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  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum24.09.2011 23:47
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 6 (Folgen 76-90)

    Folge 79 - Der Kanal (Deutschland 1981)

    Herbert Junker (Bernd Herzsprung) ist ein echter Schwerenöter, momentan trifft er sich häufig mit seiner Liebschaft Elisabeth Röder (Claudia Rieschel) in einem abgelegenen Landgasthof vor den Toren Münchens. Nachdem wie üblich ein paar Stößchen geplaudert wurden, macht sich Elisabeth auf den Weg nach Hause, ihr Ehemann Jürgen (Volker Eckstein) schöpft ohnehin Verdacht. Herbert Junker will sich noch umsehen, ein anonymer Anruf im Gasthof hat ihn beunruhigt. Einige Stunden später wird Herberts Leiche aus einem Kanal gefischt, zuvor wurde sein herrenloses Auto mit laufendem Motor auf der Strasse entdeckt. Für Derrick und Klein ist Jürgen Röder zunächst der Hauptverdächtige, sein merkwürdiges Verhalten und ein mangelhaftes Alibi belasten ihn schwer. Doch welche Rolle spielt Hannelore Junker (Helga Anders), die Ehefrau des Opfers hatte immerhin seit längerer Zeit unter den amourösen Eskapaden ihres Mannes zu leiden. Auch Herr Zeissler (Wolfgang Wahl), der Schwiegervater des Getöteten, hatte keine hohe Meinung von Herbert Junker, wer sieht die eigene Tochter gern leiden? Die Kriminalbeamten treffen bei ihren Ermittlungen ferner auf Jürgen Röders aufbrausenden Vater (Hubert Suschka), der seinen Hang zum tyrannischen Familienboss offensiv zur Schau trägt. Der Kreis der potentiellen Täter scheint beständig zu wachsen, was ist wirklich mit Herbert Junker geschehen...???

    Bernd Herzsprung erweist sich als ideale Besetzung für den Part des windigen Rittmeisters, der gern und häufig die ehelichen Fesseln abstreift. Dennoch wird er nicht als völlig sorgloser Filou gezeichnet, ein rätselhafter Anruf weckt seine glaubwürdig gespielte Besorgnis. Claudia Rieschel investiert mehr Gefühle als ihr Liebhaber, andeutungsweise scheint sie ihre Ehe für ihn aufgeben zu wollen, was von Herzsprung nonchalant übergangen wird. Herzsprung und Rieschel funktionieren als ehebrecherisches Paar sehr gut, im späteren Verlauf der Folge wird Rieschel mehr in den Hintergrund gedrängt. Volker Eckstein war bereits häufiger in der Reihe zu sehen, besonders in "Anschlag auf Bruno" (54) lieferte er eine erstklassige Leistung ab. Einmal mehr agiert er als angespannter und überforderter Zeitgenosse, der zu allem Überfluss unter seinem geringen Selbstwertgefühl leidet. Bei dem Vater kein Wunder, Hubert Suschka poltert lautstark umher, bringt kein Verständnis für seinen schwachen Sohn auf. Entsprechende Charaktere liegen Suschka, spontan muss ich an seine Rolle als fieser Gangster denken, die er in "Perrak" (1970) mit Bravour zum Besten gab. Wolfgang Wahl vertritt als Oberhaupt der anderen in den Fall involvierten Familie ähnliche Ansichten, verkündet diese weniger lautstark, allerdings keinesfalls weniger bestimmt. Mein sinnlicher Höhepunkt dieser Folge kommt in Form von Helga Anders daher. Ihr Auftritt gerät diesmal zwar längst nicht so beeindruckend wie z. B. in "Kaffee mit Beate" (46), doch ich fühle mich stark zu dieser attraktiven Frau hingezogen, die mich "irgendwie" an die lechzige Lina Romay erinnert. Leider verstarb Helga Anders bereits 1986 unter tragischen Umständen. Max Griesser und Monika Baumgartner sehen wir als Gastwirt und dessen Tochter, sie runden das starke Ensemble gelungen ab.

    Diesmal gibt es gewissermaßen ein "familienübergreifendes Familiendrama" auf die Augen, eine vermeintlich harmlose Affäre mündet in ein Drama mit tödlichem Ausgang. Mir hat die winterliche Kulisse sehr gut gefallen, die mit ihrer reizvollen Tristesse wie für mich geschaffen ist, sich ausserdem der Atmosphäre als äusserst zuträglich erweist. Für meinen Geschmack ist "Der Kanal" eine der besten von Helmut Ashley inszenierten Folgen, in der Vergangenheit sorgte der Regisseur nicht unbedingt für die Höhepunkte der Reihe. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche, die Umtriebe der Ehebrecher werden weder geschönt noch angeprangert. Lediglich Harry scheint ein wenig angenervt zu sein, ordnen wir sein Verhalten wohlwollend unter "ermittlungstaktike Maßnahmen" ein. Als musikalische Untermalung hält ein Disco-Song her (dessen Titel ich nicht kenne), der mit seinem sanften Gestöhne perfekt zur frühen Phase von "Der Kanal" passt. Was gibt es noch zu berichten? Am liebsten möchte ich in die Glotze springen und Helga Anders trösten, glücklichweise sind die Gedanken frei, darf die Phatasie wirre Netze spinnen. Eine gute und unterhaltsame Folge, starke Schauspieler treffen auf ein solides Drehbuch und eine schöne Winterstimmung.

    7/10 (gut)




  • Die Verfluchten (Der Untergang des Hauses Usher) (USA 1960, Originaltitel: House of Usher)

    Corman, Price & Poe - Der erste Streich

    Philip Winthrop (Mark Damon) will seine Verlobte Madeline Usher (Myrna Fahey) endlich zu sich nach Boston holen. Als er das herrschaftliche Anwesen ihrer Familie erreicht, wundert sich der junge Mann über die Abwesenheit jeglicher Flora und Fauna, eine trostlose und bedrohliche Stille umhüllt das alte Gemäuer. Der erste Kontakt mit einem Bewohner des Hauses gestaltet sich kaum erfreulicher, der hüftsteife Diener Bristol (Harry Ellerbe) lässt den Besucher nur ungern über die Türschwelle schreiten, denn Madeline sei krank und bettlägerig. Wenige Momente später trifft Philip auf Roderick Usher, Madelines äusserst verschrobenen und abweisenden Bruder. Roderick verweigert Philip zunächt jeglichen Kontakt mit Madeline, fordert den ungebetenen Gast mit Nachdruck zur sofortigen Abreise auf. In seiner Verliebtheit denkt Philip nicht daran den Worten des Hausherrn zu folgen, völlig wirr und unglaubwürdig scheint dessen Gerede über einen alten Fluch zu sein, der angeblich auf der Familie Usher und deren Haus liegen soll. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, freut sich Madeline sehr über die Ankunft ihres Verlobten, schreckt aber zunächst vor einem überstürzten Aufbruch in ihr neues Leben zurück. Unaufhaltsam braut sich unfassbares Unheil über dem Hause Usher zusammen, Roderick wird nicht müde den ungeliebten Störenfried zur Rückkehr nach Boston zu drängen, selbstverständlich ohne Madeline...

    "House of Usher" ist der erste Film aus der Reihe der Poe-Verfilmungen von Roger Corman, die der damals noch junge Filmemacher im Zeitraum von 1960-1965 inszenierte. Stets wirkte Vincent Price in diesen Werken mit, lediglich bei "Lebendig begraben" (The Premature Burial, 1962) stand Price nicht zur Verfügung. Jeder dem Gothic-Horror zugeneigte Filmfreund wird die Streifen kennen, ergo werde ich mich auf wenige Zeilen beschränken, das Netz gibt genügend Lesestoff zum Thema her.

    Sofort wird uns unmißverständlich vor Augen geführt, dass wir es mit gepflegter Gruselunterhaltung zu tun bekommen. Dicke Nebelschwaden liegen wie wabernde Leichentücher über dem Szenario, das direkte Umfeld des alten Gebäudes wirkt tot und trostlos. Nicht minder trist steht das finstere Anwesen in der Landschaft, der Putz bröckelt nicht nur von der Außenhülle, auch im Inneren knirscht und ächzt es an allen Ecken und Enden. Treffender und eindeutiger kann man den Verfall einer Sippe nicht symbolisieren, überdies dem gesamten Adel, der sogenannten "besseren Gesellschaft", den Spiegel vor die entstellte Fratze halten, nachdem zuvor gnadenlos die Masken heruntergerissen wurden. Unaufhaltsam schreitet der Verfall voran, entlädt sich in einem höllischen Inferno des Grauens, der Begriff "Untergang" ist hier keineswegs nur eine leere Worthülse. Mit Floyd Crosby hatte Roger Corman einen erfahrenen Kameramann an seiner Seite, die stimmungsvollen Bilder wurden von Les Baxter mit einem zupackenden Score untermalt. Kurzzeitig schaut Corman gar über den Tellerrand des wohligen Genres hinaus, eine "farbenfroh-hysterische Albtraumsequenz" mutet wie ein Fingerzeig auf psychedelische Trips an, die in den späten sechziger Jahren das Blut in Wallung bringen sollten. Im Haus hängen zudem schaurig-schräge Gemälde, quasi eine gar schröcklich-schöne Ahnengalerie der Familie Usher, herzallerliebst!

    Dank der kammerspielartigen Anlage des Werkes, kommt "House of Usher" mit wenigen Darstellern aus. Der "flotte Vierer" bedarf fast nie einer Ergänzung, umso schwerer lastet die Verantwortung auf den Schultern der Akteure vor der Kamera. Mark Damon war später häufiger in italienischen Filmen zu sehen, Sandalen-Sausen und Western gehörten dazu, aber auch der schöne Giallo "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Nude... si muore, 1968) von Antonio Margheriti. Damon passt prima in die Rolle des zunehmend verzweifelten Verlobten, steht allerdings im Schatten der übrigen Besetzung. Seine Figur sorgt für den bodenständigen Teil, schauspielerisch freilich eine weniger reizvolle Bühne. Dennoch meistert Mark Damon seine Aufgabe angemessen, ich könnte ihn mir auch gut in Hammer-Flicks vorstellen, in denen er sich gegen den Grafen Dracula oder Herrn Frankenstein zu Wehr setzen muss (dazu kam es jedoch nie). Harry Ellerbe kommt bereits eine Spur kantiger rüber, bewahrt aber die Contenance, gefällt mit seiner knarzigen Art, die auf besondere Weise sympathisch bleibt. Myrna Fahey versteht es den Zuschauer zu überraschen. Was als typische Darbietung des ängstlichen und hilflosen Weibleins beginnt, mündet in toll gespieltes Gegeifer, dämonisch und erschreckend, schaut euch diese Augen an! Klar, der Star ist und bleibt Vincent Price, einer der ganz Grossen des Genres, zusammen mit Peter Cushing und Christopher Lee die Krönung des Gothic-Grusels. Price spielt bekanntlich meist überzogen, "irgendwie" immer eine Spur drüber, kippt aber nie in unfreiwillig alberne Untiefen ab. Ungehalten tritt er in seiner ersten Szene Mark Damon gegenüber, wird gleichzeitig durch die bloße Anwesenheit des unerwünschten Besuchers gepeinigt, großartig! Wer könnte die teils pathetischen Dialoge besser als Vincent Price vortragen, vor allem dermaßen packend? (Das war keine Frage, das ist eine Feststellung!)

    Damit will ich meinen Kurzkommentar beschliessen, als Fan muss man den Film sowieso kennen, Einsteigern rate ich aus Überzeugung zur Sichtung! MGM präsentiert "House of Usher" in solider Qualität, leider gibt es lediglich einen Trailer als Bonus. Die Aufmachung der Scheibe ist zweckmäßig, zweifellos hätte dieser Edelstein eine liebevoller gestaltete Ausgabe redlich verdient. Da der Film immer im Zentrum meines Interesses steht, kann ich trotzdem eine klare Kaufempfehlung für die DVD ausprechen.

    Sehr gut = 8/10 (Zunächst wollte ich 7,5/10 ziehen, da ich andere Filme aus Cormans Reihe noch mehr liebe, doch unterhalb 8/10 geht dieser Oberknuffel nicht durch!)

    Lieblingszitat:

    Zwei fahle Tropfen Licht, die in der alles verschlingenden Dunkelheit flackern.


  • Grosse Hartboxen von X-Rated


    Emanuelle im Sexrausch aka Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste (Italien 1976, Originaltitel: Emanuelle Nera No. 2)

    Shulamith Lasri statt Laura Gemser

    Emanuelle (Shulamith Lasri) leidet unter massiven Gedächtnislücken, der erfahrene Psychologe Paul (Angelo Infanti) behandelt die junge Frau in seiner Klinik. In Beirut wurde Emanuelle in Kampfhandlungen verwickelt, doch ist dieses traumatische Erlebnis tatsächlich für ihren Zustand verantwortlich? In langen Gesprächen versucht Paul mehr über die Vergangenheit seiner Patientin zu erfahren, nebenbei trifft er sich mit Menschen aus ihrem Umfeld. Offenbar ist Emanuelles Blick in Vergangenheit stark verzerrt, so stellt sie z. B. ihren Vater (Don Powell) als haltlosen Trinker dar. Beim ersten Kontakt mit dem angeblichen Alkoholiker erlebt der Seelenklempner eine Überraschung, denn der alte Herr entspricht in keinster Weise den Ausführungen seiner Tochter. Paul trifft weitere Personen die Emanuelle nahestanden, hofft darauf den Nebelschleier aus der Psyche seiner Patientin zu vertreiben. Welches schreckliche Ereignis war der tatsächliche Auslöser für den Gedächtnisverlust der rassigen Schönheit, sowie für ihr seit längerem gestörtes Sexualverhalten? Wird der Mediziner das Rätsel zum Wohl seiner Patientin lösen können???

    Regisseur Bitto Albertini sorgte vor diesem Film für den Auftakt der losen Filmreihe Black Emanuelle, 1975 inszenierte er "Emanuelle Nera" mit Laura Gemser in der Titelrolle. Frau Gemser sollte noch häufiger in die Rolle der Emanuelle schlüpfen, doch diesmal sehen wir eine gewisse Shulamith Lasri als Hauptattraktion des Geschehens. Frau Lasri kann zwar nicht mit der anmutigen, edlen Schönheit einer Laura Gemser konkurrieren, wirft jedoch ersatzweise einen herrlich prallen Früchtekorb in die Waagschale, der auf einem knackigen Fahrgestell durch die Kulissen wandelt. Zwar mag mir ihr ein wenig herbes Antlitz weniger gefallen, doch unterhalb der Kinnlade regiert die dralle Freude, mir hängt noch immer die Zunge aus dem Halse (Contenance, Contenance!).

    Emanuelle Nera No. 2 kommt erwartungsgemäß mit einigen erotischen Szenen daher, es geht dabei aber nie allzu wüst zu, auf HC-Inserts wurde passenderweise gänzlich verzichtet. Albertini reiht nicht nur Gerödel an Gerödel, er haucht den Figuren Leben ein, streut hier und da eine kleine Prise Humor über uns aus. Der Auftakt entpuppt sich als Ritt durch die Phantasie der Hauptfigur, Emanuelle erlebt diverse Folterszenarien an unterschiedlichen Schaupläzen. Hier spielt der Film gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, verneigt sich gleichzeitig augenzwinkernd vor anderen Spielarten des Genrekinos. Clever treibt das Drehbuch die Handlung vorwärts, die Zeitsprünge muten nie plump an. Dies gelingt durch den treffsicheren Einbau einer knuffigen Nebenrolle. Der extrem sympathische Attilio Dottesio rückt Doc Paul mit "aufgezwungen" Vereinbarungen zu Leibe, mit denen er stets zum "vereinbarten" Termin beim Leiter der Klinik auf der Matte steht. Angelo Infanti wird nicht auf die Rolle des behandelnden Psychologen begrenzt, Blicke in sein Privatleben zeigen uns das angespannte Verhältnis zu seiner Gattin, die die Arbeit ihres Ehemannes mit Skepsis und zunehmender Eifersucht beäugt. Immerhin behandelt der Göttergatte junge Schönheiten, die teils von einem ausgeprägten Hang zur Nymphomanie angetrieben werden.

    Nein, eine liebliche Schönheit ist Shulamith Lasri in meinen Augen nicht. Dennoch versprüht sie jede Menge Power und einen offensiven Sex-Appeal, dem ich mich nicht entziehen kann, sowieso nicht entziehen mag. Die Darstellung der gepeinigten, trotzigen und manchmal wilden Emanuelle gelingt ihr gut, Lasri kommt sehr natürlich rüber. Angelo Infanti sprengt das Klischee des notgeilen Fieslings, den man "eigentlich" in einem Streifen dieser Gangart erwartet. Zunächst scheint seine Rolle ambivalenter Natur zu sein, die falsche Fährte verschwindet allerdings flott, der Psychologe ist eine ehrliche und seriöse Haut. An Infantis Spiel gibt es kaum ernsthafte Kritikpunkte, vielleicht wird es in wenigen Szenen eine Spur zu theatralisch, dennoch bewegt sich Infanti dauerhaft im grünen Bereich. Don Powell gibt den betroffenen Vater, Percy Hogan den drahtigen Gatten Emanuelles, den die Gelüste seiner Liebsten fast die Karriere als Profisportler kosteten. Dagmar Lassander agiert als zickiges Weib des Herrn Infanti, darf aber letztlich eine positive Entwicklung vorweisen, verkommt auf diese Weise nicht zum nervigen Abziehbild. Attilio Dottesio erwähnte ich bereits, seine kleine Rolle ist vorbehaltlos liebenswert. Danielle Ellison ist als notgeile Nichte des Klinikbosses unterwegs, sie sorgt für einen angenehmen Schmuddeltouch, ohne dabei tatsächlich völlig aus dem Ruder zu laufen. Ferner gibt es eine scharfe Krankenschwester zu sehen, die sich hin und wieder mit dem trotteligen Pförtner austauscht, dazu noch Franco Cremonini als dürren Fotographen.

    Freilich darf man von "Emanuelle Nera No. 2" kein tiefsinnigen Charakterstudien erwarten. Klar, es gibt überdies zweifellos Szenen, die die Handlung nicht vorwärts bringen. Das Krankenschwesterchen und der Schrankenmann dienen lediglich als Aufhänger für Unfug und Gerammel, bremsen den Film aber trotzdem nicht nachhaltig aus. Die Augen werden nicht nur durch aufregende Kurven verwöhnt, kurzzeitig entführt man uns nach Venedig, die Innenaufnahmen mag sich schon wegen ihres typischen 70er-Jahre-Looks gern. "Emanuelle Nera No. 2" verschiebt keine Grenzen, lotet keine Extreme aus, bleibt in den SC-Szenen eher brav. Mir hat der Flick viel Spass gemacht, ich bin tauche ungemein gern in die unvergleichliche Atmosphäre ein, die das italienische Genrekino der siebziger Jahre zu einem unverzichtbaren Freudenspender und Hochgenuss macht. Da stört selbst die fast banale Auflösung nicht, die der aufmerksame Zuschauer sich sowieso lange vor dem Ende der Sause ausmalen kann. Der Streifen ist kein Film für Menschen die an jeder Kleinigkeit rumnörgeln, dem Liebhaber wird angenehme Unterhaltung geboten, schöne Frauen mit aufregenden Kurven, gewürzt mit Humor und hübschen Kulissen.

    Mir liegt der Film in zwei Varianten vor. Zunächst als deutsche DVD aus dem Hause X-Rated, die in brauchbarer Qualität ins Haus kommt. Zusätzlich befindet sich diese US-Box von Severin in meiner Sammlung:


    Black Emanuelle's Box - Volume 2

    Auf dem Cover ist Laura Gemser zu sehen, die bekanntlich den Titel der "echten" Black Emanuelle für sich in Anspruch nehmen darf. Sie ist in der Hauptrolle der beiden anderen enthaltenen Filme zu sehen:

    • Black Emmanuelle / White Emmanuelle (1976)
    • Emanuelle and the White Slave Trade (1978)

    Die Severin-DVD bietet ein im Vergleich zur X-Rated ein besseres Bild, zudem ist die gebotene Fassung etwas anders geschnitten. Ausserdem bietet Severin ein Interview mit Dagmar Lassander an, X-Rated "Bonusszenen" (die aber IMHO in der US-Fassung sowieso enthalten sind). Man kann sicher gut mit der einheimischen Scheibe leben, die US-Ausgabe ist eine angenehme Ergänzung, die Box steht aber hauptsächlich wegen der beiden anderen Filme in meiner Sammlung. Als Fanatiker bin ich glücklich beide Varianten zu besitzen, der Wahn kennt keine Grenzen. Übrigens bietet die Severin-Box eine Soundtrack-CD zu den enthaltenen Streifen an!

    Fazit: Schön, gut, knuffig und unverschämt liebenswert! Dicke 7/10 + Wohlfühlpunkte

    Lieblingszitat:

    "Du bist herrlich! Wie eine Mondgöttin! Wie eine Pantherin!"

  • "Faceless" ist ein starker Film, obschon IMHO nicht Francos bester. Da keine deutsche Synchro existiert, kann man beruhigt zu einer Import-DVD greifen. Von einer nachträglichen Snychronisation halte ich nicht viel, da in den meisten Fällen nicht der "richtige Ton" getroffen wird.

  • Das Schloss der blauen Vögel (1971)Datum20.09.2011 12:59
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Das Schloss der blauen Vögel (1971)

    Eine Wonne, eine Prachtsuhle für ein altes Ferkel wie mich. Ein älterer Kurzkommentar aus dem Filmtagebuch des Todes:


    Das Schloss der blauen Vögel

    Muschelsuppe mit Blut und Möpsen. Fernando lässt die Puppen tanzen!

    Draussen auf dem Lande liegt ein luxuriöses Sanatorium, wohlhabende Damen lassen sich dort wegen grosser und kleiner Probleme behandeln. Depressionen, Nymphomanie oder andere Ausfallerscheinungen, man versucht die Damen wieder in Spur zu bringen. Doch eines Nachts nimmt ein grausames Blutbad seinen Lauf, ein irrer Killer greift sich ein Opfer nach dem anderen...

    Fernando Di Leo wird von vielen Italo-Fans für seine herausragenden Gangsterfilme "Milano Kaliber 9", "Der Mafiaboss" oder "Der Teufel führt Regie" verehrt, die allesamt in der ersten Hälfte der siebziger Jahre die Leinwände eroberten. Nach dem Genuss eines Werkes wie "Das Schloss der blauen Vögel" aka "Der Triebmörder" (1971), wird sich mancher Filmfreund erstaunt die Augen reiben, sofern er zuvor nur mit Di Leos bekannteren Filmen vertraut war. Besonders wenn man bedenkt, dass "Der Triebmörder" nur kurze Zeit vor den hier aufgezählten Genreklassikern entstanden ist. Die Story dieses Giallo/Slasher-Mixes ist lediglich als hauchdünn zu bezeichnen, der Gehalt an Trash und nackten Tatsachen nimmt im Gegensatz dazu beeindruckende Ausmaße an.

    Da gibt es die heisse Rosalba Neri in der Rolle einer Nymphomanin zu sehen, was selbstverständlich mit Nachdruck ausgeschlachtet wird. Margaret Lee erholt sich von einer tiefen Depression und verliebt sich in ihren behandelnden Arzt, der von Klaus Kinski erwartungsgemäss grandios gespielt wird, wobei Klausi diesmal weniger angepisst als üblich wirkt. Rotfuchs Monica Strebel schmeisst sich als scharfe Schwester an eine dunkelhäutige Patientin ran. An allen Ecken rappelt es im Karton, selbst im Gewächshaus ist des Gärtners Fleischgurke nicht vor Rosalbas Gier sicher, auch wenn sich der "Arme" zunächst ein wenig ziert. Richtig irrsinnig wird es aber erst, wenn man sich vor Augen führt, dass im Hauptzimmer des alten Gemäuers -so eine Art Gemeinschaftsraum für Patientinnen und Ärzte- überall antike Waffen völlig frei zugänglich herumliegen. Nützlich für den Killer, hat er so doch ständig Zugriff auf Schwerter, Morgensterne, Äxte und eine Armbrust, ja sogar eine eiserne Jungfrau kommt zum Einsatz. Hier geht es in der Tat lediglich um Möpse, Bären und Ärsche, erquickend ergänzt durch Gemeuchel und Blut. Die finale Enttarnung des Täters wirkt dann auch recht konstruiert, was der Freude aber keinerlei Abbruch tut. Der Schurke darf sich als persönlichen Höhepunkt noch eine kleine Flucht gönnen, dabei für weiteres Unheil sorgen, doch ich will nicht zu viel verraten. Wie dem auch sei, Margaret Lee weckt den Beschützerinstinkt, Rosalba Neri weckt ...ähhm... andere Instinkte... (Contenance!)

    Diese wundervolle Sause wird sicher nicht jeden Zuschauer begeistern können. Ein reinrassiger Giallo ist der Film nicht, auch wenn der Killer die entsprechende Optik zur Schau trägt. Was Fernando Di Leo hier eingetütet hat ist -im positiven Sinne- zweifellos ein recht besonderes Werk. Ich gebe es unverhohlen zu, ich bin den Reizen von Rosalba und Co. erlegen, hatte meine Freude an Kinski, den Morden und der tollen Atmosphäre. X-Rated hat diese Bombe als grosse Hartbox mit verschiedenen Covern auf den Markt gebracht. Die DVD von Best Entertainment ist zu meiden, da massiv die Schere angesetzt wurde. Die Scheibe von X-Rated zeigt den Film in brauchbarer Verfassung, reisst aber qualitativ keine Bäume aus. Für mich geht die gebotene Qualität in Ordnung, ein wenig Bonusmaterial ist mit an Bord. Eine echte Perle, für meine Sammlung absolut unverzichtbar.

    Sehr gut = 8/10


  • Kleine Hartbox aus der Trash Collection von CMV (#50)


    Top Mission (Hongkong 1987, Originaltitel: Top Mission)

    Jenseits des Verstands

    Ein ehemaliger Agent der CIA dreht durch, sorgt mit seiner kleinen Privatarmee für Ärger. Der zuständige Chef setzt seine beiden besten Männer auf den Krawallbruder an. Zunächst wollen die Herrschaften nicht glauben, dass ihr ehemaliger Mentor nun am anderen Ende des Tischtuchs zieht. Ein Treffen mit Mr. Größenwahn räumt jedoch alle Zweifel aus dem Weg, der Kerl muss schnellstmöglich eingesargt werden! Freilich hat der Schurke bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet, die Lage eskaliert unaufhaltsam...

    Viele Worte muss ich nicht über dieses Machwerk verlieren. Nur wer auf völlig bescheuerten Actiontrash aus der untersten Schublade steht, wird "Top Mission" eventuell in voller Pracht über den Bildschirm/die Leinwand taumeln und poltern lassen, vielleicht sogar ertragen können. Schundmeister Godfrey Ho versteckt sich diesmal hinter dem Pseudonym Henry Lee. Keine Ahnung warum, denn ist der Ruf erst ruiniert, trasht es sich bekanntlich völlig ungeniert...

    C-Action wird durch ein kleines Familiendrama und eine Flugzeugentführung ergänzt, eine kleine Dosis Titten rundet das meisterliche Filmchen ab. Vermutlich hat Herr Ho die vorliegende Sause aus Material zusammengewürfelt, welches "eigentlich" nicht nur für einen Film bestimmt war (was bei ihm keine Seltenheit darstellt). So kommt zusammen was nicht zusammengehört, noch weniger zusammenpasst, sowieso keinen Sinn ergibt, egal in welcher Schnittfolge das Totalversagen aller Mitarbeiter dem Zuschauer aufs Fressbrett gekloppt wird. Ich habe keinen Bock die Namen der Fratzen aufzulisten, die sich vor der Kamera der völligen Lächerlichkeit preisgeben. Schon der Auftakt sorgt für Schenkelklopfer, ein Supertyp pflügt mit der Pumpgun den Garten um, sein werter Kollege nagelt lustvoll eine wenig attraktive Dame. Besonders die Rammelszene treibt dem Trashologen mit Hang zum Sleaze die Freudentränen aus den eitrigen Kanälen. Madame quittiert die Attacken ihres Stechers mit wohligem Gestöhne, während Mr. Sackhuber unglaubliche Sprüche aus dem Mund hervorquillen. Damit ist längst nicht der Gipfel der Schaffenskraft erreicht, Meister Ho übertrifft sich mehrfach selbst. Ohne Vorwarnung eiern die Helden in bunten Kostümchen durchs Hinterland, schwingen die Schwerter, tragen lustige Stirnbändern mit der Aufschrift "Ninja". Schon taucht wieder ein fieser Killer des oberfiesen Fieslings auf, den unsere Helden quasi mit einem kalten Lächeln von der Platte putzen. Was treibt den bösartigen Abtrünnigen überhaupt an? Die Gründung eines eigenen Staates? Der Griff nach der Weltherrschaft? Die Qualen nach dem Genuss einer Überdosis Bohnensuppe? Egal, er will um jeden Preis eine geheime Superduber-Laserwaffe in seine Krallen bekommen. Um seine Forderung zu untermauern, lässt er frisch rekrutierten Hilfsbösewicht ein Flugzeug entführen. Frischling Hilfsbösewicht ist durch unglücklich Umstände auf die schiefe Bahn geraten, aber das tut nichts zur Sache... und überhaupt...

    Was zum Geier??? Godfrey Ho fügt seiner Filmografie mit "Top Mission" einen weiteren Tiefpunkt hinzu. Handwerkliches Unvermögen, der Verzicht auf eine nachvollziehbare Handlung, extrem ungelenker Schnitt, "Schauspieler" aus der Klapse, keinerlei Gespür für Spannung oder halbwegs brauchbar choreografierte Action. Sinnlose Gewalt, eine Prise Sleaze, fertig ist die Laube. Der endgültige Gnadenhammer prügelt allerdings in Gestalt der deutschen Synchronisation auf den Filmfreud ein! Wer für diese faulige Sülze aus der Sondermülltonne verantwortlich zeichnet, hat vermutlich zuvor (und/oder währenddessen) die Reste seines kranken Hirns mit Unmengen illegaler Substanzen in den Orbit geschossen. Ich verzichte auf Beispiele, da auch mir ansonsten die Einlieferung in die geschlossene Abteilung droht.

    Die wundervolle Trash Collection aus dem Hause CMV, hat es inzwischen auf mehr als 80 Titel gebracht! Dem Fan bietet die Reihe eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Genres, Herkunftsländern und Entstehungszeitpunkten. Eine Reise durch die Jahrzehnte, einmal, zweimmal, dreimal rund um die Welt, zurück in die Zwangsjacke der grauen Verdammnis. Mancher Titel mag gar nicht so furchtbar "trashig" anmuten, doch bei "Top Mission" trifft der Stempel genau ins Zentrum des schwabbelnden Schwachsinns. Wie üblich kommt die DVD in einer kleinen Hartbox ins Haus, die gebotene Bildqualität ist Nebensache, sie erfüllt ihren Zweck, die Boni sind rar.

    Jeder Versuch diesen Film irgendwie "seriös" zu bewerten -was ich sowieso weder kann noch will, bei keinem Film- erscheint mir völlig unmöglich. Mehr als 2/10 sind eine Frechheit, ein Faustschlag ins Gesicht versierter Filmemacher. Mir machen die Entgleisungen des Herrn Ho immer wieder Spass, ergo ziehe ich 6/10 auf dem Trash-O-Meter, rate gleichzeitig jedem "normalen" Zuschauer zur Vorsicht. Was solls, "normale" Menschen werden eine Sichtung sowieso kaum in Erwägung ziehen, also traut euch ran, liebe Trash-O-Matiker.

    Ganz ohne Lieblingszitat geht es dann noch nicht:

    "Ihr dämlichen Nachgeburten! Ich hätte wissen müssen, dass ich Krüppel schicke! Was glaubt ihr, was wir hier machen!?"

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum18.09.2011 22:58
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 6 (Folgen 76-90)

    Folge 77 - Dem Mörder eine Kerze (Deutschland 1980)

    Pfarrer Scholz (Horst Frank) erhält in der Nacht ungewöhnlichen Besuch, ein Mörder beichtet dem Geistlichen seine Tat. Am nächsten Morgen sucht Scholz das Atelier des Fotografen Dernberg auf, die Kriminalpolizei ist bereits vor Ort, Dernbergs Leiche wurde von dessen Mitarbeiterin dort aufgefunden. Kurz vor seinem Tod konnte das Opfer noch das Wort "Schule" auf einen Zettel schreiben. Derrick und Klein wundern sich über das unerwartete Auftauchen des Pfarrers, beschäftigen sich jedoch zunächst mit der durch die Notiz entstandenen Spur. Offenbar arbeitete Dernberg gern mit jungen Leuten zusammen, die er für Werbefotos engagierte und recht gut für ihre Dienste entlohnte. Schnell ist die passende Schule gefunden, nicht minder flott weckt das Verhalten des Klassensprechers Albert Hess (Sven-Eric Bechtolf) reges Interesse bei den Ermittler. Derrick hofft auf die Hilfe von Pfarrer Scholz, der an der betreffenden Schule häufiger den Religionsunterricht abhält, daher auch Albert und seine Klassenkameraden kennt. Doch Scholz fühlt sich dem Beichtgeheimnis verpflichet, lässt sich zu keiner eindeutigen Aussage bewegen. Welche Rolle spielt der zunehmend hektisch und ängstlich wirkende Horst Gronau (Sascha Hehn), der ebenfalls für Dernberg vor der Kamera stand, nun an der Übernahme des Studios interessiert zu sein scheint...???

    Horst Frank überzeugt als Pfarrer auf ganzer Linie. Pfaffe Scholz versteckt sich nicht mit abgebrühter Routine hinter seinen Sonderrechten, sondern trägt die innere Zerrissenheit seines Charakters sehr eindrucksvoll zur Schau. Käte Jaenicke sehen wir als Haushälterin des Kirchenmannes, die mit der tragischen Situation hoffungslos überfordert ist, obschon sich ihr die gesamte Tragweite nicht erschliesst. Sven-Eric Bechtolf füllt den Part des von Zorn und Leidenschaft angetriebenen Schülers mit Leben aus, trotz der eher "lauten" Anlage der Rolle, gewährt man Bechtolf auch ruhige und feinfühlige Momente. Eva-Ingeborg Scholz spielt die "Heile-Welt-Mami" des jungen Mannes, die reichlich weltfremd und schönfärberisch auf das Leben ihres Sohnes blickt. Sascha Hehn umgibt etwas schleimig-schmieriges, was freilich prächtig zur aalglatten Erscheinung des Blondschopfs passt. Katja Bienert sehen wir als jugendliches Wrack, Rolf Castell als ihren hilflosen Vater. Horst Tappert behält stets den Überblick, weist Fritz Wepper bei Bedarf in die Schranken (und/oder bringt ihn auf Kurs), worauf Harry in einer Szene beleidigt auf der Rückbank des Dienstwagen Platz nimmt.

    "Dem Mörder eine Kerze" ist eine sehr starke Folge. Zwar ist der Kriminalfall nicht unbedingt schwer zu knacken, doch (einmal mehr) sorgt das tolle Ensemble für jede Menge Wiedersehensfreude und Wiedererkennungswert. Die nach und nach aufgedeckten Schweinereien bereiten den Nährboden für ein beklemmendes Gefühl. Wenn Derrick schliesslich im Pornokino erschreckende Erkenntnisse eindringlich untermauert sieht, ergiesst sich eine wohlige Ladung Sleaze über den Zuschauer. Der Weichspüler kommt freundlicherweise nicht zum Einsatz, das Finale mündet in die Zerstörung weiterer Leben, setzt ein bitteres Ausrufezeichen. Auf den erhobenen Zeigefinger wird verzichtet, (fast) niemand ist frei von Schuld, weder der Mann der Kirche, noch die Jugendlichen. Umso höher ist der Verzicht auf den Versuch einer moralinsauren Gängelung des Betrachters zu werten, ein mutiges, starkes Drehbuch! Dietrich Haugk inszenierte die sehr gelungenen Folgen "Tod der Kolibris" (#16, 1976) und "Karo As" (#65, 1979), mit "Dem Mörder eine Kerze" kann er seine vorherigen Arbeiten sogar noch toppen. Frank Duval steuerte den Song "Angel of Mine" bei, der im Dezember 1980 im deutschsprachigen Raum die Charts eroberte. Vielleicht nicht Duvals beste Arbeit, aber ohne Zweifel ein angenehmer Popsong. Für mich gehört dieser Fall zu den bisher stärksten der Reihe, ein echter Klassiker des deutschen TV-Krimis!

    8/10 (sehr gut)

  • RoboCop 3 (USA 1993)

    Der OCP-Konzern will seine miesen Machenschaften ohne Skrupel durchziehen. Ein kompletter Stadtteil Detroits soll geräumt werden, die Einwohner werden mit Waffengewalt vertrieben. Als fiese Schergen RoboCops Lieblingskollegin Anne Lewis abknallen, stellt sich der stahlharte Gesetzeshüter endgültig gegen das pervertierte Unternehmen, schlägt sich auf die Seite der rebellischen Bürger. Doch selbst RoboCop scheint gegen die gnadenlose Übermacht chancenlos...

    Im Vergleich zu den Vorgängern verliert der dritte Aufguss des Blech-Bullen deutlich an Boden. Schon Teil 2 konnte die Klasse des Erstlings nicht halten, nun geht es weiter abwärts. Vor allem mangelt es an Härte und Zynismus, Action und Humor könnten deutlich mehr Power vertragen. Dennoch hat die etwas zahnlose Veranstaltung ihre Reize, entwickelt hin und wieder trashigen Charme. Spätestens wenn RoboCop im Finale wie ein Düsenjet fliegt (!) bleibt kein Auge trocken, der "normale" Zuschauer wird vermutlich mit hochroter Zornesbirne fluchend den Raum verlassen. Herrlich bekloppt kommt der japanische "Killer-Cyborg" rüber, der dem tapferen Robo ordentlich einschenkt, aber leider zu kurz zum Zuge kommt.

    Wer bereits mit dem zweiten Teil nicht mehr einverstanden war, sollte eine Sichtung dieses Machwerks unbedingt vermeiden! Peter Weller wurde übrigens durch Robert John Burke ersetzt (was nicht weiter stört), Nancy Allen darf sich stilvoll verabschieden, mit Rip Torn, Mako, Jill Hennessy und CCH Pounder gibt es bekannte Gesichter aus der zweiten Reihe zu sehen. Mir liegt die britische DVD-Box mit allen drei Teilen vor. Die gebotene Qualität ist ordentlich, das Set gibt es zum Spottpreis, Englischmuffel dürfen sich bei allen drei Filmen über die deutsche Tonspur freuen. Seit einiger Zeit sind die Filme auch auf BD erhältlich, ich kann in diesem Fall aber gut mit den vorhandenen DVDs leben.

    6/10 - Die allerdings mit Vorsicht zu geniessen sind, man sollte schon einen Hang zu debilen Auswüchsen haben!


  • Blu-ray von Splendid


    Carriers (USA 2009, Originaltitel: Carriers)

    Der Planet befreit sich...

    Fast die gesamte Menschheit ist einem tödlichen Virus zum Opfer gefallen. Zu den wenigen Überlebenden zählen die Brüder Brian (Chris Pine) und Danny (Lou Taylor Pucci), die von Brians Freudin Bobby (Piper Perabo) und Kate (Emily VanCamp), einer Bekannten Dannys, begleitet werden. Der flotte Vierer ist auf dem Weg an die Westküste der USA, Brian und Danny wollen unbedingt zurück an den Ferienort ihrer Kindheit. Um jeden Kontakt mit dem tödlichen Erreger zu vermeiden, unterwirft sich die Gruppe selbstauferlegten Regeln, beim Kontakt mit fremden Personen ist ein Mundschutz zu tragen, im Auto führt man jede Menge Desinfektionsmittel mit. Als die Reisegruppe auf den besorgten Frank (Christopher Meloni) trifft, dem auf der einsamen Landstrasse der Sprit ausgegangen ist, entdecken die jungen Leute Franks erkrankte Tochter Jodie (Kiernan Shipka), die bereits deutlich von der Infektion gezeichnet ist. Es kommt zu Spannungen innerhalb der Gruppe, denn Brian denkt zunächst gar nicht daran Frank und Jodie in irgendeiner Form zu helfen. Schliesslich wird eine friedliche Lösung gefunden, doch nicht nur Traumziel der Brüder liegt in weiter Ferne...

    "Carriers" wurde von den Brüdern Àlex und David Pastor inszeniert, die ferner für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Anstatt auf Horden geifernder Zombies und/oder verwüstete Landstriche, baut "Carriers" fast ausschliesslich auf das Beziehnungsgeflecht zwischen den Hauptcharakteren. Nur im Ansatz bekommen wir verlassene Ortschaften zu Gesicht, überwiegend spielt sich die Handlung "in freier Wildbahn" ab, die malerische Landschaft verbreitet einen trügerischen Frieden. Freilich kann ein Werk dieser Gangart nur dann funktionieren, wenn die Schaupieler ihren Job beherrschen, überdies das Drehbuch die Charaktere mit Tiefe ausstattet (oder zumindest in einem interessanten Licht erscheinen lässt).

    Brian ist der Chef im Ring, er lässt gern den coolen Macker und Macher raus, eckt mit seiner wenig feinfühligen Art häufig bei seinen Mitreisenden an. Chris Pine spielt den großen Bruder mit dem noch größeren Maul überzeugend, gleichzeitig aber frei von Überraschungen. Danny tischt dem Zuschauer eine etwas breitere Palette auf, an der Lesitung von Lou Taylor Pucci gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Piper Perabo bietet in der Rolle der Bobby ihrem kernigen Freund bei Bedarf die Stirn, weist Brian notfalls in die Schranken, vermittelt zwischen den Parteien. Die von Emily VanCamp dargestellte Kate mutet nur auf den ersten Blick unscheinbar und langweilig an. Gerade Kate offenbart im Verlauf der Handlung erstaunliche Charakterzüge, hinter der biederen Fassade lauert eine unerwartet konsequente und kalte Person. Neben den vier Hauptrollen präsentiert der Film dem Zuschauer mit Christopher Meloni ein bekanntes Gesicht, Meloni ist seit etlichen Jahren in der TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit" zu sehen. Als Frank treibt ihn die verzweifelte Besorgnis um seine kleine Tocher an, bereit nach nahezu jedem noch so kleinen und dünnen Strohhalm zu greifen. Vermutlich würde fast jeder Vater ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, entsprechende Szenarien mag ich niemandem wünschen. Kiernan Shipka meistert den Part des todgeweihten Mädchens sehr gut, ihr Schicksal rührt an, drückt aber nicht plump und kitschig auf die Tränendrüse. Auf die übrigen Akteure vor der Kamera gehe ich nicht weiter ein, dazu bleiben ihre Auftritte zu klein und beliebig.

    Insgesamt kann man der Besetzung ein gutes Zeugnis ausstellen, alle Beteiligten füllen ihre Rollen mit Leben. Sicher, wirklich tiefschürfend wird es kaum, dennoch bleiben die Charaktere nicht fremd oder lassen den Zuschauer völlig kalt. Mancher Filmfreud wird eventuell bemängeln, dass "Carriers" eine Spur zu wenig nach Endzeit, Massensterben und totalem Untergang aussieht, die Optik zu freundlich und friedlich über den Bildschirm flimmert. IMHO benötigt der Film die gängige Maskerade nicht, geschickt hat man die Handlung auf Nebenstrecken verlegt, streut nur ab und zu eine Prise grafisches Verderben ein. So funktioniert "Carriers" auch ohne typischen "Weltuntergangslook" gut, obschon die Charaktere eine etwas intensivere, tiefere Ausarbeitung verkraften könnten. Vor allem im Hinblick auf die Optik stellt sich die Frage der Machbarkeit, Zeit und Geld setzten wahrscheinlich sicht- und spürbare Grenzen. Aus den Charakteren hätte man durchaus mehr herauskitzeln können.

    Macht das Leben noch Sinn, wenn alle nahen Menschen aus dem Leben geschieden sind? Wozu die eigene Qual verlängern, wenn am Ende des Tunnels kein Licht erkennbar wird? "Carriers" klingt ruhig aus, lässt der Phantasie einen gewissen Freiraum. Dass hier die vermeintlich Schwachen am längsten überleben, verpasst der Hoffnung eher Dämpfer, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vielleicht habe ich gelogen, schaut nach, überprüft es.

    Die Blu-ray aus dem Hause Splendid präsentiert das Werk in solider Form, an Bord befindet sich eine kleine Bonusabteilung, als "Gag" liegt eine Virenschutzmaske bei. Inzwischen ist die Scheibe für kleines Geld erhältlich, ich bin mit der vorliegenden Auswertung zufrieden, flatschenneurotiker dürfen sich am Wendecover ergötzen. "Carriers" mag nicht der ganz große Wurf geworden sein, doch im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Film kurzweilig inszeniert, gut gespielt und ansprechend fotographiert.

    Gut = 7/10

    Lieblingszitat:

    "Hol das Benzin!"


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    Blu-ray von Savoy. Endlich offiziell in Deutschland erhältlich, auch als DVD am Start


    Heathers (USA 1988, Originaltitel: Heathers)

    Ein älterer Kurzkommentar von 2009:

    Heathers

    Heather, Heather und Heather. Diese drei Mädel sind die coolsten Bräute der High School, bewundert und gleichzeitig gefürchtet. Veronica (Winona Ryder) gehört irgendwie auch zu dieser Clique, schliesslich steht sie gern auf der Seite der vermeintlichen Gewinner. Doch die junge Dame ist längst nicht mit dem Treiben der drei Heathers einverstanden. Zu gern drangsalieren die Pissnelken andere Mitschüler, davon ist Veronica nicht angetan, sogar zunehmend angeekelt. Der Neuling J.D. (Christian Slater) erregt Veronicas Aufmerksamkeit, denn er hebt sich von allen anderen Schülern ab, schwimmt nicht mit dem Strom, macht sogar die prolligen Sportskanonen des örtlichen Footballteams öffentlich zur Sau. Als es zum Krach zwischen der "Ober-Heather" und Veronica kommt, hat J.D. eine Idee wie man das Biest in die Schranken weisen kann. Allerdings gehen seine Vorstellungen weit über Veronicas Rachegelüste hinaus. Bald bricht eine regelrechte Welle von angeblichen Selbstmorden über die Schule her...

    "Heathers" (1988) ist ein etwas anderer Teenie-Film. Eine Satire, die ein erschreckendes Zerrbild (?) der amerikanischen Gesellschaft zeigt. Dabei wird der Film teils angenehm böse, erhebt sich aus der breiten Masse des meist recht albernen Genres. Winona Ryder und besonders Christian Slater stellen sich als gute Besetzung heraus, damals noch jung und unverbraucht, in der Frühphase ihrer Karrieren. Die bekannteste "Heather" dürfte heute Shannen "Schiefgesicht" Doherty sein, man nimmt ihr die Rolle einer Mega-Zicke problemlos ab. Die fieseste "Heather" wird von Kim Walker verkörpert, die Schauspielerin verstarb leider bereits 2001 im Alter von erst 32 Jahren.

    Als ich den Film damals kurz nach der Veröffentlichung auf Video sah war ich absolut begeistert. Aus der Erinnerung heraus hätte ich 9/10 gezogen. Der erneute Genuss bestätigt diese extrem hohe Einstufung nicht ganz, dazu ist einfach das Ende zu harmlos und brav ausgefallen. Spass macht mir der Streifen aber noch immer, gute bis sehr gute Unterhaltung bietet er ohne Zweifel. Leider gibt es noch immer keine offizielle deutsche Veröffentlichung auf DVD, ergo muss man zu -durchaus brauchbaren- Alternativen greifen!

    Macht Spass! 7,5/10

    Nachtrag: Die seit einigen Monaten verfügbare BD war längst überfällig, Savoy bietet "Heathers" auch als DVD an. Zum fairen Preis wechselt die anständige BD den Besitzer, das Wendecover kommt ohne Flatschen aus, zeigt ausserdem ein leicht verändertes Bild. An der Bewertung ändert sich nichts, der Flick macht immer wieder Freude, kaufen!

    Lieblingszitat:

    "Ich hab zum Dank Kotze bekommen!"
    "Leck es auf, Baby. Leck es auf!"


  • Blu-ray von Blue Underground (USA)


    Circle of Iron (USA 1978, Originaltitel: Circle of Iron)

    Tuco in der Tonne, Graf Dracula mit Mütze

    Cord (Jeff Cooper) will um jeden Preis Zetan (Christopher Lee) finden, der das sagenumwobene Buch allen Wissens bewacht. Bis dahin sind einige Prüfungen zu bestehen, die vordergründig aus Prügeleien mit kampfstarken Widersachern bestehen. Cord fürchtet diese Auseinandersetzungen nicht, denn der selbstbewusste Bursche ist ein ausgezeichneter Kämpfer. Unterwegs begegnet unser Held einem rätselhaften Blinden (David Carradine), der offensichtlich völlig mühelos eine Truppe fieser Schergen umhaut. Beeindruckt folgt Cord dem Blinden, den er zunächst für den gesuchten Zetan hält. Weitere Abenteuer warten auf das ungleiche Duo, wird Cord eines Tages tatsächlich Zugriff auf die wahre Erkenntnis erhalten...???

    Richard Moore inszenierte einen bunten und unterhaltsamen Mix aus Abenteuer, Fantasy und Martial Arts, der manchmal wie ein Ausblick auf die wenige Jahre später beginnende Welle der Barbarenfilme anmutet. Die Handlung entführt den Zuschauer in eine antike, exotische Welt, in der sich allerlei Helden, Fieslinge, Paradiesvögel und groteske Gestalten tummeln. Israel diente als Drehort, daher kann "Circle of Iron" mit herrlichen Außenaufnahmen wuchern, bietet dem faszinierten Betrachter wundervolle Kulissen und Ausblicke an. Gern wird werbewirksam darauf hingewiesen, dass Bruce Lee an der Entstehung ursprünglichen Geschichte beteiligt war. Später verlor er vermutlich das Interesse, letztlich wurde das Projekt erst einige Jahre nach seinem Tod realisiert. Eventuell wird sich der ein oder andere Filmfreud an den immer wieder auftretenden philosophischen Anmerkungen des Herrn Carradine stören, sie sind aber ein unverzichtbarer Teil der Geschichte, sorgten bei mir für manchen wohlwollenden Schmunzler.

    Jeff Cooper blieb eine grössere Karriere leider verwehrt, da wundert es kaum, dass sich das Cover der BD sich in erster Linie auf David Carradine bezieht. Doch Ehre wem Ehre gebührt, daher zunächst ein paar Worte zu Jeff Cooper. Als drahtiger und ungestümer Held macht Cooper einen guten Job, ferner nimmt man ihm Cords sympathisch dargebotene Naivität ohne Vorbehalte ab. Bereits zum Auftakt darf der langhaarige Recke ein paar andere Kämpfer vermöbeln, bei einem Turnier wird entschieden wer sich auf die Suche nach Zetan begeben darf. Obschon Cord nicht besiegt wird, schickt man einen anderen Zappelheine auf den Weg, Cord wird kurzerhand wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert. Natürlich hält diese Tatsache den unbeugsamen Heroen nicht von seiner Mission ab, er heftet sich unverfroren an die Fersen des "eigentlichen" Siegers. Damit ist der Charaker der Hauptfigur treffsicher umrissen, er ist furchtlos, lässt sich keine Vorschriften machen, hat seine Fähigkeiten aus eigenem Antrieb erworben. Ganz anders der blinde Meister, von David Carradine herrlich selbstironisch zum Leben erweckt. Ständig geht im sein Begleiter mit bohrenden Fragen auf den Zeiger, die er stets mit Fragen und/oder Rätseln beantwortet. Das Drehbuch erweist sich dabei als humorvoll, bürdet jedoch keinem Beteiligten den Part einer Knallschote auf. Naja, David Carradine macht sich zumindest in einer Rolle zum Affen, wenn er als eine Art sprechender Affenmensch gegen Cord antritt. Ja, Carradine spielt nicht nur den blinden Meister, er übernahm insgesamt vier Rollen in diesem Film. Neben dem erwähnten Affen sehen wir ihn als Wüstenfürst Changsha, obendrauf in einer (nicht ganz geglückten) Passage als Tod. Der blinde Meister spielt liebliche Melodien auf einer grossen Flöte, die er auch gern im Kampf als sehr hilfreiche Waffe einsetzt. Sicher wäre "The silent Flute" der passendere Titel für den Flick gewesen, man entschied sich jedoch bereits damals für "Circle of Iron". Roddy McDowall, bekannt aus der "Planet der Affen" Reihe, hat zu Beginn einen einprägsamen Auftritt, noch eindrucksvoller gerät die humorige Vorstellung von Eli Wallach, der in der Wüste auf "Diogenes in der Tonne" macht. Muss man sehen und erleben, kann man nicht beschreiben! Auf Christopher Lee habe ich mich selbstverständlich ganz besonders gefreut. Herr Lee bekommen wir jedoch erst in den letzten Minuten zu Gesicht, gewandet in einer wallende Robe, gekrönt durch ein knuffiges Mützchen. Cord trifft auf einen Zetan der kaum seiner Phantasie entspricht, umso überraschender gerät sein Blick... *Spoilergefahr!!!*

    Die wichtigsten Akteure sind genannt, was gibt es noch über "Circle of Iron" zu berichten? Gute Darsteller, eine prächtige Landschaft, gekonnt inszeniert und stilsicher von Kameramann Ronnie Taylor eingefangen. Zugegeben, vielleicht muten die philosophischen Ausritte und die etwas grobschlächtige Symbolik ein wenig zu dick aufgetragen an, dennoch -ich muss dies erneut betonen- fügen sie sich ansprechend ins Gesamtbild ein, ohne sie wäre der Film seltsam leer und unfertig. "Circle of Iron" nimmt flott Fahrt auf, hat aber im weiteren Verlauf mit ein paar kleinen, verzeihbaren Hängerchen zu kämpfen. Bei genauer Betrachtung erscheint mir die zeitweilige Drosselung von Tempo und Action sinnvoll, ansonsten würde die Martial Arts Abteilung zu sehr an Dominanz gewinnen, was wiederum dem Gesamteindruck in diesem Fall nicht unbedingt zuträglich wäre. Übrigens sollten Fans wilder Kämpfe keine Meisterleistungen erwarten, in dieser Disziplin zählt die Sause eher zum gepflegten Mittelmaß (was für mich nichts am hohen Unterhaltungswert ändert, da ich die Fights sehr launig finde). "Circle of Iron" macht fast alles richtig, von meiner Seite eine klare Empfehlung!

    Dank der guten Blu-ray aus dem Hause Blue Underground, kann man den Streifen in sehr ansprechender Qualität in den eigenen vier Wänden geniessen. Interessantes Bonusmaterial unterstreicht den positiven Eindruck, angenehmerweise kommt die BD codefree daher.

    Fazit: Unterhaltsames Abenteuer mit markanten Charakterköpfen, gefilmt vor einer prächtigen Kulisse! Gut bis sehr gut = 7,5/10

    Lieblingszitat:

    "The desired fruit may be enjoyed without consuming it."


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    Der Werwolf von Washington (USA 1973)

    Dean Stockwell spielt einen hirntoten Journalisten, der in Ungarn von einem Werwolf angefallen wird. Zurück in der Heimat arbeitet er eng mit dem US-Präsidenten zusammen, da ist gewaltiger Ärger vorprogrammiert...

    "The Werewolf of Washington" ist wohl der bekloppteste Werwolf-Flick den ich je gesehen habe. Unfassbarer Schwachsinn, ein unfassbar aus dem Ruder laufender Dean Stockwell, unfassbare Nebendarsteller, unfassbare Dialoge, ein grosser Haufen Schund! Kein Fall für den Trash-Olymp, aber für Freude des schlechten Geschmack sicher einen Blick wert. Die Bewertung fällt mir nicht leicht. Ich ziehe freundliche 5,5/10 -von denen "normale" Zuschauer mindestens vier Punkte abziehen sollten- irgendwie mag ich diesen debilen Rotz.

    Die DVD von WGF/Schröder Media reisst keine Bäume aus, doch letztlich ist die technische Qualität der Auswertung hier sowieso eher unerheblich. Für Trashologen geeignet, alle anderen Menschlein sind hiermit gewarnt!


  • DVD von Mondo Macabro (USA)


    Satanico Pandemonium (Mexiko 1975, Originaltitel: Satánico pandemonium)

    Luzifers Lust

    Schwester Maria (Cecilia Pezet) erscheint der Teufel höchstpersönlich. Zunächst wehrt sich die Nonne gegen den Deibel, verfällt jedoch mehr und mehr ihren Gelüsten und dunklen Wünschen. Selbstgeißelung und Gebete können die Umtriebe Marias nicht aufhalten, bald sind erste Todesopfer zu beklagen. Maria ist dem jungendlichen Schafhirten zugeneigt, der ganz in der Nähe des Klosters in einer ärmlichen Behausung lebt. Als der Junge sich verzweifelt gegen die sexuellen Attacken der Ordensschwester stemmt, artet ein nächtlicher Besuch in ein bizarres Blutbad aus...

    Bewusst halte ich den Inhaltseinblick diesmal sehr kurz, denn "Satanico Pandemonium" will von aufgeschlosssenen Filmfreuden auf eigene Faust entdeckt werden. Der mexikanische Regisseur Gilberto Martínez Solares (1906-1997) hat im Laufe seiner langen Karriere über einhundertfünfzig Filme inszeniert, jede Menge Komödien gehen auf sein Konto. Mit dem hier vorliegenden Werk gelang ihm ein sehr respektabler Beitrag zum Nunsploitation-Genre, garniert mit einer märchenhaften Horror-Atmosphäre. Märchen ist im Bezug auf "Satanico Pandemonium" ein treffendes Stichwort. Obschon Nacktheit und Gewalt eine Rolle spielen, wird der Streifen von der bereits erwähnten "märchenhaften Horror-Atmosphäre" dominiert. Klar, in typischen Märchen umschreibt man entsprechende Auswüchse (mehr oder weniger) geschickt, geht weniger offensiv mit erotischen Elementen um. Sadistische Machenschaften werden dort keineswegs ausgesperrt, wer erinnert sich nicht an die "rotglühenden Eisenpantoffeln" aus Schneewittchen, in denen die böse Königin bis zum Eintritt des Todes tanzen musste?

    Wer nun jedoch auf wildes Gerödel, fliegende Körperteile und Blutfontänen hofft, der hat eindeutifg auf Sand gebaut. Die Nacktszenen sind meist von erotischer Schönheit geprägt, beschränken sich in erster Linie auf eine gepflegte Dosis Nippelschau. Der Besuch beim Schafhirten gerät ausser Kontrolle, dort verlieren die Verantwortlichen für einige Momente die Contenance. Unerwartet ruppig lässt Maria ihrem Zorn und ihrer Enttäschung freien Lauf, der Einschub verkommt trotz seiner blutroten Konsequenz nicht zum selbstzweckhaften Krawall, sondern unterstützt letztlich die Kraft und Eindringlichkeit (im wahrsten Sinne des Wortes) des Films. An Symbolen mangelt es auf keinen Fall, beachtet z. B. den immer wieder auftauchenden roten Apfel. Hin und wieder springt die Handlung recht holprig voran, wirkt ungelenk und harsch aufs Ziel zugeschoben. Ob dies dem Drehbuch oder den Produktionsumständen geschuldet ist, erscheint mir aus heutiger Sicht nicht mehr relevant, denn selbst die handwerklichen Unzulänglichkeiten können den Film nicht nachhaltig beschädigen. Der Score soll nicht ohne Würdigung bleiben, psychedelisch anmutende Klänge und Nonnengesäusel sorgen für die passende musikalische Untermalung.

    Cecilia Pezet erweist sich als Glücksgriff, besser hätte man die Hauptrolle kaum besetzen können. Frau Pezet schaut überzeugend naiv und bei Bedarf geschockt aus ihrer Ordenstracht hervor, bringt Angst, Verzweiflung und Wärme glaubhaft rüber, beherrscht aber auch Hass und Verschlagenheit ohne Einschränkungen. Gleichzeitig ist Cecilia Pezet eine sehr attraktive Erscheinung, die umgehend die Phantasie des Zuschauers anregt (in welche Richtung die Gedanken driften, bleibt naturgemäß jedem Betrachter selbst überlassen). Enrique Rocha verkörpert den Leibhaftigen nicht minder treffsicher, er geht vermutlich auch in der "realen Welt" als Frauentyp durch. Ich möchte euch (und mir) die Auflistung sämtlicher Nebenfiguren ersparen, beschränke mich daher auf möglichst wenige Worte. Die Mutter Oberin grummelt genretypisch vor sich hin, gehört aber zu den etwas zahmeren Vertreterinnen ihrer Zunft. Die ergänzenden Nönnchen sind nett anzuschauen, der Schafhirte ein typischer Jüngling, damit genug zum Ensemble.

    Lasst euch bitte auf diesen schönen Film ein! Abseits von Hektik und hohlen Effektspektakeln, sorgt "Satanico Pandemonuim" für liebenswerte, sympathische Unterhaltung. Wieder eines dieser Werke in dessen Atmosphäre ich mit grösster Wonne eintauche, mich glückselig in der warmen Suhle wälze, die Welt vor der Tür vergesse. Sehr genehm ist mir das Ende, welches den Gedanken des Zuschauers keine krampfige Auflösung aufzwingt. Dank des zuverlässigen Labels Mondo Macabro dürfen sich interessierte Filmfreude auf die Reise begeben. Die Scheibe aus den USA präsentiert den Film in schöner Qualität, der spanische Originalton lässt sich durch englische Untertitel ergänzen, ferner ist die DVD codefree. Im Bonusbereich plaudert der Sohn des Regisseurs aus dem Nähkästchen, weitere sehenswerte Kleinigkeiten runden den guten Eindruck ab.

    Fazit: Ein Film zum verlieben, ein echter Knuffel! Zunächst ziehe ich dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)! Doch mein Herz ist offen wie ein Scheunentor, da geht noch was...

    Lieblingszitat:

    "I don't fear Hell... ...for I AM Hell!"

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum11.09.2011 22:46
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 6 (Folgen 76-90)

    Folge 78 - Eine Rechnung geht nicht auf (Deutschland 1980)

    Achim Moldau (Wolfgang Müller) kommt über seinen Kumpel Josef Schenk (Tommy Piper) mit dem Ganoven Recke (Arthur Brauss) in Kontakt. Recke plant einen grossen Coup, Achim kennt sich bestens mit Schweißgeräten aus. Nach dem ersten Treffen in einer Gaststätte, verlässt Moldau das Anwesen als Teil von Reckes Mannschaft. Die Freude währt jedoch nicht lange, denn auf dem Rückweg verschuldet der aufsteigende (absteigende?) Kleingauner einen folgenschweren Autounfall. Im anderen Fahrzeug sind die Eheleute Hofstetter unterwegs, Gudrun Hofstetter (Jutta Kammann) ist sofort tot, ihr Mann Hans (Holger Petzold) jedoch noch bei Bewusstsein. Moldau will helfen, doch der wenig später auftauchende Recke schickt ihn und Schenk fort, will sich selbst um die Angelegenheit kümmern. Hans Hofstetter wird kaltblütig ermordert, alle am Geschehen beteiligten Personen entkommen unerkannt. Derrick und Klein finden zunächst keinen brauchbaren Ermittlungsansatz, bis sie von einem jungen Mann erfahren, der sich rührend um die drei minderjährigen Kinder des getöteten Ehepaares kümmert...

    Folge 77 habe ich versehentlich übersprungen, obwohl das Menü der DVD eindeutig gegliedert ist. Ich werde die Sichtung selbstverständlich nachholen.

    "Die Rechnung geht nicht auf" lässt den Zuschauer zunächst an einem stimmungsvoll in Szene gesetzten Treffen einiger Ganoven teilnehmen, bei dem sofort die Fronten geklärt werden. Der bereits mehrfach in der Reihe vertretene Wolfgang Müller steht im Mittelpunkt. Müller verkörpert den unscheinbaren, durchschnittlichen Typen, der trotz seiner kriminellen Umtriebe ein Gewissen und Anstand besitzt. Arthur Brauss sehen wir als radikalen Gegenentwurf zu Müllers "gutem Gauner", ein rücktsichtloses Subjekt, vor keiner noch so grausamen Tat zurückschreckend. Tommy Piper fungiert als Bindeglied zwischen diesen Extremen. Lisa Kreuzer wirkte (wie Müller) ebenfalls schon zuvor mehrfach bei "Derrick" mit, sie unterstreicht als Ehefrau Müllers ihre sehr respektable Wandlungsfähigkeit. Alice Treff gibt eine Verwandte der Opfer, die alte Dame reist an um die plötzlich verwaisten Kinder zu beaufsichtigen. Jutta "Oberschwester Ingrid" Kammann und Holger Petzold kommen nur kurz zum Zuge. Wie immer ein starkes Ensemble, Wolgang Müller entpuppt sich als ideale Besetzung, Arthur Brauss spielt überzeugend ekelhaft.

    Ein Füllhorn deutscher Krimikunst ergießt sich über den geneigten Zuschauer. Zum Auftakt rauchig-alkoholisiertes Gangstermilieu, ein fieser Mord, ein daraus resultierendes Familiendrama, der von seinem schlechten Gewissen gepeinigte Kleinschurke. Als Krönung der alte Fuchs Derrick, der sich instinktiv und gleichzeitig clever auf den unsicheren Verdächtigen festlegt. Trotz der überschaubaren Laufzeit bleibt genügend Platz für Zwischentöne, sieht man von der eindimensionalen Rolle des Herrn Brauss ab (die aber erstklassig gespielt ist). Nicht nur Achim Moldaus Zerfall wird thematisiert, sondern weiteren Figuren wurde Fleisch auf das Charakterskelett gehangen. Nur vordergründig keift Lisa Kreuzer ihren Gatten ständig an, hinter der schroffen Maske wohnt ein besorgter, liebender Mensch. Alice Treff wahrt als echte Dame die Contenance, doch ihre Frau Riebeck ist mit der tragischen Situation völlig überfordert, steht kurz vor dem Zusammenbruch. Helmuth Ashley kann seine Regie auf ein solides Drehbuch und starke Schauspieler stützen, ein Alfred Vohrer oder Zbyněk Brynych hätte eventuell hier und da diverse Ausrufezeichen hinzugefügt. In diesem Fall gibt es an der nüchternen Arbeit Ashleys keine ernsthaften Kritikpunkte.

    7/10 (gut)

  • Nightmare on Elm Street - Mörderische Träume (USA 1984)

    Freddy Krueger feiert seinen Einstand. Für mich hatte der Brandenburger zwar nie den Stellenwert von Jason Voorhees oder Michael Myers, alle Jahre wieder schaue ich mir seine Untaten jedoch gerne an. Wes Craven kommt mit wenigen Opfern aus, der Streifen bietet eine tolle Atmosphäre und einen Bösewicht mit Potential. John Saxon sorgt sich um seine Tochter, der junge Johnny Depp verwandelt sich in seinem ersten Kinofilm in eine rote Pfütze. Freddy (hier überwiegend "Fred" genannt) neigt noch nicht zu ausufernden Albernheiten wie in einigen späteren Auftritten, erste Tendenzen in Richtung Spassvogel sind allerdings deutlich erkennbar.

    Wer Horror aus den achtziger Jahren mag, wird zwangsläufig auch auf Freddy Krueger treffen. Der Erstling ist ein unverzichtbarer Pflichtfilm, ordnet sich brav hinter "Freitag der 13." (1980) und "Halloween" (1978) ein. Wer sich mit den verfügbaren DVDs begnügen kann, sollte zur günstig erhältlichen "Nightmare on Elm Street Collection" greifen. In der Box sind die Teile 1-7 der Reihe enthalten, Teil 1 und 5 in der jeweiligen R-Rated-Variante.

    8/10 (sehr gut)


    Nightmare on Elm Street 2 - Die Rache (USA 1985)

    Der verkokelte Satansbraten sucht erneut nach Opfern. Innerhalb der Reihe nimmt der Zweitling eine Sonderstellung ein, da Freddy auf etwas andere Art agiert. So ist "Nightmare 2" gewissermaßen mit dem fünften "Freitag der 13." vergleichbar. Den Hauptdarsteller Mark Patton zu mögen ist nicht ganz einfach, mit ein wenig Mühe gelingt das Unterfangen jedoch. Die Fortsetzung des ersten Teils mutet deutlich gwöhnlicher an, verliert besonders in den Disziplinen Atmosphäre und Intensität deutlich an Boden.

    Ein kleiner Sonderling der Serie, andererseits ein eher unkreativer Teenie-Slasher. Mir gefällt der Flick auf nach rund 25 Jahren noch immer gut, er hat (im Gegensatz zum ersten Teil) aber spürbar an Boden verloren. Ich freue mich auf die Sichtung der folgenden Teile, von denen ich besonders den dritten Aufguss als sehr gelungen in Erinnerung habe. Erneut lege ich jedem Interessenten die Box ans Herz!

    7/10 (gut)


  • Kleine Hartbox aus der CMV Trash Collection (#51)


    Die Mumie des Pharao (Italien, Ägypten, USA 1981, Originaltitel: Dawn of the Mummy)

    Gold und Mettgut, hirntoter Ritt durch die Wüste

    Gierige Grabräuber öffnen die Ruhestätte des Safiraman. Noch bevor die Burschen in aller Ruhe nach dem begehrten Goldschatz suchen können, taucht plötzlich ein Fotograph mit einem kleinen Rudel Fotomodellen im Schlepptau auf. Bisher fanden die Amerikaner keine eindrucksvollen Motive in der Wüste, was sich nun zum Leidwesen der Grabschänder schlagartig ändert. Flugs bauen die ungebetenen Gäste ihre Ausrüstung auf, rauben den Dieben nahezu den letzten Nerv. All diese schändlichen Vorgänge lassen Safiraman aus seiner Totenruhe erwachen. Mit ihm erhebt sich seine Armee der Toten aus dem Staub, niemand soll dem Zorn des Pharao entkommen. Nicht nur in den Grabräumen schlägt der alte Herrscher zu, auch in der nahen Oase und der nächsten Ortschaft, werden Safiraman und seine Untoten für Angst und Schrecken sorgen...

    Regisseur Frank Agrama bietet dem Zuschauer einen sehr sympathischen Horrorstreifen an. Zunächst schreitet die Handlung im gemäßigten Tempo voran, sieht man von den schnoddrigen Dialogen ab, fühlt man sich unwillkürlich an Gruselstreifen aus den fünfziger und sechziger Jahren erinnert. "Die Mumie des Pharao" ist aber auch eindeutig als Kind der frühen achtziger Jahre identifizierbar, das Finale könnte durchaus aus einem typischen Italo-Horrorflick aus dieser Zeit stammen. Daher mag sich der Film ein wenig zwischen die Stühle setzen, denn Freunden klassischer Horrorwerke dürfte es zu kaputt und blutig zugehen, während die andere Fraktion das groteske Treiben vermutlich als langweilig abkanzeln wird.

    Zu den Schauspielern mag ich nicht viel schreiben. Besonders bei der Erstsichtung muten die Damen und Herren sehr blass an, fallen weder positiv noch negativ auf. Die Herren geben wahlweise den Macho, Gönner oder Depp (vereinen teils alle Aspekte in sich), die Damen zicken, plärren, keifen und taumeln durch die Landschaft. Dies erweist sich allerdings nicht als störend, die Fratzen gehen auf angenehme Weise in der Gesamtheit dieses epischen Überwerks auf (hä?). Der Flick lebt von seiner liebenswerten, übergreifenden "Jahrzehnte-Mixtur", aus der eine äusserst knuffige Atmosphäre erwächst. Beim Anblick der Mumie kommt Freude auf, wenn die Zombies des Herrn Pharao dem Sandkasten entsteigen, macht sich endgültig wohlige Stimmung in meinem Herzen breit. Bezüglich nackter Tatsachen hält sich das Werk bedeckt (haha), die blutigen Momente kommen überraschend krude daher. Zunächst präsentiert sich alles eher harmlos, die ersten Panschereien sorgen daher für kleine Ausrufezeichen. Freilich darf der Filmfreund nun keine wild-hysterische Blutorgie erwarten, doch vor allem in der letzten Viertelstunde hauen der alte Wickel und seine Gesellen fröhlich und saftig aufs Mett. Qualitativ sind die Effekte mehr putzig als schockierend, passen sich dem vorherrschenden Niveau des Gesamtpaketes an.

    Dank der DVD aus der Trash Collection von CMV, kommt man in den Genuß zweier unterschiedlicher Fassungen. Die alte VHS-Version wurde um rund fünf Minuten Handlung erleichert, wodurch das Tempo ein wenig anzieht. Insgesamt halte ich die ungekürzte Fassung für eine Spur "runder", beide Varianten funktionieren jedoch sehr zufriedenstellend. Pixelzähler werden an der Scheibe keine Freude haben, aber diese Personen dürften sowieso kaum zur Zielgruppe der Veröffentlichung zählen. Ich halte die vorliegende Auswertung für brauchbar, lediglich die Kompression schwächelt zweitweise störend. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache vor, ergänzend ist ein Kommentar des Regisseurs an Bord. Wie im Rahmen der hauseigenen Trash Collection üblich, hat CMV der DVD eine kleine Hartbox spendiert. Ferner wurde der Silberling im Rahmen der sogenannten "Retro-Edition" auf den Markt geworfen, bei dieser Reihe verwendet CMV Glasboxen (Super-Jewelcase). '84 Entertainment hat ein Repack der CMV-Scheibe am Start. Ältere Ausgabe von Laser Paradise (und weiteren Labeln) sollte man meiden, ebenso die gekürzte CMV Scheibe mit FSK 16 Freigabe.

    Klar, von einem Klassiker und/oder Meisterstück ist "Die Mumie des Pharao" mindestes zweihundert Grabkammern weit entfernt. Selbst viele Fans deftiger Kost aus den frühen Achtzigern werden nicht vorbehaltlos mit dem Streifen glücklich werden. Mich hat die harmlose Sause gut unterhalten, ich habe mir zwei schöne Abende mit dem Film gemacht, weitere werden zweifellos folgen.

    Zunächst wollte ich 6/10 ziehen, doch nach Sichtung beider Fassungen lege ich noch ein halbes Pünktchen drauf!

    Lieblingszitat:

    "Was ist hier los? Was sind das für Gestalten?"

  • Zitat von Grabert

    Zitat
    von Blap
    "Cosa avete fatto a Solange?" bewertete ich mit 8,5/10 (sehr gut bis überragend). Für die deutsche Fassnung "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" bleiben diese Spären unerreichbar, zu sehr setzen die Schnitte dem Film zu. Trotzdem (was für ein fieses Wort) ist auch die gekürzte Fassung noch immer sehr sehenswert, ich ziehe aus voller Überzeugung 7,5/10 (gut bis sehr gut). Ich wiederhole mich gern, man sollte beide Versionen gesehen haben!



    Ich habe dann doch nur die deutsche Fassung gesehen und sage "gut". Ein spannender Krimi mit viel Atmosphäre der frühen 1970er Jahre. Sicher entspricht er trotz Joachim Fuchsberger als Ermittler nicht den traditionellen Filmen der Reihe, doch lässt das Drehbuch Anklänge an Wallacestoffe erkennen.




    Moin,

    schau auf jeden Fall auch die internationale Fassung. ...und ich sollte "Sphären" mit "h" schreiben.


  • Millennium-Box von Splendid (alle sechs Filme der "Millennium-Staffel" sind in dieser Box enthalten)



    Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack (Japan 2001, Originaltitel: Gojira, Mosura, Kingu Gidorâ: Daikaijû sôkôgeki)

    Zombie-Godzilla vs. Schutzmonster-Trio

    Vor fünfzig Jahren suchte Godzilla Japan heim, damals entging das Land nur knapp der totalen Vernichtung. Zwar gab es weltweit immer wieder Berichte über Sichtungen von Ungeheuern, jedoch wähnt sich Nippon weitgehend in Sicherheit. Als sich Godzilla nun doch wieder aus den Tiefen des Ozeans erhebt, sieht sich das Militär zum unvermeidbaren Gegenschlag genötigt. Leider wurde die damals eingesetzte Waffe zur Vernichtung Godzillas, mit ihrem Erbauer und sämtlichen Konstruktionsplänen unwiederbringlich vernichtet. Jedoch ist die optimistische Führung der Armee sich sicher, das fürchterliche Monster mit der zur Verfügung stehenden Waffentechnik besiegen zu können, immerhin handelt es sich um hochmoderne Systeme. Schnell soll sich diese Annahme als fataler Trugschluss herausstellen, Godzilla zeigt sich wenig beeindruckt von den auf ihn prallenden Raketen. Aber die Menschheit steht nicht alleine da, drei Schutzmonster erheben sich, stellen sich dem zornigen Riesen entgegen. Baragon, Mothra und King Ghidorah erwachen und treten zum Kampf an. Baragon trifft als erstes der Schutzmonster auf Godzilla, kann aber wenig gegen den schier übermächtigen Gegner ausrichten. Inmitten des tobenden Wahnsinns berichtet die junge Reporterin Yuri Tachibana (Chiharu Niiyama) für einen kleinen TV-Sender, gerät dabei immer wieder in akute Lebensgefahr. Ihr Vater Admiral Taizô Tachibana (Ryûdô Uzaki) steht als ranghoher Offizier ebenfalls an vorderster Front...

    Die "Millennium-Staffel" nahm mit "Godzilla - 2000 Millennium" (1999) einen soliden (aber nicht überragenden) Auftakt, der folgende "Godzilla vs. Megaguirus" (2000) übertraf den ordentlichen Einstand. Mit dem dritten Teil der Reihe wurde dem "Godzilla-Universum" ein echter Höhepunkt zugefügt, denn "Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack" überzeugt in allen Belangen. Schon der Titel beschleunigt meinen Puls, die klangvollen Namen der Monster sind feinste Musik in meinen Ohren.

    Zunächst ein paar Worte zu den Aspekten abseits der Monster. Meist muten die Menschlein in japanischen Monsterfilmen wie "Alibi-Beigaben" an, diesmal gelingt es den Machern jedoch gut, die Schauspieler angemessen und überzeugend in das Geschehen einzubinden. Chiharu Niiyama als mutige und hübsche Journalistin, die sich nicht mit dem alltäglichen Schrott begnügen will, den sie für das niveaulose Progamm einer unbedeutenden TV-Station abliefert. Ihr Vater ist nicht sonderlich begeistert, respektiert aber letztlich den Mut und den Willen seiner Tochter. Es wäre wenig erbaulich hier alle Mitwirkenden aufzulisten, da der Fokus (neben den Monstern) klar auf Tochter und Vater gelegt wurde, die durch diverse Nebenfiguren unterstützt werden. Freilich wartet der Süchtling in freudiger Erregung auf "seine" Monster, aber es gelingt dem Werk, auch die "monsterfreien" Szenen ansprechend an den Fan zu bringen. Auf debile Auswüchse verzichtet der Film, die Marschrichtung ist überwiegend ernst und (für einen Kaiju Eiga) recht ruppig. Nebenbei bekommt der "Fake-Godzilla" von Emmerich sein Fett weg, als er zum Gegenstand einer Randbemerkung wird (die den Fans des echten Godzilla umgehend ein breites Grinsen auf die Fratzen zaubern dürfte). Japan wird erneut als friedliebende Nation präsentiert, das eigene Militär nennt man stets "Verteidigungsarmee".

    Nun aber zum Kern der Sache, den Stars der Sause, den Monstern! Der dritte Teil der ""Millennium-Staffel" -insgesamt der 25. Godzilla-Film von Toho- ignoriert die Streifen nach dem Original von 1954. Daher halte ich es für konsequent, dass man auch die Optik Godzillas an den "Ur-Godzilla" angelehnt hat. War Big G z. B. im zweiten Millennium-Film sehr detailreich gestaltet, wirkt mein Liebling diesmal extrem "retro". Die Begründung für Godzillas Raserei fand man im zweiten Weltkrieg, der Gigant wird von den Seelen der gefallenen Soldaten angetrieben. Entsprechend "zombiefiziert" starren die kalten, toten und leeren Augen aus dem Schädel des Riesen, eine gute und gekonnt umgesetzte Idee. Baragon ist das wohl knuffigste Monster aus dem gesamten Kaiju-Kosmos. Er mutet wie eine Mischung aus freundlichem Hund, Nashorn und Gürteltier an, schon wie sich die Öhrchen bewegen -während er durch die Landschaft planiert- ist wirklich herzallerliebst. Gegen Godzilla hat der liebe Baragon wenig zu melden, er kassiert mächtig Prügel. Mothra wehrt sich mit ihren üblichen Mitteln gegen den sauren Godzilla. Die Motte gehört immerhin zu den bekanntesten Riesen aus dem Hause Toho, hatte in den neunziger Jahren sogar eine eigene Reihe mit drei Filmen, kämpft bereits seit 1964 (Godzilla und die Urweltraupen) gegen Big G. Selbst der machtvolle King Ghidorah kann sich bei diesem Kampf kaum mit Godzilla messen, kommt aber nach dem ersten Niederschlag zurück, ich will nicht zu viel verraten. Durch die "Schutzmonster" erhält der Film eine mystische Schlagseite, die der Monsterbalgerei prima zu Gesicht steht. Die Kloppereien der Giganten sorgen für jede Menge Spass, für meinen Geschmack hätten sie gern noch ausführlicher sein dürfen. "Tricktechnisch" wurde gute Arbeit geleistet. Suitmation und Modellbau sind bei Toho sowieso immer herrlich, die ergänzenden Computereffekte gehen in Ordnung.

    "Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack" ist ein Knüller geworden, der mich bereits nach der ersten Sichtung rundum überzeugt hat. Regie führte übrigens Shûsuke Kaneko, der die tolle Gamera-Trilogie (1995-99) inszenierte, der Mann kennt sich also bestens mit der Materie aus. Für einen Godzilla-Film ist dieser Beitrag erstaunlich hart angelegt. Während der Tod in vielen anderen Toho-Filmen eher in angedeuteter Form über die Menschen kam, lässt man hier eindeutige Szenen für sich sprechen, die das Ende unzähliger Zivilisten und Soldaten mit sich bringen. Keine Bange, selbstverständlich ist der Flick keine Orgie der Gewalt, eignet sich aber nicht für sehr junge Zuschauer. Daher ist die Freigabe ab 16 nachvollziehbar, was für einen Kaiju Eiga nicht unbedingt dem Standard entspricht, oft begnügt man sich seitens der FSK mit der "grünen 12". Fast hätte ich vergessen den schönen Score zu erwähnen, der modern (aber nicht nervig) ertönt, während des Abspanns kommt die legendäre Originalkomposition zum Zuge.

    Die "Millennium-Staffel" kocht im dritten Teil auf grosser Flamme, die beiden guten bis sehr guten Vorgänger werden klar gedeckelt. Das schöne Set von Splendid enthält alle sechs Filme dieser Staffel:

    • Godzilla 2000: Millennium (1999)
    • Godzilla vs. Megaguirus (2000)
    • Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack (2001)
    • Godzilla against MechaGodzilla (2002)
    • Godzilla: Tokyo SOS (2003)
    • Godzilla: Final Wars (2004)

    Als siebte DVD liegt die Bonusscheibe der "Godzilla: Final Wars" Special Edition bei. Es existiert eine "erweiterte" Box mit zusätzlicher Mothra-Figur, die für manchen Sammler vielleicht interessant sein könnte. "Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack" liegt in ansprechender Form vor. Das Bild ist sehr ordentlich, die deutsche Synchronisation brauchbar, der japanische Originalton befindet sich ebenfalls an Bord. Alternativ sind die Filme auch einzeln erhältlich.

    "Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack" (ich liebe diesen Titel) hat das Zeug zum Sprung in die Spitzengruppe des "Godzilla-Universums". Zumindest ist der Film bisher der stärkste Beitrag zur "Millennium-Staffel", ich bin auf die folgenden Flicks gespannt. Zunächst ziehe ich dicke 8/10 (sehr gut), aber da ist noch Luft nach oben!

    Lieblingszitat:

    "Keine Sorge, wir haben alles unter Kontrolle!"


  • Kleine Hartbox von X-Rated


    Todesschrei per Telefon (USA 1980, Originaltitel: Don't Answer the Phone!)

    Der wurstgesichtige Würger

    Kirk Smith (Nicholas Worth) hat Probleme, grosse Probleme, verdammt grosse Probleme! Als Kind litt er unter seinem Stiefvater, in Vietnam manifestierte sich sein ausgewachsener Dachschaden endgültig. Und weil der völlig kaputte Kirk so unfassbar grosse Probleme hat, wird er zum Problem für die weibliche Bevölkerung von Los Angeles. Kirk ist ein durchaus talentierter Fotograf, doch er knipst besonders gern das Lebenslicht junger Damen aus, stranguliert Frauen, vergeht sich an ihnen, macht Fotos (die Reihenfolge kann variieren). Dr. Lindsay Gale (Flo Lawrence) berät verunsicherte Menschen im Rahmen einer Radiosendung, auch Kirk meldet sich mehrfach telefonisch bei der freundlichen Psychologin. Lindsay hat recht früh ein ungutes Gefühl im Bezug auf den unbekannten Anrufer, ihr Gespür soll sie nicht täuschen. Derweil geraten die zuständigen Bullen Lieutenant McCabe (James Westmoreland) und Sergeant Hatcher (Ben Frank) unter immer stärkeren Ermittlungsdruck, denn der irre Killer geht eifrig seinem perversen Handwerk nach. Ein erstes Treffen zwischen Lindsay und McCabe verläuft für die Psychologin ärgerlich, doch wenig später kommt man sich deutlich näher. Als McCabe und Hatcher endlich eine heisse Spur aufgetan haben, greifen die tödlichen Hände des Mörders gnadenlos nach Lindsay...

    Liest man kurze Inhaltsangaben zu "Don't Answer the Phone", legen diese meist Rückschlüsse auf einen üblichen Streifen über die Jagd nach einem Serienkiller nahe. Vorsicht, denn dieses Machwerk widmet sich zwar den Untaten eines irren Killers, hat jedoch sehr wenig mit einem solide inszenierten oder halbwegs gut gespielten Thriller gemeinsam. Regisseur Robert Hammer haut dem Zuschauer eine Anhäufung groben Unfug um die Ohren, die Story hat Herr Hammer gemeinsam mit Michael D. Castle verzapft, beide Burschen werden ferner als Produzenten genannt. Teils erinnert der Flick ein wenig an den ebenfalls zu dieser Zeit entstandenen "Maniac" von William Lustig. Zumindest bezüglich der schmierigen, dreckigen Atmosphäre besteht eine Verwandtschaft, jedoch kommt "Maniac" weitaus ernsthafter und bösartiger daher. "Don't Answer the Phone" geht nicht ansatzweise als Schocker durch, dazu ist das wüste Treiben viel zu albern und (unfreiwillig?) komisch angelegt.

    Als Schauspieler möchte ich den Großteil der agieren Witzbolde nicht bezeichnen. Nicholas Worth liefert als Killer Kirk noch die beste Leistung ab. Unter der Anleitung eines fähigen Verantwortlichen, würde ich ihm vermutlich eine tatsächlich erschreckende und eventuell sogar beeindruckende Leistung zutrauen. Physisch passt Worth erstklassig in die Rolle des kräftigen Würgers, der wuchtige Preßsack glotzt kräftig und energisch aus den Sehschlitzen des Schreckens. Bei seinen Untaten lacht er ab und an irre, noch besser sind jedoch die völlig kranken Dialoge, die ihm das verhunzte Drehbuch in den Mund legt (zur deutschen Synchronisation später mehr). Flo Lawrence bemüht sich als Seelenklempnerin redlich, doch ihre sehr beschränkten Möglichkeiten lassen ihre Darstellung immer wieder albern erscheinen. James Westmoreland und Ben Frank gehen zu 100% als wandelnde Knallschoten durch. Sie erinnerten mich an die dämlichen Bullen aus dem filmischen Sondermüllhaufen "Der Schlächter" (A Scream in the Streets, 1973), deren Stumpfsinnigkeit freilich unübertreffbar bleibt. Die Nebendarsteller eiern ähnlich niveaulos umher, hier und da animieren den Zuschauer hervorstechende Peinlichkeiten zu einem besonders feisten Grinsen.

    Sicher, der Begriff "Trash" ist inzwischen abgegriffen und überstrapaziert, aber er trifft auf "Don't Answer the Phone" zu, egal wie abgenudelt es sich liest. Wer nun auf Auswüchse in Richtung harter Gewalt und offensiver Sex-Szenen hofft, sollte sich nicht allzu ausführlich die schweissnassen Hände reiben, Anlass zur Vorfreude ist nicht angesagt. Die Morde fallen eher zahm aus. Mehr als ein paar blanke Möpse werden sowieso nicht aufgefahren, jedoch wetzt die sleazige Stimmung diese Scharte aus. "Künstlerisch" und handwerklich ist der Film ein Verlierer erster Kajüte, auch heftige Ausritte der rustikalen Art sind Mangelware. Für Filmfreunde mit besonderen Vorlieben kann die Sause trotzdem ein kleines Freudenfest werden. Da hätten wir z. B. die dämlichen Dialoge im Angebot, dazu den rotierenden Klops Nicholas Worth, die saublöden Gesetzeshüter als Bonus obendrauf. Damit nicht genug, der Soundtrack quietscht und fiept gar schröcklich aus den Lautsprechern, was hat sich der "Komponist" nur dabei gedacht (hat er überhaupt gedacht?). Für zusätzlichen Spass sorgt die deutsche Synchro, die teils übel ins Klo greift. Aus "Puppy" (Hündchen) wird in der deutschen Fassung kurzerhand "Püppchen". Völlig befremdet fragt man sich dann, während Kirk einen Schwank aus seiner prächtigen Kindheit verkündet, wieso das "Püppchen" den Orientteppich der Großmutter vollgeschissen hat, unpackbar! Eben weil die deutsche Snychro dermaßen einfältig geraten ist, wird sie zu einem Erlebnis der erinnerungswürdigen Art. Lasst euch aber nicht hinters Licht führen, denn der englische Originalton ist keinesfalls geistreicher oder weniger vernagelt! Ich rate zur Sichtung beider Varianten, sofern ihr nicht bereits nach den ersten Minuten -vor Wut schnaubend- den Raum verlassen habt. Ich übernehme keinerlei Verantwortung für schädliche Nebenwirkungen!

    X-Rated hat den Streifen vor einiger Zeit veröffentlicht, es werden grosse Hartboxen mit unterschiedlichen Covermotiven angeboten, ferner existiert eine kleine Hartbox (siehe oben). Während die kleine Hartbox den amerikanischen Titel trägt, kommen die grossen Geschwister als "Todesschrei per Telefon" ins Haus, ansonsten sind die DVDs identisch. Technikfetischisten werden keine Freude am gebotenen Bild haben, ich finde den "schäbigen Videolook" vertretbar, angemessen. Im Bonusbereich sind wenige Trailer zu bestaunen, keine wirklich erquickende Beigabe. Wer dieses schmierig-schäbige Saustück von Film geniessen will, der tätigt mit der X-Rated-Scheibe einen sinnvollen Kauf.

    Argh... Wie zum Würger soll sich dieses Teil in das ungeliebte Punktesystem packen? Knuffig ist das kleine Ferkel ohne Frage, auf der imaginären "Trashskala" sind dicke 8/10 angesagt. Hm, ich belasse es zunächst bei 6/10 Würgestrümpfen mit Münze.

    Lieblingszitat:

    ...er schiss den ganzen Orientteppich meiner Großmutter voll!
    Kirk! Sie brauchen Hilfe!

  • Die Horde (Frankreich 2009)

    Vier Polizisten wollen Rache an den Gangstern nehmen, die für den gewaltsamen Tod eines Kollegen und Freundes verantwortlich sind. Leider läuft die Aktion schnell aus dem Ruder, der flotte Vierer gerät in die Krallen der Schwerverbrecher. Es dauert nicht lange, bis die Überlebenden ganz andere Sorgen haben. Plötzlich wird das gesamte Umfeld von rasenden Zombies überrannt...

    "Die Horde" bietet dem Zuschauer eine düstere Atmosphäre an, die Handlung spielt sich überwiegend in einem völlig heruntergekommenen Hochhaus ab. In diese triste und bedrohliche Umgebung ergiesst sich ein saftiges Blutbad, die Franzosen hauen ordentlich aufs Mett, hier fliegen die Fetzen. Auch die Riege der Darsteller erfreut, die kernig-kantigen Typen wurden offensichtlich mit Sorgfalt ausgewählt. Auf rustikalen Humor wird nicht verzichtet, besonders ein alter Militärschädel sorgt für manchen Lacher.

    Jeder Zombie-Süchtling sollte sich "Die Horde" auf jeden Fall geben, der Streifen macht jede Menge Spass. Mir gefällt die düstere und dreckige Stimmung des Films sehr gut, der Flick weicht bis zum bitteren Ende nicht vom Weg ab. Sicher gewinnt das Werk keinen Preis für Kreativität, doch es ist handwerklich solide ausgeführt, das Drehbuch simpel und effektiv. Beim Kauf ist Vorsicht geboten, die DVD/BD-Ausgaben für den deutschen Markt sind massiv gekürzt, es fehlen über sechs Minuten! Für Abhilfe sorgen die Scheiben aus Österreich, die Blu-ray bietet den Film in ansprechender Qualität an.

    7,5/10 (gut bis sehr gut)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum04.09.2011 22:48
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 6 (Folgen 76-90)

    Folge 76 - Pricker (Deutschland 1980)

    Die Gefängnisinsassen Hamann (Dirk Galuba) und Pricker (Klaus Schwarzkopf) sollen München gebracht werden, doch kurz vor der Abfahrt wird Hamanns Gerichtstermin verschoben. So befindet sich neben den Justizbeamten lediglich Alfred Pricker im Bus der Behörde, der auf einer Landstrasse plötzlich von drei Männern überfallen wird. Auf die Beamten eröffnet man ohne Vorwarnung das Feuer, einer der beiden Staatsdiener ist sofort tot. Die Überraschung des Rollkommandos ist gross, als die Burschen im Bus nur den kleinen Ganoven Pricker vorfinden. Dieser ist nun ein lästiger Zeuge, er kann den Killern jedoch knapp entkommen, landet schliesslich auf dem Anwesen von Franziska Sailer (Ruth Drexel) und deren Tochter Hanni (Ute Willing). Die Frauen nehmen den unfreiwilligen Flüchtling auf, obwohl sie Kenntnis von der Suche nach ihm haben. Besonders Franziska hat einen Narren an Alfred gefressen, der sie wohlig an ihren vor einigen Jahren verstorbenen Gatten erinnert. Derrick ist sofort klar, dass nicht Pricker Ziel der brutalen Aktion war, doch Hamann will nichts von der Sache geahnt haben. Der Oberinspektor fühlt Hamanns Frau Josefine (Gaby Herbst) auf den Zahn, die zunächst ebenso jede Verbindung mit dem Überfall abstreitet...

    Klaus Schwarzkopf als freundlicher Kleinganove, der unerwartet auf hilfsbereite Mitmenschen trifft, die sich selbst von seiner kriminellen Vorgeschichte nicht abschrecken lassen. Schwarzkopf verkörpert Alfred Pricker glaubwürdig, sein gesamtes Erscheinungsbild passt vortrefflich zu diesem Charakter. Ruth Drexel und Ute Willing scheinen nur auf den ersten Blick eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung zu pflegen, ihr lauter Umgangston entpuppt sich bald als rauh aber herzlich. Maria Singer sorgt als schrullige Nachbarin für Schmunzler, mit unerschütterlicher Ausdauer und Neugier geht sie den Sailer-Frauen auf die Nerven. Gaby Herbst mutet wie eine herbe und gleichzeitig verstörte Ausgabe von Iris Berben an, Dirk "Sturm der Liebe" Galuba muss einmal mehr als Fiesling herhalten (bei dem Gesicht kein Wunder). Willy Schäfer (Berger, der Dauersklave Derricks) gerät in einer berüchtigten Kneipe an wilde Gestalten. Bulle zu sein ist kein leichter Job, vor allem nicht als ewiger Zuarbeiter.

    "Pricker" erfreut mit einem erfrischenden Szenario, welches mit den üblichen Familiendramen (einiger) der vorherigen Folgen weitgehend bricht. Das Drehbuch verlässt sich nicht nur auf das starke Trio Schwarzkopf/Drexel/Willing, sondern kontert die "ländliche Wärme" mit der "kriminellen Kälte" der Großstadt. Die Verhaltensweisen der Charaktere bewegen sich auf nachvollziehbaren Bahnen. Warum sollte sich die Witwe in den besten Jahren sich nicht nach einem neuen Partner sehnen, während die Frau eines inhaftierten Verbrechers sich nicht minder nach ihrem Ehemann verzehrt. Das Finale verstrickt sich nicht in Kitsch, präsentiert aber einen eindeutigen Fingerzeig in Richtung Hoffnung, lässt die bitteren Pillen im Giftschrank liegen. Alfred Vohrer hat (wie so oft) einen guten Job gemacht, beim Überfall auf den Gefangenentransport wird ordentlich auf den Putz gehauen. Spannung, Herzlichkeit und tolle Schauspieler, abgerundet durch schöne Kompostionen von Frank Duval. Nachdem die fünfte Box durchwachsen startete (Ein Kongress in Berlin, # 61), beginnt die sechste Box mit einer sehr unterhaltsamen und äusserst sympathischen Folge.

    7/10 (gut)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum04.09.2011 00:26
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 5 (Folgen 61-75)

    Folge 75 - Eine unheimlich starke Persönlichkeit (Deutschland 1980)

    Robert Renz (Siegfried Wischnewski) ist ein knallharter und erfolgreicher Geschäftsmann. Er hält Freundlichkeit und Milde für Schwächen, drückt seine Lebensweise ohne Kompromisse durch. Darunter leiden seine Ehefrau Alberta (Anaid Iplicjian) und sein Sohn Erich (Nikolaus Büchel). Als in der Firma eine Jubiläumsfeier ansteht, hat sich Alberta Renz bereits nett zurechtgemacht, möchte den festlichen Abend an der Seite ihres Gatten verbringen. Robert Renz bügelt sie jedoch mit kalter Bestimmtheit ab, denn Ursula Momm (Franziska Bronnen) wird ihn auf die Feier begleiten. Völlig selbstverständlich bekennt sich Renz zu seiner Geliebten, nun auch zu einem offiziellen Anlass. Frau Renz hat Kenntnis von der Liebschaft, diese Form der Demütigung sprengt jedoch den bisher üblichen Rahmen. Einige Stunden später wird Robert Renz vor dem Wohnhaus seiner Mätresse niedergeschossen, er überlebt den Anschlag nicht. Ist sein Sohn Erich der Mörder, der nach einem Telefonat mit seiner Mutter wütend von Nürnberg in Richtung München raste...?

    ...und wieder ein Familendrama mit tödlichen Folgen. Siegfried Wischnewski kann zu Beginn eine herbe Duftmarke setzen, die Darstellung des rücksichtslosen Erfolgsmenschen gelingt ihm ausgesprochen gut. Anaid Iplicjian wahrt stets die Contenance, was Nikolaus Büchel als unterdrücktem Sohn nicht gelingen mag. Der Tod des Vaters wirkt zumindest vordergründig wie eine Befreiung, der auf einen unwichtigen Posten abgeschobene Sohn wittert bessere Zeiten. Rose Renee Roth sehen wir als Hausdame der Familie Renz, die wenig Verständnis für die Umtriebe ihres Arbeitsgebers zeigt. Roth erfreut mit einem Hauch von Schrulligkeit, überschreitet dabei nie die Grenze zur Nervensäge. Franziska Bronnen kommt als Geliebte gut davon, die Rolle der Ursula Momm zieht sich nicht den Zorn des Zuschauers zu. Der von mir sehr geschätzte Herbert Fleischmann taucht in einer Nebenrolle auf, in diesem Fall als leitender Angestellter im Unternehmen des Mordopfers.

    Wie immer gibt sich das Ensemble keine Blöße, die Darbietung von Nikolaus Büchel mutet nur auf den ersten Blick überzogen an. Sie ist der überschaubaren Laufzeit geschuldet, die eine entschleunigte Charakterentwicklung kaum ermöglicht. Erik Ode inszenierte diese Folge mit handwerklicher Routine, hat aber mit dem nicht wirklich einfallsreichen Drehbuch zu kämpfen. Fritz Wepper versucht sich als Wadenbeisser, Horst Tappert spielt mit dieser ab und an auftretenden unverschämten Lässigkeit, mit der er schelmisch gegen das maue Drehbuch angeht. Nikolaus Büchel lässt in seinem kleinen 3er-BMW laut AC/DC rocken. Später besteigt er doch lieber Papis dicken Jaguar, lauscht symbolträchtig der bevorzugten Musik seines verstorbenen Erzeugers. Während des Abspanns ertönt eine sehr schöne Komposition von Frank Duval. Fans wird solide Unterhaltung geboten, die Story versinkt jedoch im tristen Mittelmaß. Dank der guten Schauspieler und der gelungenen Atmosphäre:

    6/10 (obere Mittelklasse)

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