratzen der Biester zu sehen, Boogens und Blap sind offenbar nicht unähnlich, habe ich etwa Verwandtschaft in den USA? Naja, ich verzehre normalerweise kein Menschenfleisch, über den Hund kann man sich unterhalten.

    Fazit: Tolles Ensemble in/vor ansprechenden Kulissen, schöne Kameraarbeit und knuffige Monster auf der Jagd. Wer mit gemütlich erzählten Geschichten Schwierigkeiten hat, dürfte bei "The Boogens" an der falschen Adresse sein. Sehr angenehme Unterhaltung im Gewand der frühen Achtziger, schmackhaftes Süppchen, wie gemacht für mein Näpfchen. Leider liegt keine deutsche Auswertung vor, ich habe zur Blu-ray aus den USA gegriffen. Mit der gebotenen Qualität bin ich sehr zufrieden, auf Hochglanzaufbereitung und DNR-Massaker wurde glücklicherweise verzichtet, das Material sieht wirklich nach Film aus. Extras sind Mangelware, immerhin hat es ein Audiokommentar auf die Scheibe geschafft, weitere Boni bleiben abwesend. Klarer Kauftipp für entspannte Monsterfreunde und Fans der frühen achtziger Jahre.

    7/10 (gut)


    Lieblingszitat:

    "Is this a natural cavern?"


  • Set von Shout! Factory (USA)


    Im Kurzformat:


    Grotesque (USA 1988, Originaltitel: Grotesque)

    Lisa (Linda Blair) und ihre Freundin Kathy (Donna Wilkes) sind mit dem Auto unterwegs zu Lisas Eltern. Deren Haus liegt in einer ruhigen Gegend, kurz vor dem Ziel werden die jungen Frauen von abgewrackten Punks belästigt. Glücklicherweise gelingt die Flucht vor den Irren, Lisas Eltern begrüßen ihre Tochter und deren Freundin sehr herzlich. Mitten in der Nacht bricht unvermittelt das Grauen über die Familie und deren Gast her, die Punker haben sich Zutrifft verschafft und drangsalieren alle Anwesenden. Es kommt zu tödlichen Übergriffen, nur Lisa kann erneut entkommen, flüchtet verzweifelt in den verschneiten Wald ...

    Was bietet "Grotesque" dem Zuschauer an? Einen fiesen Home Invasion Streifen mit anschliessendem Rachefeldzug der Überlebenden (in diesem Fall also Linda Blair)? Weit gefehlt, es kommt alles ganz anders! Regisseur Joe Tornatore prügelt uns durch einen wüsten Genremix, baut einen durchgeknallten "Backwood-Unhold" ein (der gewissermaßen gar kein Vertreter dieser Gattung ist), schwingt dann doch noch den Hammer der Selbstjustiz. Kaum hat man sich am sadistischen Finale erfreut, kommt der Flick mit einem weiteren Twist aus der Hüfte geschossen, stellt alles auf den Kopf. Nebenbei werden diverse Protagonisten verschlissen, erwartet keinen von Linda Blair dominierten Film, Pausbäckchen reicht das Zepter weiter. Egal wir wirr und bizarr das Treiben mit zunehmder Spieldauer anmutet, zu jeder Zeit überzeugen Atmosphäre und Spannungsbogen, wartet man in freudiger Erregung auf die nächste Überraschung.

    "Grotesque", selten passte ein Titel besser. Dieses Baby kann man vermutlich nur lieben oder hassen. Mich hat die Sause regelrecht vom Sofa des Todes gefegt, beim "Finale nach dem Finale" lag ich lachend auf dem Teppich, was für ein unglaublicher Unfug! Grotesk? Absurd? Obskur? Absolut! Erfrischenderweise benötigt der Streifen dazu keine ultraharten Auswüchse, vielmehr sorgt der irre Stilmix für hohen Wiedererkennungswert samt Spalterpotential. Mit der DVD bin ich zufrieden, freilich keine Scheibe für Pixelzähler.


    Time Walker (USA 1982, Originaltitel: Time Walker)

    Ausgrabungen in Ägypten sorgen für aufregende Funde, samt Sarkophag landet eine Mumie in den Forschungslaboren einer amerikanischen Universität. Professor Douglas McCadden (Ben Murphy) muss sich mit Neidern, Presse und Mitarbeitern plagen, bald soll dies jedoch seine kleinste Sorge sein. Offenbar enthält der Sarkophag eine gefährliche Substanz, zu allem Überfluß ist die Mumie plötzlich verschwunden. Wenig später wird der Campus von grauenvollen Todesfällen überzogen, wer oder was ist für den Terror verantwortlich???

    Mumien schlurfen immer wieder über die Leinwände der Welt, diesmal ergänzt Science-Fiction den üblichen Horror. "Time Walker" fehlt es an echten Höhepunkten, ferner mutet die Inszenierung stets ein wenig träge an. Gleichwohl lullt mich der Streifen auf angenehme Art ein, punktet überdies mit seinem sympathischen Ensemble. Ben Murphy gefällt als moderner Professor, Kevin Brophy überzeugt in der Rolle des dümmlichen Bösewichts. Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Austin Stoker und Darwin Joston, den Stars aus John Carpenters Meisterwerk "Assault on Precinct 13" (1976). Zwar sind die Herren nur in Nebenrollen am Start, doch ihre wenigen gemeinsamen Szenen sind für mich pure Magie.

    Es muss nicht immer der Dampfhammer sein. Abseits von Hektik und allzu viel Krawall, nistet sich "Time Walker" unaufdringlich in einer gemütlichen Nische ein. Die DVD geht ebenfalls in Ordnung.


    Abschliessend die Einzelwertungen für alle vier Filme des Sets:

    • Lady Frankenstein - 7/10 (gut)
    • The Velvet Vampire - 7/10 (gut)
    • Grotesque - 8/10 (sehr gut) Achtung! Extrem subjektive Blap-Bewertung!
    • Time Walker - 6,5/10 (oberste Mittelklasse)

    "Vampires, Mummies & Monsters" bietet viel B-Movie-Vergnügen zum kleinen Preis, ich spreche eine klare Kaufempfehlung aus! Knuffelfaktor 10!


  • Blu-ray von Lionsgate (UK)



    Command Performance (USA 2009, Originaltitel: Command Performance) Kurzkommentar von 2010, leicht überarbeitet.

    Dolph 'n' Roll in Moscow

    Russlands Präsident Alexei Petrov (Hristo Shopov) ist Ehrengast bei einem Konzert in Moskau. Seine beiden jugendlichen Töchter begleiten ihn, der Botschafter der USA ist ebenfalls anwesend. Joe (Dolph Lundgren) ist Drummer einer aufstrebenden Rockband, welche vor dem Hauptact auftritt, der momentan sehr angesagten US-Sängerin Venus (Melissa Smith). Am Veranstaltungsort herrscht gute bis ausgelassene Stimmung, doch plötzlich taucht eine schwer bewaffnete Gruppe Fanatiker in der Halle auf. Unter Führung des durchgeknallten Oleg Kazov (Dave Legeno), richten die Terroristen ein grausiges Blutbad an, bringen den Präsidenten, dessen Töchter, den US-Botschafter und weitere Personen in ihre Gewalt. Joe bekommt davon zunächst nichts mit, er will eigentlich nur in Ruhe seinen Joint geniessen. Bald wird er jedoch mit gnadenlosen Geiselnehmern konfrontiert, um das eigene Leben kämpfend, fügt der wehrhafte Rocker Kazovs Truppe erste Verluste zu. Agent Kapista (Zahary Baharov) hat die Attacke überlebt, erweist sich nach und nach als zuverlässiger Partner, gemeinsam will man dem Terror Einhalt gebieten. Kazov stellt derweil irrsinnige Forderungen finanzieller Natur. Sein tatsächliches Motiv ist so simpel wie erschreckend, er will Rache für seine Eltern, für deren Tod er Präsident Petrov verantwortlich macht ...

    Wenn Dolph Lundgren neben der Hauptrolle auch die Regie übernimmt, bekommt der begeisterte Fan exquisite Actionunterhaltung geboten. "The Defender" (2004), "The Mechanik" (2005), "Diamond Dogs" (2007), "Missionary Man" (2007) und "Icarus" (2010), ich möchte keine dieser vorzüglichen B-Action-Perlen in meiner Sammlung missen. Neben der Regie, arbeitete Lundgren bei "Command Performance" auch am Drehbuch mit, wie es teils bei den aufgezählten Werken bereits der Fall war. Erwartungsgemäß spielt die Sause bewährte Karten des Genres aus, wobei der Held in diesem Fall aus dem üblichen Raster fällt. Dolph stellt keinen Ex-Geheimdienstler, Ex-Cop oder ähnliches Gezücht dar, der von ihm verkörperte "Joe" war im Amiland Mitglied einer wüsten Biker-Gang, irgendwie hat es ihn nach Russland verschlagen. Den Drummer gibt er absolut überzeugend, man nimmt ihm den Rocker in jeder Einstellung ab, er liefert auch hinter der Schiessbude eine perfekte Vorstellung. Wie man es von Lundgren Werken jüngeren Datums kennt und liebt, vergisst der Schwede dabei nicht, stets eine kleine Dosis Selbstironie einfliessen zu lassen. Dolph präsentiert sich in sehr guter körperlicher Verfassung, in hervorragender Spiellaune, seine Regieabeit erwartungsgemäß ohne Schnörkel, den Nagel auf den Kopf treffend. Unser Held zeigt zunächst eine ausgeprägte Abneigung gegen Schusswaffen, wir erfahren ein wenig später warum, zuvor wird mit Drumsticks und blanken Fäusten einwandfrei gekillt. Schliesslich greift der Meister notgedrungen zur Wumme, rundet das Spektakel überzeugend ab. Bei der Besetzung der übrigen Rollen hat man ein glückliches Händchen bewiesen, obwohl Lundgren freilich unumstrittene Hauptattraktion bleibt. Wir haben z. B. Melissa Smith im Angebot, die glaubwürdig auf eingebildete Sanges- und Tanzdohle macht, später ihr wahres Gesicht zeigt. Herrlich die Szene in der Dolph sie fragt, warum sie so schlappe Discomucke macht, sie habe doch eine tolle Stimme. Darauf antwortet sie ganz locker: "Weil es mir einen 50-Millionen-Dollar-Deal eingebracht hat". Die Chemie zwischen dem gestandenen Actionhelden und der jungen Dame stimmt, ich würde diese Kombination gern erneut sehen. Dave Legeno mutet wie eine härtere Ausgabe von Jason Statham an, seine Darbietung als fanatischer Bösewicht macht extrem Laune. Hristo Shopov sticht als konsequenter Präsident hervor, Zahary Baharov fungiert als solides Helferlein für Dolph. Selbst die kleineren Nebenrollen sind ansprechend besetzt, bewährte anonyme Metzelmasse gibt es obendrauf.

    "Command Performance" macht mit gesunder Härte Freude, Herr Lundgren weiß genau was der geneigte Fan gern sieht. Body Count und Geballer erreichen stattliche Ausmaße, immer wieder kommt es zu rustikalen Augenblicken. Lundgrens Film trifft genau den richtigen Ton zwischen bewährter Tradition und moderner Optik, er biedert sich nicht krampfhaft an, sondern wurde von echten Könnern an den Start gebracht. Der Plot weckt Erinnerungen an "Sudden Death" (1995) und "Die Hard" (1988), mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Vorgesichte der Hauptfigur ungewöhnlicher anmutet, wodurch ein wunderbar abgefahrener Unterton ständig präsent bleibt. Wie gut Lundgren sein Handwerk beherrscht, führte mir der Vergleich mit dem Partykracher "Phantom Kommando" (Commando, 1985) vor Augen, den ich gleich nach "Command Performance" in den Player legte. Arnolds Klassiker gehört zu meinen Lieblingsactionern aus den achtziger Jahren, IMHO muss sich Lundgrens Streifen keinesfalls dahinter verstecken (handwerklich ist Lundgrens Erguß gar weitaus souveräner). Klar, "Klassikerstatus" geht "Command Performance" (noch) ab, weiterhin ist das Publikum derartiger Filme heute viel kleiner (Nachtrag: Seit "The Expendables" wird dem Genre wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil, ich begrüße das ausdrücklich). Umso tiefer sollte sich der Actionfreak vor einem Mann wie Dolph Lundgren verneigen, der der Gruppe unverbesserlicher Süchtlinge den ersehnten Stoff anbietet, mit Liebe zum Detail sein Ding durchzieht.

    Wegen der recht ruppigen Gangart, fiel der Film in Deutschland der Schere zum Opfer. Für die Freigabe ab 18 wurden mehr als dreissig (!!!) Schnitte angebracht, damit sind die deutschen DVD und Blu-ray Auswertungen leider völlig unbrauchbar. Schade, man hätte die ungekürtze Fassung mit SPIO/JK (oder ungeprüft) anbieten sollen, leider lässt Kinowelt die Fans im Regen stehen. Ich habe zur US-DVD gegriffen, diese ist ungekürzt und von ordentlicher Qualität. Die Dialoge sind gut verständlich, englische Untertitel werden optional angeboten (Nachtrag: Inzwischen steht zusätzlich die BD aus Großbritannien im Regal. Ordentliches Bild, dünne Ausstattung).

    Lieber Dolph, ich möchte dir erneut für einen kurzweiligen, vergnüglichen und unterhaltsamen Filmabend danken. Du bist mein Held, bleib uns bitte noch lange in dieser Form erhalten! YOU ROCK!!!

    Sehr gut = 8/10


    Lieblingszitat:

    "He's lost too much blood. He needs a doctor."
    "He needs a coffin."


  • Set von Shout! Factory (USA)


    Im Kurzformat:


    Lady Frankenstein (Italien 1971, Originaltitel: La figlia di Frankenstein)

    Baron Frankenstein (Joseph Cotten) und seinem Gehilfen Dr. Charles Marshall (Paul Muller) gelingt das Unfassbare, die Belebung eines aus Leichenteilen gebastelten Geschöpfs! Leider ist diese Kreatur von wenig freundlicher Art, so wird der emsige Baron zum ersten Opfer seiner eigenen Kreation. Der Unhold ergreift die Flucht, drangsaliert nun die Bevölkerung des Umlandes. Tania Frankenstein (Rosalba Neri), Tochter des Leichenflickers, macht sich daran ein weiteres Wesen zu erschaffen, mit eiskalter Berechnung nutzt sie Dr. Marshalls Zuneigung aus. Kann der zuständige Gesetzeshüter Captain Harris (Mickey Hargitay) weitere Todesfälle verhindern ...???

    Aus Italien stammt diese schöne Variation der Geschichte um Baron Frankenstein und dessen Umtriebe. In stimmungsvollen Kulissen tummeln sich zahlreiche bekannte Gesichter, für Fans des italienischen/europäischen Genrekinos ein wahres Freudenfest. Star des Streifens ist freilich die phantastische Rosalba Neri, welche der Titelfigur nicht nur ein wunderschönes Gesicht schenkt, sondern vor allem als zielstrebige und rücktsichtlose Fanatikerin in Erinnerung bleibt. Joseph Cotten darf den Auftakt dominieren, Paul Muller verfällt der Tochter seines Mentors. Cotten und Muller stehen jedoch nicht nur in Rosalba Neris Schatten, sie werden auch von Herbert Fux und Mickey Hargitay übertroffen. Fux glänzt als schmieriger Leichendieb, Hargitay als unnachgiebiger Polizist, der sich wie ein Terrier in den Fall verbissen hat. Peter Whiteman stampft als Monster durch die Landschaft, liefert herrlich groteske Fratzen. Offenbar ohne bestimmte Vorlieben stellt das Monster seinen Opfern nach, wer ihm gerade vor die Griffel kommt hat Pech. Weitaus klarer sind Lady Frankensteins Motive, legendär ihr Ritt auf dem beschränkten Knecht, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

    Die DVD bietet zwei Fassungen des Films an, die US-Kinofassung und eine längere internationale Version. Zugegeben, die lange Fassung wurde etwas lieblos erstellt, insgesamt kann ich mit der gebotenen Qualität gut leben. "Lady Frankenstein" ist ein wundervoller Gruselstreifen, gekrönt durch Rosalba Neri, die eine der besten Vorstellungen ihrer Karriere abliefert!


    The Velvet Vampire (USA 1971, Originaltitel: The Velvet Vampire)

    Susan Ritter (Sherry Miles) und ihr Gatte Lee (Michael Blodgett) treffen in der Stadt auf die attraktive Diane LeFanu (Celeste Yarnall). Sofort ist Lee von der schönen Frau angetan, wenig später folgt das Paar einer Einladung seitens Diane. Mitten in der Wüste residiert Diane abseits des Trubels, in ihrem schicken Anwesen lässt es sich gut leben, zumindest auf den ersten Blick. Zwischen Lee und der Gastgeberin knistert es gewaltig, in den Nächten werden Lee und Susan von seltsamen Träumen heimgesucht. Welches Geheimnis lauert hinter Dianes reizvoller Fassade ...???

    Regisseurin Stephanie Rothman nimmt uns mit auf einen bunten Trip. "The Velvet Vampire" kommt hippiesk und psychedelisch angehaucht daher, dazu glimmt wohlige Erotik auf, hier und da durch morbide Momente gekontert. Sicher kann die Story keine neuen Maßstäbe bieten, dies ist nicht nötig, die Stärke des Streifens liegt in seiner durch und durch prickelnden Atmosphäre, eine wohlige Zeitreise in das schönste Jahrzehnt der Filmgeschichte. Celeste Yarnall regt meine Phantasie an, ihre Diane LeFanu bleibt nicht auf Ruchlosigkeit und Boshaftigkeit beschränkt, sondern wird ebenso von Einsamkeit und Sehnsucht gepeinigt. Mutet Susan zunächst wie ein wehrloser Spielball an, darf Sherry Miles ihr später zu ungeahnter Energie, Kreativität und Durchsetzungsvermögen verhelfen. Im Finale verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, wirbeln Opfer- und Täterrollen durcheinander. Jean Rollin war der Meister des erotischen Vampirfilms, mit "The Velvet Vampire" beackert eine talentierte Dame das Feld, eine schöne und äusserst angenehme Entdeckung!

    Die DVD-Präsentation ist gut gelungen, vor allem die kräftigen Farben der Kleidung kommen ansprechend zum Vorschein.


    Im Set namens "Vampires, Mummies & Monsters" sind weiterhin "Grotesque" und "Time Walker" enthalten, zu denen ich nach erfolgter Sichtung ein paar Zeilen schreiben werde. Bereits "Lady Frankenstein" und "The Velvet Vampire" rechtfertigen den Kauf, daher spreche ich gern eine dicke Empfehlung aus. Beide Flicks bewerte ich mit 7/10 (gut). In Gedanken addiere ich etliche Wohlfühl- und Knuffigkeitspunkte, gönnt euch diese liebenswerten Vollsuhlen!

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