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  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum18.12.2012 21:57
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 139 - Der Augenzeuge (Deutschland 1986)

    Tod, Leben & fahle Fratzen der Gleichgültigkeit. Alles egal? Derrick lässt nicht locker!

    Für Erich Schuster (Klaus Herm) läuft es seit einiger Zeit nicht gut. Zunächst verlor seinen Job, wenig später ging Gattin Erika (Eva-Maria Bayerwaltes) von Bord. Mit Erlaubnis eines ehemaligen Kollegen, sucht Schuster am Abend die Räumlichkeiten seines letzten Arbeitgebers auf, will flugs einige Bewerbungsunterlagen kopieren. Während dieser Aktion begegnet der Arbeitslose dem pflichtbewussten Wachmann Wiesner (Otto Bolesch), seltsame Geräusche erwecken die Aufmerksamkeit der Männer. Tatsächlich machen sich zwei Ganoven am Tresor des im Gebäude ansässigen Juweliergeschäfts zu schaffen, Wiesner schickt Schuster sicherheitshalber aus dem Gebäude. Kurze Zeit später peitschen Schüsse durch das Treppenhaus, Wiesner wird tödlich getroffen. Eilig verlassen die Einbrecher den Tatort, bemerken dabei nicht den vor dem Haus stehenden Augenzeugen. Auf dem Präsidium zeigt man Erich Schuster Bilder einschlägig bekannter Straftäter, doch der überforderte Mann kann den Beamten nicht helfen. Derrick zweifelt am Wahrheitsgehalt der Angaben Schusters. Im Zuge der Ermittlungen trifft er den Zeugen bei der Familie des Opfers an, Wiesners Sohn (Dieter Schidor) und Tochter (Lilly Berger) verhalten sich merkwürdig ...

    Klaus Herm ist auf den Typ "unscheinbarer Durchschnittsbürger" geeicht. Einmal mehr gelingt ihm eine überzeugende Darbietung, Herm hechelt Eva-Maria Bayerwaltes nach, anstatt sich über den Verlust des Hausdrachens zu freuen. Dieter Schidor gefällt als nervöses Bürschlein, seine Episodenschwester Lilly Berger bleibt unscheinbar. Glanzlichter werden von sehr starken Nebendarstellern gesetzt. Hier fällt vor allem Karl-Walter Diess als extrem abgebrühter Berufsverbrecher auf, welcher sich großartige Duelle mit Horst Tappert liefert. Ralf Schermuly gibt den um Seriösität bemühten Geschäftsmann namens Masoni, Sky Dumont seinen kalt-arroganten Mitarbeiter.

    Allzu gern hält Autor Herbert Reinecker den mahnend erhobenen Zeigefinger in Höhe, Subtilität ist nicht immer seine Stärke. Welchen Wert hat das Leben eines älteren Herrn? Was muten Fremde oder flüchtige Bekannte dem eigenen Gewissen zu, wie weit lassen sich die nächsten Angehörigen auf dreckige Geschäfte ein? Wem quillt die passende Ausrede, fadenscheinige Rechtfertigung oder sonstige Sülze aus dem Munde hervor? Warnungen und Mahnungen per Drehbuch! Vielleicht lässt sich das Gewissen abstellen, zumindest eindämmen, aber die schweren Jungs hast Du kleiner Spießbürger auf Abwegen nicht im Griff. Leider bleibt es beim eifrig wedelnden Finger, zum ruppigen Tritt in den Hintern fehlte Reinecker der Mut, schade, konsequent inkonsequent. Aufregend anregende Kulissen finden (kaum) statt, überwiegend regiert kleinbürgerliche Unscheinbarkeit. Regisseur Theodor Grädler ringt dem mittelprächtigen Plot solide Unterhaltung ab, kann sich auf das perfekt eingespielte Team Tappert/Wepper verlassen, überwiegend starke Nebendarsteller verleihen zusätzlichen Wiedererkennungswert. Gediegene Zielgruppenbedienung.

    6,5/10 (obere Mittelklasse)

  • Bewertet: "Der Alte"Datum10.12.2012 22:51
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


    Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)



    Folge 16 - Der Pelikan (Deutschland 1978)

    Der Alte geht baden

    Kommissar Köster macht sich zu Fuss auf den Weg in den Feierabend. Zufällig wird er Zeuge eines Selbstmordversuchs, kann eine lebensmüde Dame (Rosemarie Fendel) vor dem Ertrinkungstod retten. Pflichtbewusst setzt der Kriminalbeamte die überspannte Sarah Deller, welche sich als Schauspielerin vorstellt, vor deren Haus ab. Für Köster soll es nicht die letzte Begegnung mit Sarah sein, denn in deren Wohnzimmer liegt die Leiche ihres Ehegatten (Siegmar Schneider) auf dem Fussboden. Tatsächlich meldet sich die Mimin wenig später bei der Polizei, erstaunt trifft der Ermittler vor Ort auf seinen rotierenden Chef Millinger. Zwar liegt ein Geständnis der Witwe vor, an dessen Wahrheitsgehalt Millinger nicht zweifelt, für Köster bleibt der geschilderte Tathergang fragwürdig. Bald taucht Frau Dellers Sohn Mano (Christian Berkel) auf, aus dem Mund des jungen Mannes vernimmt die Mordkommission ein weiteres Geständnis. Erneut ist Köster nicht überzeugt, weitere Nachforschungen führen in das homosexuelle Nachtleben Münchens ...

    "Der Pelikan" lebt von schrägen Charakteren, irgendwo zwischen durchgedreht, skurril und depressiv durch das Szenario taumelnd. Rosemarie Fendel nehme ich die verschrobene Künstlerin jederzeit ab, Christian Berkel macht seine Sache ebenso gut. Dieter Schidor sehen wir als schwulen Lover, er liefert eine feinfühlige und sympathische Vorstellung ab, in Rückblenden haut Siegmar Schneider auf den Putz. Ralf Wolter taucht (mal wieder) als windiger Journalist auf, Xenia Pörtner gibt ihrem Alten kleine Denkanstösse. Henning Schlüter poltert gewohnt umher, der dickliche Herr ist sicher eine der knuffigsten Karikaturen im deutschen Krimi-Kosmos. Michael Ande darf sich sensibel zeigen, diesmal passt der Stempel "Randnotiz" nicht. Grosses Lob für Siegfried Lowitz, mit seiner typisch "kantigen Beharrlichkeit" arbeitet Köster an der Wahrheitsfindung, weder Chef noch Lederbar bringen den Kommissar aus der Ruhe.

    Unter der gekonnten Regie von Johannes Schaaf, verschlägt es den Alten in die Schwulenszene der sündigen Hauptstadt Bayerns. Für das Fernsehpublikum der damaligen Zeit vermutlich starker Tobak, manch engstirniger Zuschauer mag den stimmungsvollen Blick in das schwule Nachtleben als Ärgernis bewerten (was mir ein feistes Grinsen auf die Fratze zaubert). Betrachtet man lediglich den Kriminalfall, geht diese Folge bestenfalls als mittelprächtiger Beitrag durch. Dank überzeugender Darsteller und treffsicher gewählter Kulissen, punktet "Der Pelikan" spätestens beim zweiten Anlauf, bleibt als unterhaltsamer und tendenziell obskurer Erguss in Erinnerung.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)

  • Action in Ultrakurzform:



    • Sinners and Saints (USA 2010) - Im schwer angeschlagenen New Orleans geht es hoch her. Detective Sean Riley (Johnny Strong) eckt mit seinen Methoden nicht nur bei Vorgesetzten an ...

    William Kaufman inszenierte mit "Last Bullet" einen sehr ansprechenden B-Actioner, in dem mein Liebling Dolph Lundgren ordentlich auf den Putz hauen durfte. Umgehend mussten weitere Werke Kaufmans ins Haus, fraglos eine gute Entscheidung. "Sinners and Saints" spult die üblichen Klischees ab, ferner wurde dem von Johnny Strong dargestellten Hauptcharakter ein Helferlein zur Seite gestellt, Kevin Phillips macht seine Sache ordentlich. Sean Patrick Flanery ist in einer Nebenrolle zu sehen, netter Gag die Kneipe namens "Boondock Saint". Tom Berenger mimt den gestressten Chef des unbequemen Bullen, Costas und Louis Mandylor drehen als Fieslinge am Rad, Jürgen Prochnow spielt den Oberbösewicht im Hintergrund.

    "Sinners and Saints" unterhält äusserst kurzweilig, punktet mit harter Action und rüder Sprache (die deutsche Synchronisation baut im Vergleich zum Originalton deutlich ab). Obwohl Strong und Phillips einzeln betrachtet überzeugen, stimmt die Chemie zwischen den Buddies nicht immer. "Lethal Weapon" mit der Härte eines zünftigen B-Movies, sicher ein interessanter Ansatz. Für meinen Geschmack fehlt die räudige Optik und Atmosphäre, die zahlreiche B-Streifen der letzten Jahre auszeichnet, ich vermisse den spröden Charme Osteuropas.

    EuroVideo hat den Flick auf DVD und BD veröffentlicht. Die mir vorliegende Blu-ray geht in Ordnung, bietet ein faires Preis-/Leistungsverhältnis.

    7/10 (gut)




    • Hard Rain (Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Deutschland, Japan, USA, Neuseeland 1998) - Irgendwo in den USA ersäuft ein Kaff im Hochwasser. Tom (Christian Slater) muss die Fracht eines Geldtransporters gegen die Bande des Gauners Jim (Morgan Freeman) verteidigen, in der nahezu vollständig evakuierten Stadt ist auf den Gesetzeshüter Mike Collins (Randy Quaid) wenig Verlass. Mit steigendem Pegel verwischen die Fronten zunehmend, wird die Grenze zwischen Gut und Böse in beide Richtungen durchlässig ...

    Ich liebe diesen Film! Tolle Leistungen der Darsteller, nicht nur Slater und Freeman trumpfen auf, Randy Quaid darf herrlich fies agieren, Betty White die keifende Oma geben. Keine Sekunde Leerlauf, irgendwas ist immer los, auch ohne ausufernde Härte ein toller Actionstreifen!

    Weil die alte DVD-Auflage von 1999 dem Film nicht gerecht wird, habe ich zwecks Ergänzung die Blu-ray in meine Sammlung gestellt. Viele andere Titel sind mit besseren BD-Auswertungen gesegnet, im Vergleich zur DVD-Erstausgabe macht die Scheibe dennoch Sinn.

    8,5/10 (sehr gut bis überragend)


  • Doppel-DVD von Shock Entertainment im Mediabook



    Savage Streets (USA 1984, Originaltitel: Savage Streets)

    Pausbäckchen macht Kassensturz

    Brenda (Linda Blair) und ein paar Schulfreundinnen treiben sich am Abend gern in der Stadt herum, die Clique stürzt sich mit Vorliebe in kleine Abenteuer. Hinter der coolen Fassade sind die Mädchen warmherzige und fürsorgliche junge Frauen, vor allem Brenda kümmert sich rührend um ihre taubstumme Schwester Heather. Eines Tages wird Heather fast vom "Dienstwagen" der Scars überfahren, Jake (Robert Dryer) und seine Bande liefern sich eine (zunächst) harmlose Streiterei mit den jungen Frauen. Rache ist süss, ergo entwenden Brenda und ihre Begleiterinnen die Karre der Scars, drehen ein paar Runden und lassen die Blechkiste zugemüllt zurück. Jake schäumt vor Wut, diese Demütigung kann er nicht auf sich sitzen lassen. Als Heather ihre grosse Schwester nach der Schule abholen möchte, fällt das wehrlose Mädchen Jake und seinen Kumpanen in die schmierigen Hände. Während Brenda sich mit einer Rivalin in der Dusche prügelt, vergehen sich die Scars brutal an Heather, das Opfer landet schwerverletzt im Krankenhaus. Bald kommt es zu einer erneuten Konfrontation mit den Scars, Brendas Freundin Francine (Lisa Freeman) lenkt Jakes geballten Zorn auf sich. Nach einem weiteren Gewaltausbruch sucht Vince (Johnny Venocur), Fussabtreter und Mitläufer bei den Scars, die noch immer im Krankenhaus liegende Heather auf. Brenda belauscht das Geständnis des Bürschleins, jetzt ist ihre Geduld endgültig zu Ende ...

    Rape & Revenge Filme gehören zum festen Bestandteil des Exploitationkinos. Als Beispiele sollten Wes Cravens "The Last House on the Left" (1972) und "I Spit on your Grave" (1978) von Meir Zarchi eine klare Sprache sprechen. Während in Rachestreifen wie "Death Wish" (1974) oder "Vigilante" (1982) zornige Männer für Ordnung sorgen, übernimmt in Werken wie "I spit on your Grave" und "Savage Streets" eine junge Frau diesen Part. "Savage Streets" kommt als Verschmelzung unterschiedlicher Marschrichtungen daher, eine Frau übt Rache, allerdings wurde sie zuvor nicht selbst zum Opfer, wie es z. B. in "I spit on your Grave" der Fall ist. Vor allem atmet der Film durch und durch die achtziger Jahre, kann (und will) das Jahrzehnt seiner Entstehung zu keiner Sekunde leugnen. Unsere Heldin und ihre Freundinnen kleiden sich entsprechend, Brenda trägt zu jedem Anlass das passende Outfit, ihr "Killer Suit" ist fast schon legendär. Rohe Dialoge (so unterhaltsam die deutsche Synchronisation tönt, der Originalton ist erste Wahl) sorgen für angemessenen Zungenschlag, die Musik untermalt das Geschehen immer eine Spur zu plump und plaktiv. Freilich gibt es fiesen "80er-Jahre-Pseudo-Rock" auf die Ohren, mehrfach von Brüllaffe John Farnham intoniert. Wer die Achtziger noch auf dem Schirm hat, wird sich wie in einer Zeitmaschine fühlen. Schwierige Produktionsumstände hin oder her, das Ergebnis kann sich sehen lassen, Linda Blair ist in einer ihrer bemerkenswertesten Rollen zu bewundern.

    Grosse Show für Linda Blair! Ist ihre Darbietung grandioses Schauspiel? Dilettantisches Gepose ohne jegliche Glaubwürdigkeit? Völlig unwichtig, denn Linda passt wie die berühmte Faust aufs Auge, wie der tödliche Pfeil in den Hals eines Unholds, wie der Tritt in den gammeligen Hintern des Gesindels. Ich mag die kleine Knuffeldame sowieso sehr gern, obschon ich mir nie so ganz sicher bin, ob ich Frau Blair sexy oder unsexy süss finde. In diesem Umfeld bleibt kaum Raum zwischen den Zeilen. "Savage Streets" springt uns gewissermaßen mit dem nackten Arsch ins Gesicht, Linda Blair dreht auf und sprengt die Bank. Linnea Quigley liefert als Brendas Schwester Heather das Gegenstück, bringt Brendas zarte Seite ans Tageslicht. Selbstverständlich trägt das Drehbuch (einmal mehr) dick auf, vor Heathers Vergewaltigung, wird gesteigerter Wert auf die herzliche Beziehung zwischen den Schwestern gelegt, Naivität und Wehrlosigkeit der jüngeren Schwester betont. Quigley überzeugt ebenso wie Blair, sprichwörtlich ziehen sich Gegensätze an. Robert Dryer haut uns als Jake das nächste Klischee vor den Latz. Erpresser, Dealer, Vergewaltiger und Mörder, ein Stück Dreck aus der Gosse des Grauens. Wozu Erklärungen oder sonstige Nichtigkeiten, ein Bösewicht ohne jeglichen Anflug von Doppelbödigkeit. Aus Brendas Truppe gefallen mir Lisa Freeman und Luisa Leschin besonders gut. Sal Landi und Scott Mayer pöbeln als Helferlein des Oberekels Jake eifrig und ausdauernd, Johnny Venocur gibt den feigen Furz. Herrlich launig die Auftritte von John Vernon, der als Schuldirektor erstaunlich rüde Sprüche vom Stapel lässt (erneut weise ich auf den englischen Originalton hin).

    Wo sind die Hüter des Gesetzes, wo sind Eltern oder andere erwachsene Verwandte? Sie finden (fast) nicht statt, bleiben unwichtige Randnotizen. Lediglich John Vernon fällt auf, trägt aber nichts zur Beschwichtigung der Lage bei. Eine Generation ohne Zukunft auf dem Weg zur Hölle? Sicher lässt sich Subtext in den Stoff interpretieren, aus meiner Sicht ein uberflüssiges Unterfangen. "Savage Streets" will sein Publikum unterhalten, frech, fröhlich und rauhbeinig, flach und gleichzeitig übertrieben, angenehm aufdringlich. Rache ist Blutwurst, glücklich macht sie nicht. Hey, da ist der tiefere Sinn, erneut mit dem dicken Knüppel.

    Shock Entertainment präsentiert den Film in schöner Qualität, das Bonusmaterial auf der zweiten Scheibe ist sehenswert, im Mediabook ist ein informatives Booklet enthalten. Ich bin mit dieser Veröffentlichung sehr zufrieden, eine offizielle Auswertung für den deutschen Markt war längst überfällig.

    8/10 (sehr gut)


    Lieblingszitat:

    "Na, sind das saubere Möpse, Herr Lehrer!? Da können Sie mal praktische Nachhilfe nehmen!"

  • DRACULA JAGT FRANKENSTEIN / FilmArtDatum30.11.2012 23:12
    Foren-Beitrag von Blap im Thema DRACULA JAGT FRANKENSTEIN / FilmArt


    Trivialfilm Kollektion #1 von FilmArt



    Dracula jagt Frankenstein (Spanien, Deutschland, Italien 1970, spanischer Titel: Los monstruos del terror)

    Paul Naschy, Karin Dor und die Knuffelmonster, Europa blickt ins All und auf Blaustadt

    Auch ausserirdische Intelligenzen haben mit alltäglichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die Heimat einer fremden Spezies ist dem Untergang geweiht. Daher muss Dr. Warnoff (Michael Rennie) zur Eroberung des Planeten Erde schreiten! Man stellt ihm mit Maleva (Karin Dor) und Kirian (Ángel del Pozo) geeignete Helferlein zur Seite, Körper kürzlich verstorbener Erdlinge wurden von den Invasoren übernommen. Um die lästigen Menschen vom Planeten zu tilgen, verfolgt das Team um Warnoff einen teuflischen Plan! Grauenvolle Unholde sollen die Menschheit drangsalieren, Frankensteins Monster, Dracula, Mumie und Werwolf! Seltsame Vorfälle wecken die Aufmerksamkeit der Behörden, Inspektor Tobermann (Craig Hill) nimmt Ermittlungen auf. Gnadenlos treibt Warnoff seine Mission voran, wer kann dem Treiben Einhalt gebieten? Gibt es noch Hoffnung für die Menschheit? Naht unser endgültiger Untergang ...???

    "Dracula jagt Frankenstein" wirft -mehr oder weniger deutlich modifiziert- die klassischen Universal-Monster ins Rennen. Paul Naschy spielt nicht nur den Werwolf, welchem er seinen persönlichen Stempel namens Waldemar Daninsky aufdedrückt hat, der Spanier zeichnet auch für Story und Drehbuch verantwortlich. Herr Naschy verneigt sich vor den Helden seiner Kindheit. Damit längst nicht genug, obendrauf gibt es mehrere Liebesgeschichten, darf Michael Rennie den Mad Scientist von der Leine lassen, bedroht eine unsichtbare Macht aus den Tiefen des Universums die gesamte Menschheit! Das hört sich reichlich überdreht, regelrecht irrsinnig an? Hölle und Himmel, das ist überdreht und irre! Munter wird in den Schubladen Horror und Science-Fiction gewildert. Während sich andere Ergüsse der späten Sechziger/frühen Siebziger oft um mehr Blut und Geifer bemühten, fällt "Dracula jagt Frankenstein" vor allem durch flapsige Dialoge, als Kind seiner Zeit auf. Braver die musikalische Untermalung, der Score setzt auf easy listening mit gemäßtigen Schwurbelauswüchsen. Gern packe ich eines meiner Lieblingswörter aus, denn Knuffigkeit quillt im Überfluß aus jeder Sekunde des Films hervor. Sogar als Dr. Warnoff seine Mitarbeiterin Maleva hart bestraft, steht vor allem eine meterdicke Schicht Wohlfühlatmosphäre im Raum.

    Wenden wir uns kurz den Akteuren vor der Kamera zu. Der englische Schauspieler Michael Rennie ist in einer seiner letzten Rollen zu sehen, vielen Filmfreunden wird er als
    Klaatu aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (The Day the Earth Stood Still, 1951) bekannt sein, später war er in vielen Fernsehserien zu sehen. Rennie passt aufgrund seines kantigen Erscheinungsbildes perfekt, ein zielstrebiger Mad Scientist der gepflegten Sorte. Craig Hill ist für die lockeren Sprüche zuständig, erobert nebenbei das Herz einer attraktiven Dame, gewissermaßen ein vorbildlicher Beamter im Dienste der Weltrettung. Klar, für mich ist Paul Naschy selbstverständlich die grösste Zierde. In seiner Paraderolle Waldemar Daninsky erfreute er in zahlreichen Filmschätzchen, diesmal lässt er seine Mitbewerber Dracula, Mumie und Frankensteins Monster ziemlich alt aus der Wäsche glotzen. Ehrlich, was habt ihr euch bei Dracula gedacht, der arme Manuel de Blas schrumpft zur Schiessbudenfigur (passt, immerhin wird sein Skelett einem Schausteller entwendet). Was solls, der Freude tut dies keinerlei Abbruch, auch nicht das alberne Erscheinungsbild von Ferdinando Murolo als Frankensteins Monster (welches hier Farancksalans Monster heisst). Gene Reyes stakst als Mumie durch Gruften und Laboratorien, neben Waldi Werwolf das "hübscheste" Ungetüm. Karin Dor spielt ihre stärkste Waffe aus, kaum eine andere Dame kann so herrlich ängstlich und panisch die Augen aufreissen! Patty Shepard und Diana Sorel sind nett anzuschauen, Shepard als Liebchen des Inspektors, Sorel steht Waldemar bei.

    Wundertüte! Füllhorn! Vollbedienung! "Dracula jagt Frankenstein" ist eine liebenswerte Obskurität, eine Schöpfung überschäumender Phantasie und Mut zum Wahnsinn. Nicht bestrebt durch Überschreitung "moralischer Grenzen" zu provozieren, ohne Mett und Möpse taumelt der Film seinen eigenen Tanz, saugt schamlos alte Monster- und SF-Filme an, verbreitet jede Menge gute Laune. Alles ist möglich, nichts macht Sinn oder beugt sich der Logik. Wen stört es da, wenn Dracula sich mit dem zuständigen Polizisten plagt, während Waldemar mit Frankensteins Monster rauft, aber Dracula und Frankenstein sich weder gegenseitig jagen noch bekämpfen, letzlich löst sich sowieso alles in Liebe auf ...

    Lange musste die Fangemeinde auf eine angemessene DVD-Auswertung warten. FilmArt belohnt unsere Geduld mit einer prächtigen Ausgabe, der Film liegt in sehr stimmungsvoller Qualität vor, mehr "Filmlook" geht auf DVD wohl nicht. Auch die Ausstattung erfreut das Sammlerherz, sehr empfohlen das Vorwort von Jörg Buttgereit (garniert mit Kurzfilmen des Berliners). Weiterhin liegt eine Sonderausgabe von Creepy Images bei, dazu eine 3D-Karte mit Covermotiv, Trailer runden das Paket ab, das Case steckt in einem Schuber. Meine Angaben beziehen sich auf die mir vorliegende DVD aus der Trivialfilm Kollektion, alternative Auflagen enthalten diese Beigaben nicht! Noch ist die Luxusausgabe zu halbwegs vernünftigen Preisen erhältlich, schlagt rasch zu! Wer weniger ausgeben möchte/will, der kann zur Kaufversion greifen oder eine der Hartboxausgaben wählen.

    "Dracula jagt Frankenstein" ist ein Freudenfest, ich bekomme das wohlige Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Schon ärgere ich mich mit der Zahlenwertung herum, wie zum Teufel soll ich dieses Knuffelchen in ein verdammtes Raster pressen? 8/10 (sehr gut) sollten als Anhaltspunkt reichen, Wohlfühlfaktor 10/10, Repertoirewert der DVD aus der Trivialfilm Kollektion mindestens 10/10!


    Lieblingszitat:

    "Also, die hatte wieder einen Mini an, da konnte man glatt das Höschen sehen!"

  • Im Ultrakurzformat:



    • Die Nacht der Vogelscheuche (USA 1981) - Im Hinterland der USA herrschen rauhe Sitten. Der friedliche Bubba wird zum Opfer des faschistoiden Postboten und anderer Gestalten. Plötzlich erblickt einer der Killer eine merkwürdige Vogelscheuche auf seinem Acker ...

    "Dark Night of the Scarecrow" wurde von Frank De Felitta für einen US-Fernsehsender inszeniert. Hier geht es weniger brutal zu als in üblichen Slasher Flicks, grosse Stärke des Streifens ist seine intensive Atmosphäre. Larry Drake überzeugt als grosses Kind Bubba, Charles Durning liefert als reaktionärer Postbote eine ansprechend ekelhafte Vorstellung ab.

    Mir liegt der Film als BD aus dem Hause Donau Film vor. Die Scheibe bietet sehr schöne Bildqualität und interessantes Bonusmaterial, klarer Pflichtkauf!

    8/10 (sehr gut)




    • Speed Cross - Draufgänger in Dreck und Staub (Italien 1979) - Betrug im Motocross! Zwei leidenschaftliche Fahrer aus Italien, müssen sich in Deutschland mit einem verbrecherischen Bonzen und dessen Schergen rumärgern. Nicht nur Training und Rennen sind lebensgefährlich, denn die kriminelle Saubande schreckt vor kaum einer Schweinerei zurück ...

    Fabio Testi in einem von Stelvio Massi inszenierten Mix aus Action, Krimi und Motorsport. Die krude deutsche Synchronisation nimmt der Sause (vermutlich) den letzten Anflug von Tiefe, mir macht der etwas schludrig abgedrehte Streifen Spass. Coole Typen, fiese Fratzen, ab und zu gibt es was auf die Fresse, hier und da knattern Mopeds über staubige Pisten. Massi hat in seiner Karriere freilich knalligeren Stoff als "Speed Cross" abgeliefert, Fans des italienischen Genrekinos dürfen einen Blick riskieren.

    "Speed Cross" hat auf VHS den Weg in meine Sammlung gefunden, das Band ist von mittelprächtiger Qualität. Offenbar existieren unterschiedliche Fassungen, EuroVideo hat die kürzere veröffentlicht (VHS-Cracks wissen es besser, ich hingegen mutmaße lediglich).

    6/10 (obere Mittelklasse) Würden Knuffigkeit und Wohlfühlatmosphäre in der Zahlenwertung berücksichtigt, dürfte dieses Filmchen eine höhere Bewertung einfahren.




    • The Tournament (Großbritannien 2009) - Alle sieben Jahre liefern sich dreissig Profikiller einen tödlichen Wettkampf, der Sieger wird mit zehn Millionen US-Dollar belohnt. Lüsterne Geldsäcke beobachten das mörderische Spektakel, eine moderne Schaltzentrale liefert das nötige Bildmaterial. Nicht alle Killer folgen der Gier nach Geld und Ruhm, einer hat eine ganz persönliche Rechung zu begleichen ...

    Ving Rhames, Ian Somerhalder und Kelly Hu sind als Anwärter auf den Titel unterwegs, für Scott Adkins ist leider lediglich in einer kleinen Nebenrolle zu bewundern, Liam Cunningham punktet als eiskalter Spielleiter. Mein Liebling ist ganz klar Robert Carlyle, der als versoffener Pfaffe unfreiwillig in das Spektakel hineingezogen wird. Albert Pyun hat bereits 1997 einen ähnlich angelegten Streifen namens "Mean Guns" gedreht, welcher im Vergleich zu dieser Arbeit von Scott Mann gnadenlos abstinkt. "The Tournament" geht ruppig und weitgehend gnadenlos zu Werk, teils schreitet mir das Treiben eine Spur zu hektisch voran.

    Deutsche DVD-/BD-Auswertungen sind gekürzt, unter österreichischer Flagge wurde der Film uncut auf den Markt geworfen. Mir ist die deutsche Synchronisation in diesem Fall nicht wichtig, ergo habe ich zur günstig erhältlichen BD aus Großbritannien gegriffen. Ordentliche Qualität, karge Ausstattung. Mein Tipp: Wer ohne deutschen Ton auskommt, macht mit der UK-BD nichts verkehrt, vor allem Robert Carlyle kommt im englischen Originalton herrlich rüber!

    Nicht der ganz grosse Vorschlaghammer, aber ansprechender Stoff der rüden Gangart = 7/10 (gut)


  • US-DVD von Raro Video



    Waves of Lust (Italien 1975, Originaltitel: Una ondata di piacere)

    Kammerspiel auf hoher See

    Giorgio (John Steiner) behandelt seine Lebensgefährtin Silvia (Elizabeth Turner) herablassend, schreckt nicht vor körperlicher Gewalt zurück. Eines Tages trifft Giorgio die äusserst attraktive Barbara (Silvia Dionisio), umgehend lädt er seinen Flirt zu einem üppigen Abendessen ein. Der wohlhabende Unternehmer erlebt eine unangenehme Überraschung, statt Barbara taucht ein Typ namens Irem (Al Cliver) auf, schlägt sich frech den Bauch voll. Derweil nimmt Barbara Kontakt zu Silvia auf, gemeinsam machen sich die Frauen auf den Weg zu Giorgio und Irem. Auf Giorgios Yacht will die kleine Gruppe ein paar Tage das Mittelmeer geniessen, Liebe, Lust und Alkohol inklusive. Erwartungsgemäß spielt der Kapitän den grossen Boss, doch was treibt Barbara und Irem an ...???

    Mit seinem provokanten Vorschlaghammer "Cannibal Holocaust" (Italien 1980) hat Ruggero Deodato Filmgeschichte geschrieben, noch immer sorgt der Streifen für hitzig geführte Diskussionen. Leider werden die übrigen Werke des Regisseurs oft ein wenig stiefmütterlich behandelt, dieses Schicksal hat "Waves of Lust" keinesfalls verdient. Was erwartet den Zuschauer? Ein Thriller mit erotischen Momenten, dessen Handlung sich überwiegend auf einem Boot abspielt. Viele Szenen finden unter Deck statt, das beschauliche Umfeld bricht die vorherrschende "Kammerspielatmosphäre" lediglich hin und wieder auf. Deodato berichtet im Bonusmaterial von Schwierigkeiten mit dem Wetter, von seiner geringen Begeisterung für erotische Filme. Keine guten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Filmabend? Entwarnung, denn das Ergebnis kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, was nicht zuletzt den starken Leistungen der vier zentralen Akteure vor der Kamera zu verdanken ist. Mich fasziniert die Doppelbödigkeit der Charaktere. Da haben wir den reichen Sack, ekelhaft, unsympathisch, hinter der harten Fassade ein armseliger Säufer. Die Sklavin, die in ihrer devoten Rolle aufgeht, oder etwa andere Pläne schmiedet, auf eine Chance wartet? Der unbekümmerte Sonnyboy und seine kokett-selbstbewusste Gefährtin, beide längst nicht so durchschau- und gängelbar wie von Giorgio zunächst vermutet.

    Werfen wir einen Blick auf das kleine Ensemble. John Steiner wurde in England geboren, in den siebziger und achtziger Jahren war er häufig in Genrestreifen aus Italien zu sehen, wurde gern als Bösewicht besetzt. Steiner spielt den rücktsichtlosen Giorgio punktgenau, aus seinem kantigen Gesicht springen uns Arroganz und Kaltherzigkeit entgegen, nicht minder überzeugend der später einsetzende Verfall und Zusammenbruch. Zugegeben, das Drehbuch trägt manchmal fast eine Spur zu dick auf, möchte den Betrachter übereifrig in eine bestimmte Richtung drängen. So folgt auf eine geschäftliche Unterhaltung, zwischen Giorgio und einem bemitleidenswerten Herrn, nichts geringeres als der Selbstmord des zum Bittsteller degradierten Gegenüber. Nebenbei sorgt der smarte Bonze per Funk für die Entlassung von sechshundert Mitarbeitern, jeder soll merken, mit dem Typ ist nicht gut Kirschen essen. Al Clivers Irem ist nicht auf derartig vordergründige Machtdemonstrationen aus. Irem redet nur, wenn er tatsächlich etwas zu sagen hat, lässt die Anspielungen und Attacken seines Gegenspielers geschickt ins Leere laufen. Während John Steiner gekonnt zwischen den Extremen pendelt, gefällt Al Cliver mit seiner natürlichen Lässigkeit und ebenso packenden Darstellung. Elizabeth Turner muss einige Tiefschläge ertragen, Silvia dient Giorgio als Fußabtreter und Liebespuppe. Silvia Dionisio zeigt Barbara als die tatsächlich dominante Figur in diesem Intrigenspiel (gleichwohl bleibt die Einschätzung der Beziehung zwischen Barbara und Irem dem Zuschauer angenehmerweise überlassen). Dionisio war damals mit Ruggero Deodato verheiratet, ihre Vorzüge werden daher nicht unter Wert präsentiert. Es wäre unfair Silvia Dionisio auf ihre Schönheit zu reduzieren, sie kann vor allem abseits erotischer Szenen punkten, zieht als Barbara die Strippen. Weitere Mitwirkende bleiben auf kleine Nebenrollen beschränkt, vielleicht sollte erwähnt werden, dass Saverio Deodato (Sohn von Ruggero und Silvia) kurz zu sehen ist.

    Gibt es eine wichtige "Message"? Will "Waves of Lust" Kritik an verantwortungslos handelnden Oberschichtlern üben, die glauben -nein, die davon überzeugt sind- mit Methoden eines mittelalterlichen Herrschers über den Pöbel verfügen zu können? Sehen wir lediglich -vermutlich mit Genuss- dabei zu, wie sich ein Möchtegernhalbgott in einem geschickt gewebten Netz verfängt? Wo verläuft die Grenze zwischen "Gut" und "Böse", existiert eine solche Markierung überhaupt? Kommt "Waves of Lust" als Vorbote zu "Cannibal Holocaust" daher, diesem gnadenlosen Monument der Misanthropie? Sind wir allesamt verdorbene Dreckstücke? (-----Denkpause-----) Bevor ich es vergesse, den stimmungsvollen Score verdanken wir Marcello Giombini, fröhlich flirrt die Elektronik. Lamberto Bava ist (einer der) Storyautoren, die Kamera von Mario Capriotti ist häufig nah am Mann/der Frau, erwartet aber keine allzu eindringlichen Nahkämpfe.

    Raro hat "Ondata di piacere" bereits vor einigen Jahren in Italien auf DVD veröffentlicht, die mir vorliegende US-Ausgabe basiert auf der italienischen Scheibe. An der Ausstattung gibt es nichts zu meckern, der Ton liegt in englischer und italienischer Sprache vor, englische Untertitel sind enthalten. Weiterhin gibt es eine durchaus sehenswerte Doku aufs Auge (Interviews mit Ruggero Deodato, Lamberto Bava u. a.), dazu von Deodato gedrehte Werbespots, Texttafeln und ein lesenswertes Booklet in englischer Sprache. Schwachpunkt der Veröffentlichung ist die lediglich befriedigende Bildqualität, die Kompression dürfte gern dezenter ans Werk gehen. Insgsamt eine brauchbare Scheibe, eine neue Abtastung und Auswertung auf BD wäre trotzdem schön, ich würde gern erneut zugreifen!

    "Waves of Lust" ist ein schmackhaftes Geniesserhäppchen, ganz sicher kein Film für Hektiker. Ich bin begeistert und ziehe dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!

    Lieblingszitat:

    "Shift your ass ... and do what i told you to do!"

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum26.11.2012 23:02
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 138 - Geheimnis im Hochhaus (Deutschland 1986)

    Beschaffungs- und Entsorgungskriminalität

    Erich Fiska (Ekkehardt Belle) hängt seit einiger Zeit an der Nadel, ständig mangelt es Geld für den nächsten Schuss. In seiner Verzweiflung bricht der Bursche in eine Hochhauswohnung ein, die Beute fällt sehr überschaubar aus. Beim Blick ins Schlafzimmer packt den Drogensüchtigen das blanke Entsetzen, auf dem Bett findet er die Leiche einer jungen Frau vor. Plötzlich tauchen zwei unbekannte Männer auf, Erich ergreift panisch die Flucht. Sein Stammhehler Jakob Viersen (Wolfgang Wahl) nimmt ihm die Ware unter diesen besonderen Umständen nicht ab, er rät Erich dazu umgehend die Mordkommission aufzusuchen. Derrick und Klein betreten mit Erich im Schlepptau die besagte Bude, finden dort allerdings keine Tote vor. Wenig später trifft Karl Hauweg (Gerd Baltus) ein, der Handelvertreter nutzt seine Wohnung nur am Wochenende, wundert sich über die ungebetenen Gäste in den Räumlichkeiten. Hauweg kann nicht viel zur Klärung beitragen, seinen Angaben nach verfügt nur er über Zugang zu seiner Wohnung. Während Harry Klein die Angaben des Süchtigen weiterhin äusserst skeptisch bewertet, rührt Stephan Derrick die traurige Existenz des Fixers an, in dessen Wohnung trifft er auf Erichs schwerkranken Vater (Traugott Buhre). Erstaunlicherweise steht unvermittelt Karl Hauweg auf der Matte, dessen unerwarteter Besuch weckt das Interesse des Oberinspektors. Im Zuge weiterer Ermittlungen begegnet Derrick Hauwegs zwielichtigem Bruder Alwin (Hans Peter Hallwachs), sowie Karl Hauwegs getrennt lebendender Ehefrau (Diana Körner) ...

    "Stammgast" Ekkehardt Belle mag nicht jeden Zuschauer ansprechen. Hier liefert er jedoch eine sehr überzeugende Leistung ab, sein Taumel durch Entzug, Verzweiflung und Angst lässt mich nicht kalt. Gerd Baltus ist in seiner üblichen Rolle zu sehen, der unscheinbare Spiessbürger ohne Rückgrat. Hans Peter Hallwachs sorgt für den Bösewicht, eisige Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit inklusive. Diana Körner bleibt oberflächlich kühl, Gracia-Maria Kaus ist als hübsche Beigabe am Start. Traugott Buhre gefällt mir in der Rolle des hilflosen Vaters sehr gut, die gemeinsamen Szenen mit Ekkehardt Belle gehören zu den stärksten Momenten dieser Folge. Bernd Herzsprung gibt den schmierigen Handlager, Wolfgang Wahl den cleveren Hehler.

    "Geheimnis im Hochhaus" arbeitet mit sehr schablonenhaften Charakteren. Da haben wir den jungen Mann im Angebot, welcher durch seine Drogensucht in die Kriminalität abgleitet. Zwecks Steigerung der Tragik, wurde der von Belle dargestellte Erich Fiska mit künstlerischem Talent ausgestattet. Unter dem Joch des Rauschgifts beginnt nicht nur der körperliche Verfall, auch mit der Malerei ist es nicht mehr weit her. Ekkehardt Belle muss (recht plump angelegte) Sätze der Verzweiflung aussprechen, so soll wohl auch der letzte Zuschauer auf das Motto "Keine Macht den Drogen" eingeschworen werden. Ähnlich ist es um die übrigen Damen und Herren bestellt, Hallwachs bleibt stets ekelhaft, Baltus immer der armselige Kleinbürger. Lediglich Wolfgang Wahl bricht als Hehler die Klischees ein wenig auf. Zwar denkt der fragwürdige Händler in erster Line an die eigene Sicherheit, gibt seinem Zuarbeiter trotzdem den verdammt guten Ratschlag, gegenüber der Polizei mit offenen Karten zu spielen (selbstverständlich mit dem Hinweis nicht genannt zu werden). Derrick darf -einmal mehr- den väterlichen Freund zum Besten geben, will den gestrauchelten Jüngling aus dem Drogensumpf retten. Dennoch ist der Kriminalfall zunächst interessant gestaltet, driftet aber zu früh in eine unkreative Marschrichtung. Offenbar war Autor Herbert Reinecker die wenig überraschende Erklärung der Vorfälle bewusst, Horst Tappert soll den Betrachter (durchschaubar) milde stimmen: "Es klingt trivial, es ist trivial und trotzdem ist es wahr!". Nebenbei gewährt man uns ein paar Blicke auf das Nachtleben Münchens, sparsam bekleidete Damen und verschwitzte Atmosphäre bescheren dem Treiben einen leichten Sleazeanstrich. Regisseur Wolfgang Becker kann sich auf die Qualität seines Ensembles verlassen, an der Musik von Eberhard Schoener gibt es nichts zu meckern. Bewährte Formeln und der Wink mit dem Zaunpfahl, überschäumenden Einfallsreichtum oder Mut kann ich Herbert Reinecker nicht bescheinigen. Gleichwohl funktionierten die Schablonen in diesem Umfeld, gute Unterhaltung kann nicht jeder.

    7/10 (gut)






  • Last Bullet - Showdown der Auftragskiller (USA 2012, Originaltitel: One in the Chamber)

    B-Action-Tragikomödie mit Dolph, Cuba, einer hübschen Nachwuchskraft und Fratzengeballer in Hülle und Fülle ...

    Auftragskiller Ray Carver (Cuba Gooding Jr.) gilt als zuverlässig und gnadenlos. Doch bei seinem aktuellen Auftrag kann er nicht alle Ziele ausschalten, ärgerlicherweise entkommt Demyan Ivanov (Louis Mandylor). Mikhail Suverov (Andrew Bicknell) sein Bruder Bobby (Leo Gregory) schäumen vor Wut, denn Ivanos Racheschwur bringt jede Menge Unruhe in die Prager Unterwelt. So gerät "Killervermittler" Leo Crosby (Billy Murray) in Bedrängnis, muss nicht nur um seinen guten Ruf fürchten. Die Suverovs setzen auf eine andere Karte, sichern sich die Dienste des legendären Killers Aleksey Andreev (Dolph Lundgren). Während zahlreiche Ganoven ihr Leben verlieren, scheint eine Konfrontation zwischen Aleksey und Ray unausweichlich. Aleksey geht bei aller Präzision extrem lässig vor. Sein Gegenspieler Ray sorgt sich um Janice Knowles (Claudia Bassols), er fühlt sich für die Sicherheit der jungen Frau verantwortlich, da er vor etlichen Jahren auf brutale Weise in deren Leben eingriff ...

    Obwohl ich kleine Actionstreifen liebe, habe ich die Arbeiten von William Kaufman bisher nicht auf dem Schirm gehabt. Offensichtlich ein Fehler, zumindest macht "Last Bullet" jede Menge Lust auf weitere Streifen des Regisseurs. Stilsichere Bedienung der Zielgruppe ist angesagt, dem rauhen Charme der osteuropäischen B-Action-Spielplätze bin ich sowieso sehr zuneigt. Rivalisierende Unterweltbanden sind freilich keine Neuigkeit im Genre, dem Drehbuch gelingt es die Story recht interssant zu gestalten, auch wenn die Wendungen nicht wirklich für grössere Überraschungen sorgen. Action wird in angenehmer Dosierung aufgefahren, Geballer und Geprügel sind mit gesunder Härte gesegnet, Kamera und Schnitt vermeiden allzu hektische Auswüchse. Die Sause macht alles richtig, auf die Fresse mit Soße, sehr angenehm!

    Vor allem benötigt ein Film dieser Gangart überzeugende Hauptfiguren. Hier gibt es überdies nicht nur anonyme Metzelmasse der üblichen Sorte, kantige Nebenfratzen werten das knallige Treiben zusätzlich auf. Setze ich meine Dolph-Fanbrille ab, bleibt Herr Lundgren dennoch der Chef im Ring. Dolph kommt als erstaunlich geschmacklos gekleideter Killer lässiger als lässig daher, liefert eine grnadiose Vorstellung ab, unterstreicht einmal mehr seine Sonderstellung! Aleksey "Der Wolf" Andreev wird von Lundgren herrlich ironisch dargestellt, als herausragend gespielte Karikatur räumt der Meister mit dem Pöbel auf. Schnell können humorig angelegte Charaktere in peinlich-nervige Gefilde abgleiten, Dolph meistert den schwierigen Balanceakt mit Bravour (ich habe mich köstlich amüsiert. Lieber Dolph, vielen Dank! Dein treuer Fan Das Blap™). Cuba Gooding Jr. sorgt für tragische Zwischentöne, am Killer nagt das Gewissen, in aller Stille bemüht er sich um den Schutz einer jungen Dame. Gooding Jr. kann zwar nicht die übermächtige Präsenz eines Dolph Lundgren anbieten, erorbert aber als "Killer mit Herz" (fast ebenso) mühelos die Sympathie des Zuschauers. Zwei Helden unter Dampf, allerdings muss sich Gooding Jr. -trotz der großzügiger bemessenen Screentime- dem phantastischen Dolph beugen. Claudia Bassols ist hübsch und spielt angemessen, das reicht in diesem von Männern dominierten Kräftemessen völlig aus. Für die attraktive Lia Sinchevici bleibt eine kleine Nebenrolle, sie war mir noch aus dem Van Damme Streifen "Six Bullets" in guter Erinnerung. Louis Mandylor, ein oft zu sehender Nebendarsteller, macht uns den arroganten Bösewicht. Mir gefällt der kantigere Andrew Bicknell besser, gewissermaßen mein Chefekel in diesem Flick. Billy Murray erweist sich als Vermittler mit begrenzter Loyalität, der eigene Hintern ist letztlich immer der wichtigste Hintern, Leo Gregory steht Andrew Bicknell als kleiner Bruder zur Seite. Lundgren super, Gooding Jr. gut, Damen hübsch, fiese Fratzen fies, beide Daumen hoch!

    Denke ich an Dolphs Auftritte in den letzten Jahren, hauen die Kracher "The Mechanik" (2005) und "Command Performance" (2009) noch stärker rein, ohne Zweifel erweist sich "Last Bullet - Showdown der Auftragskiller" als Pflichtveranstaltung für jeden Lundgren-Fan und alle Freunde gepflegter B-Action! Krawall bis der Sarg kommt, Humor und stimmungsvolle Kulissen, vorgetäuschte Tiefe funktioniert, Vollbedienung! 2012 steht der B-Action-Kessel unter Dampf, gebt mir mehr (Notiz: Umgehend weitere Filme von William Kaufman erwerben).

    Splendid bietet "Last Bullet" als DVD oder BD an, ich habe zur BD gegriffen. Die Scheibe zeigt den Film in guter Qualität, Bonusmaterial ist lediglich in Form diverser Trailer vorhanden. Einkaufstipp: "Last Bullet" gemeinsam mit "Six Bullets" ordern, eine Nacht mit Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme geniessen!

    Momentan schwanke ich zwischen 7,5/10 und 8/10. Zack, es werden 8/10 (sehr gut)!

    Lieblingszitat:

    "Amateure."


  • Blu-ray von Redemption (USA)



    Black Magic Rites (Italien 1973, Originaltitel: Riti, magie nere e segrete orge nel trecento)

    Sinnlichkeit & Irrsinn! Renato Polsellis bizarres Kinotheater schäumt über ...

    Im 14. Jahrhundert endete Isabella (Rita Calderoni) auf dem Scheiterhaufen, unter dem Beifall des Pöbels wurde sie als Hexe verbrannt. Ihr Liebhaber (Mickey Hargitay) konnte die Massen nicht stoppen, er schwört grausame Rache ... Fünfhundert Jahre später feiert eine illustre Runde am Ort des Geschehens eine rauschende Party. Bald verschwinden Personen, alle Beteiligten geraten in einen Strudel aus Lust, Angst und Wahnsinn ...

    Hm, der obige Inhaltseinblick fällt reichlich knapp aus? Ja, einerseits beabsichtigt, andererseits fällt es schwer das Treiben in angemessene Worte zu kleiden. Renato Polselli sprengte meinen Schädel bereits mit dem einzigartigen "Delirio Caldo" (Das Grauen kommt nachts, 1972) in Stücke, "Black Magic Rites" (auch unter dem Titel "The Reincarnation of Isabel" bekannt) quirlt die Grütze erneut mit Volldampf durch den Fleischwolf. Neben der Regie, zeichnet Polselli für das Drehbuch und den Schnitt verantwortlich, ein Meister des obskuren Kinos tobt sich aus.

    Wo fange ich, wo höre ich auf? "Black Magic Rites" verführt unsere Augen mit wunderschönen Farben, Erinnerungen an die Kompositionen von Mario Bava werden wach. Hier und da verweilt die Kamera lustvoll, spüre ich einen Hauch Jean Rollin durch den Raum wehen. Plötzlich drangsaliert ein keifendes Schnittmassaker meine Sinne, poltern Hektik und Wahnsinn im Eiltempo über mich hinweg. Bereits während der Vorspann in fröhlichen Farben über meinen Bildschirm rotiert, groove ich mich zu den Klängen der psychedelischen Musik auf den Streifen ein. Wüste Sprünge durch die Jahrhunderte, teuflische Rituale im tödlichen Taumel, Zeit und Raum verlieren an Bedeutung, haltlos und fasziniert lasse ich mich auf den Trip ein, vergesse alles um mich herum. Oft drängt sich der Vergleich zum Theater auf, die "subjektive Qualität" der Kulissen und Effekte verliert mehr und mehr an Bedeutung, unglaubliches Overacting einiger Darsteller wandelt auf dem schmalen Grat zwischen genial und grenzdebil. Immer wieder drängen blanke Brüste (überwiegend) attraktiver Damen ins Bild, muten in diesem Inferno fast wie eine samtige Erdung an, verlieren sich zugleich im überspannten Taumel aus Groschengrusel und bedeutungsschwanger-kaputten Dialogen. Herr Polselli frönt dem Humor. Während das finale Ritual des Schreckens seinen Lauf nimmt, wechselt er mehrfach munter und sorglos den Schauplatz, zeigt uns eine alberne Rödeleinlage aus der unteren Schublade, zerschmettert mit Pantoffeln der Verdammnis -ohne Not- die Krone seines ungezügelt geifernden Höllenschlunds.

    Mickey Hargitay und Rita Calderoni waren die tragenden Figuren in "Delirio Caldo", diesmal gehen sie in brodelnder Dauerekstase auf. Nicht immer, nicht immer. Hargitay darf mehrfach um Fassung ringen, während Rita Calderoni mich erneut verzaubert. Herr der Hölle, wie unglaublich schön diese Frau damals war! In all dieser Maßlosigkeit gibt es Momente des Friedens, ruht die Göttin auf ihrem Bett und schaut ins Leere, ich möchte vor der Glotze auf die Knie fallen! Polselli gönnt den Synapsen keine Entspannung. Ich verzichte auf die Aufzählung der übrigen Darsteller, Rita lässt keine klaren Gedanken zu. Ihr dürft sicher sein, wohlgeformte Möpse, fiese Fratzen und neurotische Entgleisungen erwarten euch! "Das Grauen kommt nachts" wurde durch die einzigartige Qualität der deutschsprachigen Synchronisation noch wahnsinniger, diese Option steht für "Black Magic Rites" nicht zur Verfügung. Völlig egal, denn "Riti, magie nere e segrete orge nel trecento" hat bereits ohne weitere Maßnahmen eine gigantische Überdosis galoppierenden Aberwitz aufgesogen.

    Wenn die Nutzung des Wortes "Füllhorn" jemals angebracht war, dann beim Versuch meine Eindrücke zu diesem Film festzuhalten. Hektische Sprünge durch die Zeit, Musik die sich aus allen möglichen Schubladen bedient, psychedelische Orgeln und die ganze Welt flüstert, schreit und gurgelt uns das Echo um/in die Ohren. Erotisches Geknister, zerhackt und durch den Schredder geprügelt. Teufelswerk, Gruften, Grusel und Hysterie, plötzlich Vampire. Der Nörgler findet Anschlussfehler in rauhen Mengen, ich trete ihm mit Anlauf in den Arsch, nenne es künstlerische Freiheit! Logik, Stringenz, logische Stringenz??? Bitte, setzt euch mit dem After auch eure Rechenschieber, ungefettet! Lieber Renato Polselli, vielen Dank für diese herrliche Nacht, hinter der Schwelle zum Wahnsinn frohlockt kranke Glückseligkeit. Blapi im Bett mit Rita, Schweineorgel inklusive, sucking in the Seventies!

    Boooing! Doooiiingggg! Hallo? ... Wie belieben? Wo bin ich, wer seid das hier und überall? Nun denn, eine DVD zu "Black Magic Rites" stand bereits seit einiger Zeit im Regal, vor wenigen Wochen gesellte sich die BD aus dem Hause Redemption hinzu. Ganz grosses Lob für diese Auswertung, angenehmerweise wurde der Film nicht auf ein "steriles Etwas" geschrumpft. Stimmungsvolle Farben, keine übertriebene Nachschärfung, kleine Verunreinigungen sind sichtbar, die Tonspur knistert und brummt manchmal lebendig vor sich hin. Der Film kommt toll rüber, mehr "Filmfeeling" geht im Pantoffelkino der Großbildfernseher und Beamer nicht (echtes "35mm Kino" lässt sich zumindest erahnen). "Riti, magie nere e segrete orge nel trecento" liegt im italienischen Originalton vor, englische Untertitel sind zuschaltbar. Weniger üppig die Ausstattung, mehr als ein paar Trailer aus dem Labelprogamm sind nicht in an Bord.

    Rituale, schwarze Magie und geheime Orgien im vierzehnten Jahrhundert ... oder satanische Freuden mit der Göttin und den Irren = 9/10 (überragend)!!!

    Lieblingszitat:

    "Her body belongs to Satan. She's damned for all eternity!"

  • • Die Kinder der Verdammten (Children of the Damned, Großritannien 1963) - Sechs unfassbar begabte Kinder gegen den Rest Welt? Zunehmend als Bedrohung empfunden, sollen die rätselhaften Persönlichkeiten vernichtet werden. Ein Psychologe versucht zu vermitteln ...

    Wie der bekanntere und als Klassiker geltende Vorgänger "Das Dorf der Verdammten" (1960), nimmt der Streifen sich zwischen den Zeilen gesellschaftlichen Problemem an. Zeigt Ängste und Vorurteile vor dem Unbekannten, Fremden auf, Unfähigkeit zur fruchtbaren Kommunikation zwischen den Lagern. Auf seltsame Weise bleiben die Charaktere dem Betrachter fremd, vielleicht mag die kühle Distanz ein unangehmens Spiegelbild sein, die Interpretation bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. So mutig und konsequent die Handlung zunächst voranschreitet, so unelegant und flach mündet Geschehen in einen zahnlosen Ausweg.

    Warner bietet den Streifen in solider Verfassung auf DVD an. Für Sammler interessant, die Masse ist bereits mit "Das Dorf der Verdammten" gut bedient.

    6/10 (obere Mittelklasse)

  • Im Ultrakurzformat:


    Nachdem vor einigen Wochen der legendäre "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, Spanien, Portugal 1971) wohlige Gruselstimmung verbreitete, wanderten nun die drei weiteren Streifen der losen Reihe in den Player. Während mir der Auftakt als einheimische Scheibe vorliegt, kamen bei den Nachfolgern die US-DVDs von Blue Underground zum Einsatz. Amando de Ossorios vier Werke um die satanischen Templer werden gern als Saga bezeichnet, dennoch bietet jeder Film eine eigenständige und in sich geschlossene Handlung. Ergo "darf" der Filmfreund die Reihenfolge beliebig wählen, ich bevorzuge dennoch den chronologischen Genuss.

    • Return of the Evil Dead (El ataque de los muertos sin ojos/Die Rückkehr der reitenden Leichen, Spanien, Portugal 1973) - Die Templer überfallen ein Dorf und metzeln fröhlich alles nieder, eine kleine Gruppe flüchtet in die nächste Kirche. Mit Tony Kendall in der Hauptrolle und Fernando Sancho als Fiesling, hat der Streifen zwei Stars des europäischen Genrekinos im Angebot. Atmosphäre ist Trumpf, hier wird nahezu die Klasse des ersten Films erreicht. Nebenbei hat Amando de Ossorio geschickt eingebaute Systemkritik im Angebot, zeichnet den Bürgermeister (dargestellt von Fernando Sancho) als ausgeprägt ekelhaften Charakter, während die ihm übergeordnete Instanz sich einen Dreck um die Belange der Bevölkerung schert, lieber mit dem Dienstmädchen zur Kissenschlacht schreitet.

    Dicke 8/10 (sehr gut) sind fällig, die Sause ist und bleibt eine unverzichtbare Perle des spanischen Horrorkinos! Übrigens enthält die DVD zwei unterschiedliche Versionen. Beide Fassungen funktionieren sehr gut, die spanische Variante verleiht einer Nebenfigur mehr Gewicht, haut dazu ein wenig blutiger aufs Mett.


    • The Ghost Galleon (El buque maldito/Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen, Spanien 1974) - Nun schippern die Templer auf ihrem Geisterschiff übers Meer, Maria Perschy und Jack Taylor plagen sich mit dem untoten Gesindel. Im dritten Aufguss siedelt de Ossorio den Großteil der Handlung auf einem vergammelten Seelenverkäufer an, der Titel des Streifens führt uns also nicht an der Nase herum. Interessant die Anlage der Hauptcharaktere, die Dame und der Herr sind nicht unbedingt die liebenswertesten Erscheinungen. Obschon das "Schiffskammerspiel" eine nahezu perfekte Vorlage für wohlige Gruselschauer bietet, verliert der dritte Angriff der Templer an Suhlenwert.

    Zunächst wollte ich 6,5/10 ziehen, aber das äusserst ansprechende Ende verhilft dem dritten Leichenausflug zu 7/10 (gut)


    • Night of the Seagulls (La noche de las gaviotas/Das Blutgericht der reitenden Leichen, Spanien 1975) - Irgendwo am Ende der Welt kommen ein neuer Arzt und dessen Gattin in den Ort, die Bewohner verhalten sich ausgeprägt abweisend. Grausige Rituale spielen sich ab, in den Nächten reiten die untoten Templer herbei und fordern ihren Blutzoll. Dem vierten Austritt der Gruftritter mangelt es -in Reihen der Herren- ein wenig an Darstellern mit gesteigertem Wiedererkennungswert, solche mögen nicht immer notwendig sein, hier wären sie jedoch hilfreich gewesen. Immerhin erfreuen die Damen meine Augen, die hübsche María Kosty kennt jeder Freund des spanischen Gruselkinos, gleiches gilt für die kantige Schönheit Julia Saly (welche leider nur in einer kleineren Rolle zu bewundern ist). Am Tropf der Vorgänger hängend stirbt es sich noch immer kurzweilig, im Vergleich zu "Nacht" und "Rückkehr" fällt "Blutgericht" deutlich ab.

    6,5/10 (oberste Mittelklasse)


    Fazit: An "Die Nacht der reitenden Leichen" und "Die Rückkehr der reitenden Leichen" kommt kein Fan gepflegter Gruselunterhaltung vorbei, ebenso sollten Einsteiger mehr als einen Blick riskieren. "Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen" und "Das Blutgericht der reitenden Leichen" stellen den Süchtling zufrieden, für Gelegenheitsglotzer vermutlich weniger interessant. Zahlreiche Veröffentlichungen sind erhältlich, die Blue Underground DVDs gehen in Ordnung, bieten englische und spanische Sprache an. Neben den Einzelscheiben ist eine sargförmige Box mit dem Titel "The Blind Dead Collection" auf dem Markt, diese führt Bonus-DVD und Booklet im Gepäck. Achtung! Im deutschen Handel treibt sich eine BD mit allen vier Teilen herum (Die Reitenden Leichen Quadrilogy), leider sind nur gekürzte Fassungen enthalten, Finger weg!


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    • Das Dorf der Verdammten (Village of the Damned, Großbritannien 1960) - Sämtliche Bewohner einer kleinen Ortschaft fallen unerklärlicherweise in Ohnmacht, wachen nach ein paar Stunden wieder auf. Wenige Wochen später stellt man bei allen gebärfähigen Frauen des Dorfes Schwangerschaften fest. Bereits im Mutterleib entwickeln sich die Kinder übermäßig schnell, nach der Geburt setzt sich dieser Prozess fort. Offenbar sind alle Sprößlinge auf erstaunliche Art miteinander verbunden, bald suchen Angst und Schrecken den einst beschaulichen Ort heim ...

    Dieser Mix aus Grusel, Science-Fiction und Thriller geht unter die Haut! So bleibt die Herkunft der unheimlichen Kinder rätselhaft, überlässt man vieles der Phantasie des Zuschauers. Vor allem gelingt es die Blagen wirklich schaurig einzufangen, mir läuft es bei jeder Sichtung eiskalt den Rücken herunter. "Das Dorf der Verdammten" gehört in jede Sammlung, gleiches gilt für John Carpenters Remake von 1995! Warner präsentiert den Film in ansprechender Qualität, der Bonusbereich gibt leider nur einen (deplatzierten) Trailer zur "James Dean Collection" her.

    8/10 (sehr gut)


  • DVD von Odeon Entertainment (UK)



    The Devil's Men (Großbritannien, Griechenland, USA 1976, Origaltitel: The Devil's Men)

    Peter, Donald und der Minotaurus des Grauens

    Father Roche (Donald Pleasence) ist beunruhigt, in einer entlegenen Ecke Griechenlands verschwinden Menschen ohne jede Spur. Als Ian (Nikos Verlekis), Beth (Vanna Reville) und ihr Freund Tom (Robert Behling) bei Roche auftauchen, währt die Freude über den Besuch des ihm gut bekannten Liebespaares Ian und Beth nur kurz. Das Trio will zwecks archäologischer Tätigkeit genau in die dem Geistlichen verdächtige Gegend aufbrechen. So werden die Warnungen des alten Herrn ignoriert, mitten in der Nacht brausen die Abenteuerlustigen in ihrem Auto davon. Nach kurzer Zeit entdecken Ian und Tom den Eingang zu einer Höhle, doch die Faszination weicht rasch dem blanken Entsetzen, man findet die Leichen der von Father Roche vermißten Personen. Derweil trifft Beth auf den freundlichen Baron Corofax (Peter Cushing), der Adelige erteilt ausdrücklich die Erlaubnis auf seinem Grundbesitz zu campieren. Als Toms Lebensgefährtin Laurie (Luan Peters) in Griechenland eintrifft, hat die junge Frau noch keine Ahnung von den ihr bevorstehenden Erlebnissen oder dem Schicksal ihrer Freunde. Sie sucht Father Roche auf, welcher nun endlich seinen Vertrauten, den Privatdetektiv Milo (Kostas Karagiorgis), zur Anreise aus den USA bewegen kann. Sofort machen sich Roche, Milo und Laurie auf den Weg in den vermutlich gefährlichen Landstrich, ein Besuch beim vor Ort zuständigen Polizisten (Dimitris Bislanis) erweist sich als wenig hilfreich. Was geht auf dem Boden des Baron Corofax vor? Können Roche und seine Begleiter das Rätsel lösen? ... oder befinden sie sich ebenfalls in akuter Lebensgefahr???

    Regisseur Kostas Karagiannis war ein in Griechenland sehr aktiver Filmschaffender, bei uns sind seine Arbeiten offenbar weitgehend unbekannt. "The Devil's Men" blieb in Deutschland unbeachtet. Schade, denn der Film transportiert typische Elemente des britischen Gruselfilms in ein südeuropäisches Umfeld. Sofort macht sich wohlige Atmosphäre breit, fiese Kapuzenträger schleichen durch die vom Vollmond in fahles Licht getauchte Landschaft, erbringen ihrem Götzen in dessen Höhlengewölbe Menschenopfer. Hier wird in die Kiste der griechischen Mythologie gegriffen, die Damen und Herren Bösewichte beten einen steinernen Minotaurus an, aus dessen Nasenlöchern das Höllenfeuer der ewigen Verdammnis lodert. Mit solchen Ködern fängt man mich freilich ohne Gegenwehr ein, verwandelt sich mein Sofa in Bruchteilen von Sekunden in meine geliebte Wohlfühlsuhle. Abseits solcher Rituale wartet weder liebliches Hinterland der britischen Insel auf uns, noch das nebelverhangene London mit seinen düsteren Gassen und schwarzen Kutschen. Nein, es gibt die herbe Schönheit griechischer Felslandschaften auf die Augen. Nur auf den ersten Blick ein harscher Kontrast zum knuffigen Gothic Grusel, rund um den Minotaurus und dessen Schergen, denn letztlich sorgt dieses Umfeld für ein stimmiges und gleichzeitig erfrischendes Ambiente. Ab und zu bricht ein zartes Pflänzlein namens englischer Humor durch das omnipräsente Gestein hervor, sehr angenehm. In den siebziger Jahren durfen auch die jungen und langhaarigen Herren noch echte Machos sein, während die Damen kleine Ausblicke auf die Auslagen gewähren, sich als Nachwuchs auf den Titel der Scream Queen bewerben. Ja, die jüngeren Weiblein und Männlein machen ihre Sache gut, dominiert wird das Geschehen jedoch von zwei ganz, ganz grossen Herrschern ...

    ... damit sind wir bei den Zeilen zum Ensemble angekommen. Es ist kein Geheimnis, ich bin ein grosser Verehrer von Donald Pleasence, ich liebe Peter Cushing abgöttisch! Pleasence wurde gern als Bösewicht besetzt, war z. B. in der Rolle des Blofeld (Man lebt nur zweimal, 1967) als Gegenspieler von James Bond zu sehen. Legendär ist allerdings seine Darbietung als Dr. Sam Loomis in John Carpenters Überflieger "Halloween" (1978). Als verschrobener Held Dr. Loomis veredelte Pleasence diverse Fortsetzungen mit seiner Anwesenheit, stellte sich dem personifizierten Bösen namens Michael Myers unermüdlich entgegen. In diesem Zusammenhang ist der Blick auf "Halloween" unvermeidlich, denn Pleasence liefert als Father Roche einen "Proto-Loomis" ab. Wie der Psychiater Loomis wird der Geistliche Roche zunächst für einen überspannten Knacker gehalten, muss seine Mitstreiter mit nahezu fanatischer Ausdauer von seinem Anliegen überzeugen. Donald Pleasence spielt großartig auf, der Fingezeig auf seinen späteren Paradecharakter bereitet grosse Freude. Peter Cushing schlug sich für Hammer mehrfach mit Dracula herum, bastelte für die britische Filmschmiede als Dr. Frankenstein an Leichen, war in zahlreichen anderen Horrorproduktionen und Thrillern zu bewundern. Einmal mehr unterstreicht Cushing seine Wandlungsfähigkeit, gibt sich als teuflischer Baron Corofax gnadenlos, kaltherzig und ohne jeglichen Anflug von Skrupel, Mitgefühl ist für den Kapuzenträger ein Fremdwort, Anflüge von Freundlichkeit bleiben Fassade. Egal ob strahlender Held oder abgründiger Finsterling, ich liege Herrn Cushing zu Füßen. Bei aller Begeisterung für das Duell der Titanen, völlig ohne kleine Würdigung sollen die anderen Mitwirkenden nicht bleiben. Kostas Karagiorgis vertritt seine Heimat würdig, der griechische Star darf als Helferlein des geschätzten Herrn Pleasence auf den Putz hauen. Dimitris Bislanis liefert als zwielichtiger Gesetzeshüter eine ordentliche Vorstellung ab, Nikos Verlekis und Robert Behling dürfen ein paar flotte Sprüche absondern. Für die Damen bleibt nicht allzu viel Raum, ein Hauch Erotik, eine Runde Geschrei und unwilliges Opferlammtum. Luan Peters hinterlässt den stärksten Eindruck, mir fiel sie bereits in Pete Walkers herrlichem "Im Rampenlicht des Bösen" (The Flesh and Blood Show, 1972) positiv auf.

    "The Devil's Men" baut auf seine starken Figuren, das Drehbuch hält sich nicht mit langen Erklärungen oder verquasten Rechtfertigungen auf. Mit Anlauf in den prallen Napf voller Wohlfühlatmosphäre, so liebe ich meine Filmnächte des Todes! Bereits die Anwesenheit der Herren Cushing und Pleasence bereitet mir Wonne, darüber hinaus überzeugt das "Gesamtpaket", inklusive der sehr stimmungsvollen Musik von Brian Eno. Während des Abspanns gibt es einen Kontrast zu Enos sphärischen Klängen auf die Ohren, rockiger Sound, irgendwie wie eine nervöse Variante der frühen Black Sabbath tönend, passt.

    Fazit: Für den Fan ein kleines Freudenfest, nicht nur (aber auch) wegen der Auftritte von Peter Cushing und Donald Pleasence! Odeon Entertainment präsentiert den Streifen in ansprechender Qualität, angenehmerweise wurde Wert auf "Filmerlebnis statt Hochglanz" gelegt. Im Bonusbereich sind sieben Trailer und eine Bildergalerie zu finden, ferner liegt ein interessantes Booklet bei, die Scheibe ist zum fairen Preis erhältlich. Klarer Pflichtkauf!

    Dicke 7/10 (gut) sind angesagt, der "Wohlfühlfaktor" sprengt (mal wieder) jegliches Zahlenraster.

    Lieblingszitat:

    "The Devil has many faces!"






  • Griechische Feigen (Deutschland 1976, Originaltitel: Griechische Feigen)

    Auf der Suche ...

    Patricia (Betty Vergès) wird von ihren Eltern nach München geschickt. Vor der Abreise verschenkt die junge Frau am Flughafen ihr Ticket und bleibt in Griechenland, reist auf eigene Faust durch den sommerlichen Mittelmeerstaat. Neugierig trifft Patricia auf freundliche und weniger freundliche Menschen, erlebt erotische Abenteuer und gerät in die eine oder andere brenzlige Situation. Auch der auf kleinem Segelboot schippernde Tom (Claus Richt) kreuzt ihren Weg, reicht es diesmal für mehr als ein flüchtiges Abenteuer?

    In den siebziger Jahren entstanden unzählige Softerotikfilme, viele boten Ausblicke auf hauptsächlich schmackhafte Obstkörbe (meist) attraktiver Damen, geizten überdies nicht mit debilen Dialogen und überschaubarer Handlung. Auf den ersten Blick möchte man "Griechische Feigen" genau in diese Schublade stecken. Freilich dürfen wir die attraktive Hauptdarstellerin häufig unbekleidet geniessen, haut uns das Drehbuch diverse Zoten um die Ohren, bedient die üblichen Klischees. Wer sich damit anfreunden kann, der darf sich auf knapp 90 Minuten lockere Unterhaltung in einem schön eingefangenen Umfeld freuen, die zweite Hälfte verliert an Tempo, angenehmerweise leidet der Unterhaltungswert nicht darunter.

    Fazit? Nein, denn "Griechische Feigen" hat mehr zu bieten als vermutet! Unter der glatten Oberfläche gibt es einiges zu entdecken. Kleine Seitenhiebe auf die fürsorglichen Eltern, Mami sorgt sich wahnsinnig ums Töchterchen, steht allerdings wegen des Termins beim Frisör unter Zeitdruck, Frau muss Prioritäten setzen. Deutsche Touristen wollen um jeden Preis die Sau rauslassen, der Wunsch nach Sex soll notfalls mit Gewaltanwendung in die Tat umgesetzt werden. Derweil führt Patricia per Tonband Tagebuch, gibt sich bei ihren Aufzeichnungen zunehmend nachdenklich. Eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst, irgendwo zwischen kokett und melancholisch auf der Strasse der Freiheit unterwegs. Dank der hübschen und sympathischen Betty Vergès macht der Trip Laune, Regisseur Sigi Rothemund kann sich auf seine Protagonistin verlassen. Leider währte die Filmkarriere der knackigen Dame nur kurz, schade. In einer Nebenrolle taucht die damals blutjunge Olivia Pascal auf, Claus Richt hat den wichtigsten Part innerhalb der Herrenriege erwischt. Untermalt wird das kurzweilige Treiben durch nette Musik, nur selten gleitet der Score in eher befremdliche Gefilde ab.

    "Griechische Feigen" ist ein kleine und liebenswerte Sause aus dem Hause Lisa Film. MCP bietet den Streifen für wenig Geld an, die Scheibe bietet lediglich einen Trailer als Bonus, die Bildqualität geht aus meiner Sicht in Ordnung (nicht für Zeilenzähler geeignet). Achtung! Es sind zwei unterschiedliche Auflagen erhältlich, die FSK 16 Variante enthält eine massiv gekürzte Fassung. Keine Panik, die 18er-Scheibe wechselt zum ebenso günstigen Kurs den Besitzer.

    6/10


    Lieblingszitat:

    "Ich bin der Ulf! Und das ist der geile Max!"


  • Italian Genre Cinema Collection No. 6 von Camera Obscura



    Inferno unter heisser Sonne (Italien 1972, Originaltitel: Al tropico del cancro)

    Kunst, Popanz und Voodoo! Anita, Anthony & Gabriele auf Haiti!

    Dr. Williams (Anthony Steffen) lebt seit einiger Zeit auf Haiti. Dem angesehenen Wissenschaftler ist die Entwicklung eines -aus seiner Sicht- äusserst gefährlichen Serums gelungen, diverse Interessenten möchten schnellstmöglich Zugriff auf die Substanz erhalten. Williams weist alle Angebote mit Nachdruck zurück, lässt sich auch nicht durch Drohungen und Gewaltanwendung umstimmen. Fred Wright (Gabriele Tinti) und seine Gattin Grace (Anita Strindberg) sind gemeinsam nach Haiti gereist, die Ehe des Paares scheint kurz vor dem Ende zu stehen. Während Grace sich nicht mit dem ungewohnten Umfeld anfreuden mag, freut sich Fred vor allem über das Wiedersehen mit seinem alten Kumpel Williams. Bald sorgt eine erschreckende Mordserie für jede Menge Aufregung, offenbar ist eine Probe des tödlichen Serums in falsche Hände geraten. Welche Rolle fällt Fred in diesem lebensgefährlichen Spiel zu? Steckt der zwielichtige Mr. Garner (Stelio Candelli) hinter den Morden, weil der von ihm mit der Beschaffung des Stoffes beauftragte Peacock (Alfio Nicolosi) keinen Erfolg vorweisen kann? Weitere Todesfälle sind zu beklagen, wird sich Dr. Williams dem Terror beugen?

    "Inferno unter heisser Sonne" transporiert das übliche Umfeld des Giallo in die tropische Hitze Haitis, es muss nicht immer eine Großstadt in Italien (oder Europa) sein. Trotz der exotischen Kulisse verzichtet der Film nicht auf schwarze Handschuhe, ruppige Morde und eine ordentliche Prise Erotik. Spannung und Logik ordnen sich verdorbenen Charakteren und stilvollen Schauplätzen unter, ebenso typisch für das Genre (ich sage es immer wieder, wer Logik braucht, der soll Rechenaufgaben lösen). Einige Szenen gewähren dem Zuschauer Blicke auf Rituale des Voodoo, verleihen dem Werk einen dezenten "Mondo-Anstrich". Seinen sinnlichen Höhepunkt erreicht das Treiben in einer wunderschön gefilmten Traumsequenz, im Rausch erlebt Anita Strindberg ein erotisches Abenteuer. An Nacktheit hatte man sich zu dieser Zeit bereits bewöhnt, gleichwohl gilt die Hingabe der attraktiven Schwedin einem schwarzen Adonis. Für manch enge Stirn vermutlich ein Skandal, für Filmfreunde ein Moment voller Anmut, Schönheit und knisternder Erotik. Die Regie ordnet man Edoardo Mulargia und Giampaolo Lomi zu, In diesem Zusammenhang lässt das Bonusmaterial der DVD aufhorchen. Während der geschätze (inzwischen leider verstorbene) Experte Antonio Bruschini die Regie Mulargia zuordnet (Lomi soll nur die "Mondo-Szenen" gedreht haben), berichtet Giampaolo Lomi von seiner fast vollständig eigenständigen Arbeit, Mulargia sei nur als Beobachter an Bord gewesen, habe die meiste Zeit am Strand verbracht. Für Bruschinis Ansicht spricht ein Blick auf die Karrieren der Herren Mulargia und Lomi, andererseits sollte Lomi es als damals Beteiligter besser wissen. Sehr gut gefällt mir die Kameraarbeit von Marcello Masciocchi, die sich immer wieder wie ein lüsternes Raubtier präsentiert. Lomis "Mondo-Shots" schlagen nicht minder zielsicher ein, erstaunlicherweise wirken sie nicht wie die Spieldauer streckende Fremdkörper, sondern ziehen den Betrachter noch tiefer in das Geschehen hinein. Es wäre unfair den angenehmen Score von Piero Umiliani zu unterschlagen, welcher das bunte Treiben punktgenau und sehr hörenswert aufhübscht.

    Wie schlägt sich Anthony Steffen ohne Colt und Hut, abseits staubiger Westernszenarien? Sicher, der liebe Anthony zählte zu den gefragtesten Darstellern des Italowestern, doch funktionierten seine eher überschaubaren Fähigkeiten auch ausserhalb dieses eher limitierten Genres? Aus meiner Sicht kann ich diese Fragen mit einem dicken und grossen JA beantworten! Für mich hat er seine besten Auftritte in Streifen wie z. B. "La notte che Evelyn uscì dalla tomba" (Die Grotte der vergessenen Leichen aka Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam, 1971) und "Femmine infernali" (Die Liebeshexen vom Rio Cannibale, 1980). Einmal mehr agiert Steffen hölzern und hüftsteif, wetzt diese Scharte jedoch mit seiner ganz speziellen und unverschämten Lässigkeit aus, seine natürliche Präsenz übertüncht mühelos sämtliche "Nichtschauspielerei". Überhaupt ist Herr Doktor Williams ein verdammt cleverer Typ, bei Bedarf zaubert er locker ein Gegenmittel nach einem gefährlichen Spinnenbiss aus dem (nicht vorhandenen) Hut, landet wie selbstverständlich mit der schönsten Frau der Sause im Lotterbett. Gabriele Tinti kennt und schätzt wohl jeder Liebhaber exotisch-erotischer Italostreifen, der spätere Ehemann der legendären Laura Gemser ist stets eine Bereicherung. Vor allem in den gemeinsamen Szenen von Steffen und Tinti wird deutlich, dass sich Blender und Könner erstklassig ergänzen können, trotz offensichtlicher Unfähigkeit vermag sich Steffen gegen Tinti behaupten. Anita Strindberg veredelt einige Genreperlen mit ihrer kantigen, kühlen und nordischen Schönheit, war in Werken von Größen wie Lucio Fulci (A Lizard in a Woman's Skin/Una lucertola con la pelle di donna, 1971), Sergio Martino (La coda dello scorpione/Der Schwanz des Skorpions, 1971) oder Aldo Lado (Chi l'ha vista morire, The Child - Die Stadt wird zum Alptraum, 1972) zu bewundern, die Dame gehört fraglos zu den Königinnen der frühen siebziger Jahre. Zwischen den Polen Steffen und Tinti verteidigt Strindberg ihre großzügige Nische souverän, Grace schwimmt sich nach und nach frei. Frust in der Ehe, sexuelle Phantasien, wachsendes Selbstbewusstsein und pure Sinnlichkeit, nie war Schweden schöner. Der Blick auf die Riege der Nebendarsteller lohnt sich, mir gefällt die ruppige Darbietung von Stelio Candelli sehr gut, Alfio Nicolosi sorgt als feister Puderbeutel für manchen Schmunzler, Umberto Raho punktet als kerniger Hotelfritze.

    Vielleicht sollten Neueinsteiger sich zunächst mit den bekannteren Klassikern des Genres beschäftigen, als Fixpunkt möchte ich Dario Argentos "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" anführen. "Inferno unter heisser Sonne" tischt dem Liebhaber bewährte Zutaten auf, kleidet sich darüber hinaus in ein exotisches Gewand, kleine Mondoausritte inklusive. Grossartige Momente allerfeinster Sorte treffen auf groteske Zwischentöne, der Fan freut sich über das Date mit den Lieblingen Strindberg, Steffen und Tinti. Mhhmm, gerade kommt mir erneut Anitas Traum in den Sinn, ich schwebe sanft davon ...

    Halt! So nicht! Wie ist es um die Qualität der DVD bestellt? Auf Camera Obscura ist Verlass! Der Film liegt in sehr schöner Qualität vor, zwei interessante Interviews, ein Trailer und eine Bildergalerie sind im Bonusbereich zu finden. Überdies enthält das Set ein Booklet, Christian Keßler unterhält mit sehr lesenswerten Ausführungen. Verpackt ist diese hochklassige Veröffentlichung in einem Digipak samt Schuber. Achja, der Ton liegt in deutscher und italienischer Sprache vor, die deutsche Synchro gefällt mit ihrem teils nassforschen Zungenschlag. Fast hätte ich die hemmungslose schöne Gestaltung des Menüs nicht gelobt ... Fazit: Klarer Pflichtkauf, klarer geht es nicht!

    Punkte? Muss das unbedingt sein? Mehr als 7/10 (gut) lässt der Vergleich mit den Spitzen des Genres nicht zu, gleichwohl ist "Inferno unter heisser Sonne" für den Sammler unverzichtbar! "Repertoirewert" 10/10 & Wohlfühlfaktor 10/10!!!


    Lieblingszitat:

    "So schön finde ich Dein Haiti jetzt auch wieder nicht."
    "Warte nur, wenn Du erst ein paar Tage hier bist, dann willst Du gar nicht mehr weg!"






  • Six Bullets (USA 2012, Originaltitel: Six Bullets)

    Wenn nichts mehr geht ... bitte den Metzger um Hilfe!

    Der ehemalige Fremdenlegionär und Söldner Simon Gaul (Jean-Claude Van Damme) hat sich auf die Suche und Befreiung von Entführungsopfern spezialisiert, niemand erledigt diesen harten Job zuverlässiger. Erneut zieht Simon erfolgreich einen Auftrag durch, er rettet einen kleinen Jungen aus einem osteuropäischen Bordell, diverse Ganoven überleben die Befreiungsaktion nicht, ferner wird das Gebäude arg in Mitleidenschaft gezogen. Am nächsten Morgen präsentiert der zuständige Ermittler Inspector Kvitko (Steve Nicolson) dem Retter die Kehrseite der Medaille. Auf der Flucht haben Zuhälter und Kinderschänder haben zwei Mädchen skrupellos im brennenden Haus zurückgelassen, beide Kinder hatten keine Überlebenschance. Simon kann den grausigen Anblick nicht vergessen. Ständig sieht er die toten Mädchen, zieht sich in seine Metzgerei zurück, gibt sich dort zügellos dem Alkoholmißbrauch hin. Andrew Fayden (Joe Flanigan) hat derweil ganz andere Dinge im Kopf. Mit seiner Frau Monica (Anna-Louise Plowman) und der gemeinsamen Tochter Becky (Charlotte Beaumont) ist er nach Moldawien gereist, der erfolgreiche Mixed Martial Arts Kämpfer will dort einen wichtigen Kampf austragen. Schnell schlägt die gute Stimmung in blankes Entsetzen um, Becky ist plötzlich spurlos aus dem Hotel verschwunden, es gibt keinerlei Nachricht oder Lösegeldforderung. Durch den Diplomat Selwyn Gaul (Kristopher Van Varenberg) kommen die Eheleute Fayden mit dessen Vater Simon in Kontakt, nach kleinen Anlaufschwierigkeiten begibt sich der angeschlagene Spezialist auf die Suche nach Becky ...

    Regisseur Ernie Barbarash arbeitete bereits bei "Assassination Games" (2011) mit Jean-Claude Van Damme zusammen. Obschon ich den Van Damme Streifen der letzten Jahre sehr zugetan bin, konnte mich "Assassination Games" nicht auf ganzer Linie überzeugen. Kein Grund zur Sorge, denn diesmal trifft Barbarash mitten ins Schwarze! Zwecks Werbung weist das Cover der BD auf "eine explosive Mischung aus "96 Hours" und "Man on Fire" hin. Solche Vergleiche bereiten mir meist Bauchschmerzen und sind oft haltloser Blödsinn, in diesem Fall scheinen mir die angeführten Bezugspunkte zumindest nicht völlig absurd und aus der Luft gegriffen. Freilich punktet "Six Bullets" für meinen Geschmack mit seiner ruppig-kernigen B-Movie Atmosphäre, überdies ist Jean-Claude Van Damme einer DER wahren Actionhelden, sorry lieber Denzel, sorry lieber Liam (über Herrn Van Damme steht selbstverständlich der göttliche und einzigartige Dolph Lundgren! Ich habe meine Zuneigung zum alten Schweden schon häufiger in die Tastatur geprügelt, erzähle an dieser Stelle folglich keine Neuigkeiten). Gerade verliere ich den roten Faden, seht mir diesen kleinen Anfall Fanboytum bitte nach.

    Jean-Claude Van Damme ist längst zu einem erstklassigen Schauspieler gereift, darüber hinaus hinterlässt er auch als prügelnde Kampfmaschine noch immer einen durchschlagenden Eindruck. Gebrochene Charaktere meistert der Belgier mit Bravour, großartig seine Leistung in "Until Death" (2007), geradezu überwältigend der Seelenstriptease namens "J.C.V.D." (2008). "Six Bullets" bietet Van Damme die Bühne zur Zeichnung eines schwer depressiven Charakters, lässt aber genügend Raum für die schlagkräftigen Argumente des Actionhelden. Zwar wollte ich vor meiner Würdigung der Darsteller noch ein paar Worte über Story, Regie und Kamera loswerden, aber nun bin ich bereits meiner Begeisterung für Van Damme erlegen. Starke Szenen in Momenten brüllender Verzweiflung, knallharte Action und gepflegte Konversation, Jean-Claude Van Damme war nie besser als in den letzten Jahren! Joe Flanigan darf in der Rolle des MMA Fighters ab und an zulangen, bleibt aber in erster Linie besorgter Vater und Ehemann. Eventuell hätte man Flanigan eine Spur deutlicher in den "Action-Mittelpunkt" rücken können, nötig wäre eine solche Maßnahme nicht, sie wäre vermutlich auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Tiefe des Charakters gegangen. Spontan wünschte ich mir bei der Sichtung des Films Scott Adkins an Van Dammes Seite, es gibt jedoch nichts an Joe Flanigans Leistung zu bemängeln. Anna-Louise Plowman erspart dem Zuschauer weinerlich-hysterische Momente, im knallharten Kampf um das Lebens ihres Kindes bricht die Löwin aus ihr hervor. Plowman verfügt über Erfahrung im B-Action Kosmos, im Steven Seagal Klopper "The Foreigner" (2003) war die attraktive ebenfalls Dame am Start. Charlotte Beaumont meistert den Part des entführten Teenie-Mädchens gut, mutet wie ein übliches Kind ihrer Generation an. Steve Nicolson darf das Klischee des stets bestechlichen Polizeibeamten aus Osteuropa aufbrechen. Uriel Emil Pollack gefällt als schmieriger Schwerverbrecher, er gibt den sadistischen Handlanger des einflussreichen Obergauners Stelu (Louis Dempsey). Kristopher Van Varenberg sehen wir als Filmsohn von Jean-Claude Van Damme, die Chemie zwischen den Herren stimmt und macht Lust auf mehr (kein Wunder, immerhin ist Kristopher tatsächlich Van Dammes Sohn. Er war bereits in mehreren Streifen seines Vaters zu sehen, fiel mir aber noch nie so positiv auf wie in diesem Flick).

    "Assassination Games" nervte mit seiner fürchterlichen Farbgestaltung, angenehmerweise hält sich Ernie Barbarash diesmal weitgehend zurück und baut auf eine "augenfreundliche Farbpalette". Sehr schön, denn "Six Bullets" kommt mit gut gewählten Schausplätzen daher, hat solche Verschlimmbesserungen nicht nötig. Hier und da schwächelt das Erscheinungsbild, der eine oder andere digitale Effekt vermag nicht zu überzeugen. Macht nichts, denn viele "greifbare" FX entschädigen dafür, hinzu kommen die sehr ansprechend ausgearbeiteten Actionsequenzen und ein deftiger Härtegrad. Zusammenfassend trumpft "Six Bullets" mit einem Hauptdarsteller in toller Spiellaune auf, hat starke Nebenakteure im Angebot, das Drehbuch bedient sich in aus Töpfen mit Aufschriften namens Thriller, Drama und Action. Ernie Barbarash tischt dem Filmfreund ein schmackhaftes Menü auf, empfiehlt sich für weitere Aufgaben.

    Die beiden knalligen "The Expendables" des Herrn Stallone bescheren dem Actionfilm wieder mehr Aufmerksamkeit. Ich begrüße das ausdrücklich! Vor allem wenn das Publikum endlich wieder ein Auge für gepflegte B-Action übrig hat! Neueinsteiger (oder erneute Einsteiger) müssen nichtmal auf Nachschub nicht warten, prächtige Streifen mit den Helden Lundgren, Van Damme und (teilweise) Seagal sind reichlich vorhanden. Seht es endlich ein, die alten Herren rocken härter und besser als jemals zuvor!

    Mir liegt "Six Bullets" auf der BD aus dem Hause Splendid vor, die Qualität ist sehr ansprechend, der Bonusbereich leider geizig ausgestattet. Klarer Pflichtkauf, keine Ausreden!

    Zunächst ziehe ich dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut). Da geht sicher noch mehr, der Streifen wird meinen Player bald wiedersehen ...

    Lieblingszitat:

    "Wenn Du den Menschen nicht mehr helfen willst, dann bist Du nur noch ein verdammter Metzger!"
    "Dein Großvater war auch Metzger. Die Menschen brauchen Fleisch."



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    Am vergangenen Abend musste natürlich ein Beitrag zum Thema "Halloween" auf den Bildschirm des Grauens, ergo wanderte "Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers" (1989) in den Player der Verdammnis. Teil 5 knüpft nahtlos an den sehr starken "Halloween 4" (1988) an, kann dessen hohe Qualität aber nicht ganz halten. Dennoch meuchelt Michael gewohnt unterhaltsam, Donald Pleasence liefert als Dr. Loomis einmal mehr eine grandiose Vorstellung ab, Danielle Harris präsentiert sich als schauspielendes Kind der talentierten Sorte.

    Macht Laune = 7/10 (gut)


  • #10 der Koch Media Hammer Edition



    Der Satan mit den langen Wimpern (Großbritannien 1964, Originaltitel: Nightmare)

    Die angenehm merkwürdigen deutschen Titel ausländischer Filme ...

    Janet (Jennie Linden) wird von fürchterlichen Albträumen gepeinigt! Obwohl inzwischen sechs Jahre ins Land gezogen sind, seit das Mädchen im zarten Alter von elf Jahren zur Zeugin eines schrecklichen Vorfalls wurde. Ständig fürchtet sich Janet davor dem Wahnsinn zu verfallen, wie ihre Mutter in einem Irrenhaus zu landen. So verlässt die junge Frau zunächst die Schule, im elterlichen Anwesen soll sie zur Ruhe kommen. Janets Vormund Henry Baxter (David Knight) hat die fürsogliche Grace Maddox (Moira Redmond) eingestellt, die ausgebildete Fachkraft soll die Rolle einer mütterlichen Freundin einnehmen. Überdies haben die Hausangestellten Mrs. Gibbs (Irene Richmond) und John (George A. Cooper) den angeschlagenen Teenager ins Herz geschlossen, in diesem positiven Umfeld darf auf das Verschwinden der grausigen Träume gehofft werden. Leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht, mehr und mehr scheint Janet den Bezug zur Realität zu verlieren, verstrickt sich immer tiefer in Träume und wahnhafte Vorstellungen. Mehrfach warnt der gerufene Arzt (John Welsh) vor einer weiteren Verschlimmerung der Lage, rät dazu Janet in einem Sanatorium unterzubringen. Henry lehnt diesen Vorschlag zunächst ab. Doch dann trifft Janet erstmalig auf die Ehefrau ihres Vormunds, es kommt zu einer ungeahnten und blutigen Katastrophe ...

    Mit der britischen Filmschmiede Hammer verbindet der Filmfreund zahlreiche Horrorstreifen der schönsten Sorte. Unholde wie Dracula, Frankenstein und sonstiges Gezücht sorgen auch nach Jahrzehnten für wohlige Gruselschauer. Grösste Stars dieser Ära waren Peter Cushing und Christopher Lee, häufig bereiteten attraktive Damen dem Auge des Zuschauers zusätzliche Freude. Ich liebe den typischen Hammer Horror abgöttisch, darüber soll aber nicht vergessen werden, dass die Briten sich nicht auf das Genre um Vampire und Leichenfledderer beschränkten. Thriller waren ein fester Bestandteil des Hammer Kosmos, der hier kurz vorgestellte Film bedient dieses Spielfeld in sehr unterhaltsamer Weise.

    Regie führte (der 2007 leider verstorbene) Freddie Francis, der auf eine lange Karriere als Kameramann und Regisseur verweisen kann. Seine Blütezeit auf dem Regiestuhl begann in den frühen sechziger Jahren, sie dauerte bis zur Mitte des folgenden Jahrzehnts an. Francis war mehrfach für Hammer tätig, arbeitete allerdings auch für die Mitbewerber Amicus und Tigon. Besonders angetan haben es mir die Amicus Produktionen "Die Todeskarten des Dr. Schreck" (1964) und "Die tödlichen Bienen" (1967). Bei der hier kurz vorgstellten Hammer Produktion kann Francis auf ein äusserst solides Fundament bauen. Gewohnt stimmungs- und stilvolle Kulissen bieten den perfekten Rahmen, die Kamera bediente der versierte John Wilcox, aus der Feder von Don Banks stammt der solide Score (welcher in meinen Ohren teils eine Spur zu bieder und konservativ tönt). Jimmy Sangster verbucht das Drehbuch auf seinem Konto, die Wendungen kommen nicht allzu überraschend aus der Kiste gehüpft, hier und da hätte die Boshaftigkeit ein wenig wüster zuschlagen dürfen.

    Werfen wir einen kurzen Blick auf die Akteure vor der Kamera. In der ersten Hälfte steht Janet im Mittelpunkt, dargestellt von der ab und an leicht überfordert anmutenden Jennie Linden. Ich möchte Lindens Vorstellung nicht allzu sehr bemängeln, die junge Dame befand sich noch in der Anfangsphase ihrer Laufbahn. Freilich ist die Darbietung einer psychisch angeschlagenen Person oft kein leichtes Spiel, nicht immer meistert Jennie Linden den schwierigen Balanceakt zwischen Ernsthaftigkeit und Nervensägerei. Vielleicht war seitens Regie und/oder Drehbuch eine gewisse Ironie gefragt, die sich bei genauer Betrachtung unterschwellig durch den Film zieht, für die Nachwuchskraft vermutlich eine kaum zu stemmende Herausforderung. Moira Redmond verlangt die Erzählung sehr unterschiedliche Charaktereigenschaften ab, der Bogen spannt sich von herzlich über kalt bis hysterisch. Frau Redmond meistert jede Marschrichtung vorzüglich, eine hochklassige Vorstellung. Irene Richmond und Brenda Bruce sind die unterschätzten Seelchen der Handlung, David Knight gibt den glatten Rechtsverdreher, George A. Cooper steht dem freundlichen Teil der Damenriege als züchtiges Helferlein zur Seite. Auf die kleineren Nebenrollen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein, alle Beteiligten machen einen guten Job, Jennie Lindens Vorstellung mag manch anderer Filmfreund etwas positiver als ich zu beurteilen.

    Hammer garniert den hauseigenen Psychothriller mit einer düsteren Gruselstimmung, in dieser Schnittmenge des Wohlgefallens sollten sich Freunde des Horrors, Krimis und der frühen sechziger Jahre gut aufgehoben fühlen. Klar, hier weht noch nicht der frische Wind durchs Haus, der ab Mitte/Ende des Jahrzehnts die gesamte westliche Welt in Aufruhr brachte. Wen wundert es, immerhin wurde der Film bereits 1962 produziert (aber erst 1964 in die Kinos gebracht). Behaglicher Schrecken aus der Knuffelkiste, sinnlicher Höhepunkt in Form dämonischer Auswüchse gegen Ende, staubige Muffigkeit der (oft) biederen fünfziger Jahre auf dem Rückzug. Nach 79 Minuten kurzweiligen Minuten endet der Streifen, Leerlauf ist nicht auszumachen.

    Koch Media präsentiert "Der Satan mit den langen Wimpern" im Rahmen der "Hammer Edition" (bitte nicht mit der gleichnamigen Reihe aus dem Hause Anolis verwechseln). Titel des Labels erfreuen fast immer mit gelungenen Scheiben, die DVD zu diesem kleinen Schätzchen von Hammer bildet keine Ausnahme. Schöne Qualität des Films, der Bonusbereich bietet einen Trailer samt Bildergalerie an, abgerundet wird das Set durch ein beiligendes Booklet, obendrauf gibt es einen schicken Schuber.

    6,5/10 - Vielleicht eine geizige Bewertung. Indessen hat das Genre so unglaublich viele Meisterwerke und Überflieger zu bieten, mehr Punkte kann ich mir in diesem Rahmen nicht abringen. Bitte beachtet, diese 6,5/10 sind ein kleines Schwergewicht mit Wohlfühlgarantie!

    Lieblingszitat:

    "Wissen wir wo ein Traum aufhört und die Wirklichkeit beginnt?"

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum29.10.2012 22:51
    Foren-Beitrag von Blap im Thema "Derrick" oder: das andere Konzept

    Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


    Derrick - Collector's Box 10 (Folgen 136-150)

    Folge 137 - Naujocks trauriges Ende (Deutschland 1986)

    Der Knall nach dem Bums

    Alfred Naujocks wird unmittelbar nach dem Verlassen eines Gebäudes erschossen, der Täter entkommt unerkannt in der Nacht. Offensichtlich nutzte das Opfer die Wohnung eines Bekannten als Liebesnest, Naujocks weibliche Begleitung ergriff nach den Schüssen auf ihren Lover die Flucht, ihre Identität bleibt zunächst ungeklärt. Schnell ist der tatsächliche Wohnungseigentümer Bertram Tass (Karl-Heinz Vosgerau) ermittelt, welcher ohne Umschweife entsprechende Vermutungen bestätigt. Auch Tass sucht die Räumlichkeiten nur zwecks eindringlicher Unterhaltungen mit jungen Damen auf, er wohnt mit seinen Stiefkindern Walter (Sascha Hehn) und Martina (Sissy Höfferer) unter einem Dach. Ferner lebt die kränkliche Großmutter der Geschwister im Haus, Frau Anders (Susi Nicoletti) und Walter sind Bertram Tass nicht sonderlich zugetan, Martina jedoch umso mehr. Derrick und Klein überbringen der Witwe des Getöteten die traurige Nachricht. Für Else Naujocks (Louise Martini) waren die Seitensprünge ihres Gatten kein Geheimnis, sie reagiert mit einer Mischung aus Bitterkeit, Zorn und unterschwelliger Hysterie auf die Todesmitteilung. Immerhin spielt ein glücklicher Zufall den Ermittlern in die Hände, ein Portraitmaler (Balduin Baas) fuhr kurz vor dem Mord mit dem späteren Opfer und dessen Begleiterim im Aufzug, er kann eine sehr genaue Zeichung der jungen Dame abliefern. Frau Naujocks erkennt das Mädchen sofort, auf dem Bild ist Anita Schuler (Bettina Redlich) zu sehen, interessanterweise die Tochter von Naujocks Chauffeur (Friedrich Georg Beckhaus) ...

    Wie üblich liefern die Damen und Herren vor der Kamera solide Leistungen ab. Das Drehbuch gewährt einzelnen Figuren jedoch (zu) wenig Raum zur Entfaltung, so bleiben die Charaktere überwiegend schablonenartig und lassen mich eher unberührt zurück. Louise Martini gelingt es dieses Strickmuster zumindest im Ansatz aufzubrechen, in kleineren Nebenrollen gefallen Balduin Bass und der gewohnt urige Dirk Dautzenberg als schrulliger Hausangestellter. Karl-Heinz Vosgerau, Sascha Hehn und Sissy Höfferer werden kaum gefordert, Bettina Redlich darf sich in der Disziplin "Nachwuchszicke mit Nervensägenpotential" üben. In dieser vorherrschenden Mittelprächtigkeit lastet mehr Verantwortung auf den Helden der Reihe, Horst Tappert und Fritz Wepper tragen diese Last mit gewohnter Klasse und Cleverness, Dauersklave Berger (Willy Schäfer) ist für seine Verhältnisse ein wenig häufiger zu sehen.

    Autor Herbert Reinecker hat viele unterhaltsame Geschichten erdacht, "Naujocks trauriges Ende" bleibt weit hinter seinen Bestleistungen zurück. Nicht nur die Mehrheit der relevanten Charaktere bleibt flach, auch deren Beziehungen zueinander wirken mühsam konstruiert, nahezu seltsam krampfig. Regisseur Alfred Vohrer fehlt in der späten Phase seiner Karriere der Biss, die herrliche Flapsigkeit seiner Arbeiten aus den sechziger und siebziger Jahren. Leider verstarb Vohrer Anfang Februar 1986, wir haben es hier also mit einer seiner letzten Inszenierungen zu tun (1985 produziert, im Januar 1986 erstmalig ausgestrahlt). Eberhard Schoener sorgt für ansprechende Musikuntermalung, sein Beitrag gehört zu den Stärken dieser Episode. Stephan Derrick und Harry Klein erbringen seit 1974 nicht nur die nötigen Beweise um zahlreiche Straftäter zu überführen, darüber hinaus sind Horst Tappert und Fritz Wepper unantastbare Institutionen, bei Bedarf verhelfen sie schwächelnden Drehbüchern durch ihre schiere Präzenz zum angenehmen Unterhaltungswert. Kein Höhepunkt der deutschen Fernsehgeschichte, für den Fan dennoch Befriedigung der Sucht.

    6/10 (obere Mittelklasse)

  • Einer von uns beiden (1973/74)Datum29.10.2012 10:24
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Einer von uns beiden (1973/74)

    Hm, der Eintrag stammt von 2010, der Text ist allerdings deutlich älter. Folglich muss ich damals noch irgendwo das "Originalposting" gefunden haben. Wie dem auch sei, der Streifen sollte keinem Freund des einheimischen Kinos entgehen!

  • Einer von uns beiden (1973/74)Datum28.10.2012 20:27
    Foren-Beitrag von Blap im Thema Einer von uns beiden (1973/74)

    Die wird es nicht geben. Ich hatte vor Jahren wenige Zeilen getippt, die allerdings in den Tiefen des Netzes verschollen sind. Macht aber nichts, denn Dein Beitrag sollte jeden Filmfreund neugierig auf diesen starken Streifen machen.

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