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  • Einer von uns beiden (1973/74)Datum28.10.2012 11:27
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Einer von uns beiden (1973/74)

    Großartiger Film, gehört in jede Sammlung!






  • An einem Freitag in Las Vegas (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien 1968, Originaltitel: Las Vegas, 500 milliones)

    Ohne Rücksicht auf Verluste

    Kaum ist Gino (Jean Servais) aus dem Knast geflohen, plant der alte Ganove bereits den nächsten Raubzug. Tony (Gary Lockwood) zeigt wenig Begeisterung für die altbackenen Methoden seines grossen Bruders, er will den Überfall auf einen Geldtransport zunächst sorgfältig überdenken. Gino ignoriert sämtliche Warnungen, der Raub endet in einem Blutbad, Gino und seine Komplizen gehen im Kugelhagel der Polizei unter. Für den Boss der Transportfirma ist der abgewehrte Angriff ein Triumph, mit Ausdauer lobt Skorsky (Lee J. Cobb) die extreme Widerstandsfähigkeit seiner Fahrzeuge und das hochmorderne Sicherheitsnetzwerk mit Computerunterstützung. Hinter den Kulissen hat sich der Fahnder Douglas (Jack Palance) auf Skorsky eingeschossen, der für das Schatzamt tätige Regierungsbeamte verdächtigt den Geschäftsmann des Goldschmuggels im grossen Stil. Derweil hat Tony eine Affaire mit der atttaktiven Ann Bennett (Elke Sommer) in Gang gebracht, pikanterweise ist Ann ebenso Skorskys Geliebte und dessen Mitarbeiterin. Dank der Informationen seiner Freundin kann Tony auf einen erfolgreichen Coup hoffen, eine Nebenstrecke durch die Wüste von Nevada soll einem gepanzerten Transporter aus Skorskys Stall zum Verhängnis werden. Tatsächlich gelingt die Durchführung des waghalsigen Plans, die Gauner lassen das Fahrzeug spurlos in der sandigen Öde verschwinden. Skorsky kocht vor Wut, zu allem Überfluss sitzen ihm nicht nur seine "Geschäftspartner" in Nacken, auch Douglas nagt mit Ausdauer am Nervenkostüm des Unternehmers. Tony und seine Kumpanen können sich nach dem gelungenen Auftakt ihrer Mission nicht auf die faule Haut legen, schliesslich muss der gepanzerte LKW nun geknackt werden, im Versteck der Truppe beginnt es gefährlich zu brodeln ...

    Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi hat sich mit dem kleinen Rachethriller "Summertime Killer" (1972) schon vor langer Zeit einen Platz in meinem goldenen Buch gesichert, umso heftiger freue ich mich über die Veröffentlichung des hier kurz vorgestellten "An einem Freitag in Las Vegas". Oft treffen wir in Heist-Movies auf charmante Gauner, Herren die ohne rohe Gewalt ihre genialen Pläne in die Tat umsetzen. "An einem Freitag in Las Vegas" kommt zwar mit einem cleveren Raub aus der Kiste, jedoch sind Tony und seine Bande alles andere als freundliche Gentlemen. Ohne jeglichen Anflug von Reue geht man mit brutaler Härte gegen die Insassen des Transportes vor, lässt Flammenwerfer und automatische Waffen sprechen. Bei Bedarf schreckt man nicht vor der Ermordung zufällig auftauchender Personen zurück. Verbissenheit an allen Fronten, egal auf welcher Seite des Gesetzes die Beteiligten stehen. Tony und seine Mannen verbeissen sich in den Panzerwagen, nach und nach beginnen sich die Herren untereinander zu zerfleischen. Für Skorsky wird die Luft dünner und dünner, seine ausländischen Freunde fühlen sich übers Ohr gehauen. Schatzamtler Douglas gibt keinen Zentimeter nach, will endlich seinen Verdacht bestätigt wissen. Ansprechend gefilmt und mit stimmungsvollen Schauplätzen gesegnet, vergehen die knapp über zwei Stunden Spieldauer in Windeseile, der Streifen kommt ohne jeglichen Anflug von Leerlauf daher.

    Gary Lockwood kennen viele Filmfreunde aus Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" (1968), später war er vor allem in TV-Serien zu sehen. Kein leichter Job für den damals noch jungen Burschen, aber Lockwood kann sich mit seiner Mischung aus lockerer Unverschämtheit und eiskalter Härte gegen gestandene Platzhirsche wie Lee J. Cobb und Jack Palance behaupten. Tony ist in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zum klassischen Bild des Gentleman-Gangsters, lediglich der messerscharfe Verstand des führenden Ganoven entspricht dem üblichen Heist-Movie Motiv. Elke Sommer gibt uns zunächst Rätsel auf, später schrumpft sie bei oberflächlicher Betrachtung zum willenlosen Liebchen. Hinter der Fassade zeigt sich Ann als entschlossene und mutige Frau mit glühendem Herzen. Damals war Frau Sommer eine sehr erotische Erscheinung, der Auftritt der blonden Schönheit geht runter wie allerfeinstes Speiseöl. Leider verstarb der kernige Charakterkopf Lee J. Cobb bereits 1976, er wurde lediglich 64 Jahre jung. Erwartungsgemäß hochklassig grummelt und poltert Cobb durch das Szenario, Jack Palance steht im nicht minder hartnäckig auf den Füßen, in Gedanken genüsslich die Handschellen schwingend. Immer wieder treffen Cobb und Palance aufeinander, der Regierungsbeamte schleicht wie eine ausgehungerte Raubkatze um den zunehmend angeschlagenen Büffel. Georges Géret und Fabrizio Capucci fallen als Nebenganoven positiv auf, der kurze Auftritt von Jean "Rififi" Servais als "anachronistischer Gauner" zaubert ein Lächeln auf mein zartes Antlitz.

    "An einem Freitag in Las Vegas" zeigt uns die ruppige Seite des Heist-Movie, vergisst darüber aber nie das die kurzweilige und ideenreiche Fortschreiten der Story. Alle relevanten Rollen sind sehr ansprechend besetzt, Juan Gelpí fängt das Geschehen gekonnt ein, der Score von Georges Garvarentz präsentiert sich zwischen bodenständig und dezent psychedelisch angehaucht wogend. Antonio Isasi-Isasmendi hat dem Genre starken Beitrag zugefügt, der Film zeigt eindrucksvoll und äusserst unterhaltsam auf, wozu das europäische Kino in seiner Blütezeit fähig war!

    Media Target hat dem Streifen eine schöne DVD spendiert, gute Bildqualität und eine Brise Bonusmaterial sorgen für Freude. Ferner liegt ein Booklet bei, dieses verschenkt leider die Möglichkeit zusätzliche Informationen zum Film zu liefern, beschränkt sich auf die Abbildung (interessanter) Werbematerialien zur damaligen Kinoauswertung. Für "An einem Freitag in Las Vegas" spreche ich sehr gern eine klare Kaufempfehlung aus, das Werk ist ein prächtiges Kind der späten sechziger Jahre! Zugreifen ist Pflicht!

    Dicke 8/10 (sehr gut)

    "Wer kommt an die Lochkarten ran?"

  • Zurück auf dem Sofa des Todes. Vorglühen per Ultrakurzkommentar:


    • Wang Yu - Stärker als tausend Kamikaze (Hongkong 1973) - Fiese Japaner löschten seine Familie aus, Wang Yu will mit dem Gesindel aufräumen. Übliche Rachestory ohne Überraschungen. Der Streifen hangelt sich von Prügelei zu Prügelei, nebenbei glänzt die deutsche Synchro mit debilen Anwandlungen. Einsteiger sind mit Wang Yu Klassikern wie z. B. "Eine Faust wie ein Hammer", "Duell der Giganten" oder "Der Silberspeer der Shaolin" besser bedient. Wer es etwas gediegener mag, der geniesst Wang Yu in den Shaw Brothers Produktionen "Das goldene Schwert des Königstigers" oder "Wang Yu - Sein Schlag war tödlich".

    Savoy hat dem Film eine brauchbare DVD spendiert, im Bonusbereich findet der Eastern Fan ein paar unterhaltsame Trailer und weitere Kleinigkeiten. Fans greifen zu.

    6/10 (obere Mittelklasse)



    Mega-Ultrakurz:


    • Space Prey (USA 2010) - Stimmungsvolles Science-Fiction Perlchen mit toller Optik. Mit wenig Geld und viel Liebe zum Detail realisiert, beide Daumen zeigen steil nach oben. Sehr gute BD-Auswertung, mit liegt die normale Fassung vor, der Film ist auch in 3D erhältlich.

    Dicke Empfehlung! 7,5/10 (gut bis sehr gut)



    • Black Death (Deutschland, Großbritannien 2010) - Fanatische Christen drangsalieren das Volk, fanatische Freigeister (häääh?) setzen sich zur Wehr. Finsteres Mittelalter ansprechend in Szene gesetzt, die Pest und Mordbuben wüten, Sean Bean ackert als Zugpferd, obendrauf ein paar ruppige Momente. Regisseur Christopher Smith hat immerhin den packenden "Creep" und den lustigen "Severance" auf die Beine gestellt, ergo musste ich die BD zu "Black Death" meiner Sammlung zufügen. Nach der ersten Sichtung lässt mich der Film ein wenig ratlos zurück, daher keine Wertung. Die Blu-ray präsentiert das Werk in sehr guter Bildqualität.



    • Pentathlon (USA 1994) - Dolph Lundgren muss sich mit David "Hutch" Soul rumärgern. Mein Dolph spielt einen Spitzensportler aus der DDR, welcher kurz vor dem Zusammenbruch des Regimes in die USA flüchtet. David Soul mutiert vom Kommunisten zum Nazi, macht sich Jahre später auf die Jagd nach seinem ehemaligen Schützling. Haarsträubendes Drehbuch, beknackte Dialoge und recht mittelprächtige Action. Zielgruppe? Dolph-Fetischisten und aufgeschlossene Trash-O-Logen. Sicher einer der schlechtesten Filme mit dem wahren und göttlichen Last Action Hero, rein subjektiv betrachtet (fast) eine kleine Arschbombengranate!

    6,5/10 (in Verbindung mit einer Warnung an alle normalen Menschen)



    • Kill Switch (Kanada, USA 2008) - Steven Seagal pflügt durch den Sumpf, irrer Serienkiller inklusive. Teils brutale Auswüchse führten in Deutschland zu Kürzungen, die mir vorliegende DVD aus Großbritannien zeigt den Film vollständig. Seagal Hasser wenden sich einmal mehr mit Grausen ab, ich wundere mich lediglich über die teils sehr schlechte Arbeit des Cutters. "Kill Switch" deckelt locker Bodensatz wie "Today you die" oder "Attack Force", reicht aber nicht an die Kracher "Urban Justice" oder "Driven to kill" heran.

    Stangenware für Süchtige, ich bin zufrieden = Knappe 6/10

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum03.10.2012 23:06
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 136 - An einem Montagmorgen (Deutschland 1986)

    Eine Familie in den Krallen teuflischer Bestien

    Irgendwo im Speckgürtel Münchens beginnt die Woche wie immer. Frau Heilmann (Christine Ostermayer) fährt mit ihrem PKW zum Einkauf, Tochter Biggy (Roswitha Schreiner) ist in der Schule, Sohn Manuel (Jochen Horst) arbeitet in einer Autowerkstatt. Weniger freundlich geht es im Anwesen des Herrn Bergmann (Herbert Tiede) zu, der sich bei seiner Haushälterin über den Pflegezustand seiner Schuhe beklagt. Derweil bringt Berufsganove Koller (Wilfried Baasner) seine Komplizen Hassel (Robert Meyer) und Weber (Wolf Goldan) auf Kurs, das Trio steht unmittelbar vor der Ausführung eines Banküberfalls. In der Bank treffen die Räuber auf den streitsüchtigen Herrn Bergmann, welcher in seinem Unmut prompt die Maske von Kollers Kopf reisst. Koller versteht keinen Spass, er verpasst dem unwilligen Zeugen einen gezielten Kopfschuss, Bergmann bricht tot zusammen. Weber drückt während der Flucht ordentlich aufs Gas, zu allem Überfluss hat sich ein braver Bürger an die Fersen der Gangster geheftet, in einer Kurve verliert Weber die Kontrolle über den Wagen und kommt von der Strasse ab. Zwar bleiben alle Insassen weitgehend unverletzt, müssen ihre Flucht allerdings unangehmerweise zu Fuß fortsetzen. Derrick und Klein sind inzwischen in der beraubten Bankfiliale eingetroffen, auf dem Überwachungsvideo erkennt der Oberinspektor sofort den äusserst gefährlichen Koller! Koller und seine Kumpanen sind in das Haus der Familie Heilmann eingebrochen, Frau Heilmann und ihre Kinder erwartet eine böse Überraschung! Flugs hat die Polizei die gesamte Ortschaft abgeriegelt, noch kennt niemand ausser den Geiseln den genauen Aufenthaltsort der Straftäter ...

    Star dieser Folge ist für mich Wilfried Baasner, der in der Rolle des Schwerverbrechers Koller großartig aufspielt! Koller geht ohne Reue über Leichen, strahlt eine erschreckende Kaltblütigkeit aus, scheint aber trotzdem ab und an vor dem Verlust jeglicher Selbstkontrolle zu stehen. Cholerische Ausbrüche brechen wie unheilvolle Donnerschläge über die anderen Beteiligten herein. Nebenbei gibt es kleine Anspielungen sexueller Natur, offenbar könnte sich Koller gut eine eindringliche Unterhaltung mit seiner jungen Geisel Biggy vorstellen. Freilich belässt es das Drehbuch bei Andeutungen, dem TV-Publikum der achtziger Jahre wollte man wohl nicht zu starken Tobak auftischen. Beschädigt wird die Story dadurch keinesfalls, Baasner kommt auch ohne vollzogene Notzucht erschreckend und bedrohlich genug rüber. Robert Meyer und Wolf Godan stehen unter Baasners Knute, Hassel versucht ausgleichend zu wirken, Weber gibt das Riesenbaby mit Trottelpotential. Roswitha Schreiner und Jochen Horst befanden sich noch in der Anfangsphase ihrer Karriere, beide agieren überzeugend. Käte Jaenicke und Heinz Moog fungieren als freundliche Nachbarn der Geiseln, die Eheleute Herbach sind als "Omi und Opi Ersatz" angelegt, der bewährte Alf Marholm taucht als den Einsatz leitender Kriminaldirektor auf. Horst Tappert zeigt uns Derrick -einmal mehr- besonnen, clever und mitfühlend handelnd, Fritz "Harry" Wepper macht sich unauffällig auf die Suche nach dem teuflischen Trio.

    "An einem Montagmorgen" weht wie eine frische Brise durch die Reihe, ein packendes Geiseldrama, getragen durch sein stimmungsvolles Drehbuch und das sehr starke Ensemble. Feiner Humor, verabreicht in kleiner Dosierung, sorgt für zusätzliche Würze in diesem schmackhaften Menü. Herrlich das stetige Genörgel von Herbert Tiede, der trotz weniger Szenen einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ungewohnt und knuffig die etwas merkwürdig tönende Erzählerstimme, welche die ersten Minuten der Folge mit launigen Kommentaren untermalt. Weniger gepflegt die Ausdrucksweise des psychotischen Koller, verbale (und sonstige) Entgleisungen sorgen für harsche Kontraste. Trügerisch die Idylle der ruhigen Siedlung auf dem Land. Vor den Toren der bösen Großstadt in Friede, Freude und Eierkuchen gebettet, plötzlich sehen sich unscheinbare Durchschnittsbürger mit dem nackten Grauen konfrontiert. Hoffen wir auf einen umsichtigen Kriminalbeamten wie Stephan Derrick, wenn der Terror krimineller Subjekte unser Refugium ohne Gnade unkontrollierbar flutet! Für die Regie zeichnet Jürgen Goslar verantwortlich, die Musik stammt aus der Feder von Eberhard Schoener. Überwiegend setzt Schoener seine Klänge lediglich als dezente Hintergrundmusik ein, über den Abspann hat er eine wunderschöne Komposition gelegt, sphärische Elektronik der allerbesten Sorte. Es geht stetig und genussvoll vorwärts, der Startschuss für die zehnte Box ist gefallen. Was für ein toller Auftakt, welch zupackender Einstieg in das Jahr 1986!

    7,5/10 (gut bis sehr gut)


  • Grosse Hartbox (#75) von X-Rated



    Per sempre - Ein Toter kehrt zurück (Italien 1987, Originaltitel: Fino alla morte)

    Lamberto und die Maden

    Vor sechs Jahren haben Linda (Gioia Scola) und ihr Lover Carlo (David Brandon) einen lästigen Menschen beseitigt. Lindas ungeliebter Ehemann Luca (Roberto Pedicini) wurde vergiftet und in einem feuchten Grab verscharrt. Die Beziehung des kriminellen Paares läuft längst nicht mehr rund, basiert letztlich nur noch auf sexuellen Gelüsten (was heisst hier "nur noch"?), immer häufiger zeigt sich Carlo von seiner aggressiven Seite. Freudlos führt Linda ihr kleines Restaurant, Carlo verlieht Boote an Angler, grauer Alltag ohne Lichtblicke. Immerhin bleibt Linda ihr kleiner Sohn Alex (Marco Vivio), während Mami den Jungen über alles liebt, kann Stiefvater Carlo nichts mit dem Kind anfangen. In einer stürmischen Nacht klopft es an der Tür, der völlig durchnässte Marco (Urbano Barberini) bittet höflich um eine Übernachtungsmöglichkeit. Fiesling Carlo weist den Fremden barsch ab, Linda zeigt sich gnädig und bittet den Reisenden ins Haus. Schnell freundet sich Marco mit Alex an, Linda bietet dem freundlichen Burschen einen Job in ihrem Lokal an. Carlo passt der neue Hengst im Stall nicht in den Kram, ferner fühlt er sich durch die ständigen Restaurantbesuche des Dorfpolizisten (Giuseppe Stefano De Sando) bedrängt. Bisher schien es keinen Zweifel daren zu geben, dass der ermordete Luca sich damals verantwortungslos aus dem Staub gemacht hat, seine schwangere Ehefrau über Nacht im Stich gelassen hat. Hat die Polizei etwa Lunte gerochen, ist Marco vielleicht ein verdeckt arbeitender Ermittler? Als ein altes Schmuckstück Lindas auftaucht, welches "eigentlich" in Lucas Grab liegen müsste, gerät des mörderische Paar zunehmend in Panik ...

    In erlauchten Kreis der Freunde des italienischen Kinos -blablablap- prügelt der "Fan" nur allzu gern auf den umstrittenen Regisseur Lamberto Bava ein. Ja, Lamberto ist der Sohn des unvergessenen und genialen Mario Bava, tritt damit in verdammt grosse Fußstapfen. Doch muss sich ein Sohn den ständigen Vergleich mit dem Vater gefallen lassen? In diesem Fall mutet es tatsächlich nicht leicht an den grossen Bava auszublenden, da Herr Sohnemann sich auf ähnlichem Terrain bewegt, vorzugsweise Thriller und Horror inszeniert. Aus meiner Sicht hat Lamberto viel von seinem Erzeuger gelernt, ein gutes Gespür für Farben und Licht, das gewisse Händchen zur Erzeugung wohliger Atmosphäre. Vor allem versteht es Lamberto Bava ganz vorzüglich -hier sehe ich die grösste Nähe zu Mario Bava- seine Stärken mit einfachen Mittel auszuspielen, ohne riesiges Budget und oft auf wenige Schausplätze reduziert. "Per sempre" kommt in weiten Teilen kammerspielartig daher, konzentriert sich auf sein stimmungsvolles Umfeld und wenige Charaktere. Überdies wurde der Streifen -im Rahmen einer kleinen Reihe- für das italienische Fernsehen produziert, umso erfreulicher und höher ist das kurzweilige Ergebnis zu bewerten.

    Verdorbenheit, Mißtrauen und Gelüste nach Sex und/oder Rache treiben die Protagonisten an, der Zuschauer hat es nicht leicht seine Sympathie ohne Vorbehalte zu vergeben. Ein schmaler Grat, steht der Wunsch nach geeigneten Identifikationsfiguren doch meist übergross im Raum, hat auf dem Wunschzettel vieler Filmfreunde einen Stammplatz. Viel reizvoller als überstrapazierte Lichtgestalten, sind die ständigen Spannungen zwischen den Charakteren. Niemand traut dem anderen über den Weg, immer wieder bahnen sich Zorn und Ängste ihren Pfad an die Oberfläche, brechen teils offensiv aus den Hauptfiguren hervor. Stetig "schleichende Eskalation" bis zum feurigen Finale, zuvor durch ansprechende Ausbrüche schmackhaft gewürzt. Nach erfolgter Sichtung findet der Film seinen Platz in der Horrorschublade. Dabei wäre es durchaus denkbar und reizvoll, die verwendeten Horrorelemete lediglich als Albtraumsequenzen zu verkaufen, den Streifen in den letzten Minuten auf einem soliden Thrillerfundament zu platzieren. Ich hätte in diesem Fall wohl den Krimi bevorzugt, dem Werk das Gewand eines Neo-Giallo übergestülpt und ein bösartig schmerzhaftes Ende verpasst. Dies soll kein Gemecker an den Horrorzutaten sein, auf kleiner Flamme kocht Bava ein leckeres Süppchen aus Maden, Gegeifer und der Gesichtsruine des Grauens, der Stoff geht gut runter. Spoilergefahr verbietet mir weitere Anmerkungen, schade.

    Gioia Scola gefällt mir als Spielball der eigenen Schwächen und widerlichen Herren sehr gut. Frau Scola ist eine attraktive Erscheinung, passenderweise kein makelloser Engel, eher in Richtung ruchloses Stück tendierend. Ihre Linda wäre gern eine umschwärmte Dame mit den Qualitäten einer echten Femme fatale, schrumpft aber unter dem Joch ihrer Kerle auf ein trauriges Stück Fleisch zusammen. Sonnenschein spendet Söhnchen Alex, der von dem kleinen Marco Vivio erstaunlich "unnervig" dargestellt wird, ganz klar einer der besseren Kinderauftritte. David Brandon springt der Mix aus Hinterhältigkeit und Begierde aus dem unrasierten Gesicht, Carlo ist ein frauenschlagender und asozialer Misthaufen aus dem Buch der ekelhaften Klischees. Urbano Barberini kommt keinesfalls als heller und freundlicher Gegenpol daher, erneut zwingt mich aktute Spoilergefahr zur Unterlassung weiterer Anmerkungen. Roberto Pedicini fällt nicht der Part des unschuldigen Opfers zu, der entsorgte Luca offenbart in Rückblenden wenig erbauliche Verhaltensweisen, liefert aber dennoch lediglich eine dünne Rechtfertigung für Lindas Schweinereien. Giuseppe Stefano De Sando bleibt in der Rolle des lokalen Gesetzeshüters unscheinbar, hätte bei einer stärkeren Gewichtung der Thrillerzutaten (eventuell) mehr Gewicht innehaben können.

    Solide agierende Schauspieler, gutes Gespür für Atmosphäre, ansprechende Kameraarbeit, angenehmes Erzähltempo und eine kleine Prise Horrorgeschleim, lediglich die musikalische Untermalung bleibt kaum in Erinnerung. Grosses Kino? Sicher nicht, aber eine TV-Produktion mit dem Appeal einer kleinen Sause für die grosse Leinwand. Lamberto Bava verdient mehr Aufmerksamkeit, meine Zuneigung ist ihm sicher.

    Die mir vorliegende DVD aus dem Hause X-Rated geht als brauchbar durch, der Bonusbereich erfreut vor allem durch eine nette Trailersammlung. Es existieren weitere Auswertungen für den deutschen Markt, die X-Rated-DVD scheint aber als einzige die ungekürzte Version des Films zu enthalten!?

    Wäre ich um Objektivität (was immer das auch sein mag) bemüht, würde ich vermutlich eine Bewertung im Bereich von 5-6/10 ziehen. Mir hat der Streifen richtig gut gefallen, ergo setzt es verdiente 7/10.

    Lieblingszitat:

    "Wenn er kein verdammter Bulle ist, was ist er dann? Wer ist er?"

  • Bewertet: "Der Alte"Datum01.10.2012 23:17
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


    Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)



    Folge 15 - Zeugenaussagen (Deutschland 1978)

    Schrullen, Spanner & Säufer

    Maria Schöttl wurde in ihrem Haus getötet, die alte und wohlhabende Frau lebte allein. Kommissar Köster befragt die Nachbarschaft, leider erweisen sich die Angaben der Damen und Herren als nicht besonders hilfreich. Ermittlungen zeichnen das Bild einer recht zurückgezogen lebenden Person. Kontakte zum direkten Umfeld blieben oberflächlich, mit ihrer ganz in der Nähe wohnenden Schwester Amalia Schöttl (Maria Stadler) hatte das Mordopfer seit meheren Jahrzehnten kein Wort mehr gewechselt. Köster stösst auf befremdliche Angewohnheiten, so beobachtet ein pensionierter Richter (Hannes Stein) mit leidenschaftlicher Ausdauer die Ereignisse hinter den Fenstern seiner Nachbarn, selbstverständlich mit einem geeigneten Fernglas. Freilich ist der werte Herr kein Voyeur, der Senatspräsident a. D. geht lediglich seinem Interesse an "menschlichen Beobachtungen" nach. Auch der zuständige Geistliche (Bruno Hübner) trägt sein Kreuz, Herr Pfarrer spricht allzu gern dem Alkohol zu. Endlich bleibt ein Verdächtiger im Netz hängen, der mehrfach vorbestrafte Bursche Erwin Scheufele (Volker Eckstein) scheint in den Fall verwickelt zu sein ...

    Siegfried Lowitz darf sich mit herrlich verschrobenen Gestalten in den verbalen Nahkampf begeben, Kommissar Köster quittiert die befremdlichen Angewohnheiten und Sichtweisen seiner Zeugen mit trockenem Humor. Werfen wir einen Blick auf die besonders auffälligen Herrschaften. Grandios Hann(e)s Stein als Richter im Ruhestand, der seine voyeuristischen Gelüste mit abenteuerlichen Begründungen rechtfertigt. Bruno Hübner gibt den versoffenen Pfaffen, sondert dabei liebenswerten Unfug ab. Maria Stadler macht uns die verbitterte Jungfer, ein biestiges Weibstück des Schreckens, Fräulein Schöttl wird irgendwann ungeöffnet in der Kiste verschwinden. Maria Singer keift gern umher, die Dame aus dem Tante-Emma-Laden des Schreckens. Nein, die Dame aus dem Kolonialwarenladen, so viel Zeit muss sein. Willy Schultes erwartet Gegenleistungen für seine Aussage, Ralf Wolter sondert als Reporter prachtvollen Schwachsinn ab, Volker Eckstein orgelt als Gammelgauner durchs Szenario. Fast hätte ich Walter Sedlmayr unterschlagen, nicht zu vergessen Hans Stadtmüller in der Rolle des pflichtbewussten Stromablesers. Weitere bekannte Gesichter sind in teils kleinen Nebenrollen zu sehen, ein wahres Füllhorn gestandener Schauspieler!

    Im Rahmen dieses (teils nahezu grotesken) Schaulaufens liebevoll überzeichneter Charaktere, gerät der Mord an der alten Dame zu einer Art "nebensächlichen Hauptsache". Letztlich wird der Fall ohne Krawall und recht unspektakulär gelöst, die vorherige Suhle im gutbürgerlichen Irrsinn macht sowieso mehr Freude. Autor Herbert Rosendorfer hat dem Volk aufs Maul geschaut, für meinen Geschmack hätte diese Folge gern auf Spielfilmdauer ausgedehnt werden dürfen. Erneut muss ich mich tief vor Siegfried Lowitz verneigen, der Mann ist die perfekte Besetzung für die Rolle des cleveren Kommissar Köster. Wie Lowitz ab und an Dialekte imitiert, die Zeugen und sonstiges Gezücht auf die Schippe nimmt, besser geht es nicht, ich habe mehrfach Tränen gelacht! Der auch im Derrick-Kosmos aktive Regisseur Theodor Grädler hat leichtes Spiel, mit diesem göttlichen Ensemble vor der Kamera kann man nur auf der Siegerstrasse unterwegs sein, daran ändert auch der mittelprächtige aufregende Kriminalfall nichts. Hölle, schon wieder huscht mir eine feistes Grinsen über die Fratze, mir tönt in Gedanken Kösters Aussprache des Namens "Scheufele" im Ohr, ich falle gleich vor Lachen vom Stuhl (auf der DVD bei 40:37 Minuten zu finden, zieht es euch rein)! Hach, das Leben ist schön, ich kann jetzt nicht mehr tippen, huahahaaaaahrrrrgh ...

    Gewissermaßen extrem fette 8/10 (sehr gut)! Sozusagen addiere ich in Gedanken unzähliche Wohlfühlpunkte, dieses Stück deutscher Fersehgeschichte ist ein echter Superknuffel der Extraklasse! ... und Köster würde ich jederzeit meinen Hochsitz einräumen! Waaahahaharrrhhaaarrhhh!

  • Die vergangenen Nächte in Ultrakurzform:



    • The Black Belly of the Tarantula (Italien 1972) - Herrlicher Giallo mit prachtvoller Damenriege. Teils wird regelrecht verschwenderisch mit den Schönheiten des Genres umgegangen, die umwerfende Barbara Bouchet erliegt gleich zum Auftakt dem Killer. Claudine Auger, Barbara Bach, Annabella Incontrera, Stefania Sandrelli und Rossella Falk lassen die Augen des Zuschauers freudig leuchten, Giancarlo Giannini heftet sich an die Fersen des Mörders.

    Für jeden Giallo-Fan Pflicht, ebenso für Einsteiger sehr empfehlenswert. Hier und da mutet "Black Belly" fast eine Spur zu routiniert abgespult an, pendelt irgendwo zwischen solidem Handwerk und grosser Kunst umher. Alle Jahre wieder ein gern gesehener Gast im Player, die DVD von Blue Underground erweist sich dabei als brauchbare Veröffentllichung. Noch habe ich die Hoffnung auf eine deutsche Scheibe nicht aufgegeben, es wäre schade um die Kinosynchro aus den goldenen Siebzigern.

    Stoff aus dem Giallo-Oberhaus, knapp unterhalb der Spitze des Genres angesiedelt = dicke 8/10 (sehr gut)



    • Absurd (Italien 1981) - Erneut lässt Joe D'Amato den hungrigen George Eastman auf diverse Opfer los. Stellt mich als D'Amato-Jünger zufrieden, kann aber nicht mit dem großartigen "Man-Eater" (1980) mithalten. Hysterisch und geifernd sorgt das Finale sorgt für Stimmung auf dem Sofa.

    XT-Video präsentiert den Streifen auf einer mittelprächtigen Scheibe, diverse Cover wurden auf den Markt geworfen. D'Amato-Süchtlinge greifen freudig zu, sehr angenehm.

    7/10 mit Mettgut gefüllte Näpfe des Todes



    • Zodiac (USA 2007) - Jake Gyllenhaal spielt einen belächelten Zeitungscartoonisten, der sich immer intensiver und intensiver mit dem Zodiac-Killer beschäftigt. Mark Ruffalo und Anthony Edwards sind als Polizisten am Start, Robert Downey Jr. sehen wir als zunehmend abgewrackten Journalisten, Brian Cox glänzt in einer launigen Nebenrolle. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. David Fincher gelingt eine ansprechende Mixtur aus Ermittlungsarbeit und privaten Dramen, der über 160 Minuten laufende Director's Cut kam mir keine Sekunde zu lang vor. Im Gegenteil, ich hätte den Stoff lieber auf eine kleine Filmreihe mit sechs bis zehn Stunden Laufzeit ausgedehnt gesehen.

    Mir liegt die UK-BD bereits seit einigen Jahren vor, ich kam allerdings erst jetzt zur Sichtung. "Zodiac" kommt in schöner Qualität auf den Bildschirm, obendrauf gibt es jede Menge Bonusmaterial, eine sehr gute Scheibe. Wer (auch) ruhiger angelegte Thriller mag kommt auf seine Kosten, kein Film für Hektiker!

    7/10 (gut)



    • Cop Out - Geladen und entsichert (USA 2010) - Komödie um ein ungleiches Cop Duo. Bruce Willis spielt locker seinen Stiefel runter, Tracy Morgan überschreitet leider zu häufig die Grenze zur Nervensäge. Die debile Marschrichtung macht nicht vor ein paar brauchbaren Actionansätzen halt, unterm Strich sicher keine Pflichtveranstaltung.

    Ich mag den ollen Bruce, daran ändern auch kleine und mittelschwere Fehltritte nichts. "Cop Out" gab es für schlappe 5€ auf BD, da konnte mein Sammlerherz nicht widerstehen. Es kam nicht so schlimm wie befürchtet, die insgeheim erhoffte Perle ist die Sause auch nicht, der Flick unterhält einigermaßen brauchbar. Kann man schauen, muss man aber nicht.

    Freundliche 5/10 (ohne Bruce Willis wären höchstens 4/10 drin)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum30.09.2012 13:13
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 9 (Folgen 121-135)

    Folge 135 - Familie im Feuer (Deutschland 1985)

    Wer zog die Notbremse?

    Für Familie Bohl läuft es seit einiger Zeit nicht gut. Walter Bohl (Henry van Lyck) ist arbeitslos, sein Sohn Ulrich (Hans-Georg Panczak) hat ebenfalls keinen Job, Tochter Anna (Beate Finckh) ist nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Lediglich Walters Ehefrau Thea (Ida Krottendorf) steht momentan im Berufsleben, hat die gemeinsame Wohnung jedoch verlassen. Anna ist zunehmend beunruhigt, ständig trifft sich ihr Vater mit einem gewissen Franz Weiler (Dirk Galuba). Walter Bohl droht in kriminelle Machenschaften verwickelt zu werden, Weiler plant offenbar einen grösseren Bruch. Damit nicht genug, Franz Weiler nötigt Walter Bohl eine Schusswaffe auf. Mittags taucht Anna bei ihrer Mutter auf und sucht das Gespräch, am Abend wird Gauner Weiler im Hof seines Wohnhauses aus der Dunkelheit heraus erschossen. Walter Bohl gerät in Panik, denn der ihm überlassene Revolver ist verschwunden ...

    Herny van Lyck wird gern als arrogant-kühler Fatzke besetzt, hier darf er sich von einer anderen Seite zeigen. Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg haben Walter Bohl in Depressionen gestürzt, falsche Freunde wollen für den Beginn einer Karriere als Ganove sorgen. Interessant und nah an der Realität die von van Lyck stark gespielten Stimmungsschwankungen. So glauben wir in den ersten Minuten einen widerlichen Kerl zu sehen, der mit seinen erwachsenen Kindern übel umgeht. Dieser erste Blick täuscht, Walter Bohl liebt seine Familie, sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus der Tristesse des Alltags. Beate Finckh gefällt als mutige Tochter, ihre Anna kämpft trotz eines schweren Unfalls um ihre nahen Menschen und die eigene Gesundheit. Hans-Georg Panczak und Ida Krottendorf bleiben in diesem Rahmen fast ein wenig unscheinbar, spielen aber fraglos überzeugend und tadellos. Dirk Galuba darf einmal mehr den unsympathischen Schurken geben, Gesichtsruine unter Dampf. Neben Herny van Lyck und Beate Finckh ist für mich Alice Treff der Star dieser Folge, wir dürfen die alte Dame als Mutter des Mordofpers bewundern. Alice Treff spielt unglaublich intensiv und anrührig, trotz weniger Szenen trifft ihre Vorstellung mitten ins Herz.

    Für manchen Zuschauer mögen die rasch wechselnden Gemütsverfassungen innerhalb der Familie Bohl eine Spur zu dick aufgetragen anmuten. Aus meiner Sicht gelingt eine glaubwürdige und zupackende Darstellung, allerdings rückt die eindringliche Zeichnung der Bohls den Kriminalfall (fast) in den Hintergrund. Unter Druck rückt man zusammen, hinter der ramponierten Fassade gibt es noch jede Menge Leben, Liebe und vielleicht sogar einen kleinen Silberstreif am düsteren Horizont. Derrick und Klein belassen es bei routinierter Arbeit ohne grössere Höhepunkte, Tappert und Wepper erledigen ihren Job weitgehend unaufgeregt, Derrick drückt pünktlich zum Finale die richtigen Knöpfe. Passend zur (vordergründig) depressiven Atmosphäre klatschen uns graue Hinterhöfe auf die Augen, Einblicke in die Halbwelt Münchens gibt es in Form einer ranzigen Bar inklusive leichter Damen. Regisseur Zbyněk Brynych baut auf echte Gefühle anstatt Kitsch, entlockt den Damen und Herren vor der Kamera grandiose Leistungen. Während der Abspann über die Glotze rollt, bleibe ich in Gedanken versunken zurück, Trauer und Hoffnung stehen als meterhohe Ausrufezeichen dieser Folge im Raum. Eberhard Schoeners Musik hat mich diesmal nicht auf ganzer Linie überzeugt, passt aber letztlich recht gut zum Geschehen. "Familie im Feuer" beschliesst die neunte Derrick Box auf gutem Niveau, ich freue mich auf die nächste Scheibensammlung.

    7/10 (gut)



    Die Höhepunkte der neunten Box:

    • Folge 126 - Toter Goldfisch (Zbyněk Brynych)
    • Folge 129 - Ein unheimlicher Abgang (Jürgen Goslar)
    • Folge 131 - Lange Nacht für Derrick (Dietrich Haugk)
    • Folge 132 - Kranzniederlegung (Zbyněk Brynych)

    Eine starke Spitzengruppe, der ganz grosse Höhepunkt ist in dieser Box jedoch nicht zu finden. Hinter den Topfolgen tummelt sich gewohnt guter Stoff, nur wenige Folgen fallen leicht ab.

  • Zitat von athurmilton im Beitrag #3
    Ich habe gerne alles auch auf Deutsch, was bei der UK-Box nicht der Fall ist!

    Dabei hätte ich auf die Craig-Bonds verzichten können, alle anderen schaue ich mir auf jeden Fall mehrfach an.

    Dass es die bisher nicht einzeln auf Blu-Ray erschienenen Filme noch einzeln geben wird in Zukunft, ist noch gar nicht sicher, wenn auch wahrscheinlich. Aber so viel Platz und (ein Jahr?) lang warten, neee, danke!


    Woher stammt die Information, dass die UK-BDs keinen deutschen Ton haben? Auf den zuvor veröffentlichten Einzelscheiben aus GB waren die deutschen Synchros enthalten. Laut meiner Info enthalten alle Scheiben der UK-Box (bis auf einen Craig) auch eine deutsche Tonspur.

    Ich bin mir sicher, die bisher fehlenden Titel kommen auch einzeln, bei Bond reisst der Faden der Veröffentlichungen nicht ab.

  • Beim Import aus Großbritannien wird es günstiger. Z. B. Amaton.co.uk umgerechnet rund 120€.

    Die Box macht einen guten Eindruck. Allerdings habe ich bereits neun Bond-Streifen auf BD (und zusätzlich alle bis "Die Welt ist nicht genug" auf DVD). Ergo werde ich mir die bisher auf BD fehlenden Werke mit Connery, Lazenby und Moore einzeln auf BD kaufen, Brosnan brauche ich nicht auf BD, eigentlich gar nicht.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum26.09.2012 00:23
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


    Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


    Folge 14 - Bumerang (Deutschland 1978)

    Breitensport Ehebruch? Alfred verliert den roten Faden. Sehr angenehm!

    Laura Mattis (Eva Berthold) wird in ihrem Badezimmer erschossen. Kommissar Köster sucht den Vermieter des Opfer auf, offensichtlich verband Dr. Werner Berger (Hans Caninenberg) eine intime Beziehung mit Laura Mattis. Pikant, denn am Abend des Mordes besuchte Dr. Berger seine Geliebte in deren Wohnung. Berger bekennt sich gegenüber Köster ohne grössere Umschweife zu seiner Affaire. Freilich soll die betrogene Ehefrau Vera (Alwy Becker) nach Möglichkeit nichts von den Ausschweifungen erfahren. Doch die wohlhabende Dame weiss bereits viel mehr als ihr Gatte zunächst ahnt, nebenbei spuckt Vera nicht in die Suppe, mit ihrem Bekannten Bernd Hartog (Joachim Ansorge) fröhnt sich nicht nur der Reiterei auf gesattelten Vierbeinern. Bei der Obduktion des Mordopfers stellt die Gerichtsmedizin eine Schwangerschaft fest, wollte Dr. Berger sich eventuell seiner lästig gewordenen Stossdame entledigen? Laura verdiente ihre Brötchen als Übersetzerin, für ihren Auftraggeber Dr. Kargus (Richard Münch) sollte sie vertrauliche Unterlagen bearbeiten. Nun sind diese Schriftstücke verschwunden, ein gewisser Carlo Girotti (Michael Maien) bietet Dr. Kargus die Dokumente an, selbstverständlich gegen eine kleine finanzielle Entschädigung. Für Köster wird Girotti zunehmend interessant, in Lauras Wohnung finden sich eindeutige Hinweise auf eine Bekanntschaft zwischen dem Gauner und der Toten ...

    Hans Caninenberg fiel mir bereits in einigen Derrick Folgen positiv auf. Oft verkörpert er überzeugend brave Bürger aus den oberen Schichten unserer Gesellschaft, hinter der biederen Fassade toben Ängste und Begierden, erneut gelingt Caninenberg eine solide Vorstellung. Alwy Becker gefällt als attraktive, starke und abgeklärte Frau, Joachim Ansorge setzt ihr als unliebsam gewordener Lustbubi zu. Roland Renner soll als Sohn/Stiefsohn der Eheleute Becker für Spannung sorgen, an Verdächtigen mangelt es hier nicht, gleichwohl bleibt Renners Darbietung eher beliebig. Es macht wenig Sinn alle Nebendarsteller aufzuzählen, da einigen Beteiligten sowieso kaum Raum zu Entfaltung bleibt, überdies ihre Beiträge zur Story unerheblich anmuten. Mir sei an dieser Stelle der Hinweis auf Xenia Pörtner gestattet, die Freundin des Alten ist immer eine Bereichung, verleiht der Reihe zusätzlichen Wiedererkennungswert und einen Hauch herzlich-humoriger Wärme.

    Alfred Vohrer zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, das Drehbuch zu "Bumerang" geht ebenfalls auf seine Kappe. Der Mord an einer hübschen Geliebten ist sicher kein schlechter Aufhänger, leicht lassen sich diverse Verdächtige in die Handlung einbauen. Vohrer will in dieser Hinsicht zu viel, wir bekommen es mit einem Wust aus Motiven und Verdächtigen zu tun. Im Wettkampf der Vertuschungen, Erpressungen und Psychosen, taumelt das überambitionierte Baby des Herrn Vohrer zwischen Oberflächlichkeiten und bewegenden Momenten umher. Gewinnendes Versagen und großartiges Handwerk gehen Hand in Hand! Während der Plot die Gemeinde -aus nachvollziehbaren Gründen- nicht durch die Bank zu Jubelstürmen veranlasst, trifft das Treiben auf den Spielfeldern Atmosphäre, Kulissen und Humor nahezu perfekt das Zentrum der Freude. Zunächst darf ich mich an der Wohnung des Opfers erfreuen, was für ein prächtig-geschmackloser Tempel der Lust, siebziger Jahre pur, ich liebe es! Während der Außenaufnahmen zeigt uns Vohrer den weißgrauen Winter in und um München, meine Jahreszeit, meine heisskalte Liebe. Wohlgefühl mit Lowitz, Ande und Pörtner, der Alte feiert mit Sklave und Freundin Geburtstag. Hoch die Tassen, zumindest bis das Telefon schrill auf sich aufmerksam macht, die Pflicht ruft immer und überall. Klar, Cheftrottel/Trottelchef Millinger darf nicht fehlen. Geschätzte 135 Kilo geballte Ignoranz prallen mit Ausdauer auf den Alten, locker lässt Köster den Klops abprallen, stellt ihm bei Bedarf schlemisch grinsend ein Bein. Für die Musik sorgte Frank Duval, für meine Ohren eine seiner besseren Arbeiten. "Bumerang" zeigt uns den "Popanz-Vohrer" im Gewand des späten "Seriös-Vohrer", manche Fontäne entpuppt sich als flaues Fürzchen, viel gewollt und einiges in den Sand gesetzt. Wie eine gewaltige Zielscheibe bietet "Bumerang" für Kritik jeder Art eine üppige Angriffsfläche, aus meiner Sicht federt der ungeheuer grosse Unterhaltungswert sämtliche Einschläge ab.

    7,5/10 (gut bis sehr gut)

  • In den letzten Nächten gab es Alien in Hülle und Fülle auf Augen und Ohren, alle vier Teile der Saga. Zu Inhalt und Qualität muss nicht viel gesagt werden, ergo fasse ich extrem kurz. Bisher stand die alte "Legacy Box" im Regal, inzwischen haben die DVDs Gesellschaft bekommen, beim Preis von schlappen £9.97 musste ich zusätzlich die britische BD-Box ins Haus holen. Ich bin mit der Umsetzung zufrieden, ferner liegt jeder Film in zwei Schnittfassungen vor.

    "Alien" bevorzuge ich in der alten Kinoversion, sie gefällt mir etwas besser als der flotter geschnittene Director's Cut. Anders ist es um den DC von "Aliens" bestellt, der mit mehr Tiefe und Atmosphäre die Kinofassung deckelt. So unangetastet die beiden ersten Teile auf ihren Sockeln stehen, so kontrovers lässt sich über den dritten und vierten Aufguss diskutieren. "Alien³" gefällt mir in der "Special Edition" Variante gut, zwar teils noch unrunder als die Kinoversion, doch letztlich saugt mich die düstere Stimmung energischer in sich hinein. Bezüglich "Alien: Resurrection" bin ich auch nach mehrfacher Sichtung angenehm unentschlossen. Parodie, grosse Kunst oder haltloser Unfug? Von allen Zutaten etwas, im Ergebnis kurzweilig, unterhaltsam, amüsant.

    Der Import aus Großbritannien schlägt auch inklusive Versandkosten kaum ins Kontor, weniger als 4€ pro Scheibe werden fällig! Sogar Englischmuffel kommen auf ihre Kosten, alle Filme liegen auch in deutscher Sprache vor. Wer auf die Bonusscheiben verzichten kann, tätigt mit dieser Ausgabe der Alien-Saga eine erstklassige Anschaffung!

  • Eure DVDsDatum24.09.2012 11:55
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Eure DVDs

    Zitat von Gubanov im Beitrag #1219
    Zweites. Box 1 hat generell kein Booklet, das ist schon richtig so.


    Danke für den Hinweis.


  • DVD von Code Red



    The People Who Own The Dark (Spanien 1976, Originaltitel: Último deseo)

    Die letzte Orgie?

    Ab und zu trifft sich eine kleine Gruppe angesehener Mitglieder unserer Gesellschaft auf einem abgelegenen Landsitz. Angesehene Diplomaten, seriöse Geschäftsleute und elitäre Wissenschaftler vergnügen sich mit attraktiven Damen, in einem würdevollen Kellergewölbe huldigt man dem Erbe des Marquis de Sade. Kaum hat Hausherrin Lily (Maria Perschy) ihre keine Begrüßungsrede vom Stapel gelassen und der Abend begonnen Fahrt aufzunehmen, wird das gesamte Anwesen wie von einem mächtigen Erdbeben durchgerüttelt. Professor Fulton (Alberto de Mendoza) erkennt die Ernsthaftigkeit der Lage, irgendwo in der Ferne muss es zu einer gewaltigen Explosion gekommen sein, der befürchtete Atomkrieg ist ausgebrochen! Zunächst haben die Freunde der Gelüste keinen sichtbaren Schaden genommen, der Aufenthalt unterhalb der Erdoberfläche verhinderte das Schlimmste. Dem Hauspersonal ausserhalb des Kellers ist weniger Glück beschieden, blind und mit Tode ringend taumeln sie dem Verderben entgegen. Radio und Telefon sind ausgefallen, niemand kann den Ort des Bombeneinschlags bestimmen. So beschliesst man sich im Gewölbe vor der Strahlung zu schützen, am folgenden Morgen sollen Nahrungsmittel aus dem nächsten Dorf herbeigeschafft werden. In der kleinen Ortschaft wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich, sämtliche Einwohner befanden sich auf einem Fest und irren blind und verzweifelt umher. Es kommt zu einer fürchterlichen Eskalation, mehrere Bewohner des Dorfes werden von dem durchdrehenden Victor (Tomás Picó) erschossen. Nur mühsam und zu spät gelingt es der Gruppe um Professor Fulton und den wohlhabenden Borne (Paul Naschy) den Aggressor zu stoppen, der ebenfalls völlig überforderte Dr. Robertson (Ricardo Palacios) erwürgt den Schiesswütigen. Nach diesen Ereignissen müssen die Damen und Herren nicht nur die Folgen des Atomkriegs fürchten, die erblindeten Dorfleute wollen eine offene Rechnung um jeden Preis begleichen...

    León Klimovsky verdanken wir einige prächtige Streifen, vor allem die Zusammenarbeit des Regisseurs mit Spaniens Horror-Ikone Paul Naschy war äusserst fruchtbar. Hier ein paar aussagekräftige Beispiele:

    • Die Nacht der Vampire (La noche de Walpurgis, 1971)
    • Blutrausch der Zombies (La rebelión de las muertas, 1972)
    • Todeskreis Libelle (Una libélula para cada muerto, 1974)

    "The People Who Own The Dark" baut auf ein übliches Endzeitszenario, nach dem Atomkrieg muss sich eine kleine Gruppe Überlebender gegen mordlüsterne Häscher zur Wehr setzen. Was sich zunächst als wenig kreatives Fundament präsentiert, wird durch zahlreiche Wildereien in verwandten Genres zu einem ganz besonderen Filmerlebnis. Der Streifen verzichtet völlig auf zerstörte Städte und trostlose Wüstenlandschaften oder graue Kiesgruben, lediglich im kurzen und heftigen Finale sieht es tatsächlich ein wenig nach Endzeit aus. Interessanterweise bettet Klimovsky das Geschehen in einen herrschaftlichen Landsitz ein, freilich inklusive Kellergewölbe, dieses Umfeld scheint wie geschaffen für einen klassischen Gruselstreifen. Vor dem Atomschlag streicht kurzzeitig ein Hauch prickelnder Erotik unsere Wangen, später mutet die Bedrohung durch die blinde Dorfbevölkerung wie eine Belagerung durch Zombies an, obendrauf gibt es eine kleine Liebesgeschichte. Zunehmend kippt die Stimmung innerhalb der Gruppe, entwickelt die um sich greifende Zerstörung der Harmonie eine gefährliche Dynamik. Der offensive Brückenschlag zurück zur Endzeitthematik erfolgt in den letzten Minuten, zu Klängen aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie schlägt uns León Klimovsky mit voller Wucht in den Magen, zynische Kälte und grosse Kunst prallen wie ein gewalter Vorschlaghammer auf Herz und Hirn des Zuschauers! Großartig! "Último deseo" bereichert das Thema Endzeit durch Ausflüge in andere Bereiche, überschüttet mich geradezu verschwenderisch mit Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit, haut mir abschliessend dennoch mit aller Wucht in die Fresse, vielen Dank dafür!

    Werfen wir einen Blick auf die Damen und Herren vor der Kamera. Alberto de Mendoza macht einen verdammt guten Job, sichert sich als Professor Fulton mit "herzlicher Intelligenz" meine Zuneigung. Der in Argentinien geborene Schauspieler ist Freunden gepflegter Euro-Unterhaltung kein Fremder, er wirkte in unverzichtbaren Gialli wie z. B. "Der Killer von Wien" (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1970) und "Der Schwanz des Skorpions" (La coda dello scorpione, 1971) von Sergio Martino mit. Meine Begeisterung für Paul Naschy ist kein Geheimnis. Diesmal gibt er nicht den tragischen Werwolf mit Herz oder einen anderen Horrorknuffel, er agiert unter Druck mehr und mehr egoistisch und bösartig, Herr Naschy überzeugt auch als Charakterschwein. Bemerkenswert der Auftritt von Ricardo Palacios, in der Rolle des dicklichen Dr. Robertson verliert er zunehmend die Contenance, verliert sich im Wahnsinn. Auf den ersten Blick vielleicht albern, letztlich bedrückend und anrührend. Es soll nicht zu ausufernd geraten, daher möchte ich mich nun den Damen zuwenden. Maria Perschy fungiert als Puffmutter der besseren Sorte, nebenbei knabbert Lily noch immer an tiefgehendem Liebeskummer, unterhielt einst eine lesbische Beziehung zu Berta (Teresa Gimpera). Es wäre sicher reizvoll Maria Perschy und Teresa Gimpera mehr Raum zur Reaktivierung ihrer Leidenschaft zu gewähren. Dies geschieht nicht, für zu viele Nebenschauplätze bleibt kein Raum. Bei genauer Betrachtung eine gute Entscheidung, schliesslich sorgt die aufkeimende Liebe zwischen Professor Fulton und Clara für entsprechende Momente. Clara wird von der bezaubernden Nadiuska gespielt, eine höchst erotische Dame mit wunderschönen Augen und sinnlichen Lippen, mein Puls kommt beim Gedanken an die Dame auf Touren. Kaum weniger reizvoll Julia Saly, die mich einmal mehr mit ihrer etwas eigenwilligen Schönheit betört. Ich liebe Julia Saly für ihre fantastische Darbietung der Blutgräfin Bathory im Naschy-Klassiker "The Night of the Werewolf" (El retorno del Hombre-Lobo, 1981), bei dem Meister Naschy als Waldemar Daninsky unterwegs ist und weiterhin für die Regie verantwortlich zeichnet. Julia Saly ist in dem hier kurz vorgestellten Film weit von der perversen Gräfin entfernt, sie zeigt uns ihre zarte und zerbrechliche Seite, das Drehbuch nutzt die Rolle der Marion für einen kleinen Nackenschlag, nicht immer hat eine milde Gabe an einen Bettler gnädige Folgen. Diana Polakov und Leona Devine sind nett anzuschauen, ich möchte meine Zeilen zum Ensemble damit beschliessen.

    Endzeit aus einem anderen Blickwinkel, gewürzt mit bewährten Zutaten aus dem Genreumfeld. Diese Ausrichtung funktioniert ganz vorzüglich, ich musste mir den Film gleich mehrfach hintereinander zu Gemüte führen, er wird in Zukunft immer wieder ein gern gesehener Gast in meinem Player sein! León Klimovsky lieferte mit "Último deseo" wohl einen seiner besten Streifen ab, ich bin restlos begeistert! Geschickt streut der Auftakt kleine Hinweise auf das kommende Inferno, um dann clever (fast) ohne "Endzeitoptik" im Gewand anderer Genres unterhaltsam und kurzweilig 80 Minuten für wohlige Schauer zu sorgen, gekrönt durch den harschen Kontrast des schmerzhaft-intensiven Finales. Zerfall einer dekadenten Gesellschaft, mit Konsequenz und ohne Gande zu Ende geführt.

    Von Code Red kommt die DVD zum geneigten Filmfreund ins Haus, die Scheibe ist unter http://www.codereddvd.com direkt beim Erzeuger zu beziehen. "The People Who Own The Dark" ist in zwei Varianten enthalten, eine wurde von einer 35mm Kopie abgetastet, alternativ liegt der Transfer eines alten 1-Zoll-Videos vor. Auf dem Cover wird auf die Verfassung der 35mm Kopie hingewiesen: "Brand new telecine from an abused, scratched and beat-up 35mm print that went vinegar!" Ja, der ramponierte Zustand ist nicht zu übersehen, sorgt aber für ein tolles "Kinofeeling", die Kratzer und Rumpeleien stören mich keinesfalls, Farben und Schärfe sind solide. In der Tat erinnert mich diese Präsentation an die abnudelten Kopien anderer Filme, die ich in meiner Kindheit im alten Dorfkino geniessen durfte. Damals wurde der Grundstein für meine Filmleidenschaft gelegt, aber ich will mich nicht allzu sehr in diesen lange zurückliegenden Nachmittagen suhlen (Lüge! Ich will, ich will, ich will!!!). Auf der DVD befinden sich zusätzlich ein paar Trailer zu Titeln aus dem Labelprogramm. Klare Kaufempfehlung meinerseits, die Scheibe ist übrigens codefree.

    Uff, schon wieder das Zahlenraster. Zunächst belasse ich es bei sehr feisten 8,5/10 (sehr gut bis überragend)! Selten treffen Wohlgefühl und Boshaftigkeit derartig stimmungsvoll aufeinander! Pflicht!

    Lieblingszitat:

    "An Explosion! A big one, maybe more than one!"

  • Die vergangenen Abende in Ultrakurzform:


    • On the Run (Frankreich 2011) - Franck (Albert Dupontel) soll bald aus dem Gefängnis entlassen werden. Der wegen eines Raubes verurteilte Ganove freut sich auf die Zukunft, treue Ehefrau und kleine Tochter erwarten ihn, die Kohle aus dem Beutezug liegt sicher in einem clever gewählten Versteck. Als sich die Lage im Knast deutlich verschlechtert und die Haftdauer verlängert wird, baut Franck in seiner Not auf die Hilfe des unscheinbaren Zellengenossen Jean-Louis (Stéphane Debac). Dessen Entlassung steht unmittelbar bevor, Jean-Louis saß unschuldig im Bau. Schnell stellt sich Francks Entscheidung als fürcherliche Fehleinschätzung heraus, nun muss er um jeden Preis aus dem Knast entfliehen! Eine atemlose Jagd durch Frankreich nimmt ihren Lauf, die Polizistin Claire Linné (Alice Taglioni) ist dem Flüchtling hart auf den Fersen...

    Starker Stoff aus unserem Nachbarland. Albert Dupontel kommt zunächst wenig sympathisch rüber, nach und nach erobert Franck das Herz des Zuschauers, fiebern wir mit dem gejagten Jäger um die Wette. Stéphane Debac darf sich von einer ausnehmend ekelhaften Seite zeigen, Alice Taglioni spielt solide auf, in einer Nebenrolle ist die attraktive Caterina Murino zu bewundern. Action, Spannung und interessante Charaktere, stimmungsvolle Kulissen und eine moderne -aber nicht übertrieben hektische- Inszenierung. Eric Valette liefert mit "La proie" einen packenden Mix aus Action und Thriller ab, lediglich das Ende dürfte für meinen Geschmack eine Spur herber abgeschmeckt sein. Die Blu-ray von Atlas Film (im Vertrieb von Koch Media) präsentiert den Streifen in toller Qualität, neben der deutschen Synchronisation liegt der Ton auch im französischen Orignal vor.

    Dicke 7,5/10 = gut bis sehr gut! Vermutlich geht da noch was, ich freue mich auf die nächste Sichtung! Klare Kaufempfehlung!



    • American Pie präsentiert: Die nächste Generation (USA 2005) - Matt Stiffler ( Tad Hilgenbrink) eifert seinem Vorbild und grossen Bruder nach, zwecks Erziehungsmaßnahme schickt ihn der Sherminator (Chris Owen) ins Sommercamp für Schulorchester. Matts Mitschülerin Elyse (Arielle Kebbel) dirigiert eine dieser Kapellen, die junge Frau ist entsetzt, was hat den kleinen Stiffler in ihr Reich verschlagen?

    Ich mag "American Pie" (1999) und "American Pie 2" (2001) wirklich gern, manchmal steht mir der Sinn nach debilen Teenie-Klamauk-Streifen. "American Pie - Jetzt wird geheiratet" (2003) ging mir auf die Nerven, vergällte mir die Lust auf weitere Filmen der Reihe. Dennoch landete die Scheibe mit der nächsten Generation vor ein paar Jahren in meiner Sammlung, nun war es endlich an der Zeit für die Erstsichtung. Ich fasse mich kurz, an den Unterhaltungswert der beiden ersten Sausen kann dieses Machwerk nicht anknüpfen, den dritten Teil deckelt der kleine Nachzügler jedoch. Übliche Klischees und flache Witze, insgesamt zu brav und mit Kitsch-Finale. Teenie-Schund für den kleinen Hunger, doof und irgendwie kurzweilig. Bevor ich es vergesse, der unkaputtbare Eugene Levy ist erneut an Bord.

    Nur für tolerante Filmfreunde mit Hang zum Schwachsinn geeignet. Ich mag den Streifen, ziehe freundliche 5,5/10.





  • Detention - Die Lektion heißt Überleben (Kanada 2003, Originaltitel: Detention)

    Dolph! Vertrauenslehrer für alle Fälle!

    In den frühen neunziger Jahren war Sam Decker (Dolph Lundgren) Mitglied einer Spezialeinheit der Army, die im Krieg auf dem Balkan mit heiklen Missionen betraut war. Inzwischen liegt diese Zeit rund zehn Jahre zurück, Decker verdient seine Brötchen als Lehrer an einer High School. Da er mit diesem Job nicht mehr sonderlich glücklich ist, reicht er bei seinem Chef kurz vor dem Wochenende die Kündigung ein. Der Schuldirektor lässt die gute Lehrkraft nicht gern ziehen. Als kleine "Rache" würgt er Decker die undankbare und nervige Aufgabe rein, die am Freitagnachmittag zum Nachsitzen verdonnerten Kids zu beaufsichtigen. Decker stellt sich auf einen langweiligen Nachmittag ein, doch von Langeweile kann bald nicht die Rede sein! Vier Schwerverbrecher dringen in das Schulgebäude ein, wollen dort ihre Vorbereitungen für einen cleveren Raubzug durchziehen. Die Bande hatte lediglich den Wachmann auf der Rechung, schnell stellen die unfreundlichen Eindringlinge fest, dass sich noch ein Lehrer und vier Schüler im Gebäudekomplex befinden. Damit aber noch nicht genug, denn in der Bibliothek ackert ein fleissiger Schüler Stoff durch, ein Pärchen treibt sich in den Räumlichkeiten der Haustechnik herum. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt, denn alle "offiziellen" Ausgänge des Schulgebäudes sind per Sicherheitssystem verriegelt, den "inoffiziellen" Ein-/Ausgang kennen bisher nur die skrupellosen Kriminellen. Hilfe von ausserhalb ist nicht zu erwarten, die Telefonleitungen wurden von den Bösewichtern vorsichtshalber gekappt. Handys sind ebenfalls nicht greifbar, schliesslich sind die kleinen Nervtöter innerhalb der Schule strikt untersagt. Kann Sam die Bande stoppen, welche Ziele verfolgen die Gauner tatsächlich???

    Die letzte Sichtung lag bereits vier Jahre zurück, daher habe ich den alten Kurzkommentar leicht überarbeitet.

    Hui, das war wirklich ein geiles Date mit einem feinen B-Actioner! "Detention" hat mir sehr gut gefallen, der starke Eindruck wurde durch die erneute Session gefestigt!

    Dolph zeigt sich in gewohnt guter Spiellaune, die übrigen Charaktere wurden brauchbar besetzt, verblassen aber im mächtigen Schatten des Meisters. Sicher gibt es diverse Szenen mit grotesken Momenten. So ballern die Gauner teils wild um sich, scheinen aber aus drei Metern Entfernung keinen Möbelwagen zu treffen. Eine herrliche Verfolgungsjagd darf nicht fehlen! Ein Schüler ist auf seinen Rollstuhl angewiesen, er flüchtet vor einem Gauner -der ihm per Motorrad (!) auf den Fersen ist- die beiden "rasen" ballernd durch die langen Gänge der Schule, herrlich bescheuert! Trotzdem artet es nicht in wirren Klamauk aus, man sollte allerdings schon ein gewisses Maß an Zuneigung für solche Übertreibungen aufbringen. Ansonsten geht die Inszenierung als sehr gelungen durch, handwerklich herrscht ein erstaunlich hohes Niveau. Mit Sidney J. Furie hat man einen alten Hasen für den Regiestuhl angeworben, eine sehr gute Wahl.

    Ich bin erneut sehr angetan von "Detention". Auch ohne meine übliche "Dolph-Brille" mag ich den Film sehr gern. Wobei Dolph -wie schon erwähnt, wie soll es anders sein- natürlich einen höllisch guten Job macht. Die DVD ist empfehlenswert, ordentliche Bildqualität, dazu eine Prise Bonusmaterial.

    Mir ist die geringe Begeisterung für diesen Film extrem rätselhaft. Aber was solls, ich bin eben ein alter Spinner mit kauzigen Vorlieben. Dolph regiert!

    Fette 8/10 = SEHR GUT!

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum17.09.2012 22:57
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 9 (Folgen 121-135)

    Folge 134 - Die Tänzerin (Deutschland 1985)

    Das gebrochene Herz der MILF

    Während die Lehrerschaft des Mädcheninternats auf ein Jubiläum anstösst, erlebt die Schülerin Katrin May (Dietlinde Turban) einen fürchterlichen Vorfall. Es herrscht bereits Nachtruhe, doch plötzlich schaut die junge Frau in den Lauf einer auf sie gerichteten Waffe. Der Hausmeister (Sepp Wäsche) bemerkt den Eindringling und schreitet ein. Nun peitscht ein Schuss aus der Knarre des Unbekannten und tötet den Hauswart, im Trubel kann der Täter unerkannt in der Dunkelheit verschwinden. Wer könnte ein Motiv haben, wer trachtet einem freundlichen Mädchen nach dem Leben? Ralf Becker (Robert-Wolfgang Jarczyk) war bis vor sechs Monaten mit Katrin zusammen, wurde damals verlassen und litt sehr unter der Trennung. Katrin verbringt seither viel Zeit mit dem deutlich älteren Dr. Rohner (Heinz Bennent), offenbar verbindet Katrin und Dr. Rohner eine tiefe Freundschaft. Rohner will diese Beziehnung um jeden Preis vor seiner Ehefrau (Ingrid Andree) verbergen. Erstaunlicherweise bekennt sich Dr. Rohner gegenüber den Kriminalbeamten ohne Zögerlichkeit zu seiner Zuneigung für Katrin, die er jedoch nicht als seine Geliebte bezeichnet. Noch bemerkenswerter verläuft das Gespräch mit Frau Rohner, auf deren Befragung Derrick und Klein im Laufe weiterer Ermittlungen selbstverständlich nicht verzichten können ...

    Dietlinde Turban wurde 1985 bereits 28 Jahre jung, hier stellt sie eine Achtzehnjährige dar. Sicher, Turban geht nicht mehr als achtzehn durch, aber erweist sich dennoch als sehr gute Wahl. Ihre Katrin May ist eine clevere und berechnende junge Frau, geistig weitaus reifer als die übrigen Schülerinnen. Zwar bringt Katrin ihrem deutlich älteren "Freund" viel Herzlichkeit entgegen, letztlich bleibt der Charakter ein wenig rätselhaft, daher interessant. Heinz Bennent hatte bereits grosse Auftritte im Rahmen der Reihe, man denke z. B. an seine fantastische Vorstellung in "Nachts in einem fremden Haus" (92). Stets umgibt Bennent eine "irgendwie neurotisch angehauchte Aura", mehr oder weniger stark ausgeprägt. Diesmal wird er als "Oberschichtler im zweiten Frühling" zum Spielball der eigenen Emotionen und des nahen (fernen?) Umfelds. Vielleicht nicht Bennents beeindruckendste Rolle im Derrick-Kosmos, fraglos einmal mehr ohne Fehl und Tadel vorgetragen. Faszinierend Ingrid Andree, die Ehefrau auf dem Abstellgleis der Gefühlskälte, eine Dame in der es brodelt und brodelt. Turban, Bennent und Andree (sowie Horst Tappert) dominieren das Geschehen, die Nebenfiguren bleiben überwiegend blass, abgesehen von kleinen Glanzlichtern. Nino Korda zieht als schleimiger Privatschnüffler vom Leder, Robert-Wolfgang Jarczyk taucht als Hauptverdächtiger häufiger auf, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck. Mit Manfred Seipold und Dieter Eppler gibt es bekannte Gesichter in kleinen Rollen zu sehen.

    Autor Herbert Reinecker legt mit "Die Tänzerin" ein mühselig konstruierten Kriminalfall vor, dessen Auflösung nicht unbedingt von glaubwürdiger Art ist. Freilich muss das kein Nachteil sein, in diesem Umfeld kommt mir das Drehbuch trotzdem unangemessen holprig vor. Zwischen Heinz Bennent und Ingrid Andree brennt die Luft, leider nutzt die Folge das Potential dieser "Paarung" nur halbherzig. Hier und da darf Bennent zu philosophischen Ausflügen ansetzen, auch Ingrid Andree versucht sich in dieser Disziplin, notfalls hat unser lieber Horst die passende Antwort im Gepäck. Regisseur Zbyněk Brynych ringt dem mittelprächtigen Drehbuch ein solides Ergebnis ab, kann sich auf die Klasse seines Ensembles verlassen. Sehr gut gefällt mir die Musik von Eberhard Schoener, welche stimmungsvoll und gekonnt zwischen experimentell und eingängig pendelt. Zusammenfassend kein Höhepunkt der Reihe, letztlich von den überwiegend starken Schauspielern und der soliden Regie lebend, trotz Schwächen reizvoll.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)


  • BD von Raro Video (USA)



    Murder Obsession (Italien, Frankreich 1981, Originaltitel: Follia omicida)

    Anita, Laura & Silvia - Gipfeltreffen der Eurokult-Halbgöttinnen (Aktualisierter Kurzkommentar)

    Michael (Stefano Patrizi) verdient seine Brötchen als Filmschauspieler. Nach langer Zeit besucht er seine Mutter (Anita Strindberg), die ein großzügiges Anwesen auf dem Lande bewohnt, dort von ihrem Hausdiener Oliver (John Richardson) umsorgt wird. Michael verbindet ein merkwürdiges Verhältnis mit seinem Muttertier, er stellt die mitgereiste Debora (Silvia Dionisio) lediglich als eine Mitarbeiterin vor, obwohl die junge Dame mit ihm Tisch und Bett teilt. Wenig später tauchen weitere Kollegen des Schauspielers auf, darunter eine attraktive Kollegin (Laura Gemser) und der Regisseur Hans (Henri Garcin). Niemand ahnt etwas von den schrecklichen Vorfällen, welche sich vor vielen Jahren in Michaels Kindheit zutrugen. Eine fürchterliche Bluttat prägt noch immer die Psyche des jungen Mannes, der im Knabenalter seinen eigenen Vater mit einem Messer erstach. Debora wird von Albträumen heimgesucht, erfährt von Michaels Mutter mehr über die finstere Vergangenheit ihres Lebensgefährten. Bizarre Morde brechen über die Besuchergruppe herein, die Grenze zwischen Fiktion und Realität beginnt zu verschwimmen. Wer steckt hinter den Gewaltexzessen? Wurde Michael von seinem Kindheitstrauma übermannt? Oder hat der geheimnisvolle, verschrobene Oliver seine Finger in diesem blutigen Spiel...???

    Bereits 1946 inszenierte Riccardo Freda seinen ersten Spielfilm. Bis 1969 entstand der größte Teil seines Schaffens, seine Beiträge aus den siebziger Jahren haben sich trotzdem nachhaltiger in meinem Gedächtnis eingeprägt. 1969 fügte er dem "Edgar Wallace Universum" mit "Das Gesicht im Dunkeln" ein interessantes Werk zu, Klaus Kinski durfte dort seine Qualitäten als Hauptdarsteller beweisen, Wallace-Fans bewerten den Film sehr unterschiedlich (ich mag den Streifen, was sicher nicht überraschend anmutet). 1971 kam Freda mit dem unterhaltsamen Giallo "Die Bestie mit dem feurigen Atem" (L'iguana dalla lingua di fuoco) aus der Kiste, 1972 gab es den herrlichen Grusler "Tragic Ceremony" (Estratto dagli archivi segreti della polizia di una capitale europea) zu bestaunen. Dies soll als kurzer Blick auf Fredas Filmographie genügen, ich wende mich nun "Murder Obsession" zu.

    Die letzte Regiearbeit Fredas kommt mit einer ordentlichen Dosis Gothic-Horror daher, wirft gialloeske Elemente in die Waagschalen des Blutes, kann mit einem sehr beachtenswerten, bemerkenswerten Ensemble auftrumpfen. Ich nutze gern Worte wie "Atmosphärenschmeichler" und "knuffig", auf diesen Film treffen sie in ganz besonderem Maße zu. Die Schauplätze machen keine Gefangenen, ein altes, großes und vor allem unheimliches Gemäuer, in dem ständig der Strom "ausfällt", Kerzen versuchen der Dunkelheit flackernd Paroli zu bieten. Flucht ausgeschlossen, selbstverständlich wird das Anwesen von einem Wald umschlossen, Schauplatz "feucht-glibbriger" und "nass-roter" Vorfälle. Seinen sinnlichen Höhepunkt erlebt der Flick während einer grotesken Traumsequenz, in der Silvia Dionisio auf eine gigantische Gummispinne trifft, Fledermäuse an Fäden durch das gruftige Ambiente schwirren, Blut aus Totenschädeln quillt. Klar, da geht mir das Herz auf, da kennt die Knuffigkeit keine Grenzen! Freda geht sogar einen Schritt weiter, er gönnt dem freudig erregten Zuschauer ein paar Blicke auf Frau Dionisios wohlgeformte Möpse. Ich bin im Himmel, einen schöneren Albdruck kann es nicht geben! Manch übler Nörgelbruder wird sich über die eigenwillige Spinne beschweren, doch was kümmert es mich, ich liebe solchen Unfug. Überwiegend fühlt sich das liebenswerte Treiben angenehm altmodisch an, scheint eher aus den späten Sechzigern/frühen Siebzigern zu stammen. Zwei, drei wüste Metzeleien sind offenbar dem Zeitgeist der frühen achtziger Jahre geschuldet, doch ausgerechnet diese kleinen Einlagen sind handwerklich katastrophal ausgeführt. Gehen die "anderen gezeigten Seltsamkeiten" als bewusstseinserweiternd durch, klatscht uns das Mettgut als purer Obertrash frontal in die Fresse. Fürs Phrasenschwein: "Weniger ist manchmal mehr". Mir haben diese Aussetzer keinesfalls den Spass geraubt, sie nagen an der Atmosphäre, richten aber letztlich keinen nennenswerten Schaden an. Bei Freda gehen Meisterschaft und Versagen ab und an Hand in Hand, was seine Filme noch tiefer und inniger in meinem Herzen verankert (Nachtrag: Versagen kann man Freda nicht anlasten, die FX-Menschen tragen die Verantwortung. Mich stören diese Einschübe auch nach erneuter Sichtung nicht, sie verleihen dem Werk einen dezent "theaterhaften" Anstrich).

    Den Damen gewähre ich gern den Vortritt, auf geht es! Silvia Dionisio ist immer einen Blick wert, spätestens seit "Horror-Sex im Nachtexpress" (La ragazza del vagone letto, 1979) hat sie einem Platz auf meinem Altar sicher. Die Rolle der Debora ist ein harter Job, Silvia besteht die Prüfung mit ihrem natürlichen Sexappeal, dem ich mich zu keiner Sekunde entziehen kann (warum sollte ich auch?). Laura Gemser verkörperte in etlichen Sausen die legendäre "Black Emanuelle", wälzte sich in zahlreichen Erotikstreifen im heissen Sand und auf bebenden Matratzen. Ganz ohne Nummer kommt sie auch unter Freda (unter Freda, huhu) nicht aus, wandelt aber überwiegend auf züchtigen Pfaden. Laura in einer (fast) etwas anderen Rolle, sehr angenehm. (Fast) noch bemerkenswerter ist das Wiedersehen mit der Schwedin Anita Strindberg, die in der ersten Hälfte der siebziger Jahre in erstklassigen Gialli mitwirkte, zu den weiblichen Stars des Genres zählte. Titel wie "Der Schwanz des Skorpions" (La coda dello scorpione, 1971) und "The Child - Die Stadt wird zum Alptraum" (Chi l'ha vista morire, 1972) sprechen für sich. Strindberg präsentiert sich deutlich gereift, ihre Darbietung geht weit über das nette Blondchen hinaus. Ihrem Filmsohn kommt sie unangemessen nahe, eine rätselhafte Aura umgibt die Hausherrin, was steckt hinter der edlen Fassade? Martine Brochard will ich nicht unterschlagen, sie geht im Vergleich zum "Mega-Trio" fast ein wenig unter, dient als positiv zu bewertende Ergänzung. Frauenpower der Oberklasse, kein leichtes Spiel für die Männlein. Stefano Patrizi spielt den grossen, verwirrten und unsicheren Jungen gelungen, sein eher unscheinbares Äußeres erweist sich dabei als hilfreich. Henri Garcin gibt den "Ergänzer" im Männerteam, John Richardson fällt die interessanteste Rolle zu. Sein Oliver ist ein seltsamer Kerl, der nicht nur den anwesenden Damen eine Gänsehaut verpasst. Zusammenfassend: Eine starke Truppe! Wo bekommt man schon Silvia Dionisio, Laura Gemser und Anita Strindberg in einem Film zu sehen?

    "Murder Obsession" ist (mal wieder) einer dieser Filme ... Eine dieser Super-Sausen, ein Streifen der mein Herz im Sturm erobert. Freda leistet sich hier und da ein paar Schnitzer, die Effektmenschen greifen teilweise tief ins Schüsselchen. Na und??? Warum sollte ich diesem Atmosphärenhammer-Knuffelchen in die Wade beißen, es gibt keinen verdammten Grund dafür! Groteskes Ungetüm, saftiges Obst, Abgründe des Grauens. Riccardo Freda setzt seiner letzten Regiearbeit mit einem tiefschwarzen Ende die Krone auf, danke dafür!

    Die obigen Zeilen entstanden im November des vergangenen Jahres, damals nach Sichtung der DVD aus Italien. Vor allem im Nischenbereich hat die DVD noch längst nicht ausgedient, viele Titel erscheinen nach wie vor nicht auf BD, kleine Label legen teils erstklassige DVD-Auswertungen vor. Über die alte Ausgabe von "Murder Obsession" lässt sich leider wenig Gutes sagen, um die BD ist es glücklichweise weitaus besser bestellt! Endlich lässt sich Riccardo Fredas letzte Regiearbeit in angemessener Verfassung geniessen! Ferner bietet die Blu-ray zwei unterschiedliche Versionen an, die längere Fassung aus Italien (im O-Ton mit englischen Untertiteln) und eine etwas kürzere Version in englischer Sprache. Auch der Bonusbereich hat eine Aufwertung erfahren, mehr Interviews und ein Booklet liegt ebenfalls wieder bei. Klarer Pflichtkauf, meine DVD freut sich sehr über ihre blaue Schwester. Tipp: Beschafft euch zusätzlich Fredas "Tragic Ceremony", geniesst während einer lauschigen Herbstnacht ein herrliches Double Feature!

    Es bleibt bei sehr dicken 7,5/10 (gut bis sehr gut), bei der nächsten Sichtung sind vermutlich 8/10 fällig!

    Lieblingszitat:

    "Your Mother is a Monster of evil" (Welch infame Unterstellung!)


    ***


    Ferner im Player:


    • Ironclad (Großbritannien, USA 2011) - Eine kleine Gruppe Rittersleut muss um jeden Preis eine Burg halten, die zahlenmäßig weit überlegene Gegnerschaft benötigt einen langen Atem.

    Als Aufhänger dient die Magna Carta, doch "Ironclad" will keinen Geschichtsunterricht bieten. James Purefoy hinterlässt als unbeugsamer Templer einen ordentlichen Eindruck, Brian Cox gefällt als kerniger Widersacher des irren Paul Giamatti (sehr stark). Hier geht es blutig und räudig zur Sache, ruppige Unterhaltung mit diversen Verschnaufpausen. Insgesamt durchaus stimmungsvoll in Szene gesetzt und sehr ansprechend auf BD präsentiert.

    Zunächst 6,5/10 (da geht noch was)



    • Meltdown - Wenn die Erde verbrennt (USA 2006) - Casper Van Dien und andere Gestalten stolpern durch ein Katastrophenszenario. TV-Produktion hin oder her, dieses Filmchen macht in erster Linie durch Versagen an allen Fronten auf sich aufmerksam.

    Fast entwickelt "Meltdown" trashige Qualität, vielleicht wage ich in ein paar Jahren die Zweitsichtung. An der DVD gibt es nichts zu meckern.

    Knappe 4/10 (einige Lacher retten den Streifen vor dem totalen Untergang)





  • Der Rächer aus der Todeszelle (Hongkong 1976, Originaltitel: Si qiu)

    Herr Chiang kocht auf mittlerer Flamme

    Lung Wen-Hsuan (Bai Ying aka Pai Ying) führt eine Horde gnadenloser Mordbuben an. Wohlhabende Bürger werden in ihren Anwesen überfallen und skrupellos getötet, zu allem Überfluss steckt der angesehene Cheng Meng (Ku Feng) mit der Bande unter einer Decke. Feng Ta-Kang (Tsai Hung) gerät in einen dieser Überfälle, trotz seiner hervorragenden Kampfkünste kann er die Übertäter nicht stoppen und wird kurzzeitig ausser Gefecht gesetzt. Es soll jedoch noch schlimmer für Feng kommen, die zuständige Polizei hält ihn für einen der Täter, sperrt den Unschuldigen in eine düstere Einzelzelle, es droht die Todesstrafe! Derweil ahnt der kleine Taschendieb Yang Lin (David Chiang) noch nichts von den ihm bevorstehenden Ereignissen, ist er doch in erster Line mit kleinen Gaunereien und seiner Herzdame Bao Ying (Lily Li) beschäftigt. Pech ereilt den fröhlichen Taugenichts, der Diebstahl einer Geldbörse bringt Yang Lin ebenfalls hinter Gitter, zwecks Erpressung eines Geständnisses steckt man den harmlosen Burschen zu Feng in die Zelle. Nach Anlaufschwierigkeiten entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den Männern, gemeinsam entkommt man aus dem Knast, es kommt zur unvermeidbaren Konfrontation mit Lung Wen-Hsuan und dessen Schergen...

    David Chiang wurde in den späten sechziger/frühen siebziger Jahren zu einem der grössten Stars der Shaw Brothers, bei dem hier kurz vorgestellten Eastern-Drama zeichnet er auch für die Regie verantwortlich. "Der Rächer aus der Todeszelle" mag nicht immer auf den Punkt genau inszeniert sein, verliert sich hier und da in Nebensächlichkeiten, bietet aber insgesamt ansprechende Unterhaltung. Chiangs dritte Regiearbeit setzt in erster Linie nicht auf Kämpfe, der Streifen baut auf zwei sehr unterschiedlich angelegte Hauptcharaktere. Erst im Laufe des recht ausufernd angelegten Finales drückt der Chef aufs Gaspedal, sämtliche aufgestaute Energie entlädt in Fratzengeballer der soliden Gangart (Chiang überlässt die Bühne der Kampfkunst weitgehend Tsai Hung und den Fieslingen, er selbst zappelt lediglich zornig umher). Angenehmerweise schreckt das Drehbuch nicht vor tragischen Elementen zurück, ich will an dieser Stelle jedoch nicht zu viel verraten. Fürs Auge werden (auch) die üblichen "Shaw-Kulissen" geboten, deren offensichtliche Künstlichkeit einen geschätzen und stilprägenden Bestandteil der Produktionen aus diesem Hause ausmacht. Kontrast bieten die Szenen in der dunklen Zelle, ohne den Rest des Werkes zu dominieren. Kleine Liebeleien zwischen David Chiang und Lily Li kommen freilich nicht ohne Kitsch aus, indessen sorgt ein graziler Hauch Erotik für milde Würze, sehr schön.

    Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion, David Chiang präsentiert sich nicht als strahlender und das Schwert schwingender Held. Nein, sein Yang Lin ist ein naiver Tagedieb, eine Art Robin Hood im Schmalspurformat, selbstverständlich verteilt er die Beute seiner "Arbeit" zu einem erheblichen Teil an arme Mitbürger. Keinen seriösen Job, keine Fähigkeiten im Kampf, ein liebenswerter Verlierer. Unter dem Druck überschäumender Wut, Trauer und Verzweiflung wächst er (ein wenig) über sich hinaus. Chiang löst diese Aufgabe im Finale sehr geschickt und nachvollziehbar, trotz mangelnder Kampfkunst beisst sich Yang Lin am Gegner fest, hat keine Chance und nutzt sie (mit oder ohne Erfolg? Das müsst Ihr auf eigene Faust überprüfen). Oft sah man David Chiang an der Seite eines anderen Topstars der Shaw Brothers, dem nicht minder gut beschäftigten Ti Lung. Tsai Hung ist ein ganz anderer Typ als Ti Lung, kommt weitaus kantiger und kerniger daher, die Chemie zwischem dem ungleichen Duo stimmt, ich habe Ti Lung zu keiner Sekunde vermisst. Es brodelt und brodelt und brodelt, schliesslich darf Tasi Hung ordentlich auf den Putz (das Fleisch und die Knochen seiner Gegner) hauen, auf der Speisekarte stehen die Oberschurken und diverse Helferlein der Bösewichter. Ku Feng ist sowieso eine sichere Bank, folglich überzeugt er in der Rolle des verschlagenen Geldsacks, liefert nebenbei einen ordentlichen Kampf ab. Noch besser gefällt mir der Auftritt von Pai Ying, er gibt den eiskalten Schurken grandios, hinter der biederen Fassade lauert das Raubtier. Chan Shen soll nicht unerwähnt bleiben, er nimmt den dritten Rang auf der Fahndungsliste ein. Die Damen haben nicht viel zu lachen. Lily Li sorgt sich um ihren Liebsten und gerät in den Dunstkreis der Ganoven, während Hu Chin vorgibt als Prostituierte ein glückliches und sicheres Leben zu führen.

    Wer vor allem jede Menge Action mit einer Shaw Brothers Produktion verbindet und keine Lust auf Abwechslung verspürt, für den ist "Der Rächer aus der Todeszelle" vermutlich weniger gut geeignet (trotzdem rate ich zu einem Versuch). Bevor es zum grossen Geprügel auf Leben und Knochenbruch kommt werden die Weichen gestellt, die Darsteller überzeugen auch abseits der liebgewonnenen und begehrten Zappeleien. Gewohnt gute Ausstattung und ein gepflegtes Ensemble, kleine Schwächen der Inszenierung sind verzeihbar.

    Die DVDs aus der Shaw Brothers Reihe von MIB spalten die Gemeinde. Zwar konnte man ordentliche Vorlagen aus Hongkong nutzen, die Bildqualität bietet daher (meist) nur wenig Anlass zur Kritik. Leider verzichtete man auf die alten deutschen Synchros, verpasste den Filmen neue Sprecher. Sehr schade, denn der spezielle und knuffige Zungenschlag geht verloren, obschon die jüngeren Versionen überwiegend gar nicht so mies wir ihr Ruf sind. "Todeszelle" wurde aber meines Wissens nach erst vor wenigen Jahren für den deutschen Markt ausgewertet, daher entfällt das "Wo-ist-die-alte-Synchro-geblieben-Problem". Auf der DVD ist weiterhin der Originalton (mandarin) enthalten, welcher mit einer anderen musikalischen Untermalung ausgestattet ist (beide Varianten reissen in dieser Disziplin keine Bäume aus). Im Bonusbereich gibt es Texttafeln in englischer Sprache auf die Augen, hinzu gesellen sich ein paar Trailer aus dem Shaw-Kosmos.

    Zunächst wollte ich es bei 6/10 belassen, aber frischer Wind und "Mut zur Tragik" verhelfen dem Streifen zu 6,5/10.

    Lieblingszitat:

    "Was für ein schlauer Fuchs! Verkauft mich ja nicht für dumm!"

  • Eure DVDsDatum11.09.2012 17:08
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Eure DVDs

    Zitat von Gubanov im Beitrag #1217
    Und schon kann ich berichten, dass ich jetzt auch ein Booklet in die Box legen konnte. More mag vielleicht eine schlampige Qualitätskontrolle haben, aber dafür pflegen sie einen tollen Kundenservice. Prima!


    Danke für die Erinnerung. In meiner Box 1 fehlt das Booklet, ich werde mich mit More in Verbindung setzen. ... oder war beim Start noch gar kein Booklet vorgesehen, ist die kleine Beigabe eventuell erst ab Box 2 enthalten?

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