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  • Zitat von Havi17 im Beitrag #178

    Bei mir handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen (und diese gibt es auch i.d.R. nicht zu kaufen) nicht um alte TV-Aufnahmen, sondern
    hochwertige Digitalaufzeichnungen, deren Bitrate selten auch über der einer Kauf-DVD liegen.


    Jedem seine Vorlieben. Für mich sind TV-Aufnahmen uninteressant, inzwischen kürzt sogar das öffentlich-rechtliche Fersehen den Abspann, hinzu kommen störende Senderlogos etc.. Ferner werden aehr viele Filme -aus meinem Interessengebiet- nicht im Fernsehen gezeigt.

    Ich brauche Originale, gepressten Stoff. Gilt ebenso für den Musikbereich, mir käme nie die Idee auf MP3 oder FLAC umzusteigen.


  • DVD: Synapse Films (USA)



    Wandering Ginza Butterfly (Japan 1971, Originaltitel: Ginchô wataridori)

    Meiko glüht vor

    Nach drei Jahren kommt Nami (Meiko Kaji) aus dem Gefängnis frei, die Witwe ihres Opfers setzte sich für die vorzeitige Entlassung der jungen Frau ein. In Ginza -dem pulsierenden Vergnügungsviertel Tokios- findet sie Beschäftigung als Hostess in einem Club. Nachdem ihre Vergangenheit durch einen unglücklichen Zufall ans Tageslicht kommt, steht die Betreiberin des Clubs trotzdem zu ihrer neuen Mitarbeiterin, endlich scheint Nami einen Schlußstrich unter die Ereignisse der letzten Jahre ziehen zu können. Unangehmerweise lechzt der lokale Gangsterboss nach dem Etablissement, konfrontiert die Inhaberin mit unerfüllbaren Forderungen. Nami hat einen waghalsigen Rettungsplan in der Hinterhand ...

    Wer sich ein wenig mit dem japanischen Exploitationfilm beschäftigt, der wird geradezu zwangsläufig auf Meiko Kaji treffen. Legendär die vierteilige "Sasori" Reihe (1972/73) und die beiden "Lady Snowblood" Streifen (1973/74). Zuvor entstand "Wandering Ginza Butterfly" (in dessen Fortsetzung Meiko an der Seite von Sonny Chiba zu bewundern ist). Regisseur Kazuhiko Yamaguchi erzählt uns die Geschichte einer jungen Frau, berichtet in stilvollen Bildern von ihrer Stärke und Loyalität, von Mut, Demut und Liebe. Garniert mit Humor und Melancholie, freilich nicht ohne Gewaltausbrüche. Vermutlich wird der interessierte Betrachter die bereits genannten Werke zum Vergleich heranziehen. Auf den ersten Blick kann "Wandering Ginza Butterfly" sich nicht mit der überschäumenden Schönheit und Gnadenlosigkeit von "Lady Snowblood" messen, präsentiert sich nicht so bösartig und hart wie "Sasori". Ja, "Schauwerte" springen den Zuschauer weniger offensiv an. Gleichwohl sind sie reichhaltig vorhanden, verlangen allerdings mehr Aufmerksamtkeit und Aufgeschlossenheit. Geschickt ziehen Drehbuch und Regie die Schrauben an. Das "sportliche Duell" zwischen Meiko und einem Schergen des Oberganoven ist großartig inszeniert, darauf folgt ein kurzer Einschub aus Trauer und Regen, schließlich entlädt sich aufgestauter Zorn im rasanten Finale.

    Stundenlang könnte ich mich in Lobpreisungen ergehen, ohne Atempause von Meiko Kaji schwärmen. Ihre edle Schönheit, ihre Zartheit, die Unbeugsamkeit und Zielstrebigkeit ihrer Filmcharaktere. Es mutet unfair an, denn das gesamte Ensemble leistet gute Arbeit, Meiko überstrahlt jedoch alle anderen Damen und Herren vor der Kamera, bleibt stets Mittelpunkt in diesem rastlosen Großstadt-Kosmos. Es gibt keine bessere Freundin und keine gnadenlosere Gegnerin als Nami! Ergo verzichte ich darauf mit den Namen anderer Darsteller um mich zu werfen, obwohl mein schlechtes Gewissen hier und da an meinen Eingeweiden nagt. Keine Sorge, im zweiten Teil taucht Sonny Chiba auf, den ich mit Sicherheit nicht zu namenlosen Randnotiz degradieren werde. Übrigens verwöhnt uns der Score mit Meikos Gesang, was will man mehr???

    Einsteiger beschaffen sich zunächst "Lady Snowblood" und/oder "Sasori", Süchtlinge freuen sich über die tolle DVD aus dem Hause Synapse Films. Die Scheibe zeigt den Streifen in schöner Qualität, bietet ein Interview mit dem Regisseur an, ferner sind Trailer, Postergalerie und Infos über Meiko Kaji an Bord, hinzu kommt ein Audiokommentar. Per Wendecover lässt sich der Spieltrieb des Käufers befriedigen. Ganz dicke Empfehlung!

    7,5/10 (gut bis sehr gut)


    Lieblingszitat:

    "Did anyone tell you it was going to be easy?"


    ---


    Ultrakurz:

    • Deadlock (Deutschland 1970) - Roland Klick hetzt Mario Adorf, Anthony Dawson und Marquard Bohm aufeinander, die Wüste bebt! Ganz großes Kino! Großartiger Film auf sehr guter DVD (Filmgalerie 451/Red Line Edition).

    8,5/10 (sehr gut bis überragend)


    • Revenant - Sie kommen in der Nacht (USA 1998) - Vampir-Sause zwischen Humor und Gewalt, Casper Van Dien erstaunlich gut, Rod Steiger grandios, Udo Kier in einer Nebenrolle. Ansprechende TV-Produktion, die DVD von filmArt ist nicht sensationell, geht aber durchaus in Ordnung.

    6/10 (obere Mittelklasse)


    • ...die keine Gnade kennen (USA 1977) - Verfilmung der "Operation Entebbe" mit üppigem Staraufgebot. Charles Bronson, Martin Balsam, Horst Buchholz, Jack Warden, Eddie Constantine und weitere bekannte Gesichter. Grandios Yaphet Kotto als Idi Amin! Kaum zu glauben, aber "Raid on Entebbe" ist tatsächlich eine TV-Produktion! Auf der DVD von Ascot Elite ist der Film ungekürzt und in ansprechender Qualität enthalten.

    7/10 (gut)


  • DVD: Motion Picture (Kleine Hartbox #3)



    Der Clan der Killer (Italien, Spanien 1973, Originaltitel: Ricco)

    Sog der Rache

    Ricco (Christopher Mitchum) kommt nach zwei Jahren aus dem Knast. Sein Vater (Luis Induni) war ein mächtiger Gangsterboss, der jedoch im Auftrag des machtgierigen Don Vito (Arthur Kennedy) getötet wurde. Damit nicht genug, Riccos ehemalige Freundin Rosa (Malisa Longo) lebt nun unter der Fuchtel des neuen Unterweltherrschers. Irgendwann trifft Ricco auf eine hübsche und pfiffige Blondine (Barbara Bouchet), mit deren Hilfe er sich in Don Vitos Anwesen einschleicht um Rosa zu treffen. Zwar kann der junge Mann unerkannt flüchten, doch Don Vito ist nun gewarnt und schäumt vor Wut. Bald nimmt ein Albtraum aus unbändigen Rachegelüsten und roher Gewalt seinen Lauf ...

    Der italienische Polizei- und Gangster-Film hatte seine große Zeit in den siebziger Jahren. In diesem -von Tulio Demicheli inszenierten- Genrebeitrag, konzentriert sich das Geschehen auf Vorfälle im Milieu der Ganoven, Polizei findet nur als unbedeutende Randnotiz statt. Sämtliche Schauplätze sind stilsicher gewählt und ansprechend fotographiert, der Plot baut auf übliche Rachemotive. Immerhin verleihen unbewältigte Konflikte zwischen Sohn und Vater der Story etwas Tiefe und zusätzliche Tragik, Schwester und Schwager tauchen als (zunächst) möglicher Ausweg auf. Hier und da erlaubt sich der Streifen extreme Gewaltausbrüche, baut auf blutige Schauwerte rüder Gangart. Mir gefällt die deutsche Synchronisation, welche durchaus krude Momente beinhaltet, vor allem dem etwas hölzernen Christopher Mitchum zu mehr Profil verhilft. Nach und nach ziehen Tempo und Härte an, agieren die Antagonisten mit zunehmender Rücksichtslosigkeit, treiben unaufhaltsam auf ein gnadenloses Finale zu.

    Christopher Mitchum war bereits 1972 in einem europäischen Rachethriller zu sehen, spielte die Hauptrolle in "Summertime Killer". Stets mutet Mitchums Spiel seltsam bemüht an, er bekommt jedoch immer rechtzeitig die Kurve, hält sich ohne große Schauspielkunst über Wasser und den Zuschauer bei Laune. Ich erwähnte bereits die ansprechende Synchronisation für den deutschsprachigen Raum, Mitchum wird allerdings auch von seinen großartig aufspielenden Kollegen getragen. Barbara Bouchet, eine der attraktivsten Erscheinungen in prächtigen Genrekino der goldenen Siebziger, ist viel mehr als hübsche Dekoration, liefert eine beeindruckende Vorstellung ab. Kokett dreht sie arglosen Passanten Falschgeld an, bringt die Säfte schwerer Jungs in Wallung (die Herren erhalten ein kühles Bad gratis). Wäre ich nicht längst ein begeisterter Verehrer, spätestens jetzt hätte Barbara Bouchet mein Herz erobert. Malisa Longo hat eine weniger dankbare Rolle erwischt, sie bleibt (fast vollständig) auf das Klischee der wehrlosen Gespielin beschränkt, füllt die Schablone immerhin ansprechend aus. Arthur Kennedy wird mir immer als reaktionärer Bulle in Erinnerung bleiben, den er übelst gelaunt in "Das Leichenhaus der lebenden Toten" (1974) vom Stapel ließ. Auch Obergangster Don Vito zeichnet der Amerikaner als echtes Herzchen, unliebsame Gestalten enden im Säurebad, werden bei Bedarf zuvor geprügelt und/oder verstümmelt. Eduardo Fajardo fällt ebenso positiv auf, spielt überzeugend einen undurchsichtigen Unterboss. Filmfreunde werden weitere geschätzte Gesichter erkennen, z. B. den in zahllosen Werken anzutreffenden Luis Induni.

    Knapp 90 Minuten gute Unterhaltung! Sicher kein Spitzenwerk des Genres, Platzhirsch Lenzi und sein Team Merli & Milian haben mehr zu bieten, aber für jeden Fan eine klare Pflichtveranstaltung. Mir liegt seit ein paar Monaten die DVD aus den USA vor, veröffentlicht von Dark Sky Films unter dem Titel "Ricco the Mean Machine", trotzdem konnte ich mich der Scheibe von Motion Picture nicht entziehen. Es lohnt sich, gern unterstreiche ich erneut die Qualität der deutschen Synchro (fehlende Stellen liegen in englischer Sprache vor, auf Wunsch sind deutsche Untertitel zuschaltbar), die Bildqualität geht in Ordnung. Im Bonusbereich gibt es u. a. eine Bildergalerie und ein alternatives Ende zu sehen, Trailer zu weiteren Perlen machen Lust auf mehr. Klarer Kaufzwang für Genrefans!

    Dicke 7/10 (gut)


    Lieblingszitat:

    "... aber wir wollen unseren Frieden. Wir wollen keine Blutrache."

  • Zitat von Josh im Beitrag #31

    Opera fehlt auch noch
    http://www.ofdb.de/film/1216,Terror-in-der-Oper


    ... und etliche andere Perlen des Genres. Wenn sich eine Abstimmung lediglich auf die in Deutschland auf DVD veröffentlichten Filme beruft, wird man diesem faszinierenden Genre nicht gerecht. Hm ...

    Vielleicht sollte Gubi einfach starten, sonst wird die gute Idee nur zerredet. Also Schnauze, Herr Blap.

  • Der Film aller Filme wurde noch nicht gelistet! "Das Grauen kommt nachts" (Italien 1972, Originaltitel: Delirio Caldo)!!!

    Mit Rita Calderoni!!! Meiner Todesgöttin aus dem Schlund der Hölle!!! Marcia, Marcia ... Waaaruuuum???

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum06.06.2013 20:10
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Zitat von Gubanov im Beitrag #600
    @Blap: Ich freue mich über deine neue Besprechung. Bitte mach weiter - ich fürchte schon den Tag, an dem ich dich überhole und nichts Lustiges mehr zu lesen habe.

    Der Tag wird vermutlich bald kommen, bei dem Tempo kann ein alter Mann nicht mithalten. Bleibe am Stephan, Box 11 wurde vor wenigen Tagen geliefert. "Der Alte" wird von mir allerdings nicht mehr kommentiert, so sehr ich die Serie schätze, mir fehlt es -obschon Pensionär- an Zeit, ich muß meiner inneren Stimme folgen und Filme & Serien schauen.

  • Bin "eigentlich" kein Freund solcher Spielereien. Würde mich aber beteiligen, denn das "Wallace-Eliminierungspiel" vor ein paar Monaten war durchaus unterhaltsem (trotz fragwürdiger Platzierung einiger Titel).

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum06.06.2013 13:03
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 144 - Der Fall Weidau (Deutschland 1986)

    Familienglück und Lebensgerüste

    Klaus Weidau ist tot! Morgens findet man den jungen Mann leblos in seinem Bett, offenbar wurde er mit Blausäure vergiftet. Derrick und Klein erleben Familie Weidau als äussert harmonisches Konstrukt, mehrere Generationen leben glücklich unter einem Dach, angestelltes Personal steht den Weidaus sehr nahe. Auch in der Nacht wird das Haus nie abgesperrt, vermutlich konnte sich der Mörder ohne Schwierigkeiten unbemerkt Zutritt verschaffen. Sämtliche Familienmitglieder berichten vom letzten Abend mit Klaus, wie üblich ein Abend angeregter Gespräche im warmherzigen Rahmen. Ein Tatmotiv ist nicht erkennbar, allerdings scheint auch Selbstmord unwahrscheinlich. Weitere Ermittlungen verlaufen ohne greifbare Ergebnisse, plötzlich ist im Hause Weidau ein weiterer Todesfall zu beklagen ...

    "Der Fall Weidau" prasentiert uns einige bekannte Gesichter. In Erinnernung bleiben vor allem Friedrich von Thun als amtierendes Familenoberhaupt, Inge Birkmann als kantige Großmutter, "Dauergast" Ekkehardt Belle diesmal nicht als tragisch trübe Tasse, er gibt den braven Sohn aus gutem Haus. Sympathisch Ernst-Fritz Fürbringer als klappriger Gatte der kernigen Inge Birkmann, während Manfred Seipold in der Rolle des Verwalters eher glitschig anmutet. Ich verzichte auf Aufzählung des gesamtes Ensembles, überwiegend gehen Darsteller und Charaktere in der Atmosphäre dieser Folge auf.

    Was steckt hinter der nahezu unglaublichen Harmonie, was brodelt im herrschaftlichen Gemäuer der Weidaus vor sich hin? Autor Herbert Reinecker baut nicht auf sexuelle Perversionen und daraus resultierende Rachegelüste, die tatsächliche Auflösung mag ungewöhnlich geraten, scheint gleichwohl durchaus nachvollziehbar und trifft schmerzhaft ins Herz. Tatsächlich ins Herz? Ja, obschon die überdimensional angelegte Eintracht im familiären Elfenbeinturm teils künstlich erscheint, lässt mich Reineckers "geschickt überhöhte Realität" keineswegs unberührt zurück. Zerbricht das "gut-großbürgerliche" Glück an der eigenen Herrlichkeit? Freilich drängt das Drehbuch den Titelhelden ebenfalls ins philosophisch eingefärbte Horn zu tröten, Horst Tappert bewegt sich gewohnt souverän auf dem -teils gefährlich- rutschigen Parkett. Nebenbei sorgt Fritz Weppers "Pseudo-Schimanski-Jacke" für Schmunzler, Harry muß noch in das Kleidungsstück reinwachsen. Alfred Weidenmanns Regie bleibt nahe am Geschehen, gleiches gilt für die Kameraarbeit um das Team von Michael Georg. Hans Hammerschmid steuert melancholische Musik bei, sein Beitrag drängt sich nie in den Vordergrund, untermalt das Geschehen "stimmungsvoll-unaufdringlich".

    7/10 (gut)


  • DVD: Motion Picture (kleine Hartbox #2)



    Woodoo - Inferno des Grauens (Spanien 1974, Orginaltitel: La noche de los brujos)

    Zwischen Voodoo, Räppelchen und saurem Gesichtsbad. In Afrika ist die Hölle los!

    Alter Kurzkommentar aus dem Jahr 2010, anlässlich der deutschen DVD-Veröffentlichung leicht überarbeitet!

    Bumbasa im Jahre 1910. Eine junge Schönheit wird von Voodooanhängern gepeinigt. Freilich versteht der Peitschenschwinger sein Handwerk, lässt das effektive Arbeitsgerät zielsicher auf die Dame klatschen, flugs fliegend die Klamotten vom zarten Leib. Damit nicht genug, nun wird noch ein wenig auf die Möpse eingepeitscht, Spaß muss sein! Damit noch immer nicht genug, denn nun wird gerödelt und gebissen, der rote Saft muß um jeden Preis fließen. Ihr ahnt bereits, jenes wüste Treiben war erst das Vorspiel! Nun packt man das Opfer auf den Altar, es wird getrommelt und getanzt, getanzt und getrommelt. Plötzlich bedeutungsschwangere Stille! Die Machete wird geschwungen und saust hinab, ratzfatz ist die Rübe ab! Solche Unverfrorenheit kann und darf nicht geduldet werden. Soldaten umstellen den Platz des Schreckens, sämtlich Voodooanhänger gehen im gnadenlosen Bleihagel unter ...

    Bumbasa in den siebziger Jahren. Professor Grant (Jack Taylor), Rod Carter (Simón Andreu) und drei junge Damen reisen mit zwei Geländewagen an. Der ortsansässige Tomunga (José Thelman) taucht auf, warnt die Gruppe vor dem Dschungel und den finsteren Nächten. Natürlich betrachtet man seine Ausführungen als Unsinn und Aberglaube, verdächtigt ihn sogar wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Lediglich Rods Begleiterin (Kali Hansa) verspürt eine Art innere Unruhe. Liz (Maria Kosty), verwöhnte Göre Liz aus reichem Haus, plagt sich derweil mit anderen Sorgen. Zunächst macht sie Grant mit Nachdruck klar, dass sie nicht gewillt ist beim Aufbau der Zelte behilflich zu sein. Generell werde sie im Bezug auf Arbeit keinen Finger rühen, schliesslich sei ihr wohlhabender Vater Sponsor der Forschungsreise. Ihre schlechte Laune ist allerdings eher auf die Tatsache zurückzuführen, dass sie bei Rod Carter offensichtlich keine Chance hat. Als sich die Nacht ankündigt übernimmt Rod die erste Wache, seine heißblütige Freundin besteht darauf ihn zu begleiten. Fotografin Carol (Loreta Tovar) nutzt die Nacht zum fotografieren der reizvollen Umgebung. Zunächst "erwischt" sie den Wachhabenden und seinen Anhang beim Liebesspiel am Fluß, doch bald zieht es sie hinein in den dunklen Dschungel. Umherirrend fällt sie unheimlichen Gestalten in die Hände, Rituale wie einst 1910 spielen sich ab. Die damals geköpfte Dame schwirrt nun mit spitzen Fangzähnen bewaffnet umher, trägt ein knappes Leoparden-Dress zur Schau, schwingt nun höchstselbst die Peitsche des Grauens! Carol verliert bei der folgenden Zeremonie nicht nur ihre Bluse. Als die Fotographin am nächsten Morgen nicht wieder auftaucht, beginnen die Männer mit der Suche im Wald des Schreckens. Erneut erscheint der rätselhafte Tomunga, meint er es wirklich gut mit seinen Warnungen? Die Suche bringt nicht den gewünschten Erfolg, immerhin findet man Carols Fotoapparat. Unfassbares Grauen wird in der bevorstehenden Nacht mit aller Gnadenlosigkeit über die Gruppe hereinbrechen. Gibt es ein Entrinnen aus dem teuflischen Voodoo-Dschungel des unbarmherzigen Todes???

    Ich beginne meinen Kurzkommentar mit dem ersten Satz aus meinen Ausführungen zu "The Loreley's Grasp (Las garras de Lorelei, 1973): "Regisseur Amando de Ossorio ist vor allem für "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, 1971) bekannt. Diesem Klassiker des spanischen Horrorfilms folgten drei -ebenfalls von de Ossorio inszenierte- Fortsetzungen." Auch der erwähnte "Las garras de Lorelei" ist ein äusserst liebenswerter Beitrag zum spanischen Horrorfilm, ergo war meine Vorfreude auf "La noche de los brujos" entsprechend. Ich wurde nicht enttäuscht, erneut gelang de Ossorio ein sehr schöner Beitrag zum Genre. Bereits die Eröffungsszene lässt kaum eine Liebenswürdigkeit aus. Es wird gepeitscht, gerödelt und gebissen, wohlgeformte Möpse glänzen blutig im satanischen Schein des Höllenfeuers, die gepeitschte Schönheit namens Bárbara Rey erfreut das feuchte Auge des Betrachters. Obwohl sie ihren Kopf verliert, kommt sie uns nicht abhanden, streift auch über 60 Jahre später als teuflische Leoparden-Frau durch den Dschungel. Tomunga berichtet den ungläubigen Ankömmlingen von diesen Damen. Am Tag sind sie als Leoparden unterwegs, in den Nächten erhalten sie ihre menschliche Gestalt zurück und gieren nach Blut. Wenn die Leoparden-Ladies dann tatsächlich im knappen Outfit durchs Szenario hüpfen, selbstverfreilich in Zeitlupe, geht dem geneigten Fan das Herz gleich sperrangelweit auf (am Tag laufen teils Geparden durchs Bild, was solls ...). Von solch heißen Bestien würde ich mich zu gern anknabbern lassen (obwohl sie vermutlich kein Gammelfleisch akzeptieren). Was genau sind die Leoparden-Damen denn nun? Sexy-Voodoo-Vampire, tagsüber als Raubkatzen getarnt. Praktisch, schließlich fallen im Busch rumstehende Särge nur unangenehm auf. Eventuell stolpert gar ein Elefant über die Kiste, von der stickigen Luft darin ganz abgesehen. Da katzt man sich tagsüber lieber durch sein untotes Leben, oder nicht?

    Wie man es von Eurostreifen der sechziger und siebziger Jahre gewöhnt ist, erfreut die Damenriege die entzündeten Augen des Lüstlings. Blondchen María Kosty dürfte dem Fan spanischer Genrefilme ein Begriff sein, man mag ihr die Zickenrolle nicht wirklich anlasten. Loreta Tovar musste sich bereits mit der bösen Lorelei plagen, Kali Hansa arbeitete mehrfach mit Jess Franco zusammen. Die Männergarde kann mit Simón Andreu punkten, der noch heute gut im Geschäft ist, ich schätze ihn z. B. für seine Darbietungen in den Gialli von Luciano Ercoli. Auch Jack Taylor übt seinen Job noch immer aus, hier wirkt er wie eine magere Kopie von Franco Nero (vermutlich mit "Vorsatz", immerhin war Herr Nero damals sehr populär). Die Mannschaft leistet gute Arbeit, die Eingeborenen dienen lediglich als Bösewichter und Schießscheiben. Heute würde sofort die Keule geschwungen, Abwesenheit "politischer Korrektheit" an den Pranger gestellt.

    Im Dschungel geht es hier und da recht sexy zu. Wenn gepeitscht wird -ich komme einfach nicht von diesem Thema los- dann bitte auf nackte Haut. Herr de Ossorio weiß was sich gehört, lässt Herrn Andreu und Frau Hansa ein sehr eindringliches Räppelchen vor der Kamera vollführen, freie Sicht auf Nippel und Bäckcken inklusive. Um eine weitere Hauptattraktion ist es gut bestellt, Metzeleien sind blutig und stilsicher ausgeführt, sorgen für beste Stimmung. Ab und an rollt ein Köpfchen, roter Saft tritt hervor, sehr angenehm und in angemessener Dosierung, überdies wird uns ein kleines Gesichtsbad in Fotochemikalien geboten. Bitte nicht falsch verstehen, der Film ist keinesfalls eine Sex- und Splatterorgie! Ruppig-knuffige fügen sich vortrefflich ins Gesamtbild ein, die -wie bereits geschrieben- richtige Dosierung macht den Reiz aus. Überhaupt bringt der Streifen jede Menge prächtige Atmosphäre ins Haus. Dass der Dschungel eher nach Stadtwald aussieht, stört den freudig erregten Blapschauer zu keiner Sekunde. Wer sich an de Ossorios reitenden Leichen und seiner Lorelei erfreuen kann, wird sich auch mit dieser Prachtsause sehr schnell und innig anfreunden! Gleiches dürfte für Freunde der wundervollen Werke von und mit Paul Naschy gelten. Spanische Horrorfilme der siebziger Jahre, stellen ein schöne Ergänzung zu den Perlen aus Italien und England dar. Man muß sie einfach alle lieben, ich möchte keines dieser Schätzchen missen!

    Inzwischen hat "Woodoo - Inferno des Grauens" auch den deutschen Markt auf DVD erreicht. Motion Picture bietet den Flick in ansprechender Verfassung, offenbar basiert die Veröffentlichung auf der vergriffenen Scheibe von BCI (USA). Interessant die im Bonusmaterial zu sehenden Alternativszenen für das damlige Spanien. Nackedeis wollte das Regime nicht auf der Leinwand sehen, ergo musste üblicherweise eine "züchtige" Variante gedreht werden. Auf der DVD werden dem Zuschauer spanischer Originalton und deutsche Synchronisation angeboten, deutsche Untertitel liegen zusätzlich vor. Eine tolle Veröffentlichung, für jeden Fan europäischer Horrorfilme unverzichtbar! Meine US-DVD freut sich über Gesellschaft, die deutsche Synchro geht als solide durch, zählt aber nicht zu den Höhepunkten einheimischer Schöpfungen. Fans und irre Sammler greifen trotz US-Scheibe zu! ... und wer die Ausgabe von BCI verpasst hat, darf sich sowieso riesig über den gelungenen Silberling aus dem Hause Motion Picture freuen!

    Klar, ein kleiner Schatz wie "La noche de los brujos" sprengt die Punkteskala, stellt deren Sinn komplett in Frage. Im Vergleich mit zahlreichen Genre-Brüdern und Schwestern, muß ich für de Ossorios Erguss dicke 7/10 (gut) ziehen. Tatsächlich möchte ich für diesen wundervollen und herzallerliebsten Streifen 10/10 Knuffigkeitspunkte auspacken, mich voller Demut im Staub wälzen, den Beteiligten die Füße küssen (zumindest den Damen), um Nachschub flehen ...! Lieber Herr de Ossorio, vielleicht sehen Sie mich von ihrem Kessel aus, ich werde Ihnen irgendwann Gesellschaft in der Hölle der Sünder leisten. Bis dahin vergehen hoffentlich noch ein paar Jahre, mein Dank und meine Verehrung wird Ihnen bereits jetzt zu Teil!

    Merke:

    Wer sich mit Leoparden-Damen anlegt, dessen Kopf sich Richtung Sarg bewegt!

    Merke ferner:

    Mach in Bumbasa keine wilde Nummer am Fluß, sonst ist mit dir und deiner Dame bald Schluss!


    Lieblingszitat:

    "Keine Angst! Es wird schon nichts sein."

  • Zitat von Marmstorfer im Beitrag #5065
    Zitat von Blap im Beitrag #5064


    Dicke 8/10 (sehr gut) für den Film!



    Schön, dann lag ich mit meiner Prognose richtig.

    Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? (326)


    Gewissermaßen.


  • DVD: Koch Media



    Der flüsternde Tod (Deutschland, Großbritannien, Rhodesien (heute Simbabwe), Südafrika 1976, Originaltitel: Albino)

    Große Gefühle, weites Land

    Terrick (James Faulkner) beendet seine Dienstzeit bei der Polizei, freut sich auf eine glückliche Zukunft mit Sally (Sybil Danning). In letzter Zeit sorgen Ausbrüche von Gewalt für Unruhe, Terrick warnt seinen Vorgesetzten Bill (Christopher Lee) vor drohender Gefahr. Am Abend der Abschiedsfeier passiert das Unfassbare, Sally wird vom irren Terroristen Albino (Horst Frank) überfallen und bestialisch getötet. Rasend vor Hass und Schmerz schwört Terrick Rache! Ohne Rückendeckung seitens zuständiger Behörden und Gesetzeshüter, begibt er umgehend sich auf die Fährte des Albinos ...

    Jürgen Goslar ist dem deutschen Publikum vor allem als Regisseur (und Darsteller) diverser TV-Produktionen bekannt, dazu gehören unverwüstliche Reihen wie z. B. "Derrick" oder "Der Alte". Er war aber auch als Produzent und Drehbuchautor aktiv, erledigte diese Aufgaben beim hier kurz vorgestellten Film. Hier gelingt ihm als Regisseur und Drehbuchautor die wunderbare Verschmelzung unterschiedlicher Genres, munter bedient sich Goslar aus verschiedenen Schubladen, fügt Fragmente zu einem durchweg stimmungsvollen Werk zusammen. Zu Beginn gibt es zwischen Faulkner und Danning romantische Momente, teils nahezu in Gefilde à la Rosamunde Pilcher führend. Doch schon während dieser Phase sind brodelnde Zwischentöne auszumachen, bis die Romanze abrupt per roher Gewalt beendet wird. Nun folgt eine Hatz inklusive Mord und Totschlag, mehrfach von kerniger Gangart, dennoch lässt sich Goslar nie zu extrem ruppigen Details hinreißen. Neben Liebe und Rache ist Loyalität ein Thema, während die politischen Aspekte im Pulverfaß südliches Afrika lediglich als Aufhänger dienen, nicht genauer umrissen unter der Lupe des Betrachters landen. Erstaunlich nüchtern (gleichwohl betörend) fängt die Kamera das Geschehen inmitten prächtiger Landschaften ein. Weder Regie und noch Kamera erliegen der Versuchung sich lustvoll in Schönheit zu aalen, in diesem Rausch den roten Faden zu verlieren. Kameramann Wolfgang Treu lässt dem Umfeld genung Raum um den Zuschauer zu faszinieren, degradiert aber Handlung und Akteure nie zur Nebensache. Treu bezeichnet seinen Stil als "eine Art poetischen Realismus", treffender kann man es wohl nicht ausdrücken (zu finden im Bonusbereich der Veröffentlichung von Koch Media).

    Regie und Kamera großartig, wie ist es um die Herrschaften vor der Kamera bestellt? James Faulkner mag zunächst etwas unscheinbar anmuten, erweist sich mit fortschreitender Spieldauer jedoch als Glücksgriff. Terrick ist kein unverwundbarer Rächer aus einem Comicstrip, Faulkner zeichnet überzeugend einen verzweifelten Menschen, der sich nur noch aus einem Grund aus den Trümmern seines zerstörten Lebens erhebt, er will Vergeltung, egal um welchen Preis, er hat nichts mehr zu verlieren. Antagonist Horst Frank kommt mit vergleichsweise wenig Spieldauer aus, bleibt allerdings dauerhaft in Erinnerung. Monströs, animalisch, fanatisch, obendrein kann die Arbeit von Makeup artist Colin Arthur nur als grandios bezeichnet werden. Christopher Lee agiert als lokaler Polizeichef zurückhaltend, dem aufmerksamen Zuschauer werden kleine Spitzen sicher nicht entgehen. Sybil Danning erfreut in der frühen Phase unsere Augen, Trevor Howard sehen wir als ihren gebrochenen Vater. Erstaunlich wandlungsfähig Erik Schumann, seine Darstellung des harten Offiziers ist ein Hochgenuss! Sascha Hehn, damals noch ein ganz junger Bursche, kommt in seiner Nebenrolle als Freund des Hauptcharakters angenehm unschleimig daher. Weitere Nebenrollen wurden mit schwarzen Darstellern besetzt, teils als Begleiter Terricks, teils als Sympathisanten des irren Aufwieglers Albino.

    "Der flüsternde Tod" ist ein fast vergessenes Kleinod! Vielleicht mag der Plot nichts bahnbrechendes bieten, doch phantastisches Umfeld, wundervolle Kamera, motivert aufspielendes Ensemble, platziert einem Gerüst aus zuverlässigem Handwerk, machen den Streifen zu einem herrlichen und unvergesslichen Filmerlebnis! Bei aller Begeisterung für Regie, Kamera und Ensemble, soll der sehr eingängige und angenehme Score von Erich Ferstl nicht unterschlagen werden.

    Großes Lob für die DVD aus dem Hause Koch Media! Der Film liegt in sehr ansprechender Verfassung vor, schöne Farben und angenehme Schärfe, Laufstreifen und Kratzer sorgen für "echtes Filmfeeling", fernab zu Tode gefilterter Sterilitäten. Offensichtlich blieb der Filterwolf im Zwinger, vielen Dank dafür! Eine zweite DVD liegt bei, dort finden wir aktuelle Interviews mit Jürgen Goslar (rund 40 Minuten), Kameramann Wolfgang Treu (rund 28 Minuten), zusätzlich ältere Ausführungen von Erik Schumann (rund 14 Minuten). Anschauen, es lohnt sich! Ich möchte daher auch die Veröffentlichung von Koch als Kleinod bezeichnen, ganz klarer Kaufzwang!

    Dicke 8/10 (sehr gut) für den Film! Höchstnote für den Repertoirewert der DVD, sicher eine der wichtigsten Veröffentlichungen der letzten Jahre!


    Lieblingszitat:

    "Ich will den Albino!"


  • DVD: Code Red (USA)



    Brute Corps (USA 1971, Originaltitel: Brute Corps)

    Söldner des Schreckens

    Terry (Jennifer Billingsley) ist per Anhalter unterwegs, trifft eines Tages auf den ebenfalls umherstreifenden Kevin (Joseph Kaufmann). In Mexiko fühlt sich Kevin sicherer, kann dem Zugriff von Uncle Sam entgehen. Auch Colonel Burkhard (Charles Macaulay) und seine wüste Söldnertruppe suchen den Nachbarstaat der USA auf, man will in einem provisorisch errichteten Lager auf den nächsten Auftrag warten. Terry und Kevin begegnen zufällig Wicks (Alex Rocco), ahnungslos folgt das Pärchchen dem psychotischen Burschen ins Lager der Kriegshunde. Spielchen münden in einen Kampf der Söldner um Terry, nur knapp kann sich Kevin dem tödlichen Zugriff der Mordbuben entziehen. Während die junge Frau erniedrigt und geschändet wird, hofft Kevin auf Hilfe aus dem nächsten Dorf. Sheriff Alvarez (Joseph Bernard) möchte jedoch keinen Ärger, Kevin begibt sich allein und unbewaffnet auf eine lebensgefährliche Rettungsmission ...

    In den späten Sechzigern/frühen Siebzigern, sorgten langhaarige "Rocker" für Angst und Schrecken, brausten auf lauten Mopeds durch die Landschaft, schreckten vor keiner Schweinerei zurück. "Brute Corps" reicht den schwarzen Peter weiter, hier fungieren Söldner als Unholde, entwurzelte Killermaschinen ohne Gnade. In den ersten Minuten unterstreicht man die Gefährlichkeit der Herren, tatsächlich taucht eine kleine Gruppe Biker auf, legt sich mit den Söldnern an und endet tot im Staub. Vom Krieg in Vietnam hatte man die Nase gestrichen voll, er machte aus ehemaligen Soldaten irre Söldner, Sympathieträger Kevin verweigert den Dienst an der Waffe, offensichtlich kommt der Flick nicht ohne kritische Aussage daher. Freilich stehen Unterhaltungs- und Schauwerte im Vordergrund, es mangelt nicht an harschen Dialogen, Schlägereien und Waffengebrauch, Notzucht und sonstigen Fürchterlichkeiten. Geschickt die Wahl des Schausplatzes, eine einsame Gegend in Mexiko, aus nordamerikanischer Sicht nahezu rechtsfreier Raum.

    Hier erweist sich der Blick auf Ensemble als besonders lohneswert, denn "Brute Corps" vermag mit einer stattlichen Ansammlung "echter Typen" zu wuchern. Jennifer Billingsley und Joseph Kaufmann bleiben als angehendes Liebespaar in angenehmer Erinnerung, werden aber von den Bösewichtern an die Wand gespielt. Alex Rocco dreht in der Rolle des völlig durchgeknallen Sadisten ordentlich auf, erfreut immer wieder mit neurotischen Ausbrüchen. Ruhiger Gegenpol Roy Jenson, nicht minder gefährlich, kaltblütig statt hitzköpfig. Felton Perry haut lockere Sprüche aus, mutet eine Spur weniger unmenschlich an, Charles Macaulay hat zunehmend Mühe den Sauhaufen unter Kontrolle zu halten, lässt seine räudigen Hunde vorsichtshalber von der Kette. Paul Carr spielt einen Typen namens Ross, scheint als einziges Mitglied der Söldnerbande nicht völlig verroht, rückt mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr in den Mittelpunkt. Joseph Bernard gibt den mexikanischen Sheriff, schwerfällig und ängstlich, nicht gänzlich ohne Anflüge von Schlitzohrigkeit. Damit sind die wichtigsten Beteiligten genannt, freut euch auf üble Gestalten und verzweifelt kämpfende Opfer.

    Regisseur Jerry Jameson legte mit "Brute Corps" seinen ersten Kinofilm vor. Wenig später folgte mit "The Dirt Gang" (1972) ein Biker-Streifen, dort tauchen z. B. Paul Carr und Charles Macaulay erneut auf. Überwiegend arbeitete Jameson für das amerikanische Fernsehen, inszenierte diverse Episoden bekannter Serien ("Cannon", "Der sechs Milionen Dollar Mann", "Die Straßen von San Francisco"). In Deutschland wurde "Brute Corps" unter dem Titel "Des Teufels tolle Hunde" ausgewertet, bisher liegt keine DVD oder BD vor. Ergo beschaffte ich mir die Scheibe aus den USA, Code Red präsentiert den Flick in ansprechender Qualität, im Bonusbereich sind Interviews mit Felton Perry und Parker West zu finden (vor allem Felton Perry plaudert sehr unterhaltsam, unbedingt anschauen).

    "Brute Corps" zündet, Krawall und Geschmuddel nach meinem Geschmack, kantige Fratzen, kernige Sprüche, meine Suhle! Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!


    Lieblingszitat:

    "What the hell is going on here? You are on maneuvers! This is not saturday night in the local cathouse!"
  • Endlich zurück auf dem Höllenthron, zunächst ein paar Titel im Ultrakurzformat:


    • A lonely place to die - Todesfalle Highlands (GB 2011) - Unterhaltsame Menschenhatz in toller Kulisse. Ein wenig arm an Überraschungen, aber mit einer gut aufgelegten Melissa George in der Hauptrolle.

    7/10 (gut)


    • The Burrowers (USA 2008) - Horror im Westernumfeld. Unterhaltsam, leider verursacht die Reduktion der Farbpalette Augenschmerzen, mutet überdies völlig unpassend an.

    6/10 (obere Mittelklasse)


    • 10.000 blutige Dollar (Italien 1966) - Gianni Garko gefällt in der Rolle des Kopfgeldjägers. Claudio Camaso, immerhin Bruder des grandiosen Gian Maria Volonté, gibt einen überzeugenden Gegenspieler ab, Charakterschädel Fernando Sancho ist in einer Nebenrolle zu sehen. Der Streifen bietet eine durchaus reizvolle Konstellation an, mündet aber dennoch in übliche Rachegefilde. Stimmungsvolle Kulissen und das starke Ensemble sorgen für gute Laune, lediglich die talentierten Damen Loredana Nusciak und Adriana Ambesi werden unter Wert präsentiert.

    Mir liegt die "Django Italo-Western Box" aus dem Hause Koch Media vor. Angenehmes Teil, freue mich auf Sichtung weiterer Titel aus diesem Set.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)


  • DVD: Kinowelt



    Liebe ist nur ein Wort (Deutschland 1971, Originaltitel: Liebe ist nur ein Wort)

    Alfred Vohrers Simmel Konzentrat #2

    Oliver Mansfeld (Malte Thorsten) hegt Groll gegen seinen Vater, will mit den kriminellen Machenschaften des reichen Unternehmers nichts zu tun haben. Mit 21 will Oliver endlich das Abitur bewältigen, wird von Internatsleiter Dr. Florian (Friedrich Siemers) freundlich als neuer Schüler aufgenommen. Zuvor erlebt der junge Mann eine unvergessliche Begegnung, verliebt sich in die rund zehn Jahre ältere Verena Angenfort (Judy Winter). Verena ist mit Manfred Angenfort (Herbert Fleischmann) verheiratet, seinerseits langjähriger Geschäftspartner von Olivers Vater. Zunächst vermag Verena den Annährungsversuchen des charmanten Oliver zu widerstehen, schliesslich wird sie sich von ihren Gefühlen überwältigt, gibt sich Liebe und Leidenschaft hin. Als Verena für einige Tage nach München fährt, aufkeimender Verdacht des Gatten soll entkräftet werden, taucht Oliver plötzlich im Hotel auf. Die beiden erleben wunderschöne Momente voller Zärtlichkeit, Träume einer gemeinsamen Zukunft nehmen Gestalt an, doch Oliver unterschätzt Manfred Angenforts präzise Boshaftigkeit ...

    Freilich lassen sich nicht alle Charaktere und Handlungsstränge eines Romans von Johannes Mario Simmel in knapp 107 Minuten Spielfilm packen. Glücklicherweise unterlässt Drehbuchautor Manfred Purzer entsprechende Versuche, stellt die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Verena in den Mittelpunkt. Regisseur Alfred Vohrer zaubert daraus ein kurzweiliges und anrührendes Stück Kino, obschon auf viele Details verzichtet wurde, trifft Vohrers Inszenierung sehr gut die Atmosphäre der Romanvorlage. Welche Relevanz hat Liebe, wer geht wie weit? Simmel und Vohrer wurden von Kritikern gern als "trivial" und "klischeebeladen" abgetan, Werke aus Deutschland durften nicht unterhaltsam sein, echte Kunst musste zwingend "vordergründig-hintergründig intellektuell" und schwer zugänglich gestaltet werden, sich zumindest entsprechend eingefärbt präsentieren. Mit geifernder Ignoranz fuchtelte die Keule des Feuilleton vor unserer Nase herum, sausten verbale Knüppel auf Autoren, Filmemacher, Leser und Zuschauer hinab. Inzwischen wendet sich das Blatt zunehmend, werden großartige Schöpfer wie Simmel und Vohrer nicht mehr aus allen Rohren mit Dreck beschossen.

    Vohrers punktgenaue Inszenierung lebt von der Erfahrung des Regisseurs, gepaart mit frischem Wind der frühen siebziger Jahre. Großes Lob verdient das starke Ensemble. Allen voran Nachwuchstalent Malte Thorsten, der Oliver Mansfeld nicht lediglich als hübsche Fassade zeichnen darf. Ein bißchen zorniger junger Mann, mehr noch erstaunlich warmherzig und leidenschaftlich, sicher klug und bei Bedarf zielstrebig, gleichzeitig noch immer in jugendlicher Kurzsichtigkeit verstrickt. Genau diese liebenswerte Naivität führt zur fatalen Fehleinschätzung der Gegenspieler, zur fürchterlichern und unumkehrbaren Kurzschlusshandlung. Judy Winter bleibt weniger Raum zur Entfaltung, ihre innere Zerrissenheit kommt nur in wenigen Szenen deutlich zum Vorschein. Dies hängt nicht mit Winters schauspielerischen Qualitäten zusammen, ist vielmehr der überschaubaren Spieldauer des Streifen geschuldet, steht in Verbindung mit der Fokussierung auf den Charakter Oliver Mansfeld. Gern hätte ich Verena Angenfort ausführlicher und tiefgehender angelegt gesehen, schon wegen Judy Winters ansprechender Darstellung, andererseits bleibt die "knackige Kompaktheit" des Drehbuchs unangetastet. Herbert Fleischmann fällt die Rolle des Antagonisten zu, berechnend und konsequent, Höllenfeuer unter glatter Oberfläche, bedrohlich brodelnder Vulkan. Fleischmanns Angenfort kommt als Fiesling mit Facetten daher, während sein Hausangestellter Leo -ansprechend dargeboten von Karl Walter Diess- auf das Format des willigen Helferleins ohne Skrupel beschränkt bleibt. Joey Schoenfelder macht uns die fiese Terrorbratze namens Hansi, entpuppt sich als Widerling mit psychotischen Anfällen, neigt zu bizarren Ausfallerscheinungen. Donata Höffer sehen wir als Olivers Mitschülerin Geraldine Reber. Unglücklich in den Protagonisten verliebt, sorgt Geraldine für Anflüge von Ambivalenz, fügt dem Mosaik zarte Nuancen hinzu. Friedrich Siemers, Konrad Georg und Inge Langen spielen nicht minder ansprechend, weitere Ausführungen würden jedoch den Rahmen dieses Kurzkommentars sprengen.

    Gern tauche ich mit Alfred Vohrer tief in die frühen siebziger Jahre ein. Sofort nimmt mich der Auftakt gefangen, werde ich von "wohliger Tristesse" verführt, entführt und berührt. Ja, hier und da springt uns bedeutungsschwangere Symbolik regelrecht an, wird manches Klischee bedient. Vor allem funktioniert das Zusammenspiel von Inszenierung, Ensemble und temperamentvoller Kameraarbeit vorzüglich, trifft handwerkliches Können auf Momente überschäumender Atmosphäre und großer Gefühle. Trivial? Nein, pralles Leben! Vor "Liebe ist nur ein Wort" lieferte Vohrer die Verfilmung vom Simmels "Und Jimmy ging zum Regenbogen" ab. Waren dort noch Geheimdienste und Verschwörungen bestimmendes Thema, tritt nun die Liebe der Hauptfiguren deutlicher in den Vordergrund. Simmels liebender Protagonist liebt mit allem was er hat, ist bereit alles für die Liebe zu geben, wirft sein gesamtes Leben in die Waagschale. Dick aufgetragen? Egal, mich hat der Streifen berührt und gleichzeitig vorzüglich unterhalten. Nach dem Ende Stille um mich herum, umhüllt von warmer Dunkelheit, Silhouetten meiner DVD/BD-Regale versprechen den nächsten Trip. Vermutlich verging eine halbe Stunde, irgendwann kehrte ich in die Realität zurück. Ab ins Bett, neben Lady Moon eingeschlafen und von Judy Winter geträumt (Schwester Hildegard, wir müssen die Dosis des Patienten Blap erhöhen!). Film macht glücklich. Lieber Alfred, lieber Johannes Mario, liebe Judy, lieber Malte, ich bedanke mich für die schöne Zeit.

    Kinowelt präsentiert den Film auf einer brauchbaren DVD, zeigt sich in der Disziplin Boni recht sparsam. Sollte sich jemand um eine neue Abtastung und Aufbereitung bemühen, ich greife gern zu!

    Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut, Tendenz steigend)


    Lieblingszitat:

    "Meine Anzüge passen Ihren sicher nicht."

  • ... und wieder liegt die nächste Scheibe bereits im Player, daher im Ultrakurzformat:



    • Satan's Blood (Spanien 1977) - Ein junges Ehepaar gerät in die Fänge lüsterner Satanisten. Wohin führt der Taumel aus Angst, Lust und Irrsinn ...???

    Kleiner Okkult-Streifen aus Spanien, sympathisches Ensemble, herrliche Atmosphäre. Voller Genuß wird die neue Freiheit nach dem Ende des Franco-Regimes genutzt, lang lebe die Nacktheit! Angenehm entspannter Erzählfluss, geschickt ziehen Tempo und Terror punktgenau an. Genau meine Kragenweite, da geht dem alten Hobby-Satanisten das schwarze Herz auf! Mir liegt die mittelprächtige UK-DVD von Redemption vor, vermutlich sind die US-Auswertungen von Mondo Macabro oder Scorpion Releasing zu bevorzugen. "Escalofrío" wurde auch unter den Titeln "Schock" und "Don't Panic" ausgewertet (kann zu Verwechslungen mit anderen Filmen führen).

    Nagelt bis die Schwarte kracht, Satan kommt um Mitternacht! 7/10 (gut)



    • Graduation Day (USA 1981) - Mitglieder eines Schulsport-Teams werden von einem unheimlichen Killer gemeuchelt. Einige Zeit zuvor verstarb Laura bei einem Wettlauf auf tragische Weise, ihre Schwester Anne (Patch Mackenzie) erscheint dennoch zur bevorstehenden Abschlussfeier ...

    Slasherfans bekommen anschaubare Damen und diverse Kills aufs Auge, Christopher George ist als grummliger Coach am Start. Leider verliert sich "Graduation Day" hier und da in Belanglosigkeiten, verzichtet auf den Aufbau eines tragfähigen Hauptcharakters. Diese Marschrichtung passt hier nicht immer, Patch Mackenzie bleibt leider unterfordert. Letztlich trägt typische "Früh-Achtziger-Slasher-Atmosphäre-samt-Standard-Umfeld" die Sause sicher in den grünen Bereich, routinierte Zielgruppenbedienung mit Ecken, Kanten und Augenzwinkern. In meiner Sammlung steht die US-Scheibe von Troma.

    6,5/10



    • Die Gewalt bin ich (Italien 1977) - Genremeister Umberto Lenzi hetzt Maurizio Merli, Tomas Milian und John Saxon aufeinander, Charakterkopf Renzo Palmer ist in einer Nebenrolle am Start, Kenner freuen sich über weitere geschätzte Ergänzungsfratzen. So sieht ein erstklassiger Polizeifilm aus Italien aus, so herrlich kann sich der prächtige Stoff anfühlen! Prügel, Geballer und kernige Sprüche, die grandiose Besetzung treibt mir Freundentränen in die Augen! Nebenbei bleibt sogar Raum für einen gelungenen "Heist-Einschub", lediglich in der Disziplin Verschrottung von Automobilen, hält sich Meister Lenzi ein wenig zurück.

    Ganz, ganz großes Lob für die DVD aus dem Hause filmArt! "Il cinico, l'infame, il violento" liegt in ansprechender Qualität vor, uns steht nicht nur die (starke) deutsche Synchronisation zur Verfügung, auch italienischer und englischer Ton sind wählbar, weiterhin ein prächtiger Audiokommentar mit den (S)Experten Christian Keßler und Pelle Felsch. Dazu gibt es Interviews mit John Saxon und Franco Micalizzi, ein Booklet mit Anmerkungen von Umberto Lenzi, Trailer bilden als Sahnehäubchen, das Case steckt in einem schicken Schuber. Sehr respektvolle und fanfreundliche Veröffentlichung, absoluter Kaufzwang!

    8/10 (sehr gut)


    ... selbstverständlich erfreuten mich noch etliche andere Streifen, aber ich habe keine Zeit für weiteres Geschreibe, die nächste Sause wartet ungeduldig auf mich ...





  • The Loreley's Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat (Spanien 1976, Originaltitel: Las garras de Lorelei)

    Herzliches mit Helga

    Eine beschauliche Ortschaft am Rhein wird von einer Bestie heimgesucht. Im fahlen Mondlicht rückt das Ungetüm an, reißt entsetzten Opfern das Herz heraus und verschwindet. In der Nähe besuchen jungen Damen eine Privatschule, beunruhigt engagiert man auf Empfehlung den erfahrenen Jäger Sigurd (Tony Kendall), er soll mögliche Übergriffe des grausamen Killers unterbinden. Lehrkraft Elke (Silvia Tortosa) zeigt zunächst wenig Begeisterung für die Anwesenheit des Beschützers, schließlich bringt der smarte Bursche sämtliche Liebeshormone der Schülerinnen in Wallung. Außerhalb Sigurds Arbeitsbereichs kommt es zu weiteren Morden. Der verwirrt anmutende Professor Van Landen (Ángel Menéndez), erläutert dem Jäger eine erschreckende Theorie! Im Schein des Mondes erhebt sich Loreley aus den Fluten des Rheins, verwandelt sich in ein blutrünstiges Monster, ein Monster welches sich von den Herzen seiner Opfer ernährt. Sigurd trifft in der Nähe des Flusses auf eine atemberaubend schöne Frau (Helga Liné), wird von prickelnder Faszination und Zuneigung ergriffen. Handelt es sich tatsächlich um die legendäre Loreley? Kann Sigurd zukünftige Morde verhindern? Welche Pläne hat die rätselhafte Schönheit mit Sigurd? ... und welcher Art sind Elkes Gefühle, deren Abneigung gegen den attraktiven Mann allzu übertrieben und vorgeschoben wirkt ...???

    Regisseur Amando de Ossorio ist vor allem für "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, 1971) bekannt. Diesem Klassiker des spanischen Horrorfilms folgten drei -ebenfalls von de Ossorio inszenierte- Fortsetzungen. Seine Interpretation der Loreley Sage, vermengt mit den Nibelungen, ist weitaus weniger bekannt, sollte Freunde des Genres auf Anhieb für sich gewinnen. Liebhaber bekommen all die herrlichen Zutaten geboten, für die sie Filme dieser Beschaffenheit schätzen und verehren.

    Mit Silvia Tortosa und Helga Liné gibt es gleich zwei umwerfend schöne Frauen zu bewundern, die Damen standen auch für Eugenio Martins "Horror Express" (1972) gemeinsam vor der Kamera. An der Seite von Helga Liné würde ich sofort in den Fluten des Rheins versinken, über ihre kleinen Beutezüge bei Vollmond sehe ich gern hinweg. Tony Kendall gibt den coolen Helden, natürlich ganz Macho mit Kippe in der Schnauze und behaarter Brust, Gewehr und Messer stets griffbereit. Ángel Menéndez gibt den verschrobenen Wissenschaftler, Gesichtsruine Luis Barboo macht uns den Alberich, brutaler Scherge des Bösen, herrlich. Luis Induni ringt als Bürgermeister um Kontrolle, aufgebrachter Pöbel möchte große Töne spucken, spätes Mittelalter im Nachkriegsdeutschland. Als Krönung gibt es ein geiferndes Monstrum zu sehen, welches seine Opfer ohne Gnade attackiert. Zwar verzichtet Amando de Ossorio auf nackte Tatsachen, an knisternder Erotik mangelt es indessen nicht. Hier und da klopft der Filmemache ein wenig aufs Mett. Schwabbelherzen werden aus Gummileibern gerissen, Alberich schwingt die Peitsche, Säure zerstört eine Fratze. Selbstverständlich sind die Effekte eher knuffig als schockierend, wirkt das wundervoll absurde Treiben eher liebenswert als wirklich böse. Wenn nicht gerade ein Monster für Unruhe sorgt, scheinen die Schülerinnen vor allem am Swimmingpool zu verweilen, freilich unter den strengen Blicken der Lehrerinnen.

    Wer Eurohorror aus den siebziger Jahren ins Herz geschlossen hat, sollte sich diesen feinen Streifen auf jeden Fall anschauen! 2009 entstand die erste Fassung dieses Kurzkommentars, damals nach Sichtung der DVD aus den USA. Inzwischen hat "The Loreley's Grasp" den Weg nach Deutschland geschafft, Shock DVD Entertainment veröffentlichte das Werk auf einer ansprechenden Scheibe. Dort sind nicht nur der spanische Orignalton und die englische Fassung zu finden, es wurde erstmalig eine deutsche Synchronisation erstellt. Erfreulicherweise trifft die Synchro recht gut den Stil der siebziger Jahre, nebenbei wird die Sause nun auch dem letzten Fremdsprachenmuffel zugänglich.

    Wundervoller Horrorschatz aus dem Südwesten Europas! Gern erhöhe ich meine Zahlenwertung auf 8/10 (sehr gut). An der immer wieder beschworenen "10/10 Wohlfühlatmosphäre" ändert sich nichts. Grostesk, obskur und knuffiger als knuffig!


    Lieblingszitat:

    "Eine Kuriosität der Transmutation ist, dass die Dekomprimierung der Zellen einsetzt, während sie sterben, um anschliessend mumifiziert zu werden, wie Sie es bei dieser Hand hier sehen können!"

  • • River of Death (USA 1989) - Michael Dudikoff führt diverse Gestalten tief in den Dschungel, eine geheimnisvolle Siedung soll gefunden werden. Unterschiedliche Motive treiben die beteiligten Damen und Herren, bereits im Verlauf der "Anreise" sind erste Verluste zu beklagen ...

    Michael Dudikoff diesmal nicht als nahezu unzerstörbarer Oberklopper, die Rolle des eher durchschnittlichen Abenteurers steht im durchaus gut zu Gesicht. In den Nebenrollen wird nicht mit gestandenen Charakterköpfen gegeizt, Donald Pleasence ist als reicher Geschäftsmann unterwegs, Herbert Lom gibt den zwielichtigen Polizist, Robert Vaughn führt im Dschungel ein Camp des Grauens, L.Q. Jones wird vielen Filmfreunden ebenfalls ein Begriff sein. Für Schmunzler sorgt die unfassbare Darbietung einer jungen Dame namens Cynthia Erland.

    "River of Death" wurde im Jahr 1965 angesiedelt. Zum Auftakt gibt es einen stimmungsvollen Blick zurück auf die letzten Tage der Naziherrschaft, Pleasence und Vaughn dürfen ordentlich vom Leder ziehen. Leider kommt Robert Vaughn insgesamt insgesamt zu kurz, taucht erst wieder im Finale auf, schade. Mir bereitet der Mix aus Abenteuer, Action und Unfug viel Freude, an der DVD aus der Reihe "KSM Klassiker" gibt es nichts zu meckern, gute Qualität zum sehr fanfreundlichen Preis. Als deutlich stärkere Alternative (oder zünftiges Double Feature) bietet sich "Blutgericht am Amazonas" an, erschienen im Rahmen der Trash Collection aus dem Hause CMV.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)

  • Im Ultrakurzformat:



    • Joshua Tree (USA 1993) - Santee (Dolph Lundgren) ist in kriminelle Machenschaften verstrickt, Kumpel Eddie Turner (Ken Foree) fällt bösartigen Drahtziehern zum Opfer. Nun muß Santee als Sündenbock herhalten, sich gegen mordlüsterne Cops zur Wehr setzen ...

    Was für ein Knüller! Prächtiger B-Actioner vor großartiger Kulisse, perfekt besetzt. Mein Dolph in Bestform, Kristian Alfonso als attraktive Begleiterin, George Segal dreht in der Rolle des korrupten Bullen völlig ab, grandios! Es setzt Prügel, es wird geballert, es mangelt nicht an Härte und Humor, zwischen Dolph und seiner "Geisel" knistert es gewaltig. Vollbedienung!

    Bisher lag mir der Streifen lediglich auf der schwachen Scheibe von Laser Paradise vor, die dem Film nicht ansatzweise gerecht wird ("Barret - Das Gesetz der Rache"). Abhilfe schafft die sehr schöne BD/DVD Combo (BD: Regionalcode A) aus den USA, endlich erstahlt "Joshua Tree" in seiner gesamten Pracht! Mir fällt der Verzicht auf die deutsche Synchronisation in diesem Fall leicht, da deren Qualität sowieso sehr bescheiden ausgefallen ist.

    Extrem feiste 9/10 (überragend)



    • Panische Zeiten (Deutschland 1980) - Udo Lindenberg (Udo Lindenberg) gerät in die Fänge der Staatsgewalt, Detektiv Carl Coolman (Udo Lindenberg) macht sich auf die Suche nach dem entführten Rockstar ...

    Erschfrischend naiv eiern Udo und seine Mannschaft durch diese Sause, fröhliche Laiendarsteller treffen auf diverse Profis (z. B. Vera Tschechowa, Eddie Constantine), das Drehbuch schlägt irre Purzelbäume. Obendrauf gibt es eine kräftige Portion Hamburg, typische Stimmung der späten siebziger/frühen achtziger Jahre, Udo haut jede Menge lockere Sprüche raus, abgerundet durch einige Songs aus des Meisters Repertoire. Für Lindenberg Fans sehenswert, für Freunde des deutschen Films sehenswert, irgendwie anders, dennoch typisch. Mag ich.

    Turbine hat dem Streifen eine tolle Auswertung spendiert. "Panische Zeiten" liegt in sehr ansprechender Qualität vor, interessante Boni runden das Paket ab.

    7/10 (gut)


  • DVD: Code Red (USA)



    Terminal Island (USA 1973, Originaltitel: Terminal Island)

    Vom Foltercamp zur Post-Hippiekommune?

    In den USA werden zum Tode verurteilte Straftäter nicht mehr hingerichtet. Stattdessen verbannt man die Damen und Herren auf eine Insel vor der kalifornischen Küste, weitestgehend unkontrolliert und von der restlichen Welt abgeschnitten. Psychopath Bobby (Sean Kenney) hat die Macht auf dem Eiland an sich gerissen, führt mit Hilfe brutaler Schergen ein gnadenloses Regime. Neuankömmling Carmen (Ena Hartman) lernt schnell den harten Alltag kennen, die wenigen Frauen werden ständig erniedrigt und geschändet. Dennoch hält Bobby nicht alle Inselbewohner unter seiner sadistischen Fuchtel, eine kleine Gruppe úm A.J. (Don Marshall) schlägt sich auf eigene Faust durch. Eines Tages befreit A.J. die geknechteten Frauen aus den Klauen des Gewaltherrschers, Carmen und ihre Begleiterinnen schließen sich den Rebellen an ...

    Stephanie Rothman inszenierte u. a. den "tragisch-schönen" Vampirstreifen "The Velvet Vampire" (1971), für zarte Zwischentöne bleibt in "Terminal Island" deutlich weniger Raum. Trotz Gewalt, Sex und überwiegend grober Dialoge, beschränkt sich Rothman nicht auf stupides Geschlachte, bedient sich clever aus unterschiedlichen Genretöpfen. So würde der staatliche Umgang mit unliebsamen Subjekten in dystopische Werke passen, während die Besetzung der "Heldenrollen" in Richtung Blaxploitation weist. Kalt und konsequent entledigt sich die Staatsgewalt lästiger Bürger, wer auf die Insel kommt gilt als tot, selbstverständlich behördlich beurkundet. Tatsächlich geht es auf der Insel übel zur Sache, gewissermaßen ein übergroßer Schlachthof mit begrenztem Auslauf für Vieh und Metzgergesellen. Als zynischer Metzgermeister hält sich Vater Staat im Hintergrund, möge sich der Pöbel bitte gegenseitig fressen. Schauwerte hin oder her, "Terminal Island" transportiert vor allem jede Menge Zeitgeist der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, Rebellion gegen unmenschliche Zustände ist Plicht, bei Bedarf mit Gewalt, mit freundlichen Grüßen in Richtung Richard Nixon.

    Don Marshall gefällt als mutiger Rebellenführer, sein Gegenpol Sean Kenney hinterlässt freilich den bleibenderen Eindruck, darf er doch den völlig haltlosen und austickenden Irren vom Stapel lassen. Ena Hartman gibt die unbeugsame Schwarze, kommt mir wie Pam Grier im Schmalspurformat vor. Phyllis Davis fällt als -gar nicht dummes- Blondchen positiv auf, Tom Selleck sehen wir als Arzt auf Dope. Ich will nicht alle Namen abspulen, freut auf treffsicher besetzte Haupt- und Nebenrollen, fiese Fratzen, hartes Muskelfleisch und nackte Haut.

    "Terminal Island" gefällt als "wüster Reißer mit Message", sammelt Punkte mit seiner wilden Mixtur aus Dystopie, Blaxploitation, Foltercamp, Action, Gewalt, Erotik und einer Prise Humor. In Deutschland wurde das Werk unter dem Titel "Männer wie Tiger" ausgewertet. Leider habe ich diese Fassung noch nicht gesehen, jedoch lassen kurze Einblicke auf deutliche Veränderungen der Marschrichtung schließen. Darauf weist nicht nur die stark gekürzte Spieldauer hin, offenbar hat man massiv an den Dialogen geschraubt, den Streifen zu einer Nummernrevue platter Sprüche umfunktionert. Sicher keine sorgfältige Behandlung der Vorlage, aber vermutlich ein herrlich unterhaltsames Beispiel für eigenwillige "Synchronkultur" vergangener Jahrzehnte.

    Mir liegt "Terminal Island" als DVD aus dem Hause Code Red vor. Geboten wird ansprechende Qualität, interessante Interviews mit Sean Kenney und Don Marshall, auf Wunsch gibt es einen Audiokommentar aufs Ohr, Trailer zum Film und weiteren Titeln aus dem Labelprogramm, ferner Phyllis Davis per Telefoninterview. Klarer Kauftipp, beide Daumen hoch!

    Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)


    Lieblingszitat:

    "I'm gonna cut your liver out, man!"

  • Im Ultrakurzformat:


    • Knightriders - Ritter auf heissen Öfen (USA 1981) - George A. Romero setzt seine Ritter auf Mopeds, strickt daraus einen Film über Außenseiter. Ed Harris als unbeugsamer(?) "König", Tom Savini gibt den Gegenpol. Aussteiger auf der Suche nach Freiheit und Individualität, doch der ständige Geldmangel führt zu Zerwürfnissen innerhalb der Gruppe.

    "Knightriders" kommt nur auf den ersten Blick verschroben daher, erzählt letztlich nichts anderes als die übliche Story vom tragischen Rebell. Romero hält den Zuschauer zunächst auf Distanz zu seinen Charakteren, erschwert manchen Betrachtern dadurch eventuell den Zugang. Lediglich das arg pathetisch Ende trifft nicht meinen Nerv, ansonsten habe ich gern rund 140 Minuten am Rande der Gesellschaft verbracht (wo ich mich sowieso ständig aufhalte, wie mir zu Ohren kam). KSM präsentiert den Film in solider Qualität, hier wird die ungekürzte Fassung geboten, damals nicht synchronisierte Dialoge sind mit deutschen Untertiteln versehen. Übrigens wurden bereits BD-Auswertungen für den englischen (Arrow) und amerikanischen Markt (Shout! Factory) angekündigt. Ich bin mit der KSM-DVD zufrieden, Romero funktioniert auch ohne "echte" Zombies.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)



    • Triangle (Australien, Großbritannien 2009) - Melissa George spielt die alleinerziehende Mutter Jess, eine kleine Bootstour mit Freunden und Bekannten entwickelt sich zum Albtraum ...

    Ich möchte nicht näher auf den Inhalt eingehen, lasst euch von "Triangle" auf einen Horrortrip der etwas anderen Art entführen. Zwar erfindet Regisseur und Autor Christopher Smith das Genre nicht neu, dennoch mutet sein Werk erfrischend an. Vor allem die Leistung von Hauptdarstellerin Melissa George bleibt in Erinnerung, die junge Dame liefert eine beeindruckende Leistung ab, verhilft ihrer "Jess" immer wieder zu neuen Facetten. Melissa und Christopher, ich werde euch gern im Auge behalten. Ascot Elite zeigt den Film in schöner Qualität, ich bin mit der BD sehr zufrieden.

    7/10 (gut)



    • Der Schatz im All (Italien, Frankreich, Deutschland 1987) - "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson wurde häufig verfilmt, diesmal verlegte man die Handlung die Zukunft, führt das Abenteuer Schatzsucher, Piraten und den zwölfjährigen Jimmy tief hinaus ins Weltall. Regie führte Antonio Margheriti, einer der wichtigsten Filmemacher des italienischen Genrekinos. Für diese TV-Serie konnten bekannte Gesichter verpflichtet werden, freut euch auf sieben Folgen bester Unterhaltung, knapp sechs Stunden Spannung und Spaß im All!

    In der ersten Folge dominiert Ernest Borgnine das Geschehen, die prologartig angelegte Episode stellt Weichen, auch wenn Borgnine danach lediglich in kurzen Rückblenden zu sehen ist. Anthony Quinn, Klaus Löwitsch, David Warbeck und Philippe Leroy sind Stars der Serie, die Hauptrolle übernahm Itaco Nardulli. Kinder können sehr unangenehme Erscheinungen in Filmen/Serien sein, aber der wirklich putzige Itaco Nardulli hat sofort mein Herz erobert. Leider verstarb der Junge 1991 bei einem Badeunfall, er wurde lediglich 16 Jahre jung. In Nebenrollen werden Fans des europäischen Kinos geschätzte Gesichter erkennen, so sind z. B. Giovanni Lombardo Radice und Salvatore Borghese (bekannter als Sal Borgese) mit von der Partie. Hinzu kommt die stilsichere Inszenierung des zuverlässigen Antonio Margheriti, an schöner Ausstattung und stimmungsvollen Kulissen mangelt es ebenfalls nicht.

    Verteilt auf drei DVDs, kommt die TV-Serie in guter Qualität ins Haus. "Familientaugliche Unterhaltung" ist eher nicht mein Spielfeld, aber hier wird wird toller Stoff geboten, klarer Kauftipp!

    8/10 (sehr gut)

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